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TIMES OF GRACE - The Hymn Of A Broken Man

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Artist TIMES OF GRACE
Title The Hymn Of A Broken Man
Homepage TIMES OF GRACE
Label ROADRUNNER
Veröffentlichung 17.01.2011
Leserbewertung
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7.8/10 (26 Bewertungen)

„Man trifft sich immer zwei Mal im Leben“ heißt es ja so schön. Nun haben sich KILLSWITCH ENGAGE-Gitarrist Adam Dutkiewicz und Sänger Jesse Leach (ex-SEEMLESS, THE EMPIRE SHALL FALL) selbstverständlich weitaus öfter getroffen, doch dass aus den beiden Freunden erneut Bandkollegen werden würden, haben die meisten wohl eher erträumt als erwartet. Nachdem man gemeinsam das für mich persönlich stärkste KILLSWITCH ENGAGE-Album „Alive or just breathing“ zur Welt brachte, gab Leach seinen Abschied von der Band bekannt und widmete sich anderen (auch musikalischen) Dingen, während Adam noch heute Teil der Band ist und lediglich den Platz am Schlagzeug gegen den an der Gitarre tauschte. Dass man jedoch nie den Kontakt verlor, spricht für die Freundschaft der Beiden und zeigte sich zuletzt am offensichtlichsten im März 2010, als Mr. Leach noch einmal mit seinen alten Bandkollegen einen Gig in New York zockte. Nun, nicht ganz ein Jahr später, musizieren die beiden wieder zusammen; dieses Mal jedoch als TIMES OF GRACE. Als eine Art Selbsttherapie schrieb sich Gitarrist, Drummer, Produzent, Songwriter und Backing Vocalist Adam in den letzten dreieinhalb Jahren einiges von der Seele, holte sich mit Jesse Leach gesangliche und spirituelle Unterstützung und veröffentlicht jetzt mit „The Hymn Of A Broken Man“ ein Album, das alles andere ist als lediglich ein „Alive or just breathing 2“.

„One love, one truth, one destiny“ sind nicht nur mit die ersten Worte, die man auf „The Hymn Of A Broken Man“ zu hören bekommt, sie stehen auch für die unglaubliche Authentizität, die das gesamte Liedgut auf dieser Scheibe verkörpert. Untermalt von militärischen Marschgeräuschen und entsprechendem Getrommel leiten sie den Opener „Strength In Numbers“ ein, den man gleichzeitig auch als ersten Output mit dazugehörigem Video auserkoren hat. Einerseits eine absolut verständliche Entscheidung, da die straighte Nummer extrem nach vorne geht und mit einem kraftvollem Refrain aufwartet, der einem erstmal (zum Glück) nicht mehr aus dem Kopf gehen will – und somit genau seinen Zweck erfüllt. Auf der anderen Seite ist die Komposition zwar durch ihre Qualität, allerdings nicht unbedingt von ihrer Art her für das Album repräsentativ. Mit einfach gestricktem, modernem Metal (auch wenn er gut ist) möchte man sich bei TIMES OF GRACE nicht zufrieden geben – man will noch viel mehr als das! Das zeigt direkt das folgende Stück „Fight for Life“, welches wuchtig und schwer aus den Boxen walzt und eine ziemlich bedrückende Stimmung schafft, die jedoch gemeinsam mit Jesse Leachs Stimme nach und nach aufklart und in einem unfassbar gefühlvollen und erlösenden Refrain mündet. Bereits hier deutet sich die enorme Chemie zwischen Adam D. und Herrn Leach an, deren Stimmen sich ideal ergänzen und deren musikalisches Verständnis eine absolut passende instrumentale Untermalung zu Tage fördert. Deutlich leichtere Kost ist da schon „Willing“, bei dem nicht nur im Bereich der Gitarrenriffs die Verbindung der beiden zu KILLSWITCH ENGAGE auf der Hand liegen. Die Melodiebögen und die Gestaltung lassen erahnen, wie KSE wohl klingen würden, wäre Leach damals nicht ausgestiegen; man stünde wohl keinesfalls schlechter da als mit dem guten Howard Jones. Parallelen zwischen den beiden musikalischen Unternehmungen findet man wenig überraschend an mehreren Stellen, doch genauso wie man diese hier nicht versucht zu leugnen, will man sie provozieren. So bewegt sich „Live in love“ in den Strophen klar Hardcore-lastiger, Leach beweist wie auch die ganze Zeit über, dass er sich beim Shouten auch technisch vor Niemandem zu verstecken braucht und weiß im anschließenden cleanen Refrain absolut zu überzeugen. Was mich persönlich aber mit am meisten freut, ist die Tatsache, dass Adam Dutkiewicz sich ebenfalls regelmäßig singender Weise zu Wort meldet – ein Umstand, den ich bei den neueren KSE-Nummern schmerzlich vermisse und bei „Rose of Sharyn“ und Co. stets sehr mochte. Sicher, er ist nicht gerade der Sänger vor dem Herrn, doch er hat ein Gefühl und eine Wärme in der Stimme, die auch das TIMES OF GRACE-Material ungemein bereichern. Zu Beginn des Knallers „Fall From Grace“ beispielsweise lässt er einen fast schon dahin schmelzen, ehe einen das epochale Meisterwerk durch den Chorus einfach nur überwältigt. Zum weinen schön – auch das kann man bei einer Metal-Scheibe ruhig mal schreiben! Richtig wissen wollen es beide dann bei „The Forgotten One“; einer Ballade mit Akustik-Gitarren, bei der eigentlich nur noch KID ROCK und ein Lagerfeuer fehlen. Hier kommt definitiv der Ami-Stempel drauf, ist aber dennoch ein wirklich schöner Song, der wie das ausgezeichnete Instrumental „In The Arms Of Mercy“ vor allem auch dem Variantenreichtum der Scheibe noch weiter zuträglich ist. Einen von den zahlreichen Höhepunkten dieses Rundlings liefert „Hope Remains“. Aus der Tiefe des kleinen Gitarren-Intros schaufelt sich die fixe Doublebass ihren Weg ans Tageslicht und legt anschließend eine reißende Metalcore-Komposition frei, die derart zündet, als hätte man das Genre nie zu Grunde gerichtet. Klasse Shouts von den beiden Hauptprotagonisten, ein toller klar gesungener Refrain, rücksichtslos donnernde Drums und schönes Riffing, welches in einem himmlischen Gitarrensolo einfließt. All das erzeugt eine unbeschreibliche Tiefe, in die man sich bereitwillig fallen lässt. Atmosphäre ist ohnehin ein wichtiger Bestandteil dieses Silberlings – und „The End Of Eternity“ bietet davon eine ganze Menge. Sehr melancholische gestalten sich die Strophen, zaghaft erklingen Gesang und Gitarren, bis punktuell mal Aggression oder Erleichterung heraus brechen. Jesse Leach liefert dabei stimmlich in Sachen Varianz eine absolut beeindruckende Leistung, während Adam D. songwriterisch hier sein Können glanzvoll darbietet. Überhaupt gibt sich der Alleskönner keinerlei Blöße: auf Seiten der Instrumente sorgt er für tadellose Arbeit, die Gitarren produzieren massig schöne Melodien gepaart mit rasanten Riffpassagen und am Schlagzeug fühlt er sich ja bekanntermaßen genau so wohl, was druckvolle Drum-Arien oder nette Groove-Parts belegen. Ebenfalls als Produzent war er wieder am Werk – und auch wenn mir für diese Rezension „nur“ eine ungemasterte Version zur Verfügung steht, lehne ich mich mit der Voraussage wohl nicht zu weit aus dem Fenster, dass er wieder mal tadellose Arbeit geleistet hat – denn genau das zeichnet sich jetzt schon ab.

