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THE POPS - Dobrze

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The-Pops-Dobrze.jpg
Artist THE POPS
Title Dobrze
Homepage THE POPS
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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6.8/10 (19 Bewertungen)

THE POPS – noch nie gehört? Vielleicht nicht bewusst, aber hinter den POPS verbirgt sich die polnische Musikerfamilie Popolski, deren Großvater Piotrek praktisch die Popmusik erfunden hat. Dummerweise haben die gutgläubigen Polen sämtliche Rechte an ihren Kompositionen 1974 an den windigen Gebrauchtwagenhändler Olek Priszczewinski verkauft, so dass bislang die Welt nichts vom Schaffen der kreativen Polen wusste. Widrige Umstände haben die Nachfahren des Schreibers von mehr als 128.000 Top Ten Hits nach Deutschland verschlagen. Nach Umwegen durch die Fußgängerzonen des Ruhrgebietes fanden die Poposkis den Weg ins Tonstudio, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Den Anfang machen elf Songs der POPS, die endlich ihr wahres Gesicht zeigen dürfen. Was bei GLORIA ESTEFAN als Latino-Pop daherkommt, ist bei der Popolski-Sippe eine jazzige Pop-Perle. Während SARAH CONNOR mit ihrem jauligen „From Sarah With Love“ nur nervt, bestechen bei den Pops die Bläsersätze und der Bossa Nova-Sound. ANASTACIA ist mit „I’m Outta Love“ durchaus eine ordentliche Variation des POPS-Song gelungen, das Polka-Original ist jedoch ungleich schmissiger. Was Soul-Katastrophe AYMAN dem Titel „Mein Stern“ angetan hat, wird überdeutlich, hat man erst einmal den lasziven Tango der Urheber gehört. Natürlich haben gerade Retortenbands wie die NO ANGELS bei den Popolskis geklaut, aber an deren coolen Bar-Sound sind die Mädels nie herangekommen. Wenn die BACKSTREET BOYS ins Mikro „Show Me The Meaning of Being Lonely“ jammern, weiß man, was man an der Dixie-Vorlage hat. In Fachkreisen heißt es nicht ohne Grund „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits in Polen“. Doch nur die POPS bringen auch die wahre Größe ihrer Songs zur Geltung. Bestes Beispiel ist „Win the Race“, dessen Klasse nur Cousine Dorota Popolski zum Ausdruck bringen kann. Was bei ATC schnelllebiger und austauschbarer Pop ist, hat bei den Popolskis Gewicht und Nachhaltigkeit. Glücklicherweise ist auch dieser Titel in seiner ursprünglichen, angejazzten Fassung endlich auf CD gepresst worden. Ein ähnliches Kaliber ist „Großer Bruder“, das der blinde Keyboarder Danusz für seinen älteren Bruder Pavel (Drums) geschrieben hat und das Slatko & Jürgen im „Big Brother“-Container zum Opfer gefallen ist. Während mir bei ALCAZARs „Crying At The Disotheque“ tatsächlich Tränen ob der Einfallslosigkeit der Interpretation kommen, garantiert das große Orchester und der zweistimmige Gesang der POPS-Vorlage eine Ganzkörper-Gänsehaut. Das vorerst letzte Zeugnis ihres Schaffens auf „Dobrze“ ist „Hit Me Baby One More Time“. Wer weiß, wann BRITNEY SPEARS sich wieder an das Stück wagt, die Gute muss ja erst mal ihre Scheidung hinter sich bringen, so lange lassen wir uns von der minimalistischen Klaviervariation der musikalischen Genies aus dem Ostblock verzaubern.

Nicht ohne Grund werden die Popolski-Brüder Pavel, Danusz, Mirek (Gitarre) und Janusz (Bass) in einem Zuge mit den JACKSON FIVE, den Gibb-Brüdern (THE BEE GEES) und der Familie Bach genannt. Viel zu lange lagen ihre Talente im Verborgenen, jetzt endlich dürfen wir teilhaben an ihren ursprünglichen Werken. Ein besonderer Genuss sind ihre Live-Auftritte, bei denen sie von weiteren Mitgliedern des Popolski-Clans begleitet werden. Aus sicherer Quelle weiß ich außerdem, dass bereits an einem Nachfolger des Debüt-Albums gearbeitet wird.

P.S. Und wer glaubt, die Scheibe sei eine einzige Verarsche: Hier waren wirklich gute Musiker zu Werke, die den bekannten Hits neues, abwechslungsreiches Leben eingehaucht haben und live eine grandiose Comedy-Show abliefern!

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