Interview Filter

CANNIBAL CORPSE (ALEX WEBSTER)

HEY ALEX, NOCH BEVOR DAS AKTUELLE ALBUM ERSCHIEN, WART IHR BEREITS WIEDER LIVE UNTERWEGS. SO BEGANN AUCH FÜR EUCH DAS LIVE-JAHR 2012 MIT DER 70.000 TONS OF METAL-CRUISE, DIE AUCH FÜR EUCH BANDS SEHR RELAXED GEWESEN SEIN SOLL… Ja, dieses Event ist eigentlich so nah dran an Urlaub, wie es eigentlich nur sein kann, wenn man beruflich unterwegs ist! So ist man natürlich erstmal dort, um Gigs zu spielen. Aber sonst kann man an Bord relaxen, essen, ein paar Drinks nehmen, schlafen und sich natürlich andere Bands anschauen! Und genau das habe ich auch getan! Ich hatte meine Frau mit dabei und wir hatten wirklich eine gute Zeit dabei, uns die anderen Bands anzuschauen! Natürlich ist Death Metal mein Lieblings-Genre, aber auch andere Stile interessieren mich und auf der Cruise hatte man wunderbar die Möglichkeit, einige Bands zu sehen, die man sonst nicht unbedingt live sehen würde, schon gar nicht in den USA. Viele europäische Bands kommen nicht mehr in die USA und man erlebt die höchstens mal, wenn man selbst drüben auf einem Festival spielt! IRGENDWELCHE BESONDERE ENTDECKUNGEN? Nicht unbedingt neue, aber andere Bands, die ich noch nie live sehen konnte. VICIOUS RUMORS ist eine solche. STRATOVARIOUS waren auch großartig und haben dazu noch einen starken Bassisten in ihren Reihen! Gerade Power Metal und klassischen Metal sieht man bei uns nicht mehr so oft. Da nutzt man diese Chance natürlich gerne. Dazu waren noch eine wiedervereinigte alte Death Metal-Klassiker wie PESTILENCE und ATHEIST mit dabei, auch SUFFOCATION sind immer einen Blick wert! Für einen Mann wie mich, der schon mehr als sein halbes Leben Metaller ist, war das ein großartiges Event! UND DER UMGANG MIT DEN FANS WAR AUCH ENTSPANNTER? Absolut! Am Anfang sind die vielleicht noch aufgeregter, weil man sich da so im Gang über den Weg läuft, aber dann ist das sehr locker, weil da ja Bands und Fans immer zusammen unterwegs sind. Da ist es dann nichts mehr besonderes, wenn da jemand von einer Band um die Ecke kommt, weil man den schon einige Male während der Cruise getroffen hat. Es gibt dann diesen Meet and Greet-Tag, an dem sich die Fans ihre Sachen signieren lassen können und damit ist es auch gut. Sonst hängt man locker zusammen ab. Wir sind ja alle Metal-Fans! DANACH STAND DIE FULL OF HATE-TOUR MIT BEHEMOTH UND LEGION OF THE DAMNED AUF DEM PLAN… Eine fantastische Tour mit durchweg großartigen Bands! Angefangen von NEXUS INFERIS bis zu unseren Freunden von BEHEMOTH! Diese Jungs respektieren wir sowieso sehr. Als Menschen und als Band, denn sie sind wohl mit die beste extreme Metal-Band derzeit da draußen! Die Shows waren durchweg super und auch die Bands untereinander haben sich echt gut verstanden! Ein Erfolg für alle Beteiligten! WÄHREND DER TOUR HABT IHR JA AUCH NEUEN STOFF GETESTET. WIE LIEF’S? Ursprünglich wollten wir mehr neue Tracks spielen. Diese Touren werden ja schon einige Monate im voraus gebucht und eigentlich sollte „Torture“ passend dazu Anfang Februar erscheinen. Leider musste das Release um einen Monat verschoben werden und so waren wir eigentlich schon für ein Album auf Tour, das noch gar nicht auf dem Markt war! So haben wir entschieden, nur „Demented Aggression“ und „Scourge of Iron“ zu zocken, denn diese Songs hatten wir schon zuvor als Vorgeschmack online gestellt. Auf der anstehenden Tour hier in den USA werden wir natürlich mehr neue Songs im Set haben. Da freue ich mich schon drauf, denn ich habe richtig Bock auf die neuen Sachen! MITTLERWEILE IST DAS ALBUM EINIGE WOCHEN RAUS. KONNTEST DU AUS DEN REAKTIONEN SCHON ENTNEHMEN, WELCHE SONGS INS NEUE