Terrorverlag > Blog > BRIGHT LIGHT RECORDS (DANIEL KRATZ/ SEBASTIAN WALL)

Interview Filter

BRIGHT LIGHT RECORDS (DANIEL KRATZ/ SEBASTIAN WALL)

VOR GERAUMER ZEIT IST BEREITS DIE DRITTE VERÖFFENTLICHUNG AUF DEM RODGAUER LABEL BRIGHT LIGHT RECORDS ERSCHIENEN. NACH ZWEI SAMPLERN DER “RETURN TO LIGHT”- REIHE WURDE MIT DIODATI DIE ERSTE BAND UNTER VERTRAG GENOMMEN. GRUND GENUG, EUCH DIESES LABEL GENAUER VORZUSTELLEN. WANN WURDE „BRIGHT LIGHT RECORDS“ GEGRÜNDET? Bright Light Records wurde im Dezember 2003 aus der Taufe gehoben. WELCHE BEDEUTUNG HAT DER NAME DES LABELS? Der Labelname sollte in angenehmem Kontrast zur vom Label veröffentlichten Musik stehen. Allerdings sollte weiterhin ein Bezug zur schwarzen Szene da sein. Mit „Bright Light Records” hatten wir einen Namen gefunden, unter dem man vieles vereinen kann, was sich als schwarz bezeichnen lässt, aber vielleicht durch das eine oder andere Merkmal auch ein wenig untypisch ist. MIT WIEVIEL LEUTEN BETREIBT IHR „BRIGHT LIGHT“? Der Kern von Bright Light Records ist ein Zwei-Mann-Betrieb. UND WAS IST DIE „BRIGHT LIGHT MEDIA GROUP“? Die „Bright Light Media Group“ ist das Dach von „Bright Light Records“. Unter diesem Dach werden sich in Zukunft noch einige andere Sparten tummeln, von denen wir jetzt allerdings noch nicht allzu viel verraten möchten – wir bitten diesbezüglich um Verständnis. Soviel aber schon mal: Bereits existent ist “Bright Light Artwork”. Hier arbeiten wir mit einer ausgebildeten Designerin zusammen, die sich auch bisher für alle unsere CD-Gestaltungen verantwortlich zeichnete. Wir sind so auch in der Lage, labelfremden Bands ein professionell gestaltetes Designkonzept für ihre Veröffentlichung anzubieten. Des Weiteren haben wir vor, den Kunstbegriff so weit wie möglich zu fassen und denken auch über Veröffentlichungsformen in Bild und Schrift nach. SEID IHR SELBST BISHER AUCH MUSIKALISCH AKTIV GEWESEN? Wir beide können auf mittlerweile je 20 Jahre musikalische Erfahrung zurückblicken. Bereits von Kindesbeinen an hatten wir Zugang zu diversen Instrumenten. Vielleicht ist noch interessant, was wir musikalisch momentan so treiben: Daniel arbeitet an einem Projekt mit Felix von AGATHODAIMON und Sebastian schreibt gerade an einem klassischen Requiem. Beides ist aber eher als Privatvergnügen gedacht und weniger zur Veröffentlichung bestimmt. Im Übrigen: Entgegen dem, was man im Februar im Orkus lesen konnte, waren wir beide keine Mitglieder bei Westwerk. WELCHE MUSIKRICHTUNGEN WOLLT IHR MIT „BRIGHT LIGHT“ ABDECKEN? Im Grunde sehen wir da wenige Schranken. Von elektronischen Klängen über Gitarrenmusik und Folk bis hin zu Klassik stehen wir allem gegenüber offen. Wir veröffentlichen vor allem, was uns gefällt. Unsere erste Band DIODATI ist ja bekanntlich im Bereich Neoklassik tätig, bei der zweiten Band, die wir gesignt haben, handelt es sich um das Elektro-Projekt ELLIPSE. Natürlich orientieren wir uns bei Veröffentlichungen auch an der schwarzen Szene, da wir beide dort verwurzelt sind und dem entsprechend in diese Richtung unsere Kontakte pflegen. IHR HABT JA BEREITS ZWEI SAMPLER