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BLACK WEDDING (LOUIS)

HALLO LOUIS, SEHR NETT VON DIR, DASS DU DIR HEUTE DIE ZEIT FÜR DIESES INTERVIEW NIMMST. WIE WAR DER START INS NEUE JAHR? Einen wunderschönen guten Tag erstmal! Und allen Leserinnen und Lesern noch ein gutes neues Jahr! Auch wenn der Jahreswechsel nun schon ein paar Tage zurückliegt… Der Start war alles in allem äußerst gelungen: In angenehmer Gesellschaft bei gutem Futter und klasse Wein recht gediegen reingefeiert. Und: Ohne großartige gute Vorsätze! Denn diese werden in der Regel wohl doch recht schnell gebrochen – oder? DA BLACK WEDDING DEN MEISTEN LESERN WOHL NOCH KEIN BEGRIFF SEIN DÜRFTE, WÄRE ES AN DIESER STELLE ANGEBRACHT, DIESES PROJEKT EINMAL KURZ ZU BESCHREIBEN. WER STECKT DAHINTER, WIE KAM ES DAZU UND IN WELCHE MUSIKALISCHE RICHTUNG LÄSST SICH BLACK WEDDING EINORDNEN? Als „geistiger Vater“ von Black Wedding kann wohl (in aller Bescheidenheit) ich selbst bezeichnet werden *hüstel*. Geboren wurde das gute Kind Mitte 1996, als mein damaliges Label „Celtic Circle Productions“, für das ich seinerzeit als freischaffender Ton-Ing. und Produzent tätig war, anfragte, ob ich denn nicht Lust hätte, für deren „Depeche Mode Tribute Compilation“ (Anm.: „ReConstruction Time“, Khazad-Dûm/SPV [KHA 038], 1996) ein Liedlein beizusteuern. Natürlich hatte ich – und meine damalige Lebensabschnittsgefährtin hatte dann die Idee, die beiden Versionen von DeMos „Any Second Now“ – also die reine Instrumental-Version und die Vokal-Geschichte – zu einem neuen Oeuvre miteinander zu verknüpfen. Herausgekommen ist ein lustiges kleines Liedlein, das auch bei absoluten „Mode-Puristen“ recht gut ankam. Das Kind brauchte natürlich auch einen Namen – und in Anlehnung an Billy Idol’s „White Wedding“ wählten wir dann einfach „Black Wedding“. So einfach war’s… Zu Anfang – also zwischen 1996 und 2000 war „Black Wedding“ in erster Linie ein reines Remix-Projekt ohne eigenen „richtigen“ musikalischen Output. Ich bastelte – mittlerweile in völligem Alleingang – einige Remixes für bekannte und unbekanntere Kapellen, aber auch noch eine Neu-Interpretation von Kraftwerks Klassiker „Taschenrechner“ (Anm.: released auf „Krafty Moves“, Energy Rekords [ERCD 111], 1997). Abgesehen davon war’s aber recht ruhig um „Black Wedding“. Musikalisch einordnen ließ sich das Zeug am besten in den Bereichen „SynthiPop“ oder „EBM Light“. Zur Kehrtwende kam es dann erst nach meinem Umzug – weg aus Germanistan – hin ins belgische „Pralinen-Paradies“ Brüssel. Nach und nach wurden die Synth-Pop-Elemente durch weltmusikalische und mittelalter-musik-geprägte Einflüsse verdrängt. Die zu Anfang vorherrschenden Synthetika wurden durch den Einsatz „echter“ akustischer Instrumente ergänzt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Zum einen begann ich hier in Brüssel schon recht früh mit der Produktion von „11000 Virgins“. Seinerzeit noch ein reines „Stimme-plus-Synthetik“-Projekt. Schnell zeigte sich aber, daß da noch Raum für „mehr“ drin wäre: Mehr „musikalischen Bauch“, der sich durch rein synthetisch erzeugte Klänge nicht so richtig füllen ließ. Nun kamen mir meine musikalischen Wurzeln als Folk-Barde in den frühen 80ern zupass: Noch recht verhalten fügte ich das ein oder andere Akustik-Gitarren-Intermezzo ein; später folgten dann noch kleine Oûd-„Spritzer“ und Dulcimer-Elemente. Im Laufe der Produktion wurde mir dann noch klar, daß auch ein großer Teil des „rhythmischen