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CALLEJON (BERNHARD/ THORSTEN/ THOMAS)

WIR SCHREIBEN DAS JAHR 2008. WIND UND REGEN PEITSCHEN DURCH DAS HERFORDER LAND WIE EIN AUFSEHER DIE RUDERSKLAVEN AUF EINER GALEERE. EIN KAHLER AST HÄMMERT UNUNTERBROCHEN AN DAS FENSTER UND BRINGT ES FAST ZUM BERSTEN. ALEX UND CHRIS SITZEN FRÖSTELND AUF DEM BODEN VOR DEM „X“, IN ERWARTUNG DES AM HEUTIGEN 11. OKTOBER STATTFINDENDEN „WILDCARD-FESTIVALS“ – DOCH GEGEN DIE KÄLTE, DIE VON INNEN DURCH DIE KNOCHEN ZIEHT, GIBT ES KEINE DECKE. WIE GEBANNT SCHAUEN SIE AUF DAS ALTE FUNKGERÄT, AUS DEM SICH LANGSAM STIMMEN GEGEN DAS RAUSCHEN DURCHSETZEN: WIR KONNTEN SIE NICHT AUFHALTEN -RAUSCH- HAMBURG IST GEFALLEN –KRACKS- BERLIN IST EIN EINZIGES BLUTMEER UND NIEMAND HAT ÜBERLEBT. –RAUSCH- SIE ZIEHEN JETZT WIEDER IN RICHTUNG RHEIN. –KRACKS- MORGEN ERREICHEN SIE HERFORD –KRACKS- ES IST VORBEI!!! ALLES.. ALLES IST VORBEI… ALEX SCHALTET DAS ALTE GERÄT AB…. DIE ERKENNTNIS SCHIEBT DIE ANGST AUS DEN KÖPFEN DER BEIDEN. SCHWEIGEND VERHARREN SIE DEN REST DER NACHT JEDER FÜR SICH MIT DEM LEBEN ABSCHLIESSEND… AM MORGEN IST DER STURM DEM NEBEL GEWICHEN. EIN BLUTROTER NEBEL BEDECKT OSTWESTFALEN WIE EINE DÜSTERE VORAHNUNG, WAS DEM LAND PASSIEREN WIRD. ALEX UND CHRIS STEHEN VOR DEM SENFFARBIGEN LIEFERWAGEN. DEM TOR ZUR HÖLLE, DER GEBURTSTÄTTE ALL DES LEIDS UND TODES. SIE NEHMEN EINEN LETZTEN ATEMZUG, ÖFFNEN DIE TÜR UND TRETEN HINEIN… Thomas: Wer will ein Ricola-Bonbon? UND SO BEGINNT ES… CHRIS: SO, WIR SITZEN HIER JETZT MIT CALLEJON; ERSTMAL: WIE GEHT’S EUCH? Bernhard: Uns geht’s soweit ganz gut – wir sind ein wenig ausgebombt, weil wir gestern einen Off-Day hatten und dementsprechend vorgestern noch mal richtig schön Gas gegeben haben – und Buschi [Thomas] hat immer noch den Jägermeister in den Augen stehen (lacht). CHRIS: WAS HALTET IHR VOM LINE-UP HEUTE ABEND? Bernhard: Ja, total cool. Also mit PARACHUTES haben wir ja letztens auch auf dem „SpAck“ gespielt, super coole Jungs. Thorsten: Die fahren ja jetzt auch die Tour mit uns, weil das genau so Saufköpfe sind wie wir (lacht). Mit den [EMIL] BULLS hatten wir bislang noch nicht das Vergnügen… Thomas: Der Bassist war mit in München. Thorsten: Ach ja, genau. Das war auch geil! Der war so besoffen und meinte so (verstellt die Stimme): „Ächz, also ihr seid ja nette Jungs, aber mit dem neumodischen Zeug kann ich gar nichts anfangen“. (lacht) CHRIS: DAS SAGT DER VON DEN EMIL BULLS… (LACHT) Thorsten: Ja, mit FEAR MY THOUGHTS haben wir glaub ich auch mal auf dem „Summerblast“ gespielt, aber halt nie so wirklich viel mit geredet, das ist so ein großes Festival, da läuft man sich vorbei und erkennt auch gar keinen, eigentlich. Da sehen ja auch sowieso alle gleich aus: Entweder lange Haare oder Emo-Frisur. (lacht) Bernhard: FEAR MY THOUGHTS haben irgendwie vor zwei Jahren mal in Essen gespielt, aber ich glaube da warst du [Thorsten] noch gar nicht dabei. Das war als THE BLACK DAHLIA MURDER-Support und da waren die auch echt cool! Nette Typen, aber bislang hatten wir nicht so groß Kontakt. Ja, und TASTE OF BLOOD – die kennen wir gar nicht, aber da habe ich ja