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CONTRA CULTURA (FJAY/ ROBERT)

ES IST SONNTAG, UND ZWAR EINER VON DENEN, DIE IHREN NAMEN AUCH VERDIENEN: DIE SONNE STRAHLT, SPÄTSOMMERHAFTE TEMPERATUREN, IM SAFTIG GRÜNEN GRAS BLÜHEN DIE BUNTEN BLÜTEN DER BLUMEN UND DIE GRÄSER WIEGEN SICH IM WIND… TROTZDEM HOCKEN WIR ZUSAMMEN MIT FJAY UND ROBERT, DEN JUNGS VON „CONTRA CULTURA“, IN DER BUDE, UM EIN GESPRÄCH ZU FÜHREN, WELCHES JEDOCH DIE SONNE AUCH IN UNSEREN HERZEN HAT AUFGEHEN LASSEN… CONTRA CULTURA BEFINDEN SICH NÄMLICH GERADE BEI DEN AUFNAHMEN ZU IHREM ZWEITEN RELEASE UND GABEN UNS EXKLUSIV DIE MÖGLICHKEIT, IN DAS BISHERIGE, HÖCHST BEEINDRUCKENDE MATERIAL VON „BRAINWASHED“ REINZUHÖREN UND UNS ANSCHLIESSEND REDE UND ANTWORT ZU STEHEN. EIN GESPRÄCH, DAS NEBEN VIELEN SPASSIGEN BLÖDELEIEN  AUCH EINIGE INTERESSANTE, ERNSTE UND TIEFGEHENDE DINGE ÜBER DIE MUSIK UND DIE JUNGS PERSÖNLICH VERRÄT…  Fjay: …leg das Diktiergerät doch lieber so hin, weil es kann sein, dass die Schallwellen sich darunter sammeln und unangenehme hallende Reflexionen entstehen – und wenn ich dann da so reinspreche, hört man nachher nur so „uööaülalalaö“… ALEX:  …JA, MAN KENNT DAS JA…UND DANN HEISST ES WIEDER „AUFGEFANGENE ALIEN-FUNKWELLEN“ UND SCHON HAT MAN WIEDER DAS FBI VOR DER TÜR UND HASTE NICHT GESEHEN… [kollektives lachen] ALEX: GUT, DANN FANGEN WIR MAL AN, AM BESTEN GLEICH MIT… Robert: …einer Vorstellungsrunde! ALEX: ÖH, JA: WIDMEN WIR UNS DER FRAGE „WARUM SIND WIR HIER…?“ Fjay: Tja…ja, weiß ich nicht. Gott hat uns wahrscheinlich erschaffen vor was weiß ich wie viel Milliarden Jahren und den Planeten… wird das jetzt eigentlich auch aufgezeichnet?? Robert: Rückwärts abgespielt ergibt das dann alles einen Sinn! [kollektives lachen] ALEX: HOLEN WIR VIELLEICHT NICHT GANZ SO WEIT AUS: ERZÄHLT DOCH EINFACH MAL, WER IHR ÜBERHAUPT SEID UND WAS IHR MACHT. Fjay: Also ich bin „Gogo“, „Gogo Gassi“ – oder „Fjay“ oder „Georg“, 24 Jahre alt, ledig, spiele Gitarre und singe nebenbei auch wenn ich Bock habe… und gebe jetzt mal weiter an meinen Kollegen Robert. Robert: In welcher Band spielst du denn überhaupt? Fjay: Ich… öh… weiß ich nicht… ja… Robert: „Cintra…“ Fjay: Oh, ja richtig, „Cintra“ (lacht). Ja, wir wurden mal für die Ablaufauslosung bei einem Gig fälschlicherweise als „Cintra Cultura“ eingetragen und seitdem ist das ein kleiner Insider. Nein, wir spielen natürlich bei CONTRA CULTURA. Robo? Robert: Ja, also ich bin der Bassist der momentan zweiköpfigen Mannschaft und eben genannten Band. Bin 23, auch ledig, Schuhgröße 45, K*** Straße Nr.***, keine Konfession.  [kollektives lachen] TINA: „TERROVERLAG. DE“ IST JA QUASI AUCH WIE EINE SINGLE BÖRSE… (lacht) Fjay: Ja, deswegen haben wir da ja auch diese Steckbriefe! ALEX: JA NUN, WIR SIND HALT EINE WELTWEIT IN ALLEN SPARTEN OPERIERENDE ORGANISATION! WIE HABT IHR DENN SO ZUSAMMENGEFUNDEN UND WIE HAT DAS ALLES ÜBERHAUPT ANGEFANGEN? (Fjay und Robert lachen) Robert: Die Namensgebung möchte ich gleich machen! Fjay: Fangen wir erstmal damit an, wie wir uns überhaupt gefunden haben. Also ich war damals, 2006, noch nicht beim Terrorverlag, aber wir haben uns über eine andere Plattform kennengelernt… [kollektives lachen] …durch einen Bekannten in der Diskothek sind wir zusammen gekommen, da Robert damals in einer anderen Band auch Bass gespielt hat. Als wir hier halt so rumsaßen… Robert: Ach jau, jetzt weiß ich’s auch wieder, so war das (lacht)! Fjay: … ich hab dann einfach mal was hier auf der Gitarre gespielt und der Bekannte hat dann gleich zum Hörer gegriffen: „Jaaa, hi Robert, voll geil, hör mal was der hier spielt, das könnt dir gefallen“ und dann hat der wirklich das Telefon an den Verstärker gepackt und lies den armen Jungen da am Telefon dann irgendwie Ohrenkrebs kriegen. Naja, ich hab halt so gespielt, und er [Robert] dann so: Jaaa, du Georg, ich kenne Lennard, das ist ‘ne geile Sau!