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WERMUT - Hoffnung

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Wermut-Hoffnung.jpg
Artist WERMUT
Title Hoffnung
Homepage WERMUT
Label TREUE UM TREUE
Leserbewertung
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6.5/10 (6 Bewertungen)

Wie gerne hätte ich gestern jedem von Euch diese Scheibe persönliche zuhause vorbeigebracht. Wäre ohne zu murren stundenlang durch den hohen Schnee gestapft und hätte an Eurer Haustür gepocht, bis Ihr mir aufmachtet. Dann hätte ich einen schönen heißen Früchtetee gekocht und während wir es uns in den dicken Plüschsesseln und mit dampfenden Tassen in der Hand bequem machten, „Hoffnung“ aufgelegt: Den Blick durch das Glas des Wintergartens in die weiße Welt da draußen, ganz still und voller Träume.

Am Besten spielt man dieses Album auf einem uralten Grammophon und mit einer antiquierten, knackenden Nadel. Denn obwohl Elektronik und sogar die Tanzbarkeit der Clubs eine Rolle spielen, geht es doch maßgeblich um Fernweh und eine zeitlose Sehnsucht. Es gibt hier ganz allgemein gesagt zwei Arten von Songs: Verwelkende Instrumental-Farne aus menschenleeren Mooren und skeletierte Bass-Schlagzeug Miniaturen, welche augenscheinlich mit Pop flirten, aber stets vor allzu aufdringlicher Schönheit und harmloser Harmonie halt machen. In „Lucia’s Song“ fleht eine einsame Geige und „Es kommt ein Tag“ quietscht und knarrt wie eine ungeölte Kellertür – Hits aus den Einbahnstrassen des verwirrten Geistes. Die Stimme von Sängerin Sofia (KOSTINCE) erinnert schon mal an ANNE CLARK, pendelt zwischen distanzierter Erotik und intellektueller Schnoddrigkeit. Die Stücke sind kurz, sehr kurz sogar, doch weil sie unentwegt auf der Stelle treten, ist es, als tauche man in die Unendlichkeit ein. Auch wenn es zunächst überhaupt nicht so aussieht, handelt es sich hier um Chansons, um die zerrissenen Hymnen verrauchter Kaschemmen. Wenn sich dann auch noch ein Akkordeon hinzugesellt und ein Tango angestimmt wird, weiß man: Es muss geregnet haben in Paris.

Doch heute scheint schon wieder die Sonne. Helle Strahlen lösen Gefrorenes in Flüssiges auf, Menschen spazieren mit einem Lächeln und den Händen aus den Taschen. Das bedeutet nun aber nicht, diese Platte sei plötzlich unbedeutend geworden – genau um den Kontrast zwischen Hell und Dunkel, Ratlosigkeit und Geborgenheit geht es hier schließlich, um einen Ort, welcher alle Gegensätze aufhebt. Und genau dort befindet sich auch der Quell der Hoffnung.

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