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THE ROLLING STONES - Some Girls (Re-Release) (2-CD)

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Artist THE ROLLING STONES
Title Some Girls (Re-Release) (2-CD)
Homepage THE ROLLING STONES
Label A&M RECORDS
Leserbewertung
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5.0/10 (1 Bewertungen)

„Some Girls“ war nie mein Lieblingsalbum der STONES. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit Songs à la „Gimme Shelter“ oder „Sympathy For The Devil“ im Kopf die Platte zum ersten Mal auflegte und beim funkigen Disco-Groove von „Miss You“ schlucken musste. Nicht nur, dass die STONES in dieser Zeit mit einer aufwändigen Bühnenshow durch die Lande reisten, die mehr nach Las Vegas als nach Rock’n’Roll roch, nein, sie kamen auch noch mit Falsettgesang und pumpendem Disco-Bass. Verräter.

In den letzten dreißig Jahren habe ich die Platte dann nicht mehr angefasst, und von daher ist angesichts der Wiederveröffentlichung erst mal Erinnerungskorrektur angesagt. Schon „When The Whip Comes Down“, der zweite Track, ist schließlich doch ein „richtiger“ STONES-Titel ohne Anbiederung an damalige Trends, und auch „Imagination“ geht in dieselbe Richtung, wenngleich er nicht ganz so überzeugend ausfällt. „Some Girls“ wiederum ist schon eine typische STONES-Nummer und bietet ein paar großartige Gitarrenläufe, aber Jaggers manierierter Gesang ist heute beinahe noch schwerer hinzunehmen als damals. Mit „Lies“ und „Respectable“ zieht dann das Tempo allerdings wieder an, und es wird wieder mehr gerockt. Man hört der Platte allerdings an, dass die STONES damals nicht ihre beste Phase hatten – Keith Richards musste wegen Drogenbesitzes eine längere Haftstrafe fürchten, mit Ron Wood war ein neuer Gitarrist an Bord und die ganze Musikszene war dank Punk und Disco im Umbruch. Entsprechend probierten die STONES sich aus, ob mit Funk, den LOU-REED-Anleihen von „Shattered“ oder der Country-Nummer „Far Away Eyes“. Heute würde ich die Platte allerdings weniger wegen den Experimenten mit verschiedenen Stilrichtungen kritisieren, als vielmehr wegen der insgesamt wenig überzeugenden Songs. Was eigentlich in „Beast Of Burden“ steckt, arbeitete BETTE MIDLER in ihrer Coverversion später überzeugend heraus, aber selbst dieser eigentlich wirklich gute Song bleibt hier blass.

Nun kommt aber ja die remasterte Neuauflage mit einer Bonus-CD, und an den Songs hätte ich möglicherweise damals schon mehr Spaß gehabt: „So Young“ hat einen großartigen Rock-Groove, und Jagger singt völlig ungekünstelt; hier hat man das Gefühl, eine eingespielte Crew im Proberaum zu beobachten, die ohne Gedanken an kommerzielle Verwertbarkeit oder Weiterentwicklungszwang einfach das tut, was sie am liebsten macht. Das ist umso erstaunlicher, als die zwölf bisher unveröffentlichten Songs teilweise erst kürzlich fertiggestellt wurden, unter anderem aus Demoaufnahmen ohne Gesang, den Jagger erst jetzt beisteuerte. Schön wäre es gewesen, im Booklet etwas mehr über diese neuen Titel zu erfahren – die Liner-Notes von Anthony de Curtis beziehen sich leider nur auf das ursprüngliche Material.

Dabei ist hier noch eine Menge zu entdecken, nicht zuletzt mit „We Had It All“ ein Titel, auf dem Keith Richards sich als richtiggehend einfühlsamer Sänger präsentiert. „Talahassee Lassie“ hat man schon mal mit mehr Druck und Energie gehört, aber der „Keep Up Blues“ ist klassisches STONES-Material, und „When You’re Gone“ führt mit seiner harten Mundharmonika und dem ruppigen Rhythmus direkt zu den Tagen des „Little Red Rooster“ zurück. Wahrhaftig großartige Überflieger sind auch hier Fehlanzeige, aber diese Bonus-CD birgt auf alle Fälle jede Menge klassischen STONES-Sound und ist eine schöne Ergänzung zum Original-Album.

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