Terrorverlag > Blog > VARIOUS ARTISTS > Come Together – A Tribute to BRAVO

Band Filter

VARIOUS ARTISTS - Come Together – A Tribute to BRAVO

VN:F [1.9.22_1171]
Various-Artists-Come-Together-Tribute-Bravo.jpg
Artist VARIOUS ARTISTS
Title Come Together – A Tribute to BRAVO
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label UNIVERSAL
Veröffentlichung 29.09.2006
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.0/10 (4 Bewertungen)

50 Jahre BRAVO, 50 Jahre Jugendkultur. Das mag wohl niemand bezweifeln. Manchmal als Untergang des Abendlandes gebrandmarkt, manchmal als Brutstätte der Unsittlichkeit stigmatisiert und doch von den meisten Jugendlichen (vielleicht heimlich unter der Bettdecke?) konsumiert. Wer wissen wollte, ob voreheliche Masturbation zu Pickelbildung führt oder was Frauen an ihren Tagen so tun, musste ganz einfach Dr. Sommers jährlich neu aufgelegten Ratschlägen folgen. Mittlerweile dürfte der gute Herr schon lange in Rente sein und seinen Lebensabend mit der abgenudelten Elke genießen, während eine neue Generation von Sexualabschnittstippgebern den immer jünger immer reifer werdenden Nachwuchs berät. Leider konnte ich an all dem nur selten teilhaben, denn meine Mutter hielt das bunte Heftchen für Teufelswerk und als ich dann alt genug war, ergaunert ich mir lieber das Penthouse an der nächstgelegenen Tankstelle, natürlich die amerikanische Ausgabe. Dennoch blieb mir nicht verborgen, dass mittlerweile der Heavy Metal Einzug ins Blatt hielt, im 2-wöchigen Wechsel mit einer Hip Hop-Doppelseite… Na immerhin! Im Jahre 2006 kränkelt die Auflage ein wenig, dennoch kann man sich rühmen, Europas meistgelesene Jugendzeitschrift zu sein, mit mittlerweile einigen Ablegern wie BRAVO Girl, BRAVO Sport, Auto BRAVO… ne, das waren glaub ich andere. Jedenfalls kam man zum runden Geburtstag auf die interessante Idee, einen musikalischen Tribute auf den Markt zu bringen, bei dem aktuell angesagte Acts Hits aus den begleitenden 50 Jahren Musikgeschichte covern. Dass am Ende hauptsächlich die 80er Jahre dran glauben müssen, stört mich nicht im geringsten, da dort auch meine musikalischen Wurzeln liegen.

Kommen wir zur Auswahl der Interpreten, die jedem ernsthaften Klangforscher die Nackenhaare zu Berge stehen lassen müssten. Hoch lebe die Trashkultur! Da ist doch wirklich fast alles an Rang und Namen vertreten, was keinen Rang und Namen besitzt… oder sagen wir in der anspruchsvollen Journaille nicht gerade gut beleumundet ist. Mit einem Wort: Herrlich! Eine kleine Auswahl gefällig: TOKIO HOTEL, die KILLERPILZE, LAFEE (!), PARIS HILTON (!!), US 5 usw usw… Die Teilnahme solch anerkannter Künstler wie Herbert Grönemeyer und… äh wer war jetzt noch richtig anerkannt? Doch gehen wir die Sache mal im Einzelnen an, manchmal gefällt mir das Original, manchmal der Coverist, manchmal beides oder auch gar nichts.

NENA & DUNCAN TOWNSEND – „Caravan of Love“/ THE HOUSEMARTINS (die allerdings auch nicht die eigentlichen Komponisten sind): Während die Engländer eine interessante A Capella Version am Start hatten, die man sich durchaus geben konnte, wird nun ein weichgespülter Popsong daraus. Leidlich genießbar

REAMONN – „Come Together“/ THE BEATLES: Großes Vorbild, solide Rockumsetzung, die Jungs um Herrn Garvey verstehen entgegen anderslautenden Meinungen ihr Handwerk. Grober Unfug sind allerdings die Liner Notes im Booklet. Die Band wäre nervös gewesen, den Titeltrack für vorliegende Compilation zu schreiben. Dabei erschien dieses Cover bereits 2001! Ganz schön dreiste Fehlinformation…

TOKIO HOTEL – „Instant Karma“/ JOHN LENNON: Nett, den Billy Boy mal auf englisch zu hören. Auch eine anspruchsvolle Songauswahl, Mitproduzent David Jost. Aber so richtig aus den Puschen kommt das Stück nicht, leider eine recht biedere Neuauflage.

