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THIS BLEEDING SOUL - Avalanche

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Artist THIS BLEEDING SOUL
Title Avalanche
Homepage THIS BLEEDING SOUL
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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6.5/10 (38 Bewertungen)

Ob gesigned oder nicht, die eindeutige Mehrheit der Metalcore-Neulinge bringt es schon mit den ersten Veröffentlichungen auf erstaunliche Produktionsleistungen. THIS BLEEDING SOUL fallen im sechsten Jahr ihres Bestehens wohl nur noch bedingt in diese Rubrik, doch tatsächlich steht den Köngenern erst jetzt das erste Medium in voller Länge ins Haus. Eine lange Warteschleife gilt es nach gerade einmal zwei EPs zu kompensieren, und so durfte das Budget durchaus mal etwas tiefer im Geldbeutel löffeln. So geschah es, dass „Avalanche“ alle Instanzen des Fertigstellungsprozesses in den Chemical Burn-Studios des berüchtigten HEAVEN SHALL BURN-Gitarristen Alexander Dietz durchlief und das gefertigte Endprodukt dem modernen Krach, der seine Ähnlichkeit mit der hauseigenen Band des Co-Produzenten jetzt wohl kaum noch verleugnen kann, eine durchaus passende Ausgestaltung verpasst.

Nicht zu over-the-top, aber transparent genug und drückend ohne Ende bewährt sich die Debütanten-Qualität alsbald nach kurzem Intro, wenn „Seek and you will find“ einsteigend aus den Boxen prasselt. Es ist kaum ein Zufall, dass NEAERA in ihrer corelastigen Debütanten-Phase ähnlich tönten, wenngleich diese die qualitative Nase noch ein Stück weiter Voraus hatten. Der Dietzsche Einfluss rentiert sich eindeutig über die Produktion hinaus, beschreibt aber nicht das absolute Spektrum dessen, was hier an Radau geboten wird. Schon das zweite Nümmerchen, „Reviving paradise“ namentlich, zündet nach dem zunächst recht eingängig gestalteten Verlauf einen kurzweiligen, aber effektiven Breakdown, der logischerweise noch weiteres Grollen in Form von Pit-Futter nach sich zieht. Im melodischen Gesamtkontext von „Avalanche“ sind es da vor allem PARKWAY DRIVE, an die man sich erinnert fühlt. So greift „Parkway“ die australischen Metalcorer keinesfalls nur namentlich auf, und gefährlich nah dran befindet sich auch das Tapping des zehrenden Rausschmeißers „Avalanche, you’re good to go“, dessen Vorlage wohl eindeutig mit „Smoke ‘em if ya got ‘em“ benannt werden kann. Wieder anderen Quellen hingegen bedienen sich die cleanen Vocals. Sich in diesem Zusammenhang via Pressetext als Screamo-Band zu betiteln, ist jedoch schlichtweg irreführend. Die konzentrierten gutturalen Aussetzer wählen den gegenwärtigen Core-Standard und erobern das Scheinwerferlicht in einer Regelmäßigkeit, die weder wirklich stört noch hemmt, die Aufstellung der Stücke jedoch gleichzeitig stark an dem Wechselgesang-Schema ausrichtet. Das sanfte mit Streichern durchsetzte Interlude „Misery loves company“ profitiert davon wiederum ausnahmslos. Auch hier wird der Dietz den Jungs sicherlich ganz genau über die Schultern gesehen haben. In diesem Entscheidungsdilemma zwischen Sympathie für und Abneigung gegen die cleane Fährte kommt ein kompromisslos technisch brunftender Durchmarsch wie „Mary Bell“ äußerst gelegen, um noch einmal deutlichst zu demonstrieren, dass „Avalanche“ vor allem ein wütendes Teil ist, das in der Hauptsache dank seiner Growls und Schreie, seines Saiten-Gebollers und den dort verwebten Melodie-Fäden von Leben durchflossen wird. Und wenn, etwa im Falle von „The reverse“, der gesungene Refrain diesen pushenden Antrieb beibehält, so darf das zweifelsohne als konstruktiver Pluspunkt gewertet werden.

Einfach wird es sicherlich nicht für THIS BLEEDING SOUL, sich mit ihrem Metalcore-lastigen Debüt die Gunst der erweiterten Hörerschaft zu erspielen. Doch mit ihrer kraftvollen Manier, die an die deutschen Modern Death-Recken erinnert, ohne deren bloßes Spiegelbild sein zu wollen, ziehen sie auch keineswegs unvorbereitet über’n Berg. Vielleicht ja auch in Bälde nach Übersee? Das Potenzial dazu kann ihnen wohl kaum einfach so abgestritten werden. Ein ordentlicher Einstand.

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