SET MÜSSEN? Das interessante und auch recht coole an „Torture“ ist, dass die Fans bislang keinen klaren Konsens über ihre Favoriten gefunden haben. Jeder findet einen anderen Song cool! Nur „Deep as the Knife will go“ und „Scourge of Iron“ heben sich ein wenig ab. Ansonsten kommt das Album durchweg gut an. Der eine Fan findet auch mal genau den Song am besten, den ein anderer am wenigsten mag. Das macht die Auswahl natürlich schwieriger für das Set. Aber wir planen doch gut die Hälfte der Platte zu zocken, so dass eigentlich für jeden etwas dabei sein sollte! BEI FÜNF BIS SECHS NEUEN SONGS IM SET MÜSSEN EINIGE ANDERE WEICHEN… AUCH KEINE LEICHTE ENTSCHEIDUNG… Wem sagst du das? Auf der kommenden Tour haben wir nur drei Bands dabei, da wir selbst ein wirklich langes Set spielen wollen. Wir planen nämlich mindestens einen Song von jedem Studio-Album dabei zu haben! Nun haben wir das 12. Album und ein 20 Song-Set in Vorbereitung, was 80 – 90Min. ergibt. So sollte dann mindestens ein Titel von jedem Album möglich sein! Das wird schon eine coole Sache! Bei der Full of Hate-Tour hatten wir nur 60 Min. Zeit, so war das nicht möglich. Aber jetzt machen wird das! Und das wird eine wirklich harte Entscheidung… aber es ist ein Luxus-Problem. Ein Problem, aber ein gutes! DIE REAKTIONEN FÜR „TORTURE“ SIND VON PRESSE UND FANS AUS SEHR GUT. DIE VORIGEN ALBEN WAREN AUCH GUT, ABER EHER „GUT, WIE IMMER“. DAS NEUE WIRD EUPHORISCHER AUFGENOMMEN. WORAN LIEGT DAS, DEINER MEINUNG NACH? Auch wir lernen noch immer hinzu. Mit jedem Album lernen wir weiterhin dazu. Als Musiker musst du schauen, dass du Dich permanent weiter entwickelst und dran bleibst! Nicht nur im spielerischen Bereich, sondern auch beim Songwriting und beim Umgang mit deinen Bandkollegen. Ich denke „Torture“ spiegelt sehr viel Teamwork wider. Besonders im Songwriting-Bereich waren die Aufgaben dieses Mal recht gut verteilt. Alleine Pat hat 4 Songs geschrieben, 5 von mir und 3 von Rob! Die Lyrics haben Paul und ich uns geteilt, wobei auch Rob bei einigen mitgewirkt hat. So gibt es in unseren Rahmen eine große Vielseitigkeit und eine besondere Aggression schwingt dieses Mal in den Songs mit! So kommt es mir so vor, als hätte wir einiges an Old School-Vibe aufgenommen und diesen mit unseren jetzigen Fähigkeiten umgesetzt. So haben die Fans das beste von damals von uns in unserer besten Form. Vielleicht fahren die Fans deswegen besonders auf „Torture“ ab! DU WARST LANGE ZEIT DER HAUPTSONGWRITER BEI CANNIBAL CORPSE. WIE SCHWER/ LEICHT IST ES PAT UND ROB MEHR EINZUBINDEN? UND GAB DIESE ENTWICKLUNG DIR SELBST EINEN BESSEREN BLICK AUF DAS WESENTLICHE? Es gab schon immer mehrere, die sich im Songwriting mit eingebracht haben. Aber richtig, seit „Tomb of the Mutilated“ habe ich einen Großteil der Songs geschrieben! Das wurde dann nach und nach mehr, so dass ich bei „Evisceration Plague“ dann gut 8 von 12 Songs alleine geschrieben habe. Und da einige der Fan-Faves von eben diesem Album Songs von Pat und Rob waren, habe ich tatsächlich überlegt, mich um einiges vom Songwriting zurückzuziehen. Da ich eh noch mit meinem BLOTTED SCIENCE-Projekt zugange war, dachte ich mir, dass dies eine gute Chance ist, Pat und Rob mehr Raum für ihre Songs zu geben. Auch wenn es eine gute Idee ist, dass die anderen mehr beitragen können, ist es schon eine schwierige und komische Situation, wenn man bislang die meisten Songs für ein Album geschrieben hat. Aber diese Jungs sind mindestens so gute Songwriter wie ich, so war dieser Schritt nur logisch! Dazu bringt es die Band ja auch weiter. Wir alle haben kreative Inspirationen und es wäre doch schade, wenn dies