Grundgerüsts“ doch noch recht statisch und „kalt“ war. Ganz langsam wurden somit auch viele Perkussions-Passagen durch ihre „echten“ Pendants ersetzt. Nach gut fünf Jahren permanenter Klein- und Kleinst-Arbeit war dann „11000 Virgins“ auch so ziemlich fertiggestellt. Herausgekommen war ein „Ding“, das sich so einfach nicht mehr in eine musikalische Schublade stecken ließ. Das Baby brauchte noch einen Namen – und ich meinte dann, daß sich der bis dato noch nicht verwendete Begriff „ElectroFolk“ am besten hierfür eignete. Also die Kombination von althergebrachter Synthetik mit traditionellen Weltmusik- und Folk-Wurzeln. Voilà! ICH KONNTE IN ERFAHRUNG BRINGEN, DASS CISSY NUN NACH AMERIKA GEZOGEN IST. WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT DIES AUF BLACK WEDDING? Schwierig, schwierig. Denn auch wenn Cissy (Francisca Vanherle) und ich uns noch vor ihrem Weggang darüber einig waren, daß wir auch weiterhin miteinander werkeln werden, wird sich dies wohl nur recht schwierig einrichten lassen. Sie ist zwar des öfteren in Europa unterwegs – dann aber wohl in erster Linie, um ihrem Hauptberuf als Sopranistin nachgehen zu können. Zeit für „Black Wedding“ bleibt – trotz guten Willens – leider nur sehr wenig. Deswegen werde ich mich wohl über kurz oder lang nach einer neuen Sängerin umschauen müssen. Problem: Find‘ mal jemanden, der über eine klassische Gesangsausbildung verfügt und der trotz anderweitiger Verpflichtungen noch über ausreichend Zeit und Muße verfügt, um bei „Black Wedding“ mitzuträllern. Auch wenn das Folgende vielleicht recht anmaßend klingen mag: Ich hab‘ mir vor einigen Jahren geschworen, selbst nie wieder Musik mit Leuten ohne entsprechende musikalische „Grundausbildung“ zu machen. Solide Kenntnisse in Bezug auf „Notenlesen“ und „Partitur-Verständnis“ sorgen dafür, daß man sich bei der gemeinsamen Arbeit auf „gleicher Ebene“ aufhält und somit sehr viel weniger Probleme und Mißverständnisse entstehen. Nur: Gute, kompetente Sängerinnen wachsen leider nicht auf den Bäumen…. Schaumama…. GEGRÜNDET WURDE BLACK WEDDING BEREITS IM JAHRE 1996. WARUM LIESS EUER DEBÜT-ALBUM SO LANGE AUF SICH WARTEN? Ich denke, daß ich das schon vorher kurz angedeutet hab. Hinzu kommt noch, daß ich Mitte 1999 der „professionellen Musikindustrie“, die mich gut 15 Jahre lang ernährt hat, den Rücken habe kehren müssen. Aber das ist eine andere Geschichte… Wie dem auch sei: „Black Wedding“ war in den ersten Jahren „nur“ ein „Remix-Projekt“ ohne tieferen musikalischen Background. Das Ding, so wie’s jetzt ist, existiert eigentlich erst seit meinem Umzug nach Brüssel. Hinzu kommt noch, daß ich mir bei der Produktion von „11000“ Virgins extrem viel Zeit gelassen hab‘. Wenn meine Bessere Hälfte mich im letzen Jahr (2008) nicht kräftig geschubst hätte, würde ich wohl noch heute daran herumschrauben. Denn so richtig zufrieden ist man als ausführender Musikant mit seinem Baby ja meistens… nie! AUF DEM ALBUM „11.000 VIRGINS“ HÖRT MAN ETLICHES AN INSTRUMENTEN HERAUS. EINIGE DAVON KLINGEN VOLLKOMMEN FREMDARTIG. WELCHE INSTRUMENTARIEN SIND DENN ALLES VERTRETEN UND WER BEDIENT DIESE? Hmmm…. „Vollkommen fremdartig“ klingt in diesem Zusammenhang etwas seltsam *G*. Denn bei den im Laufe der Produktion hinzugekommenen Klang-Erzeugern handelt es sich durch die Bank weg um Dingelchen, die in der Musikkultur schon seit vielen, vielen Jahren – wenn nicht Jahrhunderten – zu Hause sind. Aaaaalso: Zum einen haben wir dort zwei „Hohlraum-Gitarren“ – eine klassische und eine reine Folk-Klampfe. Nix besonderes. Etwas „exotischer“ kommt dann der Oûd daher – die „arabische Laute“, die gewissermaßen der Urvater aller uns bekannten Instrumente aus der Gitarren-Lauten-Familie ist. Schwierig ist hier, daß man als Gitarrist, wenn man anfangen will, Oûd zu spielen, dasteht wie der Ochs vorm Berg: Die beiden Dinger haben – was die Spieltechnik angeht – nix, aber auch wirklich gar nix – miteinander zu tun. Gelernt hab‘ ich das Oûd-Spiel dort, wo ich mir mein Baby hab‘ bauen lassen: in Tunesien. Ich hatte dort längere Zeit beruflich zu tun und vertrieb mir die Zeit, indem ich mich allabendlich in die Obhut eines Oûd-Lehrers begab. Jeden Abend. Sieben Abende pro Woche. Vier Wochen pro Monat. Und so weiter und so fort. Trotzdem hab‘ ich nach wie vor das Gefühl, eigentlich überhaupt nix zu können auf dem Ding. Aber der Klaaang….. *träum* Ein weiteres „Exotikum“ – wenn man so will – ist der Dulcimer – genauer gesagt ein „Appalachian Dulcimer“. Auf solchen Teilen hab‘ ich bereits während meiner „Folkie-Karriere“ gern rumgeschrubbelt. Wobei ich – neben den „normalen“ Spielweisen mit Fingern oder Plektrum – auch gerne eine handelsübliche Feld-Wald-und-Wiesen-Stricknadel (!) einsetze, um das gute Stück auch noch perkussiv zu maträtieren. Ein weiteres Mitglied der „Black Wedding“-Familie ist eine türkische Saz – eine Art „Langhals-Laute“, die ich mir von Musikanten aus meinem Bekanntenkreis aus Istanbul habe mitbringen lassen. Last, but not least, kam auch noch eine kleine Cister hinzu; ein Instrument, das aus der „modernen Mittelaltermusik“ nicht mehr wegzudenken ist. Soviel zu den „Saiten-Kandidaten“. Bereits erwähnt hab‘ ich dazu ja noch, daß im Laufe der Zeit ein großer Teil der Percussion-Geschichten durch „richtige“ „Hau-Draufs“ ersetzt worden ist. Ergo: Auftritt Darbouka und Co.! Kurz und knapp: Auf „11000 Virgins“ sind zu finden: zwei türkische Darboukas, dazu noch eine algerische aus Kupfer, eine über 100 Jahre alte Riqq aus Tunesien – das ist so eine Art „Schellentrommel“ -, eine ziemlich große Djembe, die mir meine bessere Hälfte aus Togo mitgebracht hatte, eine Tamtam aus Kenia und ein einsamer balinesischer Gong, der seinen mühsamen Weg aus einer „Dschungel-Manufaktur“ auf Bali nach Brüssel gefunden hat. Was für eine Schlepperei war das……. DER RELEASE VON „11.000 VIRGINS“ IST JA NUN SCHON EINIGE TAGE VERGANGEN. WIE WAR DAS BISHERIGE FEEDBACK? Oh – das war lustig! Eigentlich hatte ich nicht erwartet, daß im Zuge der „Mittelalter-Musik-Schwemme“ viele Leute drauf anspringen. Aaaaaber – ich wurde eines besseren belehrt. Vor allem innerhalb der ersten anderthalb Monate nach der Veröffentlichung gingen die CDs weg wie warme Semmeln. Auch das mediale Feedback war mehr als befriedigend. An dieser Stelle schonmal ein ganz besonders dickes, fettes DANKESCHÖN an die Leutz von der „PromoFabrik“, die sich äußerst enthusiastisch meines Babies angenommen hatten und durch ihr Tun und ihren Einsatz dafür gesorgt haben, daß das gute Stück vor allem in den Internet-Medien bekannt geworden ist. WIE BIST DU EIGENTLICH ZUR MUSIK GEKOMMEN? Hmmmm… daran hat vor allem die Familie meiner Mutter einen nicht unbeträchtlichen Anteil. Mein Onkel war in den 60ern französischer Träller-Barde (Heute nennt man sowas ja „Chansonier“). Meine Tante ist eine nicht un-erfolgreiche Malerin. Also alles in allem eine Familie, die den „schönen Künsten“ gegenüber nicht