“ und so haben wir uns dann getroffen, als Trio, und fanden uns dann auch direkt schon geil und… Robert:…und erotisch und… Fjay: …konnten schon gut miteinander umgehen… Robert:…mithalten auch! Fjay: Ja, auch mithalten… Robert: „Mithalten“ oder „mit halten“? Fjay: „Mit halten“. Robert: Achso. Fjay: Und so hat es halt recht schnell damit angefangen, dass wir miteinander Musik gemacht haben, wobei sich dann auch irgendwie der Sänger von Roberts alten Band angeschlossen hat. Robert: Der war dann auf einmal bei uns dreien. Fjay:  Ja, ohne das halt irgendwie abzusprechen, aber dann hat sich das auch wieder erledigt. Das sind auch alte Geschichten. Seitdem hatten wir dann auch einen guten Lauf. Was das Songwriting anging, hat zwar ein wenig länger gedauert, aber war ok. Ein Jahr später hatten wir dann unseren ersten Gig – in Berlin. Anschließend gab es dann den Bandcontest, den wir gewonnen haben… ALEX: DEN „NEW NEWCOMER CONTEST“! Fjay: Ja, das war schon ziemlich krass: zweiter Gig und direkt gewonnen. Dabei war da auch eine Band, die hatte ihre ganze Horde Fans mitgebracht, und das wir dann trotzdem da die Gewinner waren: wie gesagt, das war schon krass. Dann gab es halt die Aufnahmen zu unserer EP, anschließend ging es dann so weiter, dass… sag mal erzähle ich das vielleicht zu umfangreich? ALEX: …JETZT IST ES EH ZU SPÄT… (lacht) Robert: Das wird einfach vorgespult! Fjay: Jedenfalls hatten wir dann den Drummerwechsel vollzogen und auch in Markus gefunden, der zu dem Zeitpunkt gut passte und mit ihm kam auch gutes und schnelles Songwriting zustande, wobei wir auch von der Spielweise mittlerweile nicht mehr so verkrampft waren wie zu Beginn… Robert: Um mal auf das Songwriting einzugehen: Georg und ich waren da schon immer so die  „Drahtzieher“. Als Markus sich verabschiedet hat, war das kein Schlussstrich usw. Der Abgang tat uns beiden also in dem Sinne keinen kreativen Abbruch… ALEX: …DA JA DEMNACH KEINE KREATIVITÄTSQUELLE DIE BAND VERLASSEN HAT, SONDERN MIT EUCH JA NOCH DIE TREIBENDE KRAFT ERHALTEN GEBLIEBEN IST. Robert: Genau, das nämlich überhaupt nicht. Deswegen, finde ich, ist jedes Mal wenn sich etwas geändert hat, was von außen betrachtet vielleicht negativ scheint, es für uns immer ein positiver Aufstieg in unserer Entwicklung gewesen. Oder siehst du das anders? Fjay: Nein. Also es ist ja auch schon vorher so gewesen, als wir mit Lennard Schluss gemacht haben, dass es kreativ stets weiter ging, weil Robert und ich uns, was die Ausrichtung der Songs anging, immer einig waren. Wir mussten damals ja noch oft einige Abstriche machen, leider, aber es ging nicht anders, da man ja dann trotzdem als Band einen Kompromiss finden musste, mit dem wir leben konnten. Das war bei Markus dann schon entspannter und lief auch deutlich schneller, aber auch als er dann sich verabschiedete, ging’s nach wie vor weiter. Und momentan sieht es halt so aus, dass wir erstmal mit Drummachine oder halt CD auf die Bühne gehen, dass ist bis wir einen neuen fähigen Mann gefunden haben denke ich auch nicht all zu schlimm. Immerhin gibt es ja Bands wie WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER oder so, die auch einfach als Duo auf die Bühne gehen, einer an der Gitarre, einer am Mikro und das war’s. Und es klappt anscheinend ganz gut, also warum nicht wir? hähä TINA: WOBEI DAS DANN ZU KEINEM FESTEN ZUSTAND WERDEN WIRD, ODER? Fjay: Nein, das natürlich nicht. Robert: Also wir wollen schon wieder einen standhaften, jungen, vielleicht auch knackigen jungen Mann dann haben. ALEX: FRAUEN WOLLT IHR NICHT? Robert: Ja, auch. Also könnte auch BEIDES sein, das ist ja egal. [kollektives lachen] Fjay: Meinste, auf der einen Seite spielt einer das eine und auf der anderen Seite eine z.B. die Becken – also zwei Drummer für eine Funktion? (lacht) Robert: Also… ich meinte jetzt… Eine Person mit… Fjay (lacht): …2 Geschlechtern? Das macht immer noch nur eine Person! Robert: … jaaa, ach…ihr wisst doch was ich meine…  TINA: ROBERT, DU WOLLTEST NOCH ETWAS ZUR NAMENSGESCHICHTE ERZÄHLEN. Robert: Ja, eines schönen lauen Sommernachmittages, saßen wir auf einer Wiese und überlegten, wie wir das Ganze verpacken wollen. Da kam der Gedanke nahe liegend einen Namen zu wählen, der viele verschiedene Lebenseinstellungen, sowie „Musikkulturen“ miteinander verbindet, aber sich auch gegen die Schubladendenkerei richtet, also „CONTRA CULTURA“. Und dann kam die Überlegung, ob es nun „Gegenkultur“ heißen soll oder auch „gegen Kultur“… und tjaah, da dachten wir uns „das passt wie die Faust aufs Auge“. Nee? TINA: IN WAS FÜR EINER BAND HAST DU DENN VORHER GESPIELT? WAS FÜR MUSIK HABT IHR GEMACHT? [Fjay fängt lautstark an zu lachen.] Robert: Ey, ja komm…zieh es ruhig noch ins lächerliche! Also ich glaube das, was wir da gemacht haben, war gar nicht so speziell Musikrichtungsgebunden, weil ich da noch gar nicht so orientiert war, um zu sagen: „ich mach jetzt DIE und DIE Mucke.