gerade von dir [Chris] gehört, dass das coole Typen sind. CHRIS: JA, ALSO DIE SIND AUCH MIT DAS BESTE, WAS MAN SICH MELODIC-DEATH-MÄSSIG HIER SO DAZU HOLEN KANN. Thorsten: Hier gibt’s doch auch noch so eine Band, „Burning Alive“ oder so. [Anspielung auf Chris’ Band BURNED ALIVE) CHRIS: „BURNING ALIVE“?? ICH HAU DICH GLEICH! (LACHT) ALSO, KOMMEN WIR ZU „NUCLEAR BLAST“: WIE KANN MAN SICH DAS VORSTELLEN: IHR HABT JETZT BEI DEM LABEL UNTERSCHRIEBEN, HAT JETZT JEDER VON EUCH EINEN PORSCHE VOR DER TÜR STEHEN UND ZWEI PLAYMATES, DIE IM BETT WARTEN? Thorsten (lacht): Ja, also Porsche ist es nicht ganz, es ist eigentlich nur ein Mercedes, aber mit der nächsten Platte kriegen wir dann nächstes Mal doch noch ein bisschen mehr Geld. Thomas: Ich hab auf mein Auto verzichtet – hab dafür drei Weiber im Bett (lacht). Thorsten: Nee, also bei Nuclear Blast ist es so: Es geht ja sowieso das Gerücht um, dass wir ja so ultra viel Geldbekommen haben, dass wir jetzt echt alle Autos haben, dass wir jetzt gar nicht mehr arbeiten, aber es ist halt nicht so. Jeder von uns versucht halt noch zu studieren – mehr schlecht als recht. Ich habe einen Kack-Job im Schichtdienst, damit ich das alles vereinbaren kann. Der Buschi hat eine 24-Stunden-7 Tage-Woche, hat noch eine eigene Firma und Bodo ist auch Freiberufler, der hat das gleiche Los gezogen wie ich: Der kann sich zwar frei nehmen wie er will – aber kriegt sieht halt dann auch kein Geld. Bernhard: Und auch ansonsten ist es eh so, dass es Plattenfirmen im Moment recht schwer haben, man kennt ja die Problematik. Die 80er sind vorbei, so dass nicht für eine Band, die noch dazu so Prügel-Kacke macht wie wir, viel Geld ausgegeben wird; da braucht man sich keine Illusionen machen. Wir haben natürlich ein gewisses Budget bekommen, was die Albumproduktion angeht – damit konnten wir halt eben gerade so das Album fertig machen und dass was dann aber auch. ALEX: IST ES DENN JETZT UNTER DEM LABEL EIN ANDERES ARBEITEN? Bernhard: Das auf jeden Fall. Wir waren ja vorher auf einem kleineren Label, „My Favourite Toy Records“, was halt nur von einem Typen gemacht wurde – und das hat der auch gut gemacht – es ist halt so: „Nuclear Blast“ gibt’s seit über 20 Jahren und die wissen halt, was sie machen. Das sind halt alles Vollprofis und es ist schon cool, mit denen zu arbeiten. CHRIS: WAS ICH FRAGEN WOLLTE ZUM LINE-UP: JETZT SIND JA NUR DU [BERNHARD] UND BASTI KOMPLETT VON ANFANG AN DABEI. INWIEFERN HAT DAS EUER SONGWRITING BEEINFLUSST, ALS DIE NEUEN JUNGS DAZU GEKOMMEN SIND? WAR ES HALT IMMER SO, DASS DU [BERNHARD] DIE GANZE RIFFS GESCHRIEBEN HAST UND BASTI HAT DAS GANZE ABGESEGNET ODER INWIEFERN HAT SICH DURCH DIE NEUEN MEMBER DA WAS GEÄNDERT? Bernhard: Ja, also ich schreibe die Songs komplett alleine, zu hause mit meinem Streicherorchester… (lacht) CHRIS: …MIT DEM PRAGER STAATSORCHESTER (LACHT)… Bernhard: Nee, im Ernst: da hat sich schon einiges getan. Gerade in der Kombination Buschi und ich als Gitarristen – da macht man ja schon viel mit Riffs in den Raum ankommen und so, und da haben wir uns halt schon gut ergänzt. Buschi ist halt eher so alte Rock-Schule und das ist in der Mischung mit dem Metal-Zeug schon geil. Und Thorsten hat halt auch noch andere Aspekte da mit reingehauen, unsere kleine Pop-Schlampe (lacht). Thorsten (lacht): Ja, deshalb klingt das neue Album jetzt auch so: Weil ich bin Schuld.