Wer behauptet, hierbei handele es sich um einen bloßen KSE-Aufguss, der macht es sich eindeutig zu einfach. Noch mal: natürlich sind Parallelen da, um das zu erkennen, braucht man nun wirklich kein Prophet zu sein. Doch die Glaubwürdigkeit und die selbstgeschaffene Freiheit nutzen Adam Dutkiewicz und Jesse Leach derart hervorragend aus, dass das Hörbare frischer und direkter wirkt. Grandiose Kompositionen wie der Titelsong, „Worlds Apart“ und „Fall From Grace“ sind nur die Speerspitze der insgesamt hervorragend genutzten 53 Minuten Spielzeit, die mich letztendlich auch nach unzähligen Hördurchgängen begeistert zurücklassen. Mit „The Hymn Of A Broken Man“ ist TIMES OF GRACE ein Album gelungen, das eindeutig zeigt, wie schön Musik sein kann – auch wenn (oder weil) „aggressive“ Elemente wie Schreigesang Bestandteil dessen sind. Die Kollaboration zwischen Dutkiewicz und Leach ist – so vor Ohren geführt – schon fast kein erfüllter Wunsch mehr, sondern wird mit diesem Album zu einer Pflicht. Es bleibt zu hoffen, dass der gute Adam noch genug Inspiration für mindestens ein weiteres Werk dieses Projektes hat. Ansonsten darf aber auch gerne wieder gutes KSE-Material her.

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Times of Grace 'The Hymn Of A Broken Man' Tracklist
1. Strength In Numbers Button MP3 bestellen
2. Fight For Life
3. Willing
4. Where The Spirit Leads Me Button MP3 bestellen
5. Until The End Of Days Button MP3 bestellen
6. Live In Love Button MP3 bestellen
7. In The Arms Of Mercy Button MP3 bestellen
8. Hymn Of A Broken Man
9. The Forgotten One Button MP3 bestellen
10. Hope Remains
11. The End Of Eternity Button MP3 bestellen
12. Worlds Apart Button MP3 bestellen
13. Fall From Grace
14. Willing (Acoustic Version) Button MP3 bestellen
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