“ Wir waren 5 Leute glaub ich und da waren 2 dabei, die eher so Hard Rock und so ‘nen Kram gespielt haben; das war halt noch eher eine Orientierungsgeschichte, wo ich mich aber auch noch nicht wirklich wiedererkennen konnte. Und ansonsten ging das viel von der Musikschule aus, irgendwelche Vorspiele mit anderen Musikern da unten am „Bunker Ulmenwall“ oder so was, also ist das hier jetzt bei CONTRA CULTURA meine erste feste Band, wo ich mich verwirklichen kann. ALEX: ALSO WARST DU QUASI GAR NICHT IRGENDWIE GENRETECHNISCH SCHON GEPRÄGT, ALS IHR ZUSAMMEN ANGEFANGEN HABT? Robert: Nein, das nicht. Ich höre ja privat auch quer Beet.  Fjay: Ich muss sogar gestehen, dass ich privat wenig bis keinen Metal höre, also meist nur die Sachen, die mich halt anmachen, oder wenn ich unterwegs bin. Aber sonst bin ich eher so der… Robert: …Softie!? Fjay: Na ja, was heißt „Softie“; ich finde, Härte kann man nicht einfach durch „harte“ oder scheinbar harte Musik ausdrücken, sondern es kann auch eine Ballade ein knallharter Song sein. Ich finde, dass wird auch zu oft Missverstanden: „es muss so hart wie möglich sein“. Ich meine wo sind wir jetzt? Metalcore ist abgeklungen, jetzt kommt Deathcore – und was kommt dann? Kommt dann Tempo 350, oder 400? Die menschlichen Ressourcen versagen, und dann gibt es nichts Extremes mehr.  Im Leben wiederholt sich ja alles, aber im Moment sehe ich auch für diese Szenen nicht so den Fortschritt, zumindest nicht was jetzt Genres wie z.B. Metal- und Deathcore angeht. Irgendwann ist das auch langweilig geworden – es fängt ja jetzt schon an zu langweilen: es baut sich quasi alles um einen Breakdown nach dem anderen auf, das war’s. Pig Squeals macht mittlerweile ja auch jeder und irgendwann wird auch das dann zu „Softie“ verkommen, weil die Leute sich dran gewöhnt haben und wiederum was noch „härteres“ haben wollen. Lange Rede, kurzer Sinn: Man kann Härte nicht immer durch harte Musik ausdrücken, sondern es kommt darauf an, wie man es auslegt, wie man es verpackt usw.  Aber worauf ich ja eigentlich hinaus wollte: Wie gesagt, privat höre ich recht wenig Metal. Ich befasse mich eher mit poetischen Geschichten, Lyrics – ultra wichtig – einfach alles was es gibt, interessiert und zusammen passt. Da setze ich mir keine stilistischen Vorgaben. Als wir uns dann damals die ersten Male getroffen hatten, wusste ich auch noch gar nicht was Robo jetzt so spielt. Das hat sich für uns dann erst beim Spielen herauskristallisiert und es hat einfach gepasst. Robert: Ich glaube ich könnte das auch gar nicht, mich einfach so auf eine Musikrichtung festlegen und dann zu sagen: wir machen nur das und das. Ich könnte nicht einfach immer nur die gleiche Mucke zocken. TINA: ICH WOLLTE GRAD AUCH SAGEN, IHR SEIT JA SEHR VIELSEITIG UND VIELSCHICHTIG – VORHER NEHMT IHR DA EURE INSPIRATION? ODER SPIELT IHR EINFACH NUR DAS, WORAUF ICH GERADE LUST HABT?  Robert: Also bei mir ist das aus dem alltäglichem Leben, was ich so höre, was mir so in den Sinn kommt. Oder ich denke manchmal einfach dran zurück, was mein Vater so gehört hat; daher kommen meine Einflüsse. Oder ich sehe irgendwas und verbinde es dann mit etwas. Fjay: Für mich ist wie gesagt das Poetische sehr wichtig und generell auch, dass man für den Song spielt und nicht einfach zu spielen, um zu spielen und irgendwie am Instrument angeben kann oder damit man sagen kann „wir sind extremer als die anderen“. Es muss halt passen, man muss für die Musik spielen. Es ist im Prinzip wie ein konstanter Fluss, und auch wenn das jetzt vielleicht ziemlich abgedreht ist, was ich erzähle… ALEX: HAU RAUS! Fjay: Ja, also ist als wäre da ein Fluss und wir sind der Fisch darin, und irgendwie siehst du dann so „Och, dieser Strahl schmeckt mir jetzt gerade, den schnapp ich mir. Den