DER „RETURN TO LIGHT“-REIHE VERÖFFENTLICHT. WIE WAR DIE RESONANZ AUF DIESE CDS? Wir hatten zunächst Bedenken, dass ein solches Projekt seitens der Medien auf positive Resonanz stoßen würde, da wir bewusst auf “Zugpferde” verzichtet haben und uns ganz auf Newcomer ohne Deal beschränkten. Allerdings war das Echo überraschend positiv, was uns in dem Vorhaben bestärkt, weiterhin noch unbekannten Bands auch einem Hörerkreis zugänglich zu machen, den sie sonst vielleicht nicht so schnell erreichen würden. Dass Interesse an solchen Projekten besteht, merkt man auch daran, dass “Return to Light Vol. 1″ mittlerweile fast völlig ausverkauft ist. Leider scheint es auf diesem Sektor einige schwarze Schafe zu geben, so dass wir auch heute noch mit einer großen Skepsis der Bands zu kämpfen haben, was auf der einen Seite zwar verständlich, auf der anderen Seite aber auch sehr bedauerlich ist. MIT DIODATI STEHT EINE ERSTE BAND BEI EUCH UNTER VERTRAG. WIE IST ES ZU DEM DEAL GEKOMMEN? Wir stehen jetzt seit über einem Jahr mit DIODATI in Verbindung. Als sie uns das Demo überreichten, war recht schnell klar, dass sie die perfekte erste Band für uns darstellen würden, da die Musik von DIODATI etwas Besonderes ist. Wir beide hatten vorher eine solche Art von Musik noch nie gehört und sie gefiel uns sofort. DIODATI sind schwer zugänglich, genauso schwer verdaulich und künstlerisch anspruchsvoll. Trotz der nicht zu leugnenden Sperrigkeit packte uns das Können der drei unmittelbar. VERHANDELT IHR BEREITS MIT WEITEREN BANDS? Ja, wir sind in Gesprächen mit einem weiteren Elektroprojekt. WERDET IHR AUCH KONZERTE BZW. FESTIVALS VERANSTALTEN? ICH DENKE DA Z.B. AN EIN „RETURN TO LIGHT”-FESTIVAL. In näherer Zukunft wird es so etwas leider nicht geben, da wir nicht zu viele Baustellen auf ein Mal eröffnen wollen, sondern lieber das, was wir uns vornehmen, mit hundertprozentigem Engagement durchziehen. Da sind Festivals momentan leider nicht drin – was aber für die Zukunft nichts heißen muss. Immerhin haben wir auch schon in der Vergangenheit über „Return to Light“- Festivals gesprochen. WAS KÖNNEN WIR 2006 VON EUCH ERWARTEN ? Einiges: Das Release von DIODATI – “Soul’s lament” haben wir ja schon hinter uns, “Welt aus Papier” von ELLIPSE wird im Juli folgen. Dann im Laufe des Jahres wahrscheinlich noch einige weitere Longplayer und Sampler. Lasst Euch überraschen, es ist bereits einiges in Arbeit – zum Beispiel suchen wir für Return to Light Vol. 3 – unseren Promotionsampler – noch Bands. WO KANN MAN EURE VERÖFFENTLICHUNGEN BEZIEHEN? Unsere Veröffentlichungen kann man dank SX-Distribution, mit denen wir einen kompetenten Vertriebspartner gefunden haben, überall kaufen bzw. vorbestellen. Natürlich sind die Releases auch über unseren eigenen Shop (www.bright-light-records.de/shop) zu beziehen. NUN MAL EIN PAAR ALLGEMEINERE FRAGEN: WIE BEURTEILT IHR DIE DERZEITIGE MUSIKSZENE? Das ist schwierig… die Musikszene ist auf der einen Seite nach wie vor sehr lebendig, auf der anderen Seite nimmt die Qualität der Veröffentlichungen im allgemeinen immer mehr ab, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass heute jeder, der mit einem Rechner und dem ALDI-Music-Maker ausgestattet ist, aus Langeweile ein paar Töne zusammenklicken kann. Das an sich ist ja nicht weiter verwerflich, allerdings sollte man sich dann noch nicht unbedingt als Musiker bezeichnen und den Rest der Menschheit mit seinen Werken beglücken wollen. Des weiteren wird es wegen der zunehmend kommerziellen Ausrichtung auch schwarzer Plattenfirmen sogar mit Talent und Willen immer schwerer, seine Musik zu veröffentlichen, wenn sie nicht genau in ein gewisses Schema passt. Das halten wir beide für sehr bedenklich, da Musik vor allem von Vielfalt lebt, die nach und nach eliminiert zu werden scheint. Wir versuchen dagegen zu arbeiten. WAS DENKT IHR ÜBER TAUSCHBÖRSEN WIE Z.B. EMULE ETC.? Hier gehen unsere Meinungen ein bisschen auseinander. Sebastian: Ich stehe Tauschbörsen mehr als kritisch gegenüber. Das nicht unbedingt, weil uns durch das illegale Kopieren von Musik Geld durch die Lappen geht – das ist minder tragisch. Was ich allerdings wirklich tragisch finde ist, dass dem Künstler, der meist ein Jahr seiner Zeit in ein Album gesteckt hat, keinerlei Entlohnung für seine Mühe bekommt, so ihm also im Endeffekt eventuell sogar das Geld fehlt, um ein neues Album zu produzieren. So schneidet man sich als Musikkonsument sehr schnell ins eigene Fleisch. Sicherlich trifft das Popgrößen nicht so hart, wenn sie statt 10 Millionen nur 5 Millionen verdienen. Eine Szeneband trifft das dann aber schon empfindlicher. Das sollte man bedenken. Daniel: Prinzipiell bin ich da völlig Sebastians Meinung. Das Problem bei Tauschbörsen besteht vor allem darin, dass sie sich nicht verhindern lassen. Denn auf eine abgeschaffte Tauschbörse folgen meist zwei neue Konzepte zum Datenaustausch, die die bisherige Gesetzeslage umgehen oder die Schließung durch Dezentralisierung erschweren. Somit muss man sich mit dieser Tatsache wohl oder übel arrangieren oder lernen, sie gegebenenfalls für sich zu nutzen: Immerhin bilden globale Netzwerke ein ungeheures Verbreitungs- und Werbepotenzial, was nicht unbedingt schlecht ist, vorausgesetzt, der Benutzer behält im Hinterkopf, das er mit einem Kauf von CDs oder vielleicht auch nur von mp3 Dateien letztlich die Leute unterstützt, die es verdient haben und nutzt diese Möglichkeiten. Denn wie schon erwähnt treffen Raubkopien leider vor allem die kleinen Unternehmen und weniger bekannten Szenebands. GIBT ES ETWAS, WAS IHR UNSEREN LESERN NOCH MITTEILEN MÖCHTET? Künstler hat es immer gebraucht, man braucht sie heute und man wird sie auch immer brauchen – sie eröffnen andere Sichtweisen, machen vieles erträglicher und geben neue Denkanstöße. Viele haben die Fähigkeit, Umwelteinflüsse und Gefühle in konstruktive Arbeiten umzuwandeln. Vielleicht sollte man es einfach versuchen. Nicht nur im Kontext von Musik, sondern auch Malerei, Bildhauerei, Schriftstellerei etc. Jeder sollte versuchen, die geeignete Ausdrucksform für sich zu finden. Denn gibt es etwas Bedauerlicheres als ein vergeudetes Talent?

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.