abgeneigt ist. Meine Mutter hatte mich schon als klitzkleinen Stöpsel in die musikalische Früh-Erziehung gesteckt und auch sonst immer dafür gesorgt, daß mir „Ohr-Futter“ nie ausging. Nach der – wohl für damalige Verhältnisse obligatorischen – „Blockflöterei“ begann ich mit 12 (Jahren) – wohl aus Protest – mit dem Gitarre-Spiel. Zwischen 1979 und irgendwann in den 80ern tingelte ich dann mit diversen Klampfen und teutonisch-bösem Liedgut durch die Lande – sprich: von Jugendzentrum zu Fußgängerzone und zurück. Anfang der 80er – mit 20 – entdeckte ich dann die wundersame Welt der Synthesizer. Und da bin ich eigentlich bis heute hängen geblieben. Nur daß die Folkie-Vergangenheit mich wohl irgendwie wieder eingeholt zu haben scheint. Deswegen wohl auch der Einfluß von „volkstümlichen“ *lach* Instrumenten bei „11000 Virgins“. DIE LEGENDE VON DER HEILIGEN URSULA UND IHREN 11.000 JUNGFRAUEN HAT JA NUN SCHON EIN PAAR JAHRE AUF DEM BUCKEL. WIE KAMST DU DAZU, DIESE GESCHICHTE NOCH EINMAL AUSZUKRAMEN? Ööööh – muss ich das wirklich und wahrheitsgemäß beantworten? *grins* Meine liebe Sangesdame Cissy, ihre Schwester und ich waren Anfang 2003 zu einer Recording-Session in die flämische Tundra unterwegs. Während der Fahrt hörten wir meinen ’93er Erstling (Anm.: die erste CD-Veröffentlichung von Louis Zachert – „VIE!“ [BMG/ARIS], 1993). Cissys Schwester – eine hochangesehene belgische Cembalo-Spielerin – meinte, daß diese Musik (Anm.: rein elektronische Musik im Stil von Tangerine Dream, Klaus Schulze und Jean Michel Jarre) doch gut mit Mittelaltermusik zusammengehen könnte. Woraufhin Cissy sagte, daß sie ein Werk der deutschen Mystikerin Hildegard von Bingen kennen würde, das allein aufgrund des Titels sehr gut zu uns allen passen würde: „11000 Virgins“ – 11000 Jungfrauen! *lach* Bis dato hatte ich eigentlich nicht besonders viel Ahnung von Madame Hildegards Werk, aber das Ganze ließ mir keine Ruhe. Ich machte mich im Internet auf die Suche, besorgte mir Hintergrund-Literatur und schlußendlich auch die Partitur zur „11000 Virgins“. Aus Spaß wurde gewissermaßen Ernst. Und dieser Ernst ist mittlerweile fast sechs Jahre alt. Je mehr ich mich mit der eigentlichen Geschichte hinter Hildegards Vokal-Zyklus beschäftigte, desto mehr nahm mich das alles gefangen. Man kann sagen, daß ich mich so richtig festgebissen hatte. Während die eigentlichen Gesangsaufnahmen in Nullkommanix über die Bühne gingen – und dies liegt nicht zuletzt daran, daß Cissy eine wirklich durch und durch professionelle Sängerin ist – feilte ich bis Mitte 2008 an der Musik. Nie war ich so richtig zufrieden. Aber jetzt: Traraaa – here we are! HAST DU AUCH NOCH ANDERE MUSIKALISCHE VORBILDER NEBEN HILDEGARD VON BINGEN? Musikalische Vorbilder gibt es so einige. Zum einen sind dort die ganzen „Elektriker“ der sogenannten „Berliner Schule“ zu nennen. Also Tangerine Dream, Klaus Schulze, Ashra Tempel und Co. KG. Hinzu gesellen sich so einige „Düster-Elektroniker“: Dirk „Dive“ Ivens, Rudi „RumpelKurt“ Ratzinger (*winkewinke nach LA*) oder auch die swedisen Sweden von „Archon Satani“ [R.I.P.]