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VARIOUS ARTISTS - Dritte Wahl: 25 Jahre – 25 Bands

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Artist VARIOUS ARTISTS
Title Dritte Wahl: 25 Jahre – 25 Bands
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label DRITTE WAHL RECORDS/ INDIGO
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Das letzte, was ich auf einer CD zum Thema “Deutscher Punkrock” erwartet habe, war ein wohlklingendes Cello. Diese Bastion ist mit dem Sampler zu einem Vierteljahrhundert DRITTE WAHL gefallen. MACBETH machen aus “Betty Blue” eine Gothic-Metal-Nummer, die Kraft, Wut und ordentlich Fleisch auf den Rippen hat. Zum Glück ist sie kein Geflenne und glänzt außerdem noch mit einer hervorragenden Sologitarre. Chapeau. Ohnehin muss sich dank dieses Samplers manches Klischee heulend und zähneklappernd aus dem Staub machen. Wer bei Punk ausschließlich an Hymnen auf Dosenbier und an “Haut die Bullen platt wie Stullen” (NORMAHL) denkt, wird bei dieser Verneigung vor der legendären Band aus Rostock diverse Überraschungen erleben. Und vielleicht Lust bekommen, sich die Originale einmal anzuhören – nur zu!

Doch an dieser Stelle soll es um die 25 Coverversionen gehen, die ebenso viele Bands zusammengestellt haben, um einige der bekanntesten WAHL-Songs zu feiern. Dazu ist zu sagen: Man muss nicht alle Bands mögen, die sich da gratulierend betätigen. Und man muss nicht jeden Song mögen, der da ausgesucht und bearbeitet wurde. So ist für mich die Version von “Ich bin’s”, die IN EXTREMO da abliefern, ein echter Gesichtsverlust für die in grauer Vorzeit einmal innovativen Mittelalterrocker. So könnte GUNTER GABRIEL nach einer Nacht im Rinnstein klingen, wenn er zufällig darin eine Harfe findet. Da rettet der feinsinnige (und somit sowieso IN-EXTREMO-untypische) Text auch nichts mehr. Und ob die EMILS/ SLIME dem Hit “Sklave” einen Gefallen getan haben, ist auch so eine Frage. Ich glaube, der Text kam im Original besser zu Geltung; im Cover steht eher die pogotechnische Partytauglichkeit der Musik im Vordergrund.

Aber was man meiner Meinung nach muss, ist, anzuerkennen, dass sich die Gesamtheit hören lassen kann. Es sind ausreichend Höhepunkte am Start. Und damit meine ich nicht nur, aber vor allem “Auge um Auge” von HEAVEN SHALL BURN und Mille von KREATOR. Dieser Song hat mich im Original durch meine Jugend begleitet, und ihn nun so neu zu hören, so überhaupt nicht altersmilde, das ist eine echte Frischzellenkur. Ähnlich positiv ist mir auch “Zeit zu gehen” (TRICKY LOBSTERS) aufgefallen. Überhaupt springt der Hörer dieses Samplers fröhlich zwischen den Musikstilen hin und her, schnuppert etwas Ska, rastet zu Metal aus, um dann wieder beim Punk zu landen und sich zwischendurch gar an Elektro-Klängen das Ohr zu stoßen (gemeint ist hier die seltsame Version von “Kein Ton“ von BLACK HEAVEN – wtf?! Ob dieses Goten-Gezappel die DRITTE-WAHL-Zielgruppe erreicht, darf schwer bezweifelt werden). Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Anspieltipps sind unter anderem “Alle Tage – alles gleich” (EL BOSSO MEETS THE SKADIOLAS), “Benzin” (E.A.R.A.) und “Time stand still” (AL & THE BLACK CATS).

Fazit: abwechslungsreich, irritierend, melancholisch, wütend, kritisch, lustig, rotzig – die Party zu diesem Soundtrack würde ich nur ungern verpassen.

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