ungenutzt bleiben würde. BEI ALLER WEITERENTWICKLUNG IST DER TYPISCHE CANNIBAL CORPSE-SOUND SEIT DEN ANFÄNGEN ERHALTEN GEBLIEBEN. WIE BEHÄLST DU DIR DEINE EIGENE BAND INTERESSANT? DU BIST JA NICHT SO OFT IN NEBENPROJEKTEN AKTIV, WO MAN SICH MAL ABLENKEN KÖNNTE. Ach, ich denke selbst in den doch recht klaren Grenzen des traditionellen Death Metals ist immer noch genug Raum, mal ein wenig zu experimentieren. Und anders herum machen gerade diese Grenzen das Ganze interessant. Denn Du musst versuchen weiterzukommen und kreativ zu bleiben, ohne dabei zu sehr aus der Art zu schlagen bzw. Einflüsse aus anderen Genres mit einzubinden. So versuchen wir kleine aber feine Entwicklungen einzubauen, ohne dass dabei das Grundgebilde des Death Metals anzukratzen. Es liegt nicht an mir zu entscheiden, ob wir das gut hinbekommen, hehe… aber wir tun unser bestes! Aber auch wenn es nicht so viel Aufmerksamkeit bekommt, sind wir alle hier und da noch woanders aktiv. George singt ja noch bei PATH OF POSSESSION, ich habe zuletzt mit BLOTTED SCIENCE gearbeitet, Paul hatte mit unserem ehemaligen Gitarristen Jack Owen mal ein Hard Rock-Projekt namens PATH OF MAN, Rob zockt nebenbei noch Hardcore-Songs im Stil vom SICK OF IT ALL und HATEBREED und Pat hat zwar keine Nebenband, aber immerhin bei SLAYER ausgeholfen letztes Jahr. Also gibt es schon hier und einige andere Dinge, die sicherlich helfen, dass man sich dann wieder voll auf die eigentliche Sache konzentrieren kann. STICHPUNKT EINFLÜSSE: WIE SIEHST DU DEN TREND DER „NÄCHSTEN GENERATION“ VON BANDS, DIE AUSSEHEN UND AUFTRETEN WIE HARDCORER UND EMOS, ABER MUSIKALISCH DERBSTEN DEATH METAL ZOCKEN? Im Grunde ist mir das Aussehen nicht so wichtig. Ich erwarte nicht, dass Leute, die extremen Metal spielen in einer Art Uniform oder Dresscode auftreten müssen. Sollen sie rumlaufen wie sie wollen, das gehört zur persönlichen Freiheit. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass die jungen Leute so rumlaufen, wie ich um 1990! Wie Du schon sagst, ist dieser Deathcore vom Auftreten her total anders, musikalisch aber klar technischer Death Metal. Klar, die Outfits und das Merchandise sieht etwas anders aus, aber sollte das wirklich wichtig sein? Wenn ein Death Metaller sagt, er kann Deathcore nicht leiden… meint er damit die Musik oder einfach nur das Aussehen der Band? Für mich sollte das nicht der entscheidende Faktor sein. Man muss die Musik mögen, nicht das Image! Für mich ist das einfach ein weiterer Ast, der vom Baum Namens Metal abgeht! Dieser wurzelt ganz klar bei BLACK SABBATH und wächst in unterschiedlichste Richtungen. Ein Ast ist Death Metal, ein weiterer nun Deathcore! Für mich ist das völlig in Ordnung, je mehr Vielseitigkeit desto besser! FÜR VIELE DIESER NEUEN BANDS SEID IHR QUASI DIE „BLACK SABBATH“… Ja, so ist die Evolution einfach… Es verzweigt sich immer mehr… Die Äste des Death Metals der späten 80ger und des Black Metals der frühen 90er zweigen sich von Bands wie CELTIC FROST, BATHORY, VENOM, POSSESSED usw. ab. Und auch wir klingen etwas anders als unserer Vorbilder, was eine normale Entwicklung ist. Die neueren Bands haben halt vielleicht uns oder MORBID ANGEL als Ursprung ihres Zweiges… geht man aber zum Ursprung… zum Stamm des ganzen, dann landet man unwillkürlich bei BLACK SABBATH! NACH GUT 25 JAHREN, IN DENEN IHR EUCH ZU DER WOHL BEKANNTESTEN DEATH METAL-BAND ENWICKELT HABT, GIBT ES DA NOCH ZIELE, ABGESEHEN VON SICH WEITERHIN IMMER ZU VERBESSERN? Aus musikalischer Sicht wollen wir natürlich immer die besten Songs schreiben, die uns möglich sind. Und das bedeutet, dass wir die bestmöglichen Death Metal-Songs machen wollen! Und