(lacht) Bernhard: Ja, und Bodo ist auch noch mal ein enormer Schub nach vorne gewesen. Er ist ja nun erst seit März fest dabei und so haben wir in vier Monaten die kompletten Songs zusammen geschrieben. So wie es im Moment ist, funktioniert es echt sehr, sehr gut und deshalb denke ich, ist es auch wichtig, dass du in einer Band auch mehrere Impulse hast und jeder an einem Strang zieht. Bei uns ist es auch nicht so, dass jetzt irgendwie einen kompletten Song schreibt und einer den anderen. Bei uns bringt jeder seine Ideen mit in den Raum und dann feilt man gemeinsam daran rum, so dass dann auch jeder damit zufrieden ist. ALEX: GAB ES DENN VON SEITEN NUCLEAR BLAST IRGENDWELCHE VORGABEN, SO VON WEGEN: „IHR MACHT SO UND SO VIELE SONGS IN DIE RICHTUNG, UND DIE ANDEREN MACHT IHR IN DEM UND DEM PRINZIP, ODER HAT MAN DAS KOMPLETT EUCH ÜBERLASSEN? Thorsten: Eingeschränkt hat man uns da gar nicht. Das war ja auch das große Glück: Von vielen anderen, auch befreundeten Bands, hat man schon Horrorgeschichten gehört: „Boah, bei uns im Vertrag steht, wir müssen das und das machen und die haben uns reingeredet und die ganze Platte gekippt…“ – das hatten wir jetzt gar nicht. Wir konnten konzentriert arbeiten, einfach unser (!) Ding durchziehen und wurden auch nicht irgendwie kontrolliert. Bernhard: Das war halt auch ganz gut: Der Promoter von Nuclear Blast kannte halt schon unsere alte Platte und fand die auch sehr cool und dann hatten wir ja auch zwei vorproduzierte Songs dabei, um zu zeigen: In die Richtung soll das ganze gehen, und da haben Nuclear Blast auch im Prinzip alles uns überlassen. ALEX: JA, THORSTEN GIBT MIR DA GRAD DAS STICHWORT „HORRORGESCHICHTEN“: EUER ALBUM HEISST „ZOMBIEACTIONHAUPTQUARTIER“: GIBT ES DA EIN BESTIMMTES KONZEPT, IST ES EINFACH NUR EINE LUSTIGE IDEE, ODER WIE KOMMT DAS KIND ZU SEINEM NAMEN? Bernhard: Äh ja, also das hat in der Tat mit einer lustigen Geschichte angefangen. Wir hatten halt erst den Song „Zombified“ und dann überlegt: Irgendwas mit Zombie-Kram ist ja immer cool. Und dann war es halt so, dass wir für die Vorproduktion nach Hamburg gefahren sind und waren da untergebracht im Stadtteil „Altona“ – nicht gerade der strukturstärkste – in einer Musikerwohnung. Nebenan war halt ein leerstehender Karstadt, daneben war ein leerstehendes Parkhaus, was dazu gehörte, und auf dem obersten Parkdeck war noch mal ein Gebäude, das war so sechs oder siebenstöckig, in dem früher irgendwie eine Verwaltung drin war, ich glaub ein Arbeitsamt oder so. Jedenfalls war in dem obersten Stock diese Musikerwohnung, das heißt, wir waren in dem obersten Stockwerk eines völlig leerstehenden Komplexes – und das war halt echt schon spooky. Thorsten: Das hatte insgesamt so 13 Stockwerke und 666 Zimmer… CHRIS (LACHT): … UND UNTEN WOHNTEN PENNER… Bernhard: Nee, nicht ganz: Unten auf dem Parkdeck stand halt ein immer mit leeren Flaschen überfüllter Einkaufswagen, also insofern… (lacht). Jedenfalls war es dann auch so, dass der Vermieter von dem Teil dann so meinte: „Ja, cool Jungs dass ihr da seid. Übrigens, letzte Woche haben wir hier einen gefunden, der wurde hier aufgeknüpft. Erst dachten wir noch, es wäre Selbstmord, aber so wie es aussieht, wurde der da wohl unglücklich aufgehangen.