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APOCALYPTICA (PAAVO LOETJOENEN)

HEY PAAVO, WIE GEHT’S? WILLKOMMEN EIN WEITERES MAL IN BIELEFELD! Danke, soweit ist alles ok. In den letzten Tagen ist es allerdings etwas kühl geworden. Besonders in den alten Gemäuern dieser Location ist es echt kalt. Eicca hat sich auch eine kleine Erkältung eingefangen und kann daher nicht, wie geplant, mit zum Interview erscheinen! DANN HOFFEN WIR MAL, DASS ER FIT FÜR DIE SHOW IST! WIE IST DAS MIT EUREN INSTRUMENTEN? MAN SAGT JA, DASS KLASSISCHE INSTRUMENTE EMPFINDLICH SIND. MÜSST IHR DA BESONDERS AUFPASSEN? Ja, das ist tatsächlich eine sehr schwierige Angelegenheit. Wenn man jeden Tag auf Reisen ist, weite Strecken auf sich nehmen muss und die Instrumente dauernd transportieren muss, ist das nicht gerade ideal für diese. Der ständige Temperatur-Wechsel, die wechselnde Luftfeuchtigkeit wirkt sich schon aus. Ein Cello besteht ja aus Holz, sehr dünnem Holz! Und besonders die Saiten reagieren sehr empfindlich auf Temperatur-Wechsel, besonders Kälte. Die verziehen sich, wenn auch nur minimal. Eine Cello-Saite ist mit gut 15kg-Spannung aufgezogen, also wirken gut 60 kg insgesamt auf das Instrument! Das ist nicht gerade wenig. Und das Holz ist zwar auf der Außenseite beschichtet, aber nicht innen. Dazu ist es fast als zerbrechlich zu bezeichnen! Wenn sich also die Saiten verziehen, dann wirkt sich das auch auf das dünne Holz aus und das kann schon mal zu Beschädigungen führen! Wir haben jeder auch immer ein Ersatz-Instrument dabei, falls was passiert! GIBT ES FÜR DEN TRANSPORT SPEZIELLE KOFFER ODER GAR EINEN KLIMATISIERTEN RAUM IN BUS? Tatsächlich! Wir haben zwar ganz normale Cello-Koffer, aber diese verstauen wir in einem speziellen Raum im Bus. Wir haben ja einen Doppeldecker-Bus und da gibt es einen Raum, wo auch die Fahrer sich mal ausruhen. Dieser ist klimatisiert und beheizt, so dass wir dort die Cellos aufbewahren während, dass wir sie nicht im Truck mit dem anderen Equipment transportieren müssen. Aber heutzutage klappt das schon ganz gut. Zu Beginn unserer Karriere haben wir uns da immer große Sorgen gemacht, ob alles gut geht! Wir haben früher für jedes Cello ein eigenes Flugticket besorgt und die Koffer standen in den Sitzen neben uns im Flugzeug. Nur damit wir sicher waren, dass da nichts passiert, haha! Aber nach einer Weile hatten wir umgerechnet gut 600.000 DM nur für die Flugtickets für die Instrumente ausgegeben! Da kamen wir dann wirklich ins grübeln! Mittlerweile nutzen wir auf Tour ja nicht unsere teuren und wirklich alten Instrumente, das wäre zu gefährlich. Wir nutzen etwas billigere, aber nicht unbedingt schlechtere. Die werden in China handgefertigt und kosten so 3000 bis 4000 Euro pro Stück. Da ist es zwar ärgerlich, wenn eines beim Transport kaputt geht, was übrigens so 2 bis 3 Mal im Jahr passiert, aber es bricht keine Welt zusammen und ist ersetzbar… HABT IHR MAL DARÜBER NACHGEDACHT AUF DIESE MODERNEN, ELEKTRISCHEN UND STYLISCHEN CELLOS ZU WECHSELN? Wir haben die mal getestet… Aber wir sind mit den akustischen Cellos groß geworden. Und die fühlen sich ganz anders, viel lebendiger an! Es sind ja nicht nur die Saiten, auch der Korpus reagiert auf jeden Anschlag. Er vibriert und lebt und gibt dir über den Bogen und die Finger ein unvergleichliches Feedback beim Spiel. Das ist ein einzigartiges Gefühl! Die elektrischen fühlen sich dagegen wir tot an, da kommt nichts zurück, kein Feedback, keine Vibration, kein Leben! Das ist kein Vergleich! Und zudem klingen die nicht wirklich gut… Aber es ist wirklich schwierig, mit diesen Instrumenten und unserer Musik auf der Bühne einen richtig guten Sound hinzubekommen. Wir benutzen ein spezielles Pick Up-System. Wir nutzen verschiedene und versuchen die zu kombinieren, dass der Sound dann stimmt. Dazu nutzen wir Wireless-Sender, Pre-Amps und alles mögliche… Das wirkt manchmal echt verwirrend, haha! Zudem reagieren die Instrumente in jeder Location anders. Alleine die Form der Halle und die