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CLIENT (KATE/SARAH)

DIESES INTERVIEW WURDE GEFÜHRT AM RANDE DES INTRO INTIM-FESTIVALS IN KÖLN 2004. KÖNNTET IHR EUCH ZUERST MAL KURZ VORSTELLEN? Ich bin Client A… … und ich bin Client B… … (zusammen) und wir sind CLIENT! UND MAL ABGESEHEN VON DIESEN BEZEICHNUNGEN? ODER WOLLT IHR NUR SO ANGESPROCHEN WERDEN? Kate… Sarah… LASST UNS MIT DEM NEUEN ALBUM ANFANGEN – WAS IST FÜR EUCH DER GRÖSSTE UNTERSCHIED ZU EUREM DEBÜT? ICH VERMUTE MAL, DASS IHR EIN GRÖSSERES BUDGET ZUR VERFÜGUNG HATTET. Offensichtlich waren wir sehr stolz auf unser erstes Album. Aber rückblickend gesehen ist das erste viel experimenteller, fast wie eine Art Demo. Joe von den SNEAKER PIMPS war ja jetzt dabei, und der ganze Drumsound ist jetzt anders und viel besser geworden. Natürlich haben wir auch eine größere Produktion. Beim letzten Album kamen erst die Songs und dann die Drums und nun war es genau andersherum, die Drum Beats wurden zuerst aufgenommen. Das Songwriting hat sich auch verbessert. Beim Debüt war alles wirklich experimentell, so eine Art „Lass uns mal sehen, was wir zusammen auf die Reihe kriegen“-Ding. Wir wussten ja vorher nicht mal, ob wir überhaupt Songs schreiben können. Somit ist das jetzt schon auf einem anderen Level… CLIENT F UNTERBRICHT MIT EINEM ANRUF… Client F just phoned me in the middle of the Interview, sorry. VIELLEICHT KÖNNT IHR KURZ ERKLÄREN, WER CLIENT F IST? Andy Fletcher von DEPECHE MODE, er ist auch hier in Köln und passt auf, dass wir auch hart arbeiten. (lacht) ER IST JA DER EXECUTIVE PRODUCER AUF DEM NEUEN WERK. WIE IST ES MIT IHM ZU ARBEITEN, IST ER SEHR STRENG? Eigentlich hat er das Album nicht produziert, das waren wir und Joe. Er kam erst gegen Ende dazu und hat uns ein paar Tipps bzgl. des Mixings gegeben. Er hat keinerlei Veränderungen mehr am Sound oder an den Songstrukturen gemacht, nur noch ein paar finale Arbeiten. IST ANDY ALSO SO ETWAS WIE DER HÖCHSTE QUALITÄTSKONTROLLEUR VON CLIENT? Mit einem Wort: JA! IHR WÜRDET ALSO NICHT MAL EINEN SONG AUF EIN ALBUM PACKEN, DER CLIENT F NICHT GEFÄLLT? Also, auf der nächsten 7inch ist sogar ein Song drauf, von dem er gar nicht weiß, dass wir ihn da draufgepackt haben. Da war er nämlich nicht dabei, wir warten also auf seinen Anruf (lacht). Da mussten wir wirklich schnell sein und er war halt nicht in der Nähe. Und wir dachten, dass der Track einfach zu gut zum Wegwerfen ist. Eine sehr schnelle Entscheidung… WANN WERDEN WIR DIE SINGLE KAUFEN KÖNNEN? Im Januar, es wird „Pornography“ sein. Andy ist ja ein brillanter Editor, er hat auch einen tollen Radio Edit und einen Extended Edit gemacht, davon profitieren wir natürlich bei den Singleversionen, da will man ja nicht Stunden dransitzen. Im Video werden Carl und Sarah zu sehen sein, ziemlich sexy. „VIDEO“ IST EIN GUTES STICHWORT – ICH HABE NOCH NIE EIN CLIENT-VIDEO IM FERNSEHEN GESEHEN… Dieses Video wird im Fernsehen laufen, weil Carl das Nr-1-Sex-Symbol in England ist, der ein wenig Spaß hat mit unserem Client B aka Sarah… Du