“ Thorsten: Das Schlimmste war ja noch, dass wir erst mal mit unserem Auto genau unter dieser Stelle geparkt hatten. Das war dann so: „Ja Jungs, genau da, da wo ihr parkt, da baumelte der.“, und wir mussten dann unweigerlich zu dieser Stelle da schauen… Bernhard: Ja genau. Das, und dann halt auch diese beklemmende Atmosphäre mit den leeren Gängen und so weiter – da haben wir gedacht: das ist ein Zeichen, wir müssen das Album echt „Zombieactionhauptquartier“ nennen, weil wir haben halt original im Zombiactionhauptquartier gewohnt (lacht). Thorsten: Genau, und wir hatten dann noch so Spinnereien… sag mal, sprengt das jetzt den Rahmen? ALEX: ALSO ICH HAB NOCH EIN PAAR TAPES FÜRS TONBAND DABEI… CHRIS: DAS TIPPT EH ALEX AB (LACHT)… Thorsten: Sehr gut: Jedenfalls, als wir dann da oben waren haben wir uns dann überlegt so: Boah, stell dir mal vor das Mischpult – da war nämlich noch ein altes Studio drin – da kommen die ganzen alten Funksprüche aus der Vergangenheit rein, so: „…krrrr …Hamburg ist gefallen ….krrrr krrr …Berlin auch …krrr…“ und haben uns dann immer weiter da reingedacht. Irgendwann waren wir dann soweit: „Ey, das ist wie bei „Dawn Of The Dead“ das Parkhaus“, und und und… Bernhard: Wir hatten auf jeden Fall Schiss am Ende, weil das Klo war draußen im Treppenhaus und wir sind nachts dann halt so (weinerliche Stimme): „Oh, ich muss pinkeln – aber ich trau mich nicht! Wann wird es endlich hell?!“ – Es war halt echt schon böse. Thomas: Ach, du bist auf Klo gegangen? Ich bin immer nur bis zur Küche gekommen. Thorsten: Deshalb hat der Kaffee so komisch geschmeckt! Ich hatte Durchfall! Bernhard: Es war auf alle Fälle cool, weil es den Vibe von dem Album einfach noch mal um 3 Prozent erhöht hat. Aber noch mal dahin müssen wir jetzt nicht (lacht). ALEX: KOMMEN DAZU DENN NOCH GEWISSE VORLIEBEN FÜR DIVERSE HORROR-STREIFEN ODER ÄHNLICHES? Bernhard: Also das kommt doch schon auch dazu, gerade auch durch Basti, der ja auch die Texte schreibt. „Wir haben ja auch so Songs wie „Zombified“ oder „Infiziert“ oder „Quarantäne“, die halt auf einer metaphorischen Ebene diese Zombie-Thematik dann aufgreifen und Basti ist halt schon ein absoluter Horrorfilm-Nerd, das muss man schon sagen. Wir sind zwar auch schon Fans geworden, aber Basti ist da schon der Fanatiker. Thorsten: Du brauchst da nur einen Film-Titel sagen und dann geht’s gleich los (verstellt die Stimme): „Hömma, die eine Szene bei Minute so und so… genau so möchte ich soll das Album klingen“ (lacht). ALEX: ABER IHR WÜRDET ES JETZT NICHT ALS KONZEPT-ALBUM BEZEICHNEN? Bernhard: Nein, das auf keinen Fall. Wir haben halt die eben erwähnten Songs, die das thematisieren, aber dazu kommen auch noch andere Titel, die mit der Thematik nichts zu tun haben. Also