Interview Filter

AMORPHIS (TOMI KOIVUSAARI)

DER FESTIVALSOMMER 2007 IST VOR KURZEM ZU ENDE GEGANGEN. WIE WAR ER FÜR DICH, UND SIND EUCH UNTERWEGS EINIGE „LUSTIGE“ BZW. SELTSAME DINGE PASSIERT? Es war wirklich gut für uns, wir hatten gute Shows und eine schöne Zeit. Vielleicht war die beste Erfahrung das Wacken Open Air, weil es so ein großes Metalfestival ist. Ilosaarirock in Finnland war ebenfalls genial, ich habe PORCUPINE TREE zum ersten Mal live gesehen. Wacken war auch ganz schön seltsam, weil jemand auf dem Festivalgelände ein Feuer gelegt hat, direkt vor unserem Gig. Daher mussten wir ein bisschen später auf die Bühne. Da war überall so viel Rauch, ich konnte sogar einen Moment lang kaum atmen. Lustige Sachen passieren immer mal wieder, aber irgendwie vergisst man die immer… WELCHES IST DEIN LIEBLINGSFESTIVAL? UND WO WÜRDEST DU GERN MAL SPIELEN? Für mich persönlich ist es von all den Festivals, auf denen wir bisher gespielt haben, wohl Roskilde. Ich denke einfach, dass es eines der besten ist, und der Backstage-Bereich ist sehr schön. Außerdem bin ich, als ich jünger war, immer als Besucher auf das Festival gegangen, und hatte immer eine schöne Zeit. Auf dem Hurricane-Festival zu spielen, wäre auch mal schön. DAS NEUE ALBUM IST NUN SEIT ANFANG DES JAHRES FERTIG, WAR ES DA NICHT SELTSAM, DEN GANZEN SOMMER ÜBER DAS ALTE ZEUG ZU SPIELEN? (IHR HABT JA AUF WACKEN NOCH NICHT MAL DIE NEUE SINGLE GESPIELT) Nun ja, wir spielen Sachen aus nunmehr 15 Jahren, von daher macht das schon Spaß. Natürlich warten wir immer darauf, neue Sachen spielen zu können, aber normalerweise macht es keinen Sinn, Songs zu spielen, die der Menge nicht vertraut sind. Das gilt besonders auf Festivals, wo wir sowieso nur eine kurze Spielzeit haben und daher entscheiden müssen, welche Songs wir weglassen. DIE CHEMIE IN DER BAND SCHEINT PERFEKT ZU SEIN – AUF DEM NEUEN ALBUM SCHEINT ES SO, DAS ALLES HINSICHTLICH SONGWRITING UND INSTRUMENTIERUNG GLEICHBERECHTIGT SIND. WIE HAT SICH DAS GEFÜHL BEI DER ARBEIT AN DEM ALBUM ZU DEN VORHERIGEN UNTERSCHIEDEN? Dieses Album ist das erste Album in unserer langen Karriere, das mit derselben Besetzung wie das vorherige aufgenommen wurde, so war es irgendwie einfach, wir haben jetzt einen guten „Spirit“ in der Band. Außerdem haben wir im selben Studio, mit demselben Aufnahmetechniker und demselben Gesangsproduzenten gearbeitet wie bei der Aufnahme von „Eclipse“, und es war alles sehr relaxt im Studio. Außerdem hatte Tomi Joutsen natürlich diesmal mehr Selbstvertrauen. „SILENT WATERS“ BASIERT AUF EINER GESCHICHTE AUS DER KALEVALA, DOCH DIE SONGREIHENFOLGE STIMMT NICHT MIT DEM HANDLUNGSABLAUF ÜBEREIN. DAS TEXTKONZEPT STAND JEDOCH, IM GEGENSATZ ZU DEN BISHERIGEN ALBEN, BEREITS ZU BEGINN DES SONGWRITING-PROZESSES FEST. WARUM HABT IHR DIE CHANCE NICHT GENUTZT, DIESMAL EIN „KLASSISCHES“ KONZEPTALBUM ZU MACHEN, BEI DEM DIE CHRONOLOGISCHE REIHENFOLGE DER SONGS DER ORIGINALGESCHICHTE ENTSPRICHT? Wir haben viel darüber nachgedacht, aber wir haben uns dann dazu entschieden, die Reihenfolge nach einer musikalischen Dramaturgie zu machen. Ich denke, dass die Geschichte trotzdem funktioniert, die Songs sind nur verschiedene Kapitel, so müssen sie nicht „in der Reihe“ sein, meiner Meinung nach. Auch bei Filmen ist die Szenenfolge ja nicht immer strikt chronologisch, aber das Publikum weiß trotzdem, um was es geht. Bei den letzten 3 Songs stimmt die Reihenfolge allerdings. WAR DAS THEMA DER TEXTE VON ANFANG AN MIT DER GANZEN BAND VEREINBART, ODER HABEN SÄNGER TOMI JOUTSEN UND TEXTSCHREIBER PEKKA KAINULAINEN DIE ENTSCHEIDUNG GETROFFEN? Pekka hat Tomi einige seiner finnischen Texte gegeben und Tomi hat sie dann uns gezeigt. Und es war schon das, was wir suchten. So hatte Pekka an sich freie Hand, was die Story anging. Dann haben Tomi und Erkki Virta das Ganze ins Englische übersetzt und es der Musik angepasst. AUCH AUF DEM VORGÄNGERALBUM „ECLIPSE“ STAND EINE GESTALT AUS DER KALEVALA IM MITTELPUNKT DES GESCHEHENS, KULLERVO. GRUNDLAGE