THE RASMUS – „S.O.S.“/ ABBA: He, ich liebe ABBA und Agnetha war meine erste große Liebe! Die skandinavischen Goth Federboas sind auch nicht unbedingt schlecht zu nennen, die Umsetzung fällt ruhig melancholisch aus, ein wenig mehr Pepp hätte dem ganzen auch nicht schlecht gestanden. Übrigens liebt sogar UNLEASHED Fronter Johnny ABBA, da lässt sich einfach nix Schlechtes sagen.

SILBERMOND – „Blaue Augen“/ IDEAL: Na na, fast ein Sakrileg, wenn so eine Underground Perle (relativ gesehen) von den Bautzenern adaptiert wird. Im Refrain fetzt das Teil ganz nett, hätte man aber noch viel rotziger bringen können. Und der kleine Joke am Anfang ist eher grenzwertig. Ich erinnere an die großartige BLÜMCHEN Coverversion des selben Originals vor einigen Jahren. Auch witzig der Hinweis im Heftchen, dass Berlin Anfang der 80er noch geteilt war. Sagt wohl was über das Alter der Zielgruppe aus…

KILLERPILZE – „Skandal im Sperrbezirk“/ SPIDER MURPHY GANG: Mal abgesehen davon, dass die Killerkinder noch gar nicht in den Sperrbezirk dürfen, habe ich das Original schon nicht gemocht. Allein dieser bajuwarische Akzent. Allerdings intonieren die Nachwuchspunks ziemlich hochdeutsch und haben ne coole Bridge am Start. Durchaus gelungen!

SASHA – „Wouldn’t it be good“/ NIK KERSHAW: Abgesehen davon, dass er eine wunderbare Freundin hat, ist SASHA auch bei „höherwertigen“ Kritikern mittlerweile etabliert. Das Original von NIK KERSHAW war und ist ein toller 80er Hit mit schönem Video. SASHA nimmt gar nicht so viele Veränderungen vor und trägt im Grunde einen zeitlos gelungenen Pop Song mit leicht melancholischem Unterton vor. Fein

JOANA ZIMMER – „Bright Eyes“/ ART GARFUNKEL: Endlich mal eine ältere Perle, zu der so manche 70ies Dame im Fond irgendeines Autos ihre Unschuld verlor. Natürlich ein absoluter Klassiker und Frau ZIMMER besitzt zweifellos ein tolles Organ, aber ihre pompös-orchestrale Umstrukturierung wirkt auf mich seelenlos und kalt, wenngleich nicht richtig misslungen.

JEANETTE – „Like A Virgin“/ MADONNA: Aha, die deutsche covert die Original MADONNA (hust). Man kann ja über Frau Biedermann denken, was man will, aber sie hat sich ihre Nische geschaffen, wenngleich sie jedem Trend hinterher springt, der gerade angesagt ist. Leider hat sie „LAV“ keine Rockgitarren verpasst, ganz im Gegenteil wurde ein Swing-Stück daraus, kompetent aber nicht mein Genre.

US 5 – „Club Tropicana“/ WHAM: Grausame Boytruppe covert schräges Pre-Metrosexuelles Duo. Bekanntermaßen George Michaels erste Spielwiese. „Last Christmas“ wäre mir ja tausendmal lieber gewesen. So aber passt das bereits recht schleimige Original perfekt in die Welt der 5 Schwachmaten aus dem Setzbaukasten. Die Stimme ist sogar annähernd gleich.

YVONNE CATTERFIELD – „Ain’t No Sunshine“/ BILL WITHERS: Auch nicht gerade meine bevorzugte Sängerin, die aber ein sehr stimmiges Liedchen aus meinem Geburtsjahr nicht übermäßig verhunzt. Leichtes Bigband-Feeling mit teilweise deutschem Text.