saug ich auf und…“ Robert: …auch wenn’s der Pipi-Strahl von einem anderen Fisch ist. [kollektives lachen] Fjay: Ich denke, ihr versteht was ich meine. Es gibt da also keine konkreten Einflüsse, wir spielen das, was uns in den Sinn kommt und zusammen passt, und wenn es sich dann gut anhört: okay – ansonsten arbeiten wir weiter daran. Robert: Genau, man könnte auch nicht sagen, dass wir die und die Vorbilder haben, also jetzt nicht irgendwie…wen gibt’s denn da… HELMUT LOTTI oder so. Fjay: Es gibt da halt nichts Festes: wenn ich grad Bock auf traurige, griechische Balladen hab, dann höre ich mir die an, und wenn ich denke, jetzt muss Tod und Gemetzel her dann höre ich auch das. ALEX: DEINE GRIECHISCHEN WURZELN HAST DU JA GERADE SCHON QUASI ANGESPROCHEN – DIE FLIEßEN JA AUCH SCHON RECHT DEUTLICH MIT IN DIE MUSIK EIN? Fjay: Genau, es gibt einige Songs, die irgendwelche Elemente in der Richtung enthalten. Auf dem neuen Album sind auch vereinzelt noch mehr davon drin. So gibt es z.B. einen Songtext der zur Hälfte auf Griechisch ist. Mir fällt jetzt auf die Schnelle auch niemand ein, der hier in dieser Region so etwas schon gemacht hat, deshalb sind wir gespannt, wie da die Reaktionen ausfallen werden.  ALEX: MUSS MAN FÜR SO EINE MUSIK… Robert: …geboren sein? ALEX: ÖH…GENAU. Robert: Nee! [kollektives lachen] ALEX: MUSS MAN FÜR SO EINE MUSIK – UND JETZT KOMMT DIE FRAGE DIE ICH STELLEN WOLLTE (lacht) – NICHT AUCH INNERHALB DER BAND ZIEMLICH TOLLERANT SEIN, BEI SO VIELEN „EXPERIMENTEN“? Fjay: Ja, öh, also ich denke das, was du fragen willst, ist im Prinzip das, was ich jetzt sagen werde…  [kollektives lachen!!] Fjay (muss selber lachen): Ja, das durchbricht die Grenzen der Logik! Nee, also eigentlich bedarf es da gar keiner Toleranz, da es mehr so ein gleichzeitiges Entgegen- und Zukommen ist. Wir sind halt beides Fische in dem gleichen Fluss und denken so: Oh jau, wir sind der gleichen Meinung, der Piss-Strahl gefällt uns… [kollektives lachen] Fjay: Ja nun, wenn’s halt so ist?! Also ich kann mich jetzt nicht an eine Situation erinnern, wo einer von uns gesagt hat: „Nö, also das mag ich jetzt überhaupt nicht, das ist komplett scheiße, das will ich nicht“.  Robert: Ja und…hmm, wie kann man das denn jetzt ausdrücken, ohne das man gleich jemanden an die Flosse pisst.  [kollektives lachen] Fjay: Und da sind wir schon wieder beim Fluss! Robert: Genau (lacht). Also es gab in der Vergangenheit immer einige Störfaktoren. Aber ich kann mich auch nicht an eine Situation erinnern, wo wir gesagt haben: „Das hemmt uns jetzt so, dass wir unter das Thema jetzt einfach einen Schlussstrich ziehen“…verstehst du was ich meine? ALEX: JA. Fjay: Also ich versteh’s nicht.  Robert: …also ich antworte jetzt das, was gleich gefragt wird [kleiner Seitenhieb].  Was ich sagen will: Wenn, dann sind wir immer Hand in Hand über die Blumenwiese gegangen. [kollektives lachen] Robert: Nein, das war wirklich so. …..Okay, das klingt etwas schwul… aber wenn der Dritte halt mal dabei war, ist der dann später auch mal über eine Wurzel geflogen… [kollektives lachen] Robert: Ja, halt mal bildlich gesprochen. Und wir haben ihm aufgeholfen und sind halt weiter gelaufen. ALEX: EUER SONGTECHNISCHES GRUNDGERÜST IST ABER IMMER „METAL“, JETZT MAL GANZ GROB GESPROCHEN. ODER KANN ES AUCH SEIN, DAS IHR MITTEN DRIN MAL…SO ‘NEN POP-SONG RAUSHAUT? Fjay: Poppig ist es ja im Prinzip teilweise schon, ich denke da z.B. an „$ex $ells“ – und auch auf dem kommenden Album gibt es viele, ich sage mal „poppig Anmutende“ Songs – aber solange es halt nur anmutet…aber wie gesagt: wenn es passt, passt es einfach. Ja, und Hip Hop, Robo? Robert: Ja, das hast du ja schon mal angesprochen, nen Hip Hop-Track zu machen…ne?? Fjay: Jiiaaa…

