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VAW/ HELIOGABALUS - Split EP

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Vaw-Heliogabalus-Split.jpg
Artist VAW/ HELIOGABALUS
Title Split EP
Homepage VAW/ HELIOGABALUS
Label DIFFICULT FUN
Leserbewertung
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Post Rock war gerade deshalb so spannend, weil unter dem Strich weitaus mehr herauskam als einfach nur eine Band ohne Sänger. Die übrig gebliebenen Instrumente, nahmen neue Funktionen ein, ließen auch mal Lücken klaffen und das Ergebnis war befremdend, verunsichernd und, in den besten Fällen, von hypnotischer Qualität. Zwei Acts des noch jungen, doch bereits höchst aufregenden Difficult Fun Label gehen nun auf einer Split LP der Frage nach, was wohl passiert, wenn man auch noch Schlagzeug und Bass aus dem Gefüge subtrahiert.

„Winter und Whiskey“ spielen laut Eigenbekunden auf dem unbenannten Mini Album von Caneron Bain, alias VAW, eine tragende Rolle. Während ehemalige Bubblegumpunker wie GREEN DAY plötzlich ihre progressive Ader entdecken, durchlief Bain eine entgegengesetzte Entwicklung – weg von seinen psychedelisch-mathematischen Anfangstagen hin zu der „God fuck the Queen“-Attitüde seines Trios THE KNIVES und zu den rohen Gitarrensplittern seines Soloprojekts. Hier bleibt nicht mehr viel außer gebrochenen Tönen, leiernden VELVET UNDERGROUND-Riffs, viel Hall und noch mehr Weltschmerz. Der Röhrenverstärker brummt, das Distortionpedal ist weit aufgedreht, doch das Ergebnis ist keine ausgestreckte Pommesgabel, sondern eine Träne im Auge.

Bei HELIOGABALUS wiederum geht es bedeutend bunter, deswegen aber auch nicht viel fröhlicher zu. Ihr Instrumentenpark umfasst neben einer 4-saitigen Gitarre noch Harmonika, Baritonukulele und ein nicht weiter erläutertes Etwas namens „Kan“. Das Rauschen und Zerren ihrer Aufnahmen rührt zum Teil von dem Gebrauch billige Audiotapes her, zumeist jedoch von der derben Behandlung der vorrätigen Stahlsaiten. Inmitten des wahnsinnigen Treibens erkennt man immer mal wieder fahl schimmernde Bluesakkorde und winzige, rührselige Melodien: SONIC YOUTH auf der Baumwollplantage, sozusagen. Wenn dies Kunst ist, dann äußerst kurzweilige, wenn es Krach ist, dann äußerst kunstvoller.

Höchst erstaunlich also die Frische und Vielfalt der bei dem Experiment entstandenen Musik – passt prima zur Kellerparty und läuft auch gut auf Kunstvernissagen. Erscheint übrigens auf 180g Vinyl, ein wunderbar widersprüchlich-edles Format für diese kaputten Kompositionen.

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