PARIS HILTON – „Do you think I’m sexy” ROD STEWART: Ja Ja JA, du BIST sexy, komm her, ich mach ein Interview mit dir. Ach ja, und eine tolle Sängerin und Schauspielerin bist du auch und du kannst covern, was du willst, es ist alles großartig. Ach was sind das für schöne Erinnerungen an den Eiffelturm. Das Liedchen ist übrigens auch schön, 70ies Discofunk at its best!

VANESSA PETRUO – „End of the Road“/ BOYZ II MEN: Äh wer ist VANESSA PETRUO und wer sind BOYZ II MEN? Musikalischer Sondermüll

LAFEE – “Du liebst mich nicht”/ SABRINA SETLUR: Es ist doch schön, wenn Vertreterinnen der neuen Unterschicht als Sängerin verkleidet der Früh-Verhartzung entgehen, insofern kann man den Teeny in seinen Absichten nur unterstützen. Sabrina S. war früher zickig und erfolgreich, eins von beiden ist sie heute nicht mehr. Die Gitarren machen aber was her und der Refrain erinnert mich an viele erfolglose Baggerversuche meinerseits…

GRÖNEMEYER – „Da Da Da“/ TRIO: Natürlich ein geniales Minimal Retro Original mit einem wirklich guten Neuinterpretator. Hat allerdings wie der REAMONN-Beitrag schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Hört sich im Grunde gar nicht anders an, auch von den Vocals her, so oder so ein Alltime Hit.

CHRISTINA STÜRMER – „Kinder an die Macht“/ GRÖNEMEYER: Witzig oder? Jetzt covert die Austria-Slimfast-Popkönigin den Coverer des Vortracks, da schließen sich Kreise. Ein lyrisch immer noch relevantes Stück deutschen Politpops, von Chrissy ruhig sinnlich dargeboten. Nix gegen einzuwenden.

ROSENSTOLZ – „Hinter dem Horizont“/ UDO LINDENBERG: Mit Abstand der beste Lindenberg-Song, und ROSENSTOLZ passen perfekt zu diesem sehnsüchtigen Schmachtfetzen. Ist nur irgendwie so kurz geraten und endet abrupt, bevor man das Stück richtig lieben gelernt hat.

Also eine geniale Idee mit teilweise sehr kruden Leuten abgefahren ausgeführt. Von unterirdisch über belanglos bis hin zu sehr annehmbar werden alle Attribute bedient. In ein paar Jahren wird diese Scheibe definitiv Kult sein und möglicherweise von ARTE ins Weltall abgestrahlt. Ich liebe diesen herrlichen Trash schon jetzt!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Alle markierten Felder (*) müssen ausgefüllt werden.

Various 'Come Together – A Tribute to BRAVO' Tracklist
1. Nena feat. Duncan Townsend - Caravan of Love
2. Reamonn - Come together
3. Tokio Hotel - Instant Karma
4. The Rasmus - SOS
5. Silbermond - Blaue Augen
6. Killerpilze - Skandal im Sperrbezirk
7. Sasha - Wouldn't It Be Good
8. Joana Zimmer - Bright Eyes
9. Jeanette - Like A Virgin
10. US5 - Club Tropicana
11. Yvonne Catterfeld - Ain't No Sunshine
12. Paris Hilton - Do Ya Think I'm Sexy
13. Vanessa Petruo - End Of The Road
14. LaFee - Du liebst mich nicht
15. Herbert Grönemeier - Da Da Da
16. Christina Stürmer - Kinder an die Macht
17. Rosenstolz - Hinter dem Horizont
Various 'Come Together – A Tribute to BRAVO' online bestellen
Verkäufer Porto Preis
Amazon.de NEU (ab EUR 20,00 Porto frei) Amazon.de NEU (ab EUR 20,00 Porto frei) € 3 € 2,78 Online bestellen
Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) Amazon.de Marktplatz (Gebraucht) € 3 € 0,01 Online bestellen
VARIOUS ARTISTS - Weitere Rezensionen

Mehr zu VARIOUS ARTISTS