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THOMAS WIND - Guitar Men – The Darkest Secret of Rock’n Roll (DVD)

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Artist THOMAS WIND
Title Guitar Men – The Darkest Secret of Rock’n Roll (DVD)
Homepage THOMAS WIND
Label MEDIA TARGET GMBH
Leserbewertung
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7.9/10 (7 Bewertungen)

„MacGuffin ist der von Alfred Hitchcock geprägte Begriff für mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein. Vor allem in Kriminalfilmen und Thrillern ist der MacGuffin neben dem klassischen Whodunit ein verbreitetes Mittel, um Spannung über die gesamte Filmhandlung hinweg aufrechtzuerhalten. Ein typischer MacGuffin ist z. B. ein Dokument mit einer Geheimformel, kompromittierenden Informationen oder illegalen Abmachungen, das in die Hände eines mehr oder weniger Unbeteiligten gerät, genauso gut kann es eine Tasche mit der Beute eines Bankraubs sein – für die Filmhandlung ist der Inhalt des Dokuments oder das Geld in der Tasche von untergeordneter Bedeutung, sie konzentriert sich auf die Jäger-Beute-Konstellation, die der Besitzerwechsel nach sich zieht und die daraus folgenden dramatischen Situationen von Verfolgung und Flucht, bei denen der Zuschauer sich mit dem Gejagten identifiziert.

In einer 1939 gehaltenen Rede an der Columbia-Universität definierte Hitchcock den MacGuffin mit folgender Anekdote, die dessen Beliebigkeit verdeutlicht:
„Es könnte ein schottischer Name sein aus einer Geschichte über zwei Männer, die Zug fahren. Der eine Mann fragt: ‚Was ist das für ein Päckchen in der Gepäckablage?‘. ‚Nun‘, sagt der andere Mann, ‚das ist ein MacGuffin.‘ ‚Was ist ein MacGuffin?‘ ‚Ein MacGuffin ist ein Apparat, um im Schottischen Hochland Löwen zu fangen.‘ ‚Aber im Schottischen Hochland gibt es doch gar keine Löwen.‘ ‚Nun, dann ist es eben auch kein MacGuffin.‘ Sehen Sie, ein MacGuffin ist gar nichts.““
(Zitat aus Wikipedia)

Um so einen MacGuffin geht es auch in dem vorliegenden Werk des Regisseurs Thomas Wind, der seit 16 Jahren auch als Kameramann für Film- und Fernsehproduktionen tätig ist und sich daneben seine Zuneigung zum Underground und abseitigen Film bewahrt hat. 1992 präsentierte er erstmals als Regisseur den Funsplatter “Mutantenterror”. 1995 folgte “Berlin Snuff – Strassen der Gewalt”.
Der Film lief auf etlichen internationalen Fantasy-Filmfestivals in Deutschland, England und auch in Argentinien. Kultstatus erlangte der Streifen, als er endlich als Leih- und Kaufcassette in Italien und anderen europäischen Ländern erhältlich war. Killing Pictures, eine kleine innovative Berliner Filmproduktion (bisher verantwortlich für Kurzfilme und Musikclips), veröffentlicht mit dieser Perle nun Ihren ersten längeren Spielfilm.

Anfangs glaubt der geneigte Zuschauer, es gehe allen nur um eine Gitarre, jedoch schlummert das Geheimnis im Inneren. Im Verlaufe der recht zügig voranschreitenden Handlung bekriegen sich Ninjas, die Stasi, der russische Geheimdienst, diverse Zuhälter, eine ehemalige Mossad-Agentin (U. Rabbit im leckeren Lack- und Lederoutfit) und „vatikananische“ Killerkommandos, um das Objekt der Begierde. Wie wir aus dem Vorspann erfahren, handelt es sich um eine von den Nazis in den letzten Kriegstagen entwickelte Superwaffe, gegen die die Atombombe wie ein Ziselmännchen wirken soll(!).

Das klingt schräg? Ist es auch und genauso gewollt. Die Intention der Macher war eine Hommage an die Exploitation- und Grindhousefilme der 60er- bis 80er-Jahre, was ihnen auch geglückt ist. Regisseure wie Roger Corman („Bloody Mama“, „Die wilden Engel“…) oder Ted V. Mikels („Das Kommando der Frauen“, „Die Leichenmühle“…) und andere B- und C-Movie-Veteranen standen sichtbar Pate für diesen Streifen (was in den Pressetexten auch betont wird). Aus Versatzstücken des mediterranen Gangster- und Kriminalfilms zusammengesetzt, spielt der Film mit Einflüssen bekannter amerikanischer Thriller wie z.B. “Die Killer-Elite”. Das Ganze wurde dann mit einer Portion realer und fiktiver deutscher Geschichte angereichert und mit Anleihen aus asiatischen Kampfsportfilmen abgeschmeckt. Herausgekommen ist dabei ein sehr bekömmlicher Genre-Mix, der auch mit internationalem Flair (in Form von exotischen Drehorten) spannend und anders geartet daher kommt. Auch Freunde des Italo-Westerns, sowie Rock ’n’ Roll-Junkies werden hier mit einer wahren Fundgrube von Genre-Zitaten bombardiert. An Stelle plump aufgesetzt wirkender Witze entspringt die Komik in diesem Film stets der Handlungsweise und der Situationen, in die sich die hier handelnden Charaktere befinden.