Materialen in den Wänden erzeugen eine komplett unterschiedliche Akustik und geben jedes Mal auch ein ganz anderes Feedback. Stimmt die Akustik in der Location, können wir auch unser spezielles Schweizer Mikro nutzen, um den perfekten und klassischen Cello-Sound zu erzeugen! Aber das bemerkt man erst, wenn das Publikum in der Halle ist. Wir haben zwar ein digitales Monitoring-Set und auch ein digitales Mischpult, wo wir die Einstellungen und Pre-Sets vom vorigen Konzert, wenn es denn gut war, abspeichern können, aber jede Halle hat seine eigenen Gegebenheiten. Alleine wie das Schlagzeug zurückgeworfen wird… So haben wir zwar unsere Grundeinstellungen, aber den richtigen Sound muss man dennoch jedes Mal neu einstellen. Aber wir haben eine Super-Crew dabei, die zum Teil auch für RAMMSTEIN arbeiten. Und die sind natürlich Voll-Profis, die genau wissen, was man zu tun hat! Aber auch wenn sich das kompliziert anhört, auch die anderen Metalbands haben mit ihren Gitarren ähnliche Probleme. Von daher ist es gar nicht so etwas besonderes. Aber bei den normalen Metal Bands wird da halt nicht so drauf geachtet, haha. EURE TOUR IST NUN GUT ZU EINEM DRITTEL GESPIELT. WIE LÄUFT’S? ERSTE ERMÜDUNGSERSCHEINUNGEN? Wir haben in Helsinki gut eine Woche geprobt, mit allem drum und dran. Wir haben einige neue Lichteffekte, neue Technik, Verzerrer, Pedals usw.. Also es war eine ganze Menge, dass wir erst mal einstellen mussten. Da haben wir dann auch mal ne „Private Show“ für unsere Freunde gespielt, haha. Dann ging es für einige Shows in die baltischen Länder, Estland, Lettland, Litauen… Das war wirklich sehr gut! Es waren gut 4000 Leute bei jeder Show! Finnland und Schweden war auch super! Große Freiheit in Hamburg war super… also die Tour läuft echt gut, die Fans gehen wirklich gut mit! Wir sind allerdings nun auch in der dritten Tour-Woche und da kommt man etwas in Routine und man muss sich etwas mehr motivieren. Und dass man noch mehr als doppelte vor sich hat, fühlt sich manchmal schwer an, wenn man an die Familie und Freunde denkt, die zu Hause bleiben. Aber als Musiker muss man auch professionell sein! Schließlich darf man als Job das machen, was man liebt, nämlich Musik! Daher bereitet man sich auf jede einzelne Show richtig vor, denn man will den Fans, die teures Geld zahlen, und natürlich sich selbst wirklich zufrieden stellen! Wir haben besonders in den letzten Jahren die richtige Einstellung dazu gefunden. Wir gehen immer auf 100% und wollen das auch. Egal, ob man mal nicht gut drauf ist, das Wetter schlecht ist oder sonst was. Es geht immer auf die 100%! Klar, manchmal klappt es nicht und es kommen nur 95% raus. Da verliert man die Konzentration, weil es ne technische Schwierigkeit gibt, oder sonst was… Aber das Ziel sind immer die vollen 100%! Wir gehen keine Show halbherzig an! Das würden die Fans merken! Vor der Show machen wir unsere Aufwärmübungen, spaßen auch rum, was gut für das Klima in der Band ist. Wir haben ja schließlich Spaß an der Sache und das darf man sich durch den Touralltag nicht vermiesen lassen! Und wir trinken auch keinen Alkohol vor der Show! Nicht mal ein Bier! Wir wollen alles ausschließen, was der Show schaden könnte! Aber selbst, wenn die Show nach unseren Vorstellungen nicht ganz so gut ist, sind die Fans begeistert, weil sie eben merken, dass wir alles geben! Unsere eigene Messlatte ist so hoch gelegt… und das sollte auch so sein! Wir sind nicht hier für den Rock N Roll-Lifestyle. Wir hatten das alles schon in der Vergangenheit. Wir wollen keine abgefuckten Stars sein, sondern richtige Musiker! Wir hatten diese Phasen hochnäsigen Verhaltens schon! Das ist es einfach nicht! Gute Shows, gute Musik, begeisterte Fans! Darum geht’s! IHR HABT SEHR VIELE NEUE SONGS IM SET. WIR STELLT IHR DIE SETLIST ZUSAMMEN? EINIGE FANS WOLLEN DIE SINGLES HÖREN, ANDERE WIEDER MEHR DIE COVERVERSIONEN… Wir haben gut 30 Songs für die Tour einstudiert und variieren immer mal wieder. Mal merken wir, dass der eine Song nicht so gut funktioniert, also