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WREATHY - Leviathan

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Artist WREATHY
Title Leviathan
Homepage WREATHY
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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Magnus Puu beschreibt seine Musik, die er unter dem Projektnamen WREATHY veröffentlicht, als “industrial, neo-classical, experimental electronic music”. Eine bessere Beschreibung seiner ungewöhnlichen musikalischen Mischung gibt es nicht. In dem Electro-Noise-Klang von WREATHY finden sich Elektro-Rhythmen, langsame Noise-Elemente, Chill-Out-Klänge, Spuren von Café del Mar, langsame Breakbeats, Elemente der zeitgenössischen Filmmusik und viele verstörend schöne elektronische Melodien. Puu setzt dabei Keyboard-Piano-Klänge, Streichersamples und E-Gitarren-Klänge ein. Einiges an der Musik von WREATHY erinnert an FRONT LINE ASSEMBLY und an DISMANTLED, ohne das man es direkt damit vergleichen könnte. WREATHY zeichnet sich durch einen ähnlich vollen und dichten Klang aus.

Der Name des Titeltracks und der CD stammt von einem alttestamentarischen Fabelwesen, dem Leviathan. Bekannt wurde der Leviathan durch Thomas Hobbes gleichnamige Schrift. Hobbes war ein frühneuzeitlicher Philosoph und Staatstheoretiker im England des späten 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts. Er entwarf in seinem „Leviathan“ das Idealbild eines vormodernen, absolutistischen Staates. Laut Puu bezieht sich der Name in erster Linie auf die Ausbeutung und Gewalterfahrung des Menschen durch den Menschen, die Hobbes durch die Unterordnung und den Schutz eines absoluten Herrschers zu vermeiden suchte. Alles in allem sind es für die dunkle Szene typische humanistische Sichtweisen auf unsere ungerechte und gewalttätige Welt.

Musikalisch betritt der 22-jährige Schwede aus Umea mit WREATHY experimentelles Neuland. Dabei kam eine Promo-CD im E.P.-Format heraus, die sich sehen lassen kann. Man muss sich erst auf den teilweise, aufs erste Hören hin, wirren Klang einlassen. Es wabern Elektrobeats über durchgängige, sanfte Drum- und Beatloops durch die 6 Tracks auf „Leviathan“. Diese Rhythmen werden teilweise gebrochen oder werden durch Breaks gestoppt. Die CD hat einen guten Flow und lässt sich deshalb auch sehr gut am Stück hören. Teilweise folgen arhytmische Passagen, die im Gesamtbild des Klangs aber Sinn ergeben. Die elektronisch erzeugten Klang- und Melodiepassagen lassen den Hörer in einer seltsamen dunklen und verträumten Stimmung verharren. Die Tracks sind in ihrer Stimmung und ihrem musikalischen Ausdruck sehr ähnlich, ohne langweilig oder einförmig zu sein. Einzig der 4. Track „Isolation“ sticht durch seine fast Elektropop- bzw. Futurepopartige Melodie hervor. Er ist auch der eingängigste Track auf „Leviathan“. Alle 6 Tracks sind reine Instrumentalstücke ohne Sprachsamples.

Puu hat eine CD produziert, an der sich die Geister scheiden werden. Dem Einen wird sie zu abgedreht und vollgepackt klingen, dem Anderen wird sich eine ungewöhnliche Klangwelt erschließen, die gründliches Zuhören erfordert, aber musikalische Tiefen erschließt. Keine leichte Kost, aber sehr interessant. Freunde der experimentellen elektronischen Musik und Noise-Fans werden ihre Freude an „Leviathan“ haben, allen anderen aufgeschlossenen Menschen sei sie zum Reinhören empfohlen! Die richtige Musik um an dunklen, grauen Novembertagen in das kahle Geäst der schwarz-grauen Bäume zu blicken und die Gedanken in herbstlich klare Weiten schweifen zu lassen.

Nähere Infos zu Musik, Projekt und Person bekommt ihr auf der Homepage von WREATHY. Dort kann man die CD auch für 11 € (+3 € Versandkosten) bestellen und per E-Mail Kontakt zu Magnus Puu aufnehmen.

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