solltest mein Gesicht sehen, ich habe ein Gesicht wie ein Honigkuchenpferd, nach dem Motto: „Schaut, wer da tolles neben mir steht…“ ICH WÜRDE GERNE MAL ETWAS ÜBER ZUSAMMENARBEIT MIT DEN VERSCHIEDENEN GASTMUSIKERN AUF DEM ALBUM WISSEN, CARL BARAT UND PETE DOHERTY VON DEN LIBERTINES UND NATÜRLICH MARTIN L. GORE. WIE IST ES DAZU GEKOMMEN, HABT IHR ALLE SCHON VORHER GEKANNT? Pete und Carl nicht. Aber wir wollten unbedingt eine tiefe männliche Stimme. In dem Stück „Down To The Underground“ geht es darum, in den Untergrund zu gehen, es geht um Sex und Drogen und Rock ´n´ Roll. Und als Pete das eingesungen hat, bekamen wir am nächsten Tag einen Anruf von Carl, dass er auch einen Song haben wollte. Und das war dann „Pornography“, ein Stück, was perfekt für ein Duett geeignet war. Und bei Martin war es so, dass Andy ihm einen Song geschickt hat. Dazu muss man wissen, wenn Martin sagt, ein Lied wäre „o.k.“, dann ist es gut. Und wenn er sagt, es wäre „gut“, dann liebt er es. Und er meinte, „Overdrive“ wäre gut. Also schrieben wir ihm einen Brief, mit Sarahs wunderschöner Handschrift und einem Bild auf dem Umschlag. Und er sagte, o.k. ich mache es, ich singe die Backing Vocals. Das war klasse, denn als wir in Berlin gespielt haben, kam Martin und führte uns zum Essen aus und kam auch zum Konzert. Er ist wirklich ein Fan, da ist nichts gespielt. Wir sind sehr stolz darauf, solche „sexy guys“ auf dem Album dabei zu haben. FÜR MICH KLINGT DER BACKGROUND-GESANG AUF „PORNOGRAPHY“ EIN WENIG MERKWÜRDIG (SIMULIERT „GESTÖHNE“)… Ja, er bei diesem Track ungefähr 40 Takes gemacht. Und dabei mehr und mehr Jack Daniels zu sich genommen und noch dazu sein Shirt ausgezogen – was sehr nett war. Und darum klingt es ein wenig „sleazy“ (schlüpfrig) IN EINER TEXTZEILE DES LETZTEN STÜCK DES ALBUMS – „EVERYTHING MUST END“ – HEISST ES: „WE COULD BE LOVERS“. IST DAS EINE ANSPIELUNG AUF DAVID BOWIE („HEROES“)? ICH HABE GELESEN, DASS IHR GROSSE FANS SEID. Ja, das ist eine Hommage, die ziemlich spontan entstanden ist. Ursprünglich hieß es an dieser Stelle immer wieder „Everything must end“. Andy meinte, das würde ein wenig langweilig klingen, daher habe ich spontan diese Textzeile gesungen. Und es passt sehr gut, denn viele Freunde, die wir haben, könnten ja auch unsere Liebhaber sein. Möchtest du irgendwas ergänzen? … (pause) (zart dahingehaucht) nein… Es war in diesem Moment nicht an Bowie angelehnt, aber wenn man ihn hört, dann bemerkt man die Ähnlichkeit. Es ist ein sehr trauriger Song, schließlich geht es darum, dass alles endet. DAS ALBUM STARTET ABER AUCH MIT EINER TRAURIGEN ZEILE: „LIFE IS CRUEL AND THEN YOU DIE“… Da war ich wohl depressiv (lacht) ES GIBT AUCH EINE ÄHNLICHE ZEILE VON SOPHIA: „LIFE’S A BITCH AND THEN YOU DIE“ Die kenne ich überhaupt nicht, habe ihre Musik nie gehört. Es ist eher eine Hommage an JOY DIVISION „CITY“ IST VOLLER ZITATE VON 80ER BANDS WIE JOY DIVISION ODER NEW ORDER. ABER EIGENTLICH SIND ES KEINE RICHTIGEN ZITATE, ES IST EHER „REPORTED SPEECH“, WIE Z.B. BEI „PORNOGRAPHY“, ANGELEHNT