Die Idee dazu entsprang vor ca. 2 Jahren den kreativen Köpfen (Thomas Wind, Werner Bednarz [Postproduction] und Michael Redolfi [Kamera]) der Killing Pictures. Nach entsprechend langer Arbeit an diesem Projekt ist der Film nun endlich fertig und präsentiert sich in bester Tradition seiner Vorbilder mit kleinem Geld und ohne Fördergelder (darauf legen die Macher großen Wert!) aber großem Einfallsreichtum (einige Handlungsstränge werden z.B. in Form von Comic-Strips erklärt, an anderer Stelle verwendete man das stylische Split-Screen-Verfahren, das seine Wirkung noch immer nicht verfehlt). Der Look des Filmes ist auch ein Besonderer: Gefilmt wurde augenscheinlich auf 16mm mit geschulterter Kamera (erkennbar daran, dass die Kamera ständig in Bewegung ist). Auch die Musik trägt ihr Quäntchen dazu, hat man doch auch hier einen Profi bekommen können: Michael Mohr, Kopf der Garage-Kultband THE DEVIL IN MISS JONES, der hier einen äußerst hörenswerten Rock ’n’ Roll geschwängerten 60s Agentenfilm-Soundtrack abgeliefert hat
.
Auf prominente Gesichter aus der deutschen Schauspielerszene wurde bewusst verzichtet, um gar nicht erst den Anschein einer Mainstream Produktion zu erwecken. Es wurde daher ein gehöriges Maß an Zeit in das Casting der Akteure verwendet, um die teilweise wirklich bizarren Charaktere passend mit frischen Gesichtern zu besetzen. So finden sich neben den Darstellern auch Favoriten der Berliner 50s & 60s Musik- und D.J.-Szene (z.B. The Soul of Elvis & Tender Lovin’ Care, Joe Carrera, 4Phase Stereo, Tony Random, Captain Twist, Karel Duba, Johnny No und viele mehr) wieder. Auch für die Herstellung selbst konnten gestandene Profis engagiert werden, die mal in einem zünftigen B-Movie so richtig “die Sau rauslassen” konnten. Lockmittel hierzu war das fertige Drehbuch, welches u.a. die Szenenbildnerin Nicole Heidel („Das Morphus Geheimnis“) oder den Oberbeleuchter Martin Moritz („Knallhart“) überzeugen konnte.

Der Film lief sogar in einigen Berliner Kinos und feiert nun auf DVD seine Premiere. Die Firma Media Target Distribution GmbH präsentiert das Werk auf einer Dual Layer DVD im Bildformat 1,85:1 (anamorph/ 16:9) vollends in Farbe mit deutschem, wie englischem Ton (wahlweise können noch englische Untertitel dazugeschaltet werden). Auch im Bonusbereich können die Macher groß punkten. Hier wird das eigentlich Innovative präsentiert: In Zukunft wird es Mode sein, große Eventfilme nur noch in 3-D dem Publikum zeigen zu wollen (Gründe hierfür sind der stetig wachsende Home-Entertainment Sektor oder die Internet-Piraterie) und genau an diesem Punkt knüpft die hier vorliegende DVD an: Man kann den Film nun auch in 3-D anschauen und sich hierzu der beigelegten 3-D-Brille bedienen. Das war (aus meiner Sicht) mal eine wirklich nette Erfahrung. Zuletzt hatte ich das beim dritten „Spykids“-Film erlebt. Zu der 3-D-Version gesellen sich die obligatorischen Teaser und Trailer, eine Bildergalerie, ein Making of, sowie der Super-8-Kurzfilm “Drei Freunde in Amerika”, der eifrig Lucio Fulcis Grenzerfahrung “Der New York Ripper” zitiert.

Alles in allem ist die ganze DVD (und der Film selbst) eine wirklich runde Sache, die ich jedem interessierten Exploitation-Fan (und denjenigen, die es werden wollen) ans Herz legen kann. Unterstützt die Macher und kauft den Film! Sie haben es verdient!

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