jetzt ein ganzes Album zu dieser Thematik, das wäre nicht so unser Ding, denke ich. CHRIS: WAS HALTET IHR DENN VON DER NEUEN SCHEIBE? Bernhard: Also wir haben ja vorhin ja schon gesagt: Das ist die beste Platte, die beste Platte der Welt – seit „Ride The Lightning“! (lacht) Aber, um wieder ernst zu werden: Es ist die erste Scheibe, die wir in dieser Besetzung eingespielt haben. Es hat sich einiges verändert, aber es wurde trotzdem probiert, die Stärken der Band zu forcieren. Auf jeden Fall ist es die vom Songwriting her durchdachteste und am aufwendigsten aufgenommene Platte. Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, auch nur wirklich coole Songs mit drauf zu packen und sind deshalb auch schon total zufrieden damit und jetzt halt auch gespannt, wie es bei der Presse und den Leuten so ankommt. Wir stehen jedenfalls absolut dahinter. ALEX: IHR HABT JETZT BEI DEM EINEN SONG EINE RAP-EINLAGE DRIN – HABT IHR DA AUCH EINFACH MAL BOCK DRAUF GEHABT, ODER? Bernhard: Ja! Also das ist ja der Nico von K.I.Z und die wiederum sind halt eine ziemlich coole Hip-Hop-Klamotte, weil es halt mal was anderes ist. Es war halt auch aus dem Grund interessant, da es sich selber nicht so ernst nimmt und auf Szene-Klischees irgendwo auch einfach mal kackt. Das war uns halt auch wichtig, dass wir uns da halt nicht SNOOP DOGG nehmen, was ja generell auch nicht finanzierbar gewesen wäre, wäre aber auch geil gewesen. Thorsten: Mit SNOOP drehen wir dann den Film (lacht). CHRIS: NEIN, DAS VIDEO DAZU (LACHT). Bernhard: Wir wollten halt auch noch mal was ganz anderes machen, und Crossover ist ja seit den 90ern echt absolut out ist und wo eigentlich jeder sagt: „Ey Alter, das ist doch der letzte Scheiß“ – und wir haben uns gedacht: Genau aus dem Grund machen wir das: Wir wollten eben nicht noch den hundert-tausendsten Death Metal-Part machen. In dem Song, den wir „Porn From Spain“ genannt haben, geht es inhaltlich auch ein wenig darum, dass wir in diversen Foren Comments bekommen haben von wegen „Ja, CALLEJON, die Emo-Tucken-Band vor dem Herren, die sollen sich doch alle verpissen und ihre Geldscheine aus dem Fenster schmeißen“ – es geht halt darum, dass wir einen Scheißdreck darauf geben, was irgendwelche Leute denken, wie man sich in einer bestimmten Szene zu verhalten hat. Der Song heißt ja wie gesagt „Porn From Spain“ und hat jetzt aber nicht unbedingt was mit BORN FROM PAIN zu tun… Thorsten: Das war ja eigentlich mehr so der Arbeitstitel, den wir dann aber beibehalten haben. Weil wir einfach nur noch die Vollidioten vom Dienst waren und dann so (verstellt die Stimme): Ähö hö hö „Porn From Spain“ – lass’ mal was anders überlegen! (Mit anderer Stimme) „Es gibt nichts anders!“ (lacht). Bernhard: Uns ist halt nichts anderes mehr eingefallen. Thomas: Vor allem haben wir uns die ganze Zeit darüber bepisst vor lachen! Thorsten: Wir lachen nämlich über nur über unsere eigenen Witze! Andere finden das gar nicht so lustig (lacht). Bernhard: Wir dachten halt, das passt irgendwie… Thorsten: …oder eben auch nicht. Aber das tritt halt eine schöne Diskussion los, weil alle fragen als erstes immer: „Hat das was mit BORN FROM PAIN zu tun?