natürlich wollen wir irgendwann unser Meisterstück abliefern. Jede Band, die meinte sie hätte bereits ihr Meisterstück abgeliefert, ist meiner Meinung nach an dem Punkt aufzuhören! Ich bin immer noch überzeugt, dass wir es noch besser machen können! Das ist auf jeden Fall ein großes Ziel! Und sonst möchten wir an möglichst vielen Orten auf der Welt spielen. Es gibt noch Länder, in denen wir nicht waren! Wir werden natürlich wieder nach Australien gehen und dort hoffen wir, dass wir einen Abstecher nach Südost-Asien schaffen! Dort waren wir live noch nie in Aktion! Und das ist natürlich ein großes Ziel, denn Death Metal und Metal generell ist eine internationale Musik, die überall gespielt werden kann. Das wollen wir schaffen! Wir waren bereits 52 verschiedenen Ländern, wenn ich richtig zähle. Vielleicht kommen noch 5 oder 10 hinzu… das wäre großartig! NÄCHSTES STICHWORT: TOUR? WAS GEHT BEI EUCH NOCH IN DEN NÄCHSTEN MONATEN? Klar, in wenigen Tagen starten wir mit EXHUMED, ABYSMAL DAWN und ARKAIK. Dann nach Mai kommen wir wieder nach Europa und werden eine ganze Reihe Festivals beackern! Dazwischen spielen noch einige einzelne Shows in Städten, die wir mit der Full of Hate-Tour nicht geschafft haben! Wenn das durch ist, haben wir eine Woche Ruhe und dann geht es weiter mit der Summer Slaughter-Tour, welche richtig fett wird. Da gibt es auf der einen Seite die volle Ladung Tech- Death und Deathcore und als Gegenstück dann einige brutale Klassiker, wie uns! Das wird uns bis August hinein beschäftigen und ab Oktober geht es dann in Richtung Australien und hoffentlich auch Asien! Ja, das wird ein vollgepacktes Jahr! Keine Ahnung, was im November und Dezember noch ansteht, aber es kann gut sein, dass wir auch da live unterwegs sind! Aber „Torture“ kommt so gut an, da wollen wir auch live richtig Gas geben! AUCH NACH LANGEN JAHREN NOCH NICHT TOUR-MÜDE, SCHEINT ES… Auf keinen Fall, denn es macht immer noch richtig Spaß! Vielleicht werden wir unser Tour-Pensum irgendwann mal drosseln, aber nicht dieses und nächstes Jahr, haha! Natürlich kann es auch mal stressig werden, aber es ist schon ein Vorteil, wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Dann spielt man auch in besseren Läden, die auch richtige Duschen und Sanitär-Räume haben. Wenn man in einem Keller-Loch spielen, in dem 5 Bands in einen Backstage-Raum gequetscht werden und es dort nicht mal eine Toilette gibt… das jeden Tag wäre echt zum Abgewöhnen! Bei der Full of Hate-Tour hatten wir größere Hallen mit genug Backstage-Räumen, Duschen, Toiletten usw.. Wenn das so läuft, dann fühlt man sich um einiges wohler und dann könnte ich das das gesamte Jahr machen! WENN WIR 2012 ÜBERLEBEN, DANN STEHT IM NÄCHSTEN JAHR EIN JUBILÄUM AN! Richtig, 2013 sind es 25 Jahre CANNIBAL CORPSE! Ich darf natürlich noch nicht zu viel verraten, aber natürlich planen wir da einige spezielle Dinge! Wir hatten die „Killing Spree“-Box zum 15. Geburtstag, zum 20. Jahrestag die „Centuries of Torment“-DVDs und zum 25.jährigen werden wir uns etwas anderes einfallen lassen. Aber da verrate ich noch nichts!! ZUM ABSCHLUSS: MIT WELCHEM KÜNSTLER, TOT/ LEBENDIG, WÜRDEST DU GERNE SPIELEN/ ARBEITEN, HÄTTEST DU DIE FREIE WAHL? Ich würde gerne mal ein Album mit einem Sänger aufnehmen, der im hohen Pitch singt, also z.b. ROB HALFORD (JUDAS PRIEST)!! Ja, einmal mit ROB HALFORD aufnehmen…. vielleicht auf einem seiner Solo-Alben. Wäre echt Killer, denn er ist einer meiner Lieblings-Sänger!! VIELEN DANK UND ALLES GUTE FÜR DIE KOMMENDE LIVE-ACTION!! Danke, wir sehen uns!!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu CANNIBAL CORPSE auf terrorverlag.com