. Ganz toll find‘ ich natürlich auch das Wirken von Ernschtl Horn (Deine Lakaien, Helium Vola und frühe Qntal) . Auf der anderen Seite haben wir noch die von mir heiß und innig geliebten Welt- und Mittelalter-Musikanten von „Faun“, „Omnia“, „Garmarna“, „Hedningarna“ oder auch „Qntal“. Zu guter letzt – und das hab‘ ich wohl meiner Tätigkeit im arabischen Kulturkreis zu verdanken – sind dort so einige große Musikanten zu vermerken, wie beispielsweise der türkische Tausendsassa Mercan Dede (Anm.: …der auch schon mit Peter Murphy zusammegearbeitet hat). Hier jetzt all diejenigen aufzuführen, die mich auf die eine oder andere Weise beeinflusst haben, würde wohl den Rahmen dieses Gesprächs sprengen… WENN MAN NACH DEINEM NAMEN IM NETZ RECHERCHIERT, FALLEN AUCH NAMEN WIE IONIC VISION, IMPLANT UND IN STRICT CONFIDENCE. WAS KANNST DU UNS DARÜBER BERICHTEN? Tja – das ist recht einfach: Während meiner Schaffenszeit als freischaffender Musikant und Musik-Ingenieur wurde ich des öfteren gebeten, ob ich denn nicht Lust hätte, für die ein oder andere Kapelle remix-mäßig tätig zu werden. Und da es mich immer gereizt hat – und immer noch reizt – die Musik anderer Leute durch den Wolf zu drehen, hab‘ ich zumeist zugesagt. Kleine Anekdote am Rande: Dennis „I.S.C.“ Ostermann hatte mich ausgerechnet in einer Zeit der „privaten Durststrecke“, während der ich so gut wie keinerlei Zugriff auf „amtliches“ Equipment hatte, gefragt, ob ich denn nicht einen Remix für seine „Industrial Love“-Geschichte machen wollte. Schluck! Wie? Mit so gut wie nix? Seinerzeit hatte ich grad mal ’nen popeligen Rechner mit einer Spielzeug-Soundkarte. Aber: Improvisation ist alles! Mit dieser ollen Soundblaster-Karte, die ich mit meinen eigenen Klängen gefüttert hab‘, bastelte ich das Ding dann auch zusammen. Was für eine Pfriemelei! Heute muss ich darüber lächeln, aber seinerzeit hat mir das Ganze doch gehörig Kopfschmerzen verursacht. WÜRDEST DU GERNE AUCH MIT ANDEREN MUSIKERN ZUSAMMEN ARBEITEN? Schwierig, schwierig! Mein Problem ist, daß ich nicht unbedingt der großartige „Teamworker“ bin. Musikalischer Einzelkämpfer gewissermaßen. Auf der anderen Seite hat sich – vor allem in den letzten Monaten – gezeigt, daß mir die spontane „Session-Arbeit“ mit anderen Musikanten super-viel Spaß macht. Ich hatte ja schon erwähnt, daß ich nicht mehr unbedingt mit „Radikal-Amateuren“ werkeln möchte. Es ist einfach viel zu geil, mit „richtigen“ Musikanten zusammenzuarbeiten. Diejenigen, die bei „Cmaj7“ nicht nur „Häää?“ sagen. Für die „12/8tel“ nicht eine Ansammlung von Zahlen ist. Deswegen ist meine Messlatte vielleicht recht hoch. Ich will jetzt beileibe nicht arrogant klingen, aber in der Vergangenheit bin ich einfach viel zu oft enttäuscht worden, hatte viel zu viel Stress mit Leuten, die sich für die begnadedsten Musiker des bekannten und unbekannten Universums hielten, die aber nicht in der Lage waren, ein popeliges Lead-Sheet zu lesen. Was nicht heißen soll, daß jeder Musikant unbeding notenfest sein soll! Mitnichten! Es gibt glücklicherweise tonnenweise Musiker, die überhaupt keine Ahnung von Musiktheorie, Arrangement und dem ganzen Drumherum haben, die aber intuitiv derartig genial sind, daß einem beim Zuhören die Kinnlade runterfällt. Vor einigen Wochen hab‘ ich hier z.B. eine kleine Djembe-Session mit einem senegalesischen Musiker gehabt, bei der ich vor lauter Staunen zwischendurch aufhören musste zu spielen. Dieser Mann hatte Musik im Blut! Wahnsinn! Auf der anderen Seite haben wir dort auch Herrn Horn (unseren Ernst), der – obwohl ausgebildeter Musikant – nach wie vor das richtige „Feeling“ hat. Vor dem ich ganz tief meinen imaginären Hut ziehe. Aber – zurück zu Deiner Frage: Mit wem Lala machen? Eigentlich mit so ziemlich Jedem, der Musik „lebt“. Ganz egal, aus welcher Musikrichtung. Na ja – stimmt nicht