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VARIOUS ARTISTS - Reader’s Darkest (Hörbuch)

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Artist VARIOUS ARTISTS
Title Reader’s Darkest (Hörbuch)
Homepage VARIOUS ARTISTS
Label AUSFAHRT MUSIKVERLAG
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NIK PAGE, JOKE JAY, ASP, SCREAM SILENCE, GIRLS UNDER GLASS, MILÚ, ENDRAUM, THE FAIR SEX, STENDAL BLAST und der Entertainer und Moderator OLIVER KLEIN: Die erste Garde der deutschen Gruftie Szene, oder zumindest ein Großteil davon, gibt sich ein Stelldichein auf einer Doppel CD namens „Reader’s Darkest“. Es handelt sich dabei um eine ganz besondere Compilation, gesungen wird allerdings darauf nicht – nicht mal ein einziger Ton. Das Zauberwort heißt nämlich diesmal: „Ein Hörbuch von der Schwarzen Szene für die Schwarze Szene“. Es funktioniert folgendermaßen: Man nehme bekannte Stimmen des Genres und lässt diese ihre Lieblingsschriftstücke vortragen. Mit wahrhaftig erstaunlichen Resultaten. Ob Kurzgeschichten – gereimt oder auch als Prosa – Gedichte, gar Auszüge aus Büchern, ob von Lieblingsautoren, oder mal (was) Selbstgeschriebenes, der aufgeschlossene Hörer staunt bereits beim Lesen der Tracklist von „Reader’s Darkest“.

Die Sänger mutieren zu Lektoren… Auch wenn jedes Lied eine kleine Geschichte erzählen möge, so ist Singen naturgemäß etwas ganz anderes, als ein Gedicht oder eine Geschichte vorzulesen, aber das – sollte man zumindest meinen – macht die Sache sowohl für die Künstler, als auch für die Hörer, gerade erst spannend. Den Einstieg macht NIK PAGE, der eine Passage aus seinem bereits 2001 erschienen Sci-Fi Roman „Neosapiens“ vorträgt. Eine echte Überraschung: Der Künstler tut es auf Hochdeutsch! (die Rezensentin weiß genau wovon sie spricht, da sie während eines Radiointerviews mit dem Berliner die ganze Zeit überlegen musste, ob man das unglaublich ausgeprägte Berlinerisch von Herrn Page nicht wie einen fremdsprachigen Beitrag einfach mit Übersetzung laufen lassen sollte) O.K., man hört zwar die kleinen Sprachschwächen heraus, insbesondere werden schwer auszusprechende Wörter schon fast zu sorgfältig ausgesprochen, aber immerhin: Mit einer dezent futuristisch anmutenden Geräuschkulisse hinterlässt die selbstgeschriebene Story durchaus einen guten Eindruck! Weiter geht es mit JOKE JAY und seiner Band, die einige der äußerst seltsamen und manchmal gar ekelerregenden Gedichten von Gottfried Benn zum besten geben. Wer von dem bereits vor fast 50 Jahren verstorbenen Dichter vorher noch nie was gelesen hat, wird zugeben müssen, dass sich die düsteren Songtexte der angesagtesten Bands des Genres im Vergleich dazu wie harmlose Märchen für Kleinkinder anhören. Die geballte Ladung wird zwar gut vorgetragen, jedoch wäre eine Musik/ Geräuschuntermalung für den schwerverdaulichen Stoff zweifellos von Nutzen gewesen. Die nächste Überraschung bildet eine von Gitarrenklängen begleitete, erotische Erzählung „Lust, Blicke, Augen (Traum)“, geschrieben, und wirklich hervorragend gelesen, von Anke Hachfeld (ex MILA MAR), die sich seit neuestem MILÙ nennt. Anke bringt mit großer Leichtigkeit ihre intimen Phantasien aufs Papier und beweist dabei richtiges schriftstellerisches Talent. Mit professionellen Lektoren kann sie übrigens problemlos mithalten, zweifellos einer der Höhepunkte der beiden CDs. Ebenfalls sehr schön zu hören ist „Das Gedankenkino“, eine Sci-Fi Story, geschrieben und gelesen von Oliver Taranczewski (TOY).

Düstere Zukunftsvisionen, Liebe und Erotik sind die Hauptthemen auf „Reader’s Darkest“. Die Auswahl der Texte verblüfft und überrascht. Nur Hardy von SCREAM SILENCE tut das, was man von einer Gruftie Spoken Word CD erwartet. Er rezitiert die deutsche Übersetzung von Edgar Allan Poes „Der Rabe“. Obwohl seiner Darbietung nichts vorzuwerfen ist, so wird vielleicht so manch einem Hörer der Gedanke überfallen: „Man, ist das Ding aber… lang!“ Nun, wie bereits gesagt, etwas „Geplänkel“ im Hintergrund macht jedes Stück Gesprochenes um einiges verdaulicher. Durch das trocken Vorgelesene wird an manchen Stellen der CD der Hörgenuss leider etwas vermindert. Dies ist auch wahrscheinlich der einzige negative Aspekt des Hörbuchs. Für zukünftige Projekte solcher Art wäre vielleicht die Trennung zwischen Poesie und Prosa überlegenswert. Eine CD nur mit Kurzgeschichten und eine mit Gedichten hätten dem ganzen Unterfangen etwas mehr Struktur verliehen.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist das Endprodukt zu empfehlen. Man hört förmlich heraus, dass sich alle mitwirkenden Künstler sehr viel Mühe beim Vortragen der Texte gegeben haben. Und Spaß hatten sie wahrscheinlich ohnehin dabei – den werden auch hoffentlich die Hörer empfinden. Für die Fans der o.g. Bands ist „Reader’s Darkest“ ein Muss, aber auch der Rest der Szene wird das Ding sehr wahrscheinlich mögen. Schließlich ist es schön zu wissen, dass die Grufties durchaus sehr belesene Leute sind.

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