“ Und dann geht’s in den Foren ab: „Bestimmt, die hassen sich und so was“ (lacht). Bernhard (lacht): Das ist aber natürlich Kindergarten! Wir haben absolut kein Problem mit BORN FROM PAIN, wir dachten halt es passt nur, weil es eine von vielen klischeemäßig geilgefundene Hardcore-Kapelle ist. ALEX: JA, DAS WORT „FILM“ IST GERADE EBEN GEFALLEN. IHR HABT JA BEI DER ERSTAUFLAGE EURES ALBUM AUCH EINE DOKU DABEI. Bernhard: Ja genau, die Bonus-DVD enthält halt eine kleine Doku, wo wir so erzählen, wie alles angefangen hat und was wir bisher so gemacht haben. Außerdem werden die Geheimnisse aus den Schlafzimmern der jeweiligen CALLEJON-Mitglieder preisgegeben (lacht) – na ja, und dann haben wir ja auch diesen Trailer für das Album, der wird es wohl aber nicht darauf schaffen, weil wir sonst keine FSK unter 16 bekommen, und es ist halt kacke, wenn du dein Album dann nicht an unter 16jährige verkaufen darfst… gerade bei unseren Fans (lacht). Thorsten: Ja, die haben sich ja alle so zurück gezogen, die älteren Fans, jetzt müssen wir halt so noch irgendwelche Shows spielen, um neue Leute zu bekommen (lacht). CHRIS: WAS ICH NOCH FRAGEN WOLLTE: WAS IST MIT DEM GESANG AUF DER NEUEN SCHEIBE PASSIERT? ICH FINDE, ER IST SEHR MODERN GEWORDEN UND ICH VERMISSE SO EIN WENIG DIESES TYPISCHE LEICHT QUÄKENDE, LEICHT SCHRÄGE, VOR ALLEM BEI DEN BALLADEN. DA DACHTE ICH SO: „OKAY – VIVA, ZWEI WOCHEN, JA“… Bernhard: Das ist richtig. Das Ding ist dieser hohe Gesang, der wie du ja schon richtig gesagt hast, so quietschig-quäkend war – Basti hat halt einfach gemerkt, dass diese Stimmlage im Prinzip zu hoch für ihn ist. Er hat daran gearbeitet, seine Stimme richtig zu finden und wir finden jetzt halt, dass er so besser singt. Das ist natürlich Geschmackssache, manche werden wie du sagen: „Hey, das andere war aber irgendwie Trademark“… CHRIS: JA GENAU, ES WAR HALT TRADEMARK – IRGENDWIE HATTE DAS WAS BESONDERES. ICH HÄTTE JETZT GEDACHT, NUCLEAR BLAST HÄTTEN EUCH GESAGT: „OKAY; FAHRT DEN GESANG EIN WENIG RUNTER, HALTET DAS EHER NORMAL.“ Bernhard: Na also Nuclear Blast haben mit dem musikalischen Teil ja wie gesagt eher weniger am Hut gehabt. Thomas: Es hat sich auch viel im Studio heraus gestellt. Basti hat halt bei den ganzen Vokalaufnahmen gemerkt, dass das jetzt, so wie er auf dem Album singt, seine eigentliche Gesangsstimme ist und dass er damit auch mehr aus sich rausgehen kann. Das ist, als wenn man mit der Gitarre am Limit spielt, will aber dann noch irgendwelche Steve Vai Sachen spielen – es geht dann einfach nicht… CHRIS: ICH KANN SWEEP TAPPING, ICH KANNS! Thomas (lacht): Ja, und so ist das mit Gesang halt auch. Bei den anderen Tonlagen war halt sein Limit erreicht und gerade, wenn dann so viel Cleangesang da noch dazu kommt, hört sich ein Album dann irgendwann auch mal scheiße an. Thorsten: Es war ja auch vom arbeiten diesmal anders. Früher war es dann ja auch so, dass für den Gesang die wenigste Zeit blieb – und dann hat man einfach so gemacht wie immer, so wie man wusste: Das klappt. Aber jetzt hatten wir die Chance und Möglichkeit, auch mal