ganz. HipHop, R&B und „Volksmusik“ wären ein gewaltiges Problem…. *grins* Mein Traum wäre es allerdings, mal ein Stück mit Mylène Farmer aufnehmen zu dürfen. *augenverdreh*… WELCHE BANDS FAVORISIERST DU PRIVAT? Ich komm‘ ja nun eigentlich aus der „Düster-Ecke“. Also sollte man wohl annehmen, daß ich auch solcherlei Kram auch privat konsumiere. Stimmt aber nur teilweise. Klar – sowas hör‘ ich natürlich auch noch. Aber meine „All-time favourites“ sind und bleiben im Grunde genommen die Folgenden: Indochine, Depeche Mode, Tangerine Dream – von denen aber nur die alten Sachen – und meine heiß und innig verehrte Mylène Farmer. Als „Musik-Papst“ kommt für mich nur der polnische Komponist Krzystof Penderecki in Frage. Seit fast 30 Jahren mein Vorbild, Idol und musikalischer Wegbereiter. Für alle, die den guten Mann nicht kennen: Hören! Ist Neo-Klassik at its very best! Ohne Synthetik. Einfach geile Musik zum Rein- und Umfallen! DU BIST EIN VIELBESCHÄFTIGTER MANN, WIE SCHAFFST DU ES, ALLES UNTER EINEN HUT ZU BEKOMMEN? Ehrlich gesagt: Momentan geht’s so gut wie gar nicht. Ich musste viel aufgeben, was mir ansonsten lieb und teuer war. Im Augenblick hab‘ ich nur: Job und Lala. Alles andere steht hintenan. Umgekehrt wär’s mir auch lieber. Aber: CDs kann man nicht essen. Und von Gefälligkeiten wird man leider auch nicht satt. Auch wenn’s weh tut, den ein oder anderen vor den Kopf stoßen zu müssen: Der Tag hat nur 24 Stunden. Und wirklich alles unter einen Hut zu kriegen, geht leider irgendwie garnicht. Leider, leider… WAS MOTIVIERT DEINER MEINUNG NACH EINEN MUSIKER IN BETRACHT AUF DEN WERTEFALL DER CD HEUTZUTAGE NOCH DAZU MUSIK ZU MACHEN? Musikmachen ist wie Essen und Trinken und Aufs-Klo-Gehen. Muss man machen. Wenigstens bei den Leuten, die sich vom Virus „Musik“ haben infizieren lassen. Eine CD ist eine feine Sache – muss aber nicht unbedingt sein. Es ist schön, so was „Eigenes“ in der Hand zu haben. Das private „Jodel-Diplom“ sozusagen *lach*. Trotzdem bleibt’s das Wichtigste, einfach zu „machen“. Sich mitzuteilen. Sich auszutauschen. Verkäufe sind – vor allem in heutiger Zeit – sekundär. Wir alle – jedenfalls die Musikanten unter uns – wissen, daß das Gros der CDs zumeist wie Blei in den Regalen der Läden liegt. Was sich aber immer mehr wieder lohnt, sind Live-Gigs. Da – und zumeist nur da – laufen die CD-Verkäufe oft extremst gut. Nach dem Motto: „Einmal Alles bitte!“ Das rechnet sich. Also – liebe Musiker: Spielen! Live! In echt! Und in Farbe! Dann klappt’s auch mit dem CD-Verkauf. Der ein oder andere mag sich jetzt vielleicht fragen: Wieso erwähnt dieser Kerl mit seiner Popel-Studio-Kapelle, die noch nie live aufgetreten ist, ausgerechnet sowas? Ganz einfach: Der popelige Kerl hat auch schon in einigen anderen Orchestern mitgewerkelt. Und außerdem hat er vor, auch „Black Wedding“ mal auf die Bühne zu bringen. Je eher, desto besser…. NACH EINEM HERVORRAGENDEN ERSTEN ALBUM STELLT SICH MIR DIE FRAGE, WIE ES WEITER GEHEN WIRD. IST EIN NEUES ALBUM IN PLANUNG? Kurz und knapp: Ja! VIELEN DANK FÜR DEINE ZEIT UND DAS INTERVIEW. VIELLEICHT LIEGEN DIR JA NOCH EIN PAAR ABSCHLIESSENDE WORTE AUF DER ZUNGE? Erstmal vielen Dank an Euch! Und ich möchte gern allen Leserinnen und Lesern sagen: Haltet Eure Ohren GANZ WEIT OFFEN! Es gibt so verdammt viel zu entdecken. Musik ist ein ganzes Universum. Hier dürft Ihr alle noch Kind sein! Und DAS ist das Tolle dran….

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