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TIDAL - Abraxas

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Artist TIDAL
Title Abraxas
Homepage TIDAL
Label INCENDIARY RECORDS
Veröffentlichung 25.04.2004
Leserbewertung
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An die Filmfraktion des Terrorverlags: Übernehmen Sie bitte! Am Anfang steht ein Sample und es ist genauso bunt wie verwirrend: “Oh la la! Das ist eine schöne Saloon!“ staunt ein draufgängerischer Cowboy und prostet seiner ausgelassenen Begleitung zu. Während auf dem imaginären Zelluloid die Korken knallen und man sich nach einem suggestiv geraunten „Skoll!“ tief in die Augen schaut, beginnt für den Hörer die Arbeit. Denn so fröhlich und frech sich die Jungs von TIDAL auf den Fotos im Booklet geben, so aneckend und gewöhnungsbedürftig kommt ihr Debüt daher.

Hardcore und Indie-Pop treffen auf „Abraxas“ aufeinander, konfliktieren, opponieren und verschmelzen auch gelegentlich. Im Gegensatz zu den Werken der meisten zumindest ansatzweise ähnlich ausgerichteten Bands liegt die Betonung hier aber weniger auf der seit den frühen 90’ern zum allgemeinen Standard erhobenen Laut/Leise-Variation oder auf rücksichtslosem Geprügel, sondern vielmehr auf dem ständigen Gegensatz zwischen ungeschönten Ausbrüchen hemmungsloser Aggressivität und beinahe kindlicher Schutzlosigkeit. In sofern steht diese Band den bizarren Soundskulpturen der Visionäre TOOL näher als den Vertretern der emotionalen Intelligenz oder Schreihälsen wie HATEBREED und dieser Vergleich geht auch in Hinsicht auf die nicht direkt durchschaubaren, sich nach eigenen Regeln bewegenden Arrangements auf. Nicht jedoch in Hinblick auf die Musik, denn die versammelten Stücke legen den Schwerpunkt weniger auf Heaviness, rhythmische Vertracktheit und kohlenkellerschwarze Finsternis, sondern auf Energiegeladenheit, spritzige Dynamikwechsel und verzweifelten Optimismus – nicht zuletzt lautet die entscheidende Textstelle des Albums „Alles was jetzt passiert, wird die Welt maßgeblich verändern/ Alles was jetzt passiert, liegt in meinen Händen.“ Wäre es doch nur so einfach und wäre doch nur Alles auf „Abraxas“ so unbemüht! An anderer Stelle wird zwischen Deutsch und Englisch auf sehr fragwürdige und zutiefst manieristische Art hin und her geschaltet, ist der Albumtitel natürlich eine Anspielung auf SANTANA, stellt ein Song eine Antwort auf eine philosophische Betrachtung Sartres dar und „singt“ Sänger Boris Mauch grundsätzlich so, als versuche er mit einer Gabel im Po eine Leiter hinaufzusteigen – nachzusehen links unten auf dem Cover, das natürlich, quasi als Bonus, einem bekannten Maler (Bosch) Tribut zollt. Das Beste schließlich, was man zu dem vom Label herbeigequälten Vergleich mit PINK FLOYD sagen könnte, wäre das nachgeahmte Affengekreische auf „Cada Mono en su Gira“ als Verweis auf „Animals“ zu deuten – doch da gab es nur Schweine, Schafe und Hunde!

Auf seltsame sowie spektakuläre Weise wenden sich die Dinge dann aber doch noch zum Guten: Gerade in den beiden episch ausgedehnten Exkursionen „Peacemaker“ und „Das Sein und das Nichts Teil Zwei“, zusammen beinahe zwanzig Minuten lang und ein Quell böser Vorahnungen auf endloses Gefrickel und delektabel-gepflegte Langeweile, sind TIDAL am unprätentiösesten, am gewitzten und am überzeugendsten. Am Ende schwingen nur noch sanft die Gitarrensaiten aus, ebenso zerbrechlich wie verwirrend. Und ist es Zeit für die Musikfraktion den Daumen zu heben.

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Tidal 'Abraxas' Tracklist
1. Timeout deluxe
2. Seifenblasen
3. Apocalypse now!
4. Actor's cut
5. Cada mono en su gira
6. Some time, our time
7. Peacemaker
8. Das Sein und das Nichts (Teil 2)
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