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VIDNA OBMANA - Legacy

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Artist VIDNA OBMANA
Title Legacy
Homepage VIDNA OBMANA
Label RELAPSE
Veröffentlichung 25.10.2004
Leserbewertung
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Dass alles, was beginnt, auch ein Ende nehmen wird, ist nicht nur eine der bitteren Wahrheiten des Lebens, sondern auch ein hoffnungsspendendes Prinzip. Denn schließlich lösen sich im Schlusspunkt Knoten und Blockaden, fallen die Puzzleteile an ihren angestammten Platz, wird die dampfende Lava der Ungewissheit durch den eisernen Deckel der Endgültigkeit sanft abgedeckt und zur Ruhe gebracht. „Legacy“ nimmt den Faden dort auf, wo „Spore“ und „Tremor“ ihn liegen ließen und geleitet den Hörer zum Ausgang des Labyrinths, dorthin, wo Erlösung wartet.

Und das, obwohl dieses Album von Allem, nur nicht den Mächten des Himmels kündet, vielmehr von der absoluten Realität der Hölle. Dante wusste ja, wovon er sprach, wurde er doch zu Lebzeiten zum Tode verurteilt (dem er jedoch durch Flucht entkam) und die Worte seiner „göttlichen Komödie“ hallen wie schwere Schritte durch die Hallen und Gänge dieses sündhaften Palastes. Es ist, als verschöben sich die Dimensionen unentwegt gegeneinander und präsentierten ein fratzenhaftes Zerbild der Welt – der Spiegel, den der Narr uns vorhält. Dirk Serries hat „Legacy“ auf einer kleinen Tour bereits beinahe in seiner Gänze live präsentiert, doch die konzertante Darbietung bereitete einen nur unzureichend auf das vor, was man nun, bei einer dampfenden Tasse Tee und unter hinter verschlossenen Gardinen beim Hören dieses bizarr schwebenden Dramas verspürt. Komprimierter ist die Studioversion, konzentrierter auch und um einiges enigmatischer. Als „Monoton“ haben manche diese Stücke charakterisiert, doch es ist gerade andersherum: Die Suche gilt wie bei einem Surfer dem Einklinken in den Strom des Bewusstseins; hat man es einmal geschafft, eine geeignete Welle zu erwischen, wird man von ihr weit, weit fortgetragen. Nichts kehrt zurück, Wiederholungen sind eine Illusion und diese Musik funktioniert am besten als Mantra, dem man sich bedingungslos ausliefert. Es ist ja nicht einmal so, als erkenne man den VIDNA OBMANA anderer Projekte nicht mehr in diesem unerbittlichen Monolithen. Vielmehr ist „Legacy“ das, was herauskommt, wenn man die ansonsten so friedvollen und pastellfarbenen Obertongemälde in ihr perverses Gegenteil verkehrt und die Furcht nicht mehr dem Konkreten, sondern dem Unbekannten gilt. Was bei der gewählten Thematik nicht weiter verwundern mag. Leben und Tod, Tugend und Sünde, da bleibt viel Freiraum für Fantasie, aber keiner für Zweideutigkeit. Und so rasseln Ketten aus HiHats über schleppendem Schlagzeug, wehen Klangwinde Bruchstücke aus Fujara-Melodien herüber. Wie ein langgezogenes Seufzen aus fernfremden Ländern.

Sein Finale findet das Album in dem getragenen Totenmarsch des Titelstücks, in dem Steve Wilson (PORCUPINE TREE) seine Gitarre zehn Minuten lang auf die Astralreise schickt. Keine krachenden Drums, keine Chöre, keine triumphale Auferstehungsmetaphorik, sondern das Sich-Auflösen im Äther markieren das Ende. Die misanthropischen Grind-Core Kapellen, die fanatische Wut, die sägenden Gitarren und ätzenden Schreie, die ganze brachiale Härte und völlige Kompromisslosigkeit, die man normalerweise auf Relapse-Scheiben findet – sie sind nichts gegen dieses verstörend dichte musikalische Vermächtnis.

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Vidnaobmana 'Legacy' Tracklist
1. Canto
2. Bloodshift
3. Torment and resolution
4. Sinner's tongue
5. The virtual insomnia
6. Cycle of agony
7. Impious rising
8. Legacy (with STEVEN WILSON, PAUL VAN DEN BERG & TEX)
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