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THE POLICE - Everyone stares: The Police inside out (DVD)

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Artist THE POLICE
Title Everyone stares: The Police inside out (DVD)
Label HIP-O RECORDS
Veröffentlichung 27.10.2006
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

1978 kaufte sich der damals 26-jährige Stewart Copeland von seinen ersten Ersparnissen eine Super-8-Kamera, wie sie zu der Zeit auch bereits mein Vater besaß, um peinliche Impressionen seiner jungen Familie festzuhalten. Diese führen zum Glück nur im intimen Kreis zu alljährlicher Belustigung. Stewart Copeland jedoch war seinerzeit Drummer der aufstrebenden Band THE POLICE und so sind seine Aufnahmen, die nun unter dem Titel „Everyone stares – The Police inside out“ als DVD erschienen sind, eine musikhistorische Rarität, denn man sieht -wohl einmalig- den Aufstieg der Band nicht aus der Perspektive eines Kamerateams, sondern (wie der Titel ja sagt) aus der eines Protagonisten und das lange vor einer Zeit, in der jeder sein Fotohandy im Anschlag hat.

1978 waren THE POLICE bereits im zweiten Jahr als Band unterwegs, Henry Padovani an der Gitarre war schon durch Andy Summers ersetzt, und so werden die Gründungstage im Zeitraffer und anhand von Bildern erzählt, ehe es mit ersten Aufnahmen von Copeland losgeht. Man versteht sich als Mitglied der aufkeimenden New-Wave-Bewegung, was man nicht zuletzt durch fetzige Kurzhaarfrisuren dokumentiert. Die ersten Kapitel zeigen die Briten unterwegs in Amerika, „on the road“ mit kleinem Gepäck, in billigen Hotels. Die Drei tingelt in einem Auto von Club zu Club, geben Autogrammstunden, lassen sich von Lokalsendern interviewen.

1979 wird man als „next big thing“ gehandelt, erste Pressekonferenzen folgen. Zwischendurch sieht man Band und Crew bei kleinen Späßchen (von denen es noch mehr unter der Rubrik „Extras“ zu entdecken gibt), Gitarrist Andy Summers spielt gerne mal mit etwas Mikro-ähnlichem in der Hand den Moderator, außerdem testet Stewart Copeland auch die technischen Möglichkeiten der Kamera aus, macht aus Einzelbildern im Zeitraffer nette Gimmicks wie „sich von selbst bewegende“ Hotelmöbel und zeichnet von einem Stativ aus Live-Gigs aus Drummer-Perspektive mit. Die Band ist auf großen Festivals angelangt, gehört jedoch noch ins Aufwärmprogramm und muss sich im Tageslicht ihre Sporen verdienen.

1980 sieht das schon anders aus, die Fanschar wächst, die Crew auch und vieles wird den Jungs schon abgenommen, die sich mittlerweile nach einem Konzert voller Mühe ihren Weg zum Auto bahnen. Erste Groupies in grausamen Fönfrisuren säumen den Weg und werden sich heute sicherlich von ihren Kindern die Frage „Mama, warum siehst denn Du da so bescheuert aus?“ gefallen lassen müssen. Da sich die Sympathien sehr auf STING konzentrieren, kann Copeland den aufkommenden Hype sehr unbehelligt dokumentieren. Der Zuschauer bekommt Eindrücke zur Entstehung des dritten Albums „Zenyatta Mondatta“, man sieht der Band beim Jammen und beim Videodreh zu, die nun als Headliner unterwegs ist in einem Nightliner der ersten Generation. Amüsiert betrachtet man kleine Details, die den damaligen Stand der Technik darstellen, wie Kopfhörer in der Größe von Mickymouse-Ohren, herumliegende Cassetten, Walkie-Talkies so groß wie Schuhkartons und im Hintergrund der ultimative Flipper. THE POLICE brechen alle Rekorde, sahnen Preise ohne Ende ab und Mr. Copeland kommentiert: „Nun sind wir Rockstars.“

Es laufen immer hübschere Mädels durchs Bild, man ist mit eigener Bühne unterwegs, hat für alles seinen Buddy und reist diesmal im eignen Jet an. Doch 1981 schleichen sich die ersten Dissonanzen ein. „Wann habe ich das letzte Mal selbst am Steuer gesessen?“ fragt sich Copeland, der sich wie in einer Blase fühlt, ausgeschlossen von der Realität hinter der Autoscheibe. Die Ansprüche steigen, man krittelt mehr aneinander rum, geht sich auf die Nerven, wird einsamer trotz all der Leute um einen herum. Die Jungs verordnen sich mehr Gelassenheit, touren u.a. durch Brasilien, Mexiko und Griechenland und so beinhalten die letzten Kapitel Reiseimpressionen, ehe einem mit einer Helikopterfahrt über ein gigantisches Festivalgelände in Australien noch einmal klar wird, wie erfolgreich THE POLICE zu dieser Zeit waren. Am Ende sieht man alle Unmengen von Dollarnoten zählen, aber der Kommentar von Stewart Copeland lässt keinen Zweifel aufkommen, dass dies nicht der Inbegriff für Lebensglück ist und so findet die Police-Ära ohne eine offizielle Auflösung Mitte der 80er-Jahre ein Ende.

Über 50 Stunden Filmmaterial hat Copeland in diesen Jahren gesammelt und, da Super 8-Filme mit jedem Abspielen an Qualität verlieren, zur Seite gepackt und irgendwann vergessen. Dank neuester Digitaltechnik hat er sie nun in eigener Regie zu einem kurzweiligen 75-minütigen Zeitzeugnis zusammengestellt, untermalt von Police Klassikern wie „Roxette“, „So lonely“ , „Don’t stand so close to me“ oder „Message in a bootle“, ergänzt um rare oder bislang unveröffentlichte Live-Aufnahmen. Ein Muss für jeden mitergrauten Fan, für jeden, für den bestimmte Police-Songs (wie bei mir) zur Pubertät gehörten und zeitgleich mit dem erste Sangriaschwipps und Liebeskummer assoziiert werden, aber auch für alle musikinteressierten Spätergeborenen!

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