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THE PROJECT HATE MCMXCIX - Bleeding the new Apocalypse (cum vitriciis in minibus armis)

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Artist THE PROJECT HATE MCMXCIX
Title Bleeding the new Apocalypse (cum vitriciis in minibus armis)
Homepage THE PROJECT HATE MCMXCIX
Label SEASON OF MIST
Leserbewertung
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10.0/10 (4 Bewertungen)

Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben im Musikjournalismus, als sich dem Stil dieser durchgeknallten Schweden zu nähern, diesen gar präzise und gut zu beschreiben. Ebenso gibt es leichtere Aufgaben, als die Rezension eines ihrer Alben. Soll man etwas zu einer AC/DC Scheibe sagen, kann man sich die Songs drei Mal anhören und im Anschluss sagen: rockt! Oder auch: rockt nicht (mehr). Hier jedoch gilt eine andere Hausnummer: nach sechs Songs ist eine Spieldauer von mehr als 60 Minuten vergangen und der geneigte Hörer zunächst einmal geplättet. Was ist nun anzufangen mit der Band?

Schnell noch einmal gehört, es bilden sich erste Ideen, erste Vergleichspunkte und stilistische Einordnungen. Leicht ist die Basis dieses Gemisches zu identifizieren. Es ist harter schwedischer Death Metal, nahezu immer in mittleren Temporegionen. Diese Basis unterlegt jedoch so viele weitere Inhalte, dass sie phasenweise fast verschwindet. Es sind zu nennen: lange, getragene Passagen, die durch starken, dominanten und klaren weiblichen Gesang veredelt werden, elektrische Einsprengsel, progressive Zwischenspiele mit PINK FLOYD Gedächtnis Touch, modernes Riffing, wie es am ehesten mit SLIPKNOT zu vergleichen ist, und und und… Je öfter ich dieses Album höre und je länger ich darüber nachdenke, um so mehr scheinen mir OPETH die beste Vergleichsmöglichkeit zu sein. Zwar klingen die Bands doch recht unterschiedlich, es gibt aber starke Parallelen. So ist auch bei OPETH harter schwedischer Death Metal in Verbindung mit Wechselgesang (also Grunz/ Klar) die Basis des kreativen Schaffens. Die wichtigere Parallele scheint mir aber in der Herangehensweise, also dem musikalischen Konzept zu liegen. So betont der OPETH Mastermind Mikael Akerfeldt in Interviews gelegentlich, dass er sich von sogenannter songorientierter Musik mehr und mehr löse. Schon in der Presseinfo beschreiben THE PROJECT HATE MCMXCIX ihre Stücke als Symphonien und eben nicht als Songs.

Mit diesem Ansatz macht man sich in der Metal Szene nicht ganz so viele Freunde. Trotz des wachsenden Erfolges einer Band wie die genannten OPETH: wer regelmäßig zu den Jahreswechseln schaut, welche Metalbands bei den Fans am besten ankommen, sieht dort alte Schlachtschiffe wie AC/DC, IRON MAIDEN oder METALLICA ganz vorne. Maliziös könnte man formulieren, dass der gemeine Metaller es mit Veränderungen nicht so sehr hat. Dies gilt für die Bands wie für die Musik. Auch OPETH tragen dem klammheimlich (oder auch gar nicht so heimlich) Rechnung und legen noch Wert auf nachvollziehbare Songeinheiten. Jetzt haben wir hier eine Combo, die den Abschied vom klassischen Stück noch radikaler vollzieht. Offensichtlich wollen sie es niemandem so richtig leicht machen. Eine Beurteilung, ob das jetzt ein Geniestreich oder kompositorisches Unvermögen ist, will ich Euch hier gar nicht abnehmen. Todesmetaller auf der Suche nach neuen Horizonten sollten definitiv reinhören, Anhänger härteren Prog Stoffs könnten es auch gut versuchen. Für andere Zielgruppen sehe ich leider pechschwarz, eher scheinen mir die Schweden auch mit dem siebten Studioalbum zwischen vielen Stühlen zu sitzen.

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