Robert: …da war ich aber dagegen! Ich bin ja sonst kein intoleranter Musikhörer, aber ohne da jetzt irgendwie in eine Richtung zu gehen, könnte man schon von einem „Musikfascho“ sprechen. Allerdings jetzt ohne politischen Hintergrund. Und auch wenn wir uns in Sachen Musik die Hände geben: es gibt Sachen, die brauche ich nicht, weil die Aggressionen in mir wecken. Und da wäre Hip Hop eine Geschichte, die ich niemals machen wollen würde.  Fjay: Aber ist das nicht grad auch das geile, dass gerade Metal dazu dient, Aggressionen abzubauen und dann dabei Metal mit Hip Hop zu verbinden? Da ist die Aggressions-Auf-und-Abbau-Kur dann ja gleich schon mit drin?! Ach Robo… Robert: Mir ist das Schnuppe… aber um auf die Frage zurück zu kommen: Das Grundgerüst Metal wird bleiben und wenn dann mal eine andere Idee kommt, dann wird das nebenbei sein.  TINA: DAS NEUE ALBUM HABT IHR JA JETZT SCHON MEHRFACH ANGESPROCHEN – ES KOMMT…BALD? Fjay: Es kommt circa, also ich würde mal spekulieren: Mitte Oktober/November sollte das hoffentlich im Kasten sein.  ALEX: IN DIESEM JAHR!? Fjay: Ja natürlich. ALEX: ALSO ES SOLL JA BANDS GEBEN, DIE SOLCHE DATEN GERNE MAL… Robert: …rauszögern? Termine verschieben? ALEX: RICHTIG! Fjay: Uns ist schon wichtig, dass wir den Rahmen von Anfang an schon realistisch gestalten und einhalten. Wir liegen gut in der Zeit, auch wenn wir zwischenzeitlich ein paar Verzögerungen hatten, wie gesagt aus „Personalmangel“: Robert ist z.B. berufstätig, ich muss viel für mein Studium und diverse kleinere Projekte machen und da kommt es halt schon mal vor, dass wir viele Abstriche machen oder Termine verschieben müssen, aber das ist auch an sich kein Beinbruch. Alles ist bis jetzt richtig fix gegangen. Wir haben also auch keinen Grund, in Torschluss-Panik zu verfallen.  ALEX: IHR HABT ALSO EUREN EIGENEN ZEITPLAN? Fjay: Genau. Also ich habe eine Vorproduktion gemacht, was man ja auch eigentlich immer tun sollte, um dem Produkt und Ablauf gerecht zu werden und damit man nichts vergisst, weil im Nachhinein kann man da auch nichts mehr reinzaubern – zumindest klingt es dann nicht mehr natürlich. Somit haben wir von Anfang an auch eine klare Linie gehabt und alles ist schön und gut. ALEX: BERUFSTÄTIGKEIT HABT IHR EBEN JA AUCH SCHON ANGESPROCHEN – SOLLTE SICH JETZT EIN LABEL BEI EUCH MELDEN, WÜRDET IHR SCHON UM DEM NACHZUGEHEN EURE JETZIGEN BESCHÄFTIGUNGEN AUFGEBEN ODER WOLLT IHR DAS WAS IHR TUT LIEBER NUR ALS…BLÖD GESAGT „HOBBY“ WEITERFÜHREN? WIE WEIT WOLLT IHR MIT DER BAND GEHEN? Robert & Fjay: So weit wie es geht! Robert: Wird dann halt nur blöd für mich das mit meinem Job zu vereinen, da ich grad erst einen Festvertrag bekommen habe. Wenn ich da dann sagen würde: „So und so sieht es aus“ und im Endeffekt bin ich da weg, wir sind irgendwie auf Tour oder was weiß ich, dann steh ich da…beinlos. Fjay: Ich spendier dir ein Bein. Robert: Also ja dann… Nein, aber ich denke schon, wenn das Angebot da wäre…aber ich glaub wir hatten auch schon mal darüber gesprochen, dass wir dann nicht gleich alles überrumpeln und jedes Angebot nur so lüstern aufsaugen. Fjay: Nee. Also der Fehler, den viele Bands auch machen, ist sich maßlos zu überschätzen und dann direkt den schnellen, leichten Weg nehmen, anstatt Qualität erstmal wachsen und dann auch für sich sprechen zu lassen. Ich hoffe mal, dass wir in einem, anderthalb Jahr davon sprechen können, es uns verdient zu haben: haben diese lange Albumphase überwunden, in der wir ja eigentlich viel zu wenig Gigs hatten – es hat sich gelohnt dafür zu kämpfen und nicht alles hinzuschmeißen. Ich denke wenn man über einen so langen Zeitraum zusammen ist und Musik macht und nie den Mut oder die Hoffnung verloren hat, dann hat man es auch geschafft. Wenn man nicht gleich in jeder verzwickten Situation irgendwie…ins Wasser gepisst hat… TINA: DA IST ES WIEDER! ALEX: DIE ARMEN FISCHE! Fjay: Ja, die armen!  Robert: Was machst du denn, wenn du inkontinent bist? Fjay: Ja gut, dann bist du der Pisser schlechthin. Also natürlich auf die eben beschriebene Situation bezogen. Aber wie gesagt: Wenn so ein Angebot kommt – super geil. Wenn es dann ein Major-Label wie „Roadrunner“ ist, könnte man durchaus schon davon reden, dass man wohl länger unterwegs sein wird. TINA: UND WEN HÄTTET IHR DANN BEI SO EINER MAJOR-TOUR MIT DABEI AN BANDS? Fjay: Oh, also da hab ich absolut kein Bild…ja, es ist halt schwer weil es keine Bands gibt, die uns wahrscheinlich… Also WENN wir jetzt Headliner wären, wäre es schwer Bands zu finden, die quasi zu unserer Musik passen könnten. Andersherum ginge das sicher eher, da nimmt man ja auch schon mal eine lokale bzw. kleinere Support-Band dazu. Aber so…Es ist schwer zu beantworten, aber im Idealfall würde ich einfach mal sagen, dass  es wahrscheinlich ein paar Bands mit Hardcore/ Metalcore-Einflüssen uns da noch am nahesten wären. Aber so zu hundertprozentig passend ist das ja nun auch nicht… TINA: ACH, WENN IHR ERST EINE MAJOR-BAND SEID, IST DAS EGAL, OB DAS PASST. EINFACH BANDS, AUF DIE IHR BOCK IN EUREM PROGRAMM HÄTTET… Fjay: Achsoooooo! Wenn’s um Bock geht: METALLICA, GODSMACK… GODSMACK wär richtig geil. SIX FEET UNDER ist natürlich klar, Chris Barnes der geilste „Grunze-Mann“ auf Erden.  