rumzuprobieren und das Tuning anzupassen. CHRIS: UND DIE BALLADEN SIND JETZT WEGEN DER VARIANZ DRIN, ODER WEIL IHR AUCH GESAGT HABT: KOMMERZ? WEIL DIE KÖNNTEN MAN JA AUCH GUT UND GERNE BEI VIVA UND SO… Thorsten: Na ja, Kommerz nicht. Wir hatten halt einfach Bock, das zu machen. Wir haben gezeigt, dass wir ballern können, das wir am Limit mit der Double Bass und mit den Gitarren in Sachen Geschwindigkeit sein können. Aber einfach diesen Schritt, zu einem ruhigen Track, den hat von uns so keiner erwartet – und es ist auch für uns mal schön, wenn man das Album hört und denkt: Cool, wir haben auch einen ruhigen Track. Bernhard: Auf jeden Fall! Ich glaube, du kannst auch nur das wirklich gut machen, wo du selber auch Bock drauf hast. Es wird natürlich Leute geben, denen das jetzt nicht so gefällt und die sich dann nur die härteren Sachen anhören, aber das ist okay – uns war es halt wichtig, wie gesagt, dass es eine abwechslungsreicher Platte wird und eben auch, dass wir mal was neues ausprobieren. CHRIS: WAS MEINT IHR, WIE WICHTIG WAR DER KULT-SONG „SNAKE MOUNTAIN“ FÜR DEN GESAMTEN ERFOLG? Bernhard: Ich sage mal so: Das ist natürlich ein Song, der uns einige Türen geöffnet hat, weil die Leute einfach darauf abgegangen sind und das in einem Maße, wie wir es eigentlich nicht erwartet haben. Wir haben uns den Song damals eigentlich nur als Spaß ausgedacht und dann hatte Baste die glorreiche Idee, den Song bei Myspace hochzustellen und dann sind die Leute halt darauf abgefahren. Das hat uns natürlich riesig gefreut, aber wir sind halt jetzt keine Band, die nur (!) Schmökes macht, obwohl wir natürlich irgendwie zerbombte Typen sind, die Spaß haben auf Tour. Aber wir sind halt keine, die nur über Playmobil-Figuren oder so was schreiben, deshalb haben wir auch versucht, uns davon ein wenig zu emanzipieren. Es soll ja nicht heißen (verstellt die Stimme): „Hier hömma, spielt ma’ das ganze Set ‚Snake Mountain’, dat is’ geil is’ das“ (lacht). Das ist natürlich schon cool, dass die Leute das so abfeiern, aber es soll halt nicht alleine das sein, wofür CALLEJON stehen. Thorsten: Ich finde inzwischen sind wir über diesen Hype auch hinweg. CALLEJON hat sich zwar darüber ein Stück weit ins Rampenlicht gerückt, aber der Punkt, an dem wir uns nur auf „Snake Mountain“ ausruhen bräuchten, ist längst vorbei. Die Leute kommen jetzt halt zu den Shows und sagen „spielt 22 Teile“ und dieses und jenes – es sind nun viel mehr Songs einfach da, die von den Leuten jetzt halt auch mehr gewünscht werden. CHRIS: WAS ICH AUSSERDEM NOCH FRAGEN WOLLTE: JETZT IST BASTI GRAD NICHT DA; WIE IST ES ZU DEM ARTWORK FÜR HEAVEN SHALL BURN GEKOMMEN? Bernhard: Ja, also ich glaube… sie haben ihn halt einfach gefragt (lacht). Also Basti hat ja vorher die WAR FROM A HARLOTS MOUTH gemacht, als erste bekanntere Band, für die er das komplette Artwork gemacht hat und HEAVEN SHALL BURN sind dann einfach auf ihn zugekommen und haben gefragt: „Wie sieht’s aus, machst du das?