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VARIOUS ARTISTS - Erbsen auf halb 6 – Original Soundtrack Album

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Artist VARIOUS ARTISTS
Title Erbsen auf halb 6 – Original Soundtrack Album
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label STRANGE WAYS
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Der Film „Erbsen auf halb 6“ läuft in diesen Tagen in Deutschlands Kinos an und wird, da bin ich sicher, Unmengen an ge- und berührten Menschen produzieren. Was liegt da näher, als sich für den melancholischen Backflash zuhause den Soundtrack zu kaufen? Doch dieser Soundtrack ist, trotz des unverhohlen gefühligen Grundtenors des Albums, viel mehr als bloß ein akustisches, sentimentales Rührstück.

Die Radio Philharmonie Warschau unter der Leitung von Dirigent Manfred Honetschläger setzt die meist ruhig-instrumentalen und doch vielseitigen Stimmungsbilder wie das Pianostück „Im Rapsfeld“, die Vibraphon-Phantasie „Was ist Nebel“ oder auch „Trennung im Regen“ aus der Feder der drei Komponisten Max Berghaus, Dirk Reichardt und Stefan Hansen sensibel und vor allem nicht pathetisch oder gar kitschig um. Dabei fließen eine ganze Menge an musikalischen Stilrichtungen in die oft relativ kurzen Stücke ein. „Abschied“ kommt fast ein bißchen rockig daher, „Hochzeit auf russisch“ gibt sich folkig-fröhlich. Doch der dominierende Eindruck bleibt ziemlich klassisch: Ein Cello brilliert in „Im Regen“, eine Klarinette gibt sich ebenfalls die Ehre. Das „Finale“ schließlich wird von einer einzelnen Knabenstimme eingeleitet und schleicht auf Samtpfoten ins Ohr. Leicht, fast ätherisch setzen die Streicher ein, vereinen sich mit Percussions und winden sich im weitgeschwungenen, melodischen Bogen aufwärts – kaum verhohlene Leidenschaft schwelt unter der Oberfläche, bricht nur in kurzen Einwürfen des Akkordeons oder einer Gitarre durch, um dann wieder den pulsgebenden Percussions das Feld zu überlassen. Ganz großes Tennis.

Seltsamerweise kommen nach dem im Wortsinne ja abschließenden „Finale“ noch zwei Songs: „Letim, Letim“ ist ein electro-poppiges Discostückchen in einer für mich leider nicht näher identifizierbaren, wahrscheinlich slawischen Sprache (Lettisch? Nein, ich wage lieber keinen Tipp, es könnte schiefgehen), das mit einer rauhen, tiefen Männerstimme gesungen wird und die perfekte Hintergrundmusik zu einem Besäufnis abgeben könnte. Und natürlich, ganz am Schluß des Soundtracks, ist da noch der Titelsong: „Blind“, von den uns allen nur zu gut bekannten Künstlern Peter Heppner und Markus Reinhardt, auch bekannt als „Wolfsheim“. Nun, das ist Geschmackssache. Die Produzenten dieses Albums schreiben in einer Presseerklärung, der Song füge sich „wunderbar in den Score ein“. Und der Regisseur Lars Büchel läßt im Booklet seine Meinung verbreiten, „Blind“ sei „hochemotional“. Also, meiner Meinung nach ist hier das übliche, unaufgeregte, wavige Geplätscher von Wolfsheim zu hören, das eben textlich gut zum Filminhalt paßt. Man möge mich kreuzigen, aber der Rest des Albums gefällt mir besser. Insgesamt muß ich sagen: Eine ideale CD, um auf dem Bett zu liegen und zu leiden – oder um in einem Sonnenstrahl zu sitzen und sich das Gesicht wärmen zu lassen.

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