Aber ich denke, wenn du sagen kannst, du bist im Vorprogramm von METALLICA etc. bist du eh geil genug. (lacht) ALEX: AUßER DU HEIßT „THE SWORD“. [kollektives lachen] Robert: Aber MACHINE HEAD wären auch nicht schlecht. Ansonsten sind das bei mir nicht so die gaaanz großen, mehr so die aus dem Grindcore/ Deathmetal Bereich: MISERY INDEX zum Beispiel, oder BLACK DAHLIA MURDER fände ich nicht schlecht. ABORTED…so die. Aber auch deutsche Bands wie DISILLUSION, die sind auch genial. Aber sonst, was gibt es denn noch für Große…?

ALEX: JA, DIE KENNT MAN JA AUCH EHER MEIST NICHT, DIE GROßEN. [kollektives lachen] Fjay: Ich sag mal so, der absolute Lebenstraum für mich wäre auch mit SYSTEM OF A DOWN in irgendeiner Form da zu kollaborieren… Robert: …kollabieren! Fjay: Ich glaub da würde ich bei kollabieren bei der Kollaboration!      [kollaborierendes…äh…kollektives lachen] Fjay: Es sind aber halt so die Bands, die man schon lange hört. Ich bin da jetzt nicht so einer, der krampfhaft versucht, irgendwelche neuen Bands zu finden, die so hip wie möglich sind. Wie gesagt: Qualität muss wachsen.  TINA: DEUTSCHE BANDS KÖNNEN ALSO AUCH DABEI SEIN – WÜRDET IHR DENN AUCH MAL WAS AUF DEUTSCH MACHEN? Fjay: Ich muss gestehen, dass ich in einem Songtext, der auch auf dem neuen Album dann drauf ist – zu dem ich meine, der ist zur Hälfte auf griechisch – da gab es mal einen Frühentwurf… und das weiß glaub ich auch noch keiner; das erzähle ich jetzt zum ersten mal… ALEX (flüsternd): …EXKLUSIV FÜR DEN TERRORVERLAG… Fjay: …das sollte ein ziemlich internationaler Song werden, auch mit deutschen Texten. Es sollte halt ein Konzept-Song werden; ähnlich wie es ja auch das Album wird. Es geht da natürlich um den Krieg damals und ja auch heute, wo es immer noch Kriege, teilweise auch versteckte/verschwiegene gibt, von denen man nichts mitbekommt. Wie gesagt, man wird „gebrainwashed“, dumm gehalten und solange man nichts davon mitbekommt, braucht man sich auch nicht darum kümmern. Der Song erzählt halt aus mehreren verschiedenen Perspektiven, die dann in einen Topf zusammen laufen; zu einer Suppe. Daher auch die verschiedenen Sprachen. Zum Beispiel halt griechisch, da ist ein verletztes Kind, was mitten im Krieg ist und eine halb auseinander gefallene Familie betrachten muss. Da war es mir schon wichtig, die ganze Trauer und Traurigkeit auf „poetischer“ Weise rein zu bringen und durch die ganzen Sprachen soll man halt sehen, dass es wirklich auf der ganzen Welt ein gleichermaßen schlimmes Schicksal ist. ALEX: ES SOLL ALSO EIN KONZEPT ALBUM WERDEN – WAS KÖNNT IHR DA SCHON VERRATEN? WIE SIEHT DAS KONZEPT AUS? Fjay: Thematik ist erstmal „Brainwashed“ – daher auch der Album-Titel. Es geht darum, den Menschen zu zeigen, dass sie rundum Opfer des Konsums sind und das jeder Scheiß der täglich im Fernsehen beworben wird mehr und mehr zu den Primär-Zielen eines jeden wird. Alles womit du dich eigenständig gedanklich auseinander setzen musst, darf quasi nicht sein, da jeder Denker gefährlich ist – so erstreckt es sich halt über das ganze Album; dass du endlich anfangen sollst, selber zu denken und deinen Mann zu stehen. Dann hat das natürlich auch viel mit Politik zu tun. Es ist schon sehr tiefgehend und kritisch, auch wenn es auch mal eher witzig angehaucht ist, wie in dem Song „Patsá“ – „Eingeweidensuppe“.  