“, und das war dann ja auch ein größeres Projekt. Die haben dann ja erst so eine Erstauflage mit Media Book und 1000 Seiten und was weiß ich für Kram noch. Und er hat sich da halt mega reingehangen, weil es ja auch dann eine größere Sache ist und ich denke, dass das auch für CALLEJON ganz gut war, so dass man halt erkennt hat: „Hey, dass ist ja von deren Sänger“ und so, und bei uns sind die Artworks ja auch fester Bestandteil. Wir haben ja auch bewusst schon das neue Cover etwas anders gehalten, weil viele Leute den ja mittlerweile etablierten Stil von Basti jetzt bei der HEAVEN SHALL BURN gesehen haben und deshalb dachten wir, es wäre jetzt schon cooler, etwas anderes zu machen. Nicht ganz so comic-style, aber schon mit gezeichneten Sachen verbunden, so wie es auch dann im Booklet sein wird. Wir wollten halt jetzt nicht auch so die selbe Schiene fahren. ALEX: SO, KOMMEN WIR NUN ZU DEN WIRKLICH WICHTIGEN * RÄUSPER * FRAGEN: DEN STANDARD-FRAGEN. LOS GEHT’S. IHR SEIT JA JETZT BALD AUF TOUR MIT UNTER ANDEREM WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER, DIE JA SCHÖN ALTE LIEDER DURCH DEN FLEISCHWOLF DREHEN. WELCHEN SONG ODER WELCHE SONGS WÜRDET IHR DENN MAL GERNE COVERN? Thomas: Hier, BON JOVI wäre ganz cool. Also ich fänd alte BON JOVI Sachen, IRON MAIDEN, SKID ROW, DOKKEN – da würde mir eine Menge einfallen. CHRIS: BON JOVI – ABER DANN SACHEN WIE „LIVIN’ ON A PRAYER“, NICHT SO „FACE“ ODER? Thorsten: Nee nee, nur das, als BON JOVI noch gut waren! Ich würde auch gerne mal CAPTAIN JACK covern… Bernhard: SCOOTER: Döp döp döp dödödödödö…. Thorsten: Ja, das ist ja alles schon mal da gewesen. Man kann ja viele Sachen covern, aber so 80er Rock auf Metal, das wäre echt was! CHRIS: UNSER SÄNGER WILL IMMER WHITESNAKE COVERN! Thorsten: Boah, ja Mann! Dann ich auch bald auf die Bühne, Cowboy-Hut auf und shake meine Hüften (lacht). Bernhard: …ich glaube… lassen wir das bitte (lacht)! ALEX: NUN DIE FAFNIR-FRAGE: MIT WELCHEM KÜNSTLER, TOD ODER LEBENDIG, WÜRDET IHR GERNE MAL AUF DER BÜHNE STEHEN? Bernhard: Also ganz klar: Japan-Tour mit IRON MAIDEN – als unsere Vorgruppe, und wir kriegen dann Buy-Out… vielleicht 5000 Euro von denen (lacht). Nein, also IRON MAIDEN wären für mich wirklich ganz großes Kino! Ich glaube dann könnte ich sterben – definitiv! CHRIS: EINMAL NEBEN BRUCE DICKINSON PINKELN UND DANN… Thorsten: …und im gleichen Moment verfault man – und stirbt. ALEX: ICH DENKE, DAMIT WÄREN WIR WOHL ALLE EINVERSTANDEN? Thomas: Ja, also da bin ich voll dabei: IRON MAIDEN! CHRIS: JA COOL, DANN SCHLIESSEN WIR DAS THEMA, VIELEN DANK FÜR… Thorsten: Ey Leute, ich will aber noch was erzählen (quängel)! Los jetzt! CHRIS: DU DARFST DEINE MAMA ABER NICHT GRÜSSEN… Thorsten: Also ich grüße alle… Bernhard: …“Popcorn“-Leser… (lacht) Thorsten: …ja, und „BRAVO“-Leser und… ALEX: …“WENDY“!… Bernhard: …ja, auch ganz wichtig!… Thorsten: …und Buschis Mama! Bernhard: Die hast du doch gestern Nacht noch gesehen (lacht)! Thorsten: Nee, gestern nicht, da hatte ich kein Bock auf fettes Fleisch (lacht). HIER BRECHEN DIE ERINNERUNGEN AB. EIN ROTER SCHLEIER SENKT SICH ÜBER DIE AUGEN VON CHRIS UND ALEX – EIN BLUTROTER SCHLEIER! UND IHR NÄCHSTER UND EINZIGER GEDANKE IST …MENSCHENFLEISCH!!!!!!

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