FÜR DIE TEXTE WAR ALLERDINGS DER KULLERVO-ROMAN DES ZEITGENÖSSISCHEN SCHRIFTSTELLERS PAAVO HAAVIKKO, IN DEM DER TITELHELD DEUTLICH SYMPATHISCHER ERSCHEINT ALS IM ORIGINALEPOS. WIE HAT PEKKA KAINULAINEN IN DEN SILENT WATERS-TEXTEN DEN CHARAKTER DES LEMMINKÄINEN GEZEICHNET? Die Basisgeschichte ist dieselbe, aber „Silent Waters“ umfasst nur einen Teil des gesamten Lemminkäinen-Zyklus. Es geht um Lemminkäinens Reise zum Fluss von Tuonela. Pekka hat dem Ganzen ein wenig Farbe gegeben. Mit kommt Lemminkäinen genauso rebellisch vor wie die Originalfigur aus der Kalevala. KULLERVO, DER EWIGE PECHVOGEL, WILL IMMER ALLES RICHTIG MACHEN, ABER IM ENDEFFEKT FUNKTIONIERT NICHTS SO, WIE ER ES GERNE HÄTTE. LEMMINKÄINEN IST DAGEGEN EIN UNVERBESSERLICHER WEIBERHELD, DEN SCHLIESSLICH SEINE MUTTER AUS SEINEM SELBST VERSCHULDETEN SCHLAMASSEL RETTEN MUSS. WELCHE DIESER BEIDEN FIGUREN IST DIR SYMPATHISCHER? Kullervo scheint mehr wie ein typischer finnischer Mann zu sein, also ist er mir sympathischer. WELCHE SONGS VON SILENT WATERS STAMMT AUS DEINER FEDER? Ich habe „Weaving the Incantation“ und „The White Swan“ geschrieben. „SILENT WATERS“ IST ALLGEMEIN RUHIGER UND AKUSTISCHER ALS „ECLIPSE“ AUSGEFALLEN. DIE MEISTEN FANS – UNTER ANDEREM AUCH ICH – HABEN GEDACHT BZW. GEHOFFT, DASS DAS NEUE ALBUM HÄRTER WERDEN WÜRDE ALS DAS VORHERIGE. WAR DIESER UNKOMMERZIELLE ENTSCHLUSS EINSTIMMIG ODER GAB ES DESWEGEN DIFFERENZEN? Wir haben noch nie beim Schreiben von neuem Material darüber nachgedacht, was die Leute oder die Plattenfirma von uns hören wollen. Wir machen einfach die Songs, die wir gerne machen, und wenn das Album fertig ist, hören wir das Endergebnis. Dieses ist jetzt ein wenig „dunkler“ als „Eclipse“, und man muss es ein bisschen öfter hören, um es zu verinnerlichen, denke ich. Wir haben zum Beispiel nie jemand Außenstehendes als Produzenten, außer für den Gesang. Es gab aber keinerlei Differenzen, wir stehen alle hinter dem Album. WELCHER IST DEIN PERSÖNLICHER LIEBLINGSSONG VON „SILENT WATERS“? Das ändert sich ständig, aber im Moment ist es „Towards and against“. DIESES JAHR SEID IHR AUF TOUR IN EUROPA, RUSSLAND UND JAPAN. WAS STEHT NÄCHSTES JAHR AN? Es wurde schon über eine Nord- und Südamerikatour gesprochen, wahrscheinlich noch eine zweite Europatour, aber noch ist nichts fest, und ich denke, dass da auch noch einiges kommt. Außerdem werden wir wohl Ende des Jahres wieder anfangen, neues Material zu schreiben. GLAUBST DU, DASS DU IRGENDWANN AUCH MAL WIEDER ZEIT FÜR DEINE ANDERE BAND VERENPISARA HAST? Vielleicht irgendwann, aber im Moment sind wir einfach zu beschäftigt mit AMORPHIS. Schon vor 2 Jahren waren einige Songs für das nächste VERENPISARA-Album fertig, aber wir werden sehen. WELCHEN SONG, DEN IHR NOCH NIE ODER DAS LETZTE MAL VOR SEHR LANGER ZEIT GESPIELT HABT, WÜRDEST DU GERNE (WIEDER) IN DIE SETLISTE AUFNEHMEN? Wir haben „Weeper on the Shore“ seit Jahren nicht mehr gespielt, ich weiß gar nicht mehr, wann das letzte Mal war. Das würde ich gern wieder in die Setliste aufnehmen. „Vulgar Necrolatry“ wäre verdammt lustig zu spielen!! WAS SIND MOMENTAN DEINE LIEBLINGSBANDS UND WAS WAR DER BESTE AUFTRITT, DEN DU DIESES JAHR GESEHEN HAST? PORCUPINE TREE ist definitiv eine davon. Ich haben sie diesen Sommer das erste Mal live gesehen und es war Wahnsinn! Ich denke, das war der beste Gig des Jahres. Ich höre im Moment Bands wie MUSE, SYSTEM OF A DOWN, TOOL und VON HERTZEN BROTHERS. UND ZU GUTER LETZT – BESCHREIBE JEDES BANDMITGLIED – DICH SELBST EINGESCHLOSSEN – IN 3 WORTEN: Hehe, ok. Tomi Joutsen: geduldig, chillig, auf dem Boden geblieben Esa Holopainen: praktisch, kreativ, sozial Niclas Etelävuori: chillig, lustig, Spaßmacher Santeri Kallio: kreativ, lustig, sozial Jan Rechberger: „Professor“, chillig, freundlich Und ich: ungeduldig, freundlich, chillig DANKE FÜR DEINE ZEIT UND MAN SIEHT SICH AUF DER TOUR IM HERBST! Danke, Cynthia, bis dann auf Tour!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu AMORPHIS auf terrorverlag.com