Da geht es um einen Typen, der im Prinzip alles für seine Frau tut, dann aber Scheiße baut, durchdreht und seine Frau abschlachtet. Aber das hat dann auch wieder mit dem „Gebrainwashe“ zu tun, da man von diversen Magazinen ja andauernd gesagt bekommt: „Sixpacks hier und Schönheitsideal da und mach dies für deine Frau und das“. Das kommt jetzt nicht so detailliert in dem Song vor, aber letztendlich macht der arme Typ das alles und nimmt jede Forderung und jedes Sprichwort sich zu Herzen und wörtlich – und dann dreht er ganz einfach ab, weil diese ganzen Informationen, dieser Informations-Gulasch  dann in seinem Kopf explodiert und er schlachtet sie dann halt ab und alles schön und gut. Dann haben wir aber auch noch mal unseren „EP-Klassiker“ „$ex $ells“ da mit drauf, das ist ja auch so eine satirische und sozialkritische „Granate“, sag ich mal. Man wird es sicher nicht unbedingt gleich raus hören, wenn man allein die Musik betrachtet – klingt halt auch nun mal nach Polka [lacht] – aber wenn man sich dann die Lyrics mal antun möchte ist da doch so der „Wow“-Effekt, dass da doch was ernstes dahinter steckt, das zu dem Gesamt-Thema gut passt. Es gibt halt einen roten Faden, der sich dann am Ende jedoch zu einem Kreis auch schließt.  ALEX: DIE TEXTE KOMMEN ALSO VON DIR? Fjay: Ja, früher bei der alten Besetzung war es so, dass viel wert darauf gelegt werden sollte, kollektiv in Sessions an den Lyrics zu arbeiten, aber ich hab mich dann wiederholt dafür ausgesprochen, dass die Ideen keinesfalls in einem komprimierten Zeitrahmen erzwungen werden dürfen, weil sonst hast du halt so einen 0-8-15 Text, der dann sicher nicht das beste Werk ist, was man daraus hätte machen können. Als der Besetzungswechsel dann war, war meine Rolle im Prinzip dann auch schon gegeben, die Lyrics dann bedachter anzugehen. Teilweise ist es so, dass in einer halben, einen Stunde ein ganzer Songtext entsteht, teilweise aber auch so, dass ich über Monate diverse Zeilen auslassen muss, weil mir einfach kein genau passender Teil dann dazu einfällt. Da greif ich halt jetzt mal auf die „Weingeschichte“ zurück: Ein guter Wein muss halt auch erst reifen. Da war es halt oft schon so, dass dann vor den Aufnahmen oder so noch die passenden, fehlenden Ideen kamen. Darum ist es halt wichtig, nichts erzwingen zu wollen und müssen – sonst kommt nur unschmackhafter Brei dabei raus.  ALEX: KANNST DU ROBERT DICH  DENN DANN AUCH MIT DEN TEXTEN IDENTIFIZIEREN? Robert: Ja, doch. Ich sag mal so: Das war auch schon so, als wir noch das Dreier-Gespann waren, dass ich halt der Englisch-Blödel war, insofern konnte ich da auch gar nicht so viel Brei dazu beitragen. Und na ja, was die Beiden dann da gemacht haben war schön und gut, ein paar Worte mussten sie mir dann noch erklären, ok, aber wenn es dann doch ein paar Unstimmigkeiten oder so gab, wurde da schon noch mal drüber gesprochen. Wir haben das eigentlich auch immer so gehandhabt, dass, wenn es wo auch immer Unzufriedenheiten gab, versucht wird Kompromisse einzugehen, so dass keiner zu kurz kommt. Und so ist es bei den Lyrics auch gewesen. Und jetzt habe ich da auch keinerlei Probleme mit, dass Georg das so übernommen hat, gerade weil ich da auch jetzt nicht so bewandert bin – so wie jeder halt seine Stärken und Schwächen hat. Dafür hat ja jeder sein Gebiet. TINA: ALSO KÖNNTEST DU DIR JETZT NICHT VORSTELLEN, MAL EINEN TEXT ZU SCHREIBEN? Robert: Also, wenn Georg den für mich dann umschreibt, schon! Allerdings hat es für mich jetzt nicht so einen hohen Stellenwert, in der Band mit Worten auszudrücken, was mich bedrückt. Das passiert eher so im Austausch. Bei so Gesprächen, die wir führen und wo wir uns schon, ich sage mal das meiste erzählen, da nimmt Georg schon Sachen auf, die mich auch bedrücken und verarbeitet die dann. Aber wie gesagt, wenn ich mich mehr auf meine Bass-Geschichte konzentrieren kann, brauch ich diese Lyricsache da nicht. Fjay: Ich bin auch der Meinung, dass auch ein gutes Instrumental auch mehr aussagen kann, als auf „Teufel komm raus“- hineingepresste Lyrics. Wenn Musik auch ohne Worte einen mitnehmen oder Emotionen verursachen kann, dann muss man da ja nicht unbedingt immer noch reingröhlen. Robert: Eben. Ich finde auch, wenn man das Album hört und es mal mit typischem Metal vergleicht, ist bei dem typischen Metal viel bei, was man gar nicht wirklich wahr nimmt, gerade was den Bass angeht. Der ist halt da und füllt aus, ist aber maximal nur unterstützend. Bei