AN THE CURE’S „LET’S GO TO BED“. WAR DAS VON ANFANG AN GEPLANT ODER ENTSTAND DAS EHER ZUFÄLLIG WÄHREND DER PRODUKTION? Das ist interessant, dass du das sagst. Wir haben nicht geplant: „Wir machen so einen Song, und so einen und so einen. Es war einfach spontan, eine Stimmung. Wir forcieren das nicht, aber im Rückblick sind wir dann selbst überrascht. ES IST SCHON SO EINE ART MOTTO DER CD… Wir mögen das alte Zeug sehr gern, aber wir haben beispielsweise nicht THE CURE gehört vor „Pornography“. Es war der letzte Song dieses Albums, so wie „Rock ´n´ Roll Machine der letzte des Debüts war. Da geht man mit einem halbfertigen Track ins Studio und spielt das dann recht spontan ein. Es ist einfach ein positiver Song, weil es der letzte ist. IN EINEM INTERVIEW HABE ICH GELESEN, DASS IHR 80ER BANDS WIE JOY DIVSION SEHR SCHÄTZT, IHR ABER DEN MEISTEN HEUTIGEN ACTS NICHT VIEL ABGEWINNEN KÖNNT, WEIL DENEN DER CHARAKTER UND DIE PERSÖNLICHKEIT FEHLT… Das stimmt. O.K. die LIBERTINES z.B., die sind Rock `n` Roll, die sind sexy und aufregend. Ob man nun damit einverstanden ist, was sie aus ihrem Leben machen oder nicht, ist eine andere Sache, aber sie haben Energie! Ich habe mir unglaublich viele neue Alben auf meinen iPod geladen. Das einzige, was ich mir öfter anhöre sind die Libertines. Alles andere wirkt gegen sie nur noch langweilig. LADET IHR EUCH ALBEN LEGAL ODER ILLEGAL HERUNTER? Ich kaufe sie tatsächlich. Ich mag es nicht, Songs aus dem Internet zu downloaden. Das würde bei meiner Internet-Verbindung sonst auch viel zu lange dauern. Ich kaufe sie mir, danach ziehe ich sie mir dann auf meinen iPod. Ich denke, dass das Artwork genau so wichtig wie die Musik ist. Ich will die GANZE Sache. ICH WÜRDE GERNE AUF DEN SONG „RADIO“ ZU SPRECHEN KOMMEN. DAS IST NICHT WÖRTLICH ZU NEHMEN, ODER? ES IST NICHT DAS RADIO, DAS MUSIK SPIELT? Nein, eigentlich ist es eine Metapher für Depressionen, wenn du zuhause bist und traurig und nichts kann dich mehr aufmuntern, du willst nirgendwo hin. Aber am Ende des Stücks geht das Radio ja an, was Hoffnung bedeutet. Also bedeutet das Stück nicht „Ich will mich umbringen“ sondern „Es gibt Licht im Leben“. Aber ich werde eigentlich nicht depressiv, ganz im Gegensatz zu Sarah. So ist es gut, dass 2 sehr unterschiedliche Charaktere in dieser Band sind, die zusammen wirklich gute Musik schreiben. MÜSST IHR DENN IN EINER MELANCHOLISCHEN STIMMUNG SEIN, UM EIN MELANCHOLISCHES LIED ZU SCHREIBEN? Ja, normalerweise schon. Wenn man versuchen würde, etwas trauriges zu komponieren und dabei bester Stimmung wäre, wäre es einfach falsch. DAS HAT MIR NÄMLICH MARC ALMOND EINMAL GESAGT: „EIN TRAURIGER SONG MUNTERT DICH AUF.“ ER MAG ES, TRAURIGE SONGS ZU SCHREIBEN. Zumindest ist Marc wie die LIBERTINES ein richtiger Künstler, er hat Eier und schreibt gute Songs. Aber uns nerven die ganzen künstlichen Bands, die einfach irgendwo hingestellt werden, Coversongs schreiben… UND WAS IST MIT „WHITE WEDDING“? O.k., aber das ist das einzige Cover, das wir gemacht haben. Und es ist nur eine B-Seite und nicht unsere Single. Es gibt wirklich viel gutes Zeug im Untergrund, aber es wird von so viel Mist überdeckt. Ich habe gelesen, dass Paris Hilton eine Single rausbringt, da kann ich nur sagen: „Hau ab und kauf dir eine schöne Handtasche vom Geld deines reichen Vaters, Piss off“ – Das ist unsere Botschaft für sie. Mach lieber noch ein paar Internet-Videos. IHR BEIDE ARBEITET AUCH ALS DJ, WELCHE MUSIKRICHTUNGEN LEGT IHR AUF? Kate: Für mich ist das sehr anstrengend. Ich bin derjenige, der eine Plattennadel auf eine LP legt und mixt. Es ist genau andersherum als auf der Bühne. Auf der Bühne ist Sarah nervös, weil sie alles zusammenhält, mit ihrer Stimme. Wenn wir auflegen, halte ich alles zusammen mit dem Mixen. Sarah steht daneben und reicht Wodka und Platten an (lacht). Wir hatten letztens eine Show vor 700 Leuten und ich war so aufgeregt, dass ich mitten am Tage einen doppelten Wodka hatte. Und normal trinke ich nicht viel, Wodka schon gar nicht. Aber erst danach hörten meine Hände auf zu zittern bei der ersten Scheibe, die PUBLIC IMAGE LTD war. Aber es war toll, denn am Ende hatten die Leute ihre Hände in der Luft. Wir spielen eine Art Zeitreise durch die elektronische Musik. Wir beginnen mit JOY DIVISION bis hin zu aktuellen CLIENT-Sachen und Bands, die wir mögen. IHR LEGT ALSO AUCH EUERE EIGENEN SONGS AUF? Ja, wir spielen aber meist Mixe, die wir vorher im Studio gemacht haben. Die noch niemand außer uns gehört hat. So können wir auch ausprobieren, wie es wirkt. Die Zuschauer können wir nicht so beurteilen, wir können aber sehen, ob der Bass laut genug ist, die Länge stimmt, die Arrangements. Djing ist auch eine „sozialere“ Sache als nur in einer Band zu sein. So sind wir auch zu der Tour mit I AM X gekommen, weil wir mal vor ihrem Konzert in Berlin aufgelegt haben. Und wir haben CARL BARTOS kennengelernt, jetzt legen wir mit ihm zusammen auf. KÖNNEN SICH DIE LEUTE BEI EUCH STÜCKE WÜNSCHEN? Nein, keine Anfragen, dafür haben wir auch nicht genug Platten. IHR HABT EBEN I AM X ERWÄHNT, DER FRÜHER BEI DEN SNEAKER PIMPS WAR. JOE WILSON KOMMT AUCH VON DEN SNEAKER PIMPS, UND ER IST AUCH AN EUREM AKTUELLEN ALBUM BETEILIGT. WAS GENAU HAT ER AUF EUREM ALBUM GEMACHT? Er hat es Co-produziert. Er ist unser „Pimp“ (Zuhälter), er tritt live mit uns auf. Er ist „Daddy“ (lacht) WENN EINE PLATTENFIRMA ZU EUCH KÄME UND EUCH EIN VIEL BESSERES ANGEBOT ALS „TOAST HAWAII“ MACHEN WÜRDEN, WÜRDET IHR DANN DARÜBER NACHDENKEN ODER VIELLEICHT SOGAR WIRKLICH DAS LABEL WECHSELN? Momentan würden wir das nicht tun. Ich meine, die Dinge in der modernen Musik ändern sich schnell. Wer weiß, ob EMI oder MUTE in ein paar Jahren noch existieren. Aber wir sind im Moment glücklich, und das ist alles, was ich sagen kann. WEGEN DES GELDES? Wir haben sowieso kein Geld… C’MON, NACH 2 ERFOLGREICHEN ALBEN? Wir haben für das neue noch keine Tantiemen bekommen, vielleicht wird’s ja noch was… VIELEN DANK FÜR DIE BEANTWORTUNG DER FRAGEN! Copyright Foto: Jörg Rambow

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