versuchen wir einen anderen. Wir spielen so 22 Songs und gut 90 Minuten. Das ein guter Wert. Wir haben auch schon über 100 Minuten gespielt, was aber wohl doch etwas zu lang ist. Die Fans verlieren dann oft die Aufmerksamkeit und werden müde. 90 Minuten ist eigentlich eine gute Spielzeit, wo wir auch genug Songs aus allen Bereichen mit einbringen können. Wir haben schon sehr oft in Deutschland gespielt und wollen nicht jedes Mal dasselbe bieten. So haben wir gut 8 neue Songs im Set und heute evtl. werden wir mit „Stroke“ noch einen hinzufügen, das schauen wir aber noch. Dazu natürlich noch einige Covers und alte Tracks. Auch „Master of Puppets“ haben wir zugunsten unserer eigenen Songs heraus genommen! AUF „WORLDS COLLIDE“ SIND DIE KOOPERATIONEN MIT GAST-MUSIKERN SEHR GUT GELUNGEN. BESONDERS „I DON’T CARE“ UND „I’M NOT JESUS“ KLINGEN VOM GESANG HER AUCH SEHR PERSÖNLICH, ALS HÄTTET IHR MIT ADAM UND COREY DIREKT DIE SONGS GESCHRIEBEN… Es gibt eigentlich keine wirkliche Regel, wie diese Zusammenarbeiten entstehen. Jeder Song hat eine eigene Geschichte. „I don’t care“ ist Eiccas Song. Eicca war zu dem Zeitpunkt in Stockholm und traf dort Max Martin, der unbedingt was mit uns machen wollte. Er hält viel APOCALYPTICA und von Eicca als Songwriter, auch wenn Max eher für seine Arbeiten mit den großen Popstars bekannt ist. Aber er ist ein toller Musiker und geht mit offenen Augen durch die Welt und ist nach allen Seiten offen für Neues, auch wenn es in die härtere Richtung geht. Eicca hatte schon einige Ideen für die Songs und traf sich dann mit Max in Stockholm, wo wir eh einen Großteil der Platte aufgenommen haben. Max‘ Studio ist nicht weit von unserem dort und so ergab sich diese Möglichkeit. Die beiden haben sich gut ergänzt und div. Demos vorproduziert, welche wir dann richtig eingespielt haben. Bei „I don’t care“ hatten die beiden schon die Gesangslinien, welche aber textlich erst nur aus „Yeah, yeah yeah“ bestanden, hehe. Dazu hat Adam dann seine Lyrics nach Eiccas inhaltlicher Ausrichtung geschrieben. „I’M NOT JESUS“ KÖNNTE AUCH LOCKER EIN STONE SOUR-SONG SEIN… Diese Songs zeigen generell, wie gut Musiker sein können. Das ist wahres Teamwork! Es funktioniert! Jeder gibt seinen Teil zum Song. Man kann fühlen, dass jeder seine Seele mit einbringt. Auch wenn wir Corey persönlich nicht richtig gut kennen, spürt er alleine an der Musik, was wir ausdrücken wollen und hat dazu tolle Texte geschrieben! Aber es ist auch nicht so besonders, wie viele meinen. Es ist in normalen Bands auch nicht anders. Da geben die Musiker, z.B. die Gitarristen, dem Sänger auch die Vorgabe und der macht da was draus… Auch wenn da sicher der Vorteil der persönlicheren Bindung ist. HABT IHR JE DEN GEDANKEN GEHABT, „HELDEN“ MIT DAVID BOWIE SELBST AUFZUNEHMEN? Nein, nicht wirklich… Die Idee für diesen Song stammt von Jacob Hellner, der schon immer mal was mit uns und Till Lindemann (RAMMSTEIN) zusammen machen wollte. Der Song stammt ja ursprünglich aus dem Film „Christiane F.: Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Für diesen Film hat Bowie den Song ja mit zum Teil deutschen Texten versehen. Hört sich sehr lustig an, wie der auf deutsch singt. Und dann Tills Stimme dazu ist phänomenal. Er ist zwar sicher nicht der beste Sänger überhaupt, aber der beste Sänger für diesen Song ganz sicher! Alleine die Intonation vom ersten Wort… (macht Till nach) ist einfach grandios und geht durch und durch! WÜRDE BESTIMMT EINE GUTE SINGLE NACH DEM ANSTEHENDEN „SOS“ ABGEBEN… Nein… das wird wohl nichts werden. Das liegt aber nicht an uns. RAMMSTEIN wollen das anscheinend nicht als Single veröffentlicht haben. Und in diesem Falle haben die da das letzte Wort… an uns würde es nicht liegen… Aber die Radios und die DJs könnten den Song ja dennoch spielen, auch wenn es keine Single ist… BEI DEN FANS IST ES SCHON JETZT EIN HIT! Na, dann mal los!! GUTES STICHWORT, DENN DU MUSST WEITER… DANKE FÜR DEINE ZEIT!! Alles Gute!!

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