uns gibt es allerdings viele Passagen, wo auch der Bass raus sticht und auch mal was anderes Spielt, als die Gitarre. Und das sind dann halt die Stellen, an denen ich mich ausdrücke. Fjay: Dabei ist es aber auch so, dass wir nicht aneinander vorbei spielen, es ist schon eine runde Geschichte. Schön und rund…schön und rund – und mit einem Haps sind die im Mund. Und Bon für Bon, so macht das Sinn, ist ‘ne Extra Portion Milch mit drin! Joah… [kollektives lachen] ALEX: ZU DEN ALBUMAUFNAHMEN SELBER, WAS KÖNNT IHR DA SO BERICHTEN? Fjay: Als ich das Schlagzeug aufgenommen hatte, war das eine ziemlich verzwickte Situation. Ich musste natürlich sicher gehen, dass die geliehen, hochwertigen Mikrofone auf keinen Fall einfach so im Proberaum stehen gelassen werden. Man weiß ja nicht, wenn da am Wochenende einfach mal einer reingeht, zudem parallel dazu auch ein Gig genau daneben stattfand und man da was vom Proberaum brauchte. Da war ich halt da, auch im sicherzugehen dass die Mikrofone nicht verrückt werden oder dass keine Sachen geklaut werden – schließlich wurde dort öfter mal eingebrochen – und ja, da musste ich halt da nächtigen. Klingt halt ziemlich…ja… Robert: Eklig!? Fjay [mit leidvoller Stimme]: Ja, es war auch eklig, vor allem wenn man jetzt nicht so der Spinnenliebhaber ist…  ALEX [lachend]: …SORRY, DASS ICH JETZT UNTERBRECHEN MUSS, ABER WO BITTE LIEGT DENN EUER PROBERAUM UND WAS IST DAS FÜRN DING?? Fjay: Ich empfehle, dass man sich nicht wirklich vier Tage lang in einem Proberaum einsperrt. Ich weiß nicht ob das auch so ähnlich bei Big Brother oder so sein muss…Überspitzt gesagt war es halt so, als wäre man 90 Tage irgendwo in einem Haus eingesperrt, das man nicht verlassen durfte, ohne soziale Kontakte – ich hab mich da wirklich isoliert gefühlt. Bis auf die paar Tage und Stunden während der Aufnahmen war da halt nichts. ALEX: UND NEBENBEI HAST DU QUASI NOCH AN „LOST 2“ GEARBEITET. Fjay [lachend]: Genau. Danach im „richtigen Studio“ sorgen wir dann noch für zusätzlich feinere Sounds und die Vocals werden dann im Proberaum aufgenommen. Es wird dann auch diverse Specials geben auf dem Album, die jetzt auf keinen Fall vermutet und verraten werden.  ALEX: WAS WÜRDET IHR JETZT SAGEN, IN WIE WEIT IHR EUCH DA JETZT WEITERENTWICKELT HABT IM VERGLEICH ZUR EP? Fjay: Oooh, ja – also wie gesagt, es war eine ziemlich verzwickte Situation am Anfang wo kreative Differenzen fast an der Tagesordnung waren und im Prinzip auch Geschichten die auf der EP drauf sind sich auch weiterentwickelt haben oder quasi zu der Zeit eine Alternativ-Version waren. Natürlich haben sich das instrumentale Verständnis und die Fähigkeiten verbessert, so dass man auch einige Sachen einfach besser ausdrücken und sie auch besser auf das Medium bringen kann. Es hat sich viel verändert, die Arrangements natürlich viel konzentrierter, viel runder, das Schlagzeug auf jeden Fall und die Lyric-Geschichten. Das war eben ein Punkt, der sich dann doch mehr oder weniger geändert hat. Ich würd halt sagen, es ist – ich mag den Ausdruck eigentlich auch nicht so sehr – erwachsener. Robert: Ouh! Fjay: Ouh! Ouh! Robert: Ouh!  Also mit einem Satz würde sich sagen, ist der Begriff „Musik“ im Ganzen komplexer – im Vergleich zu dem davor, mit allem was da zugehört. ALEX: SIND DENN DIE EIGENSCHAFTEN, DIE IHR JETZT MEHR ODER WENIGER AUFGEZÄHLT HABT, AUCH GLEICHZEITIG VORRAUSETZUNG FÜR INTERESSIERTE DRUMMER? Fjay: Definitiv. Es ist natürlich ziemlich schwer primär tighte, taktfeste Drummer zu finden, jemanden der auch keinen wert auf Schubladendenken legt, sonst passt er halt nicht zu uns. Scheinbar haben auch viele Leute ein Problem damit, das wir so vielschichtig sind oder  es gibt in dieser Region halt noch nicht so viele, du uns entdeckt haben und für unsere Musik offen sind.  ALEX: HABT IHR DAS DENN VOR, DAS DANN AUCH MIT DEM ALBUM UND VERMEHRTEN LIVE-AUFTRITTEN HIER ZU ÄNDERN?  Robert: Also ich hoffe das mit dieser komplexeren Scheibe, die jetzt bald rauskommt, dann mehr Zuhörer gefangen werden können, aufgrund dessen, dass es einfach ein besseres Werk ist. Und die, die wir damit nicht erreichen können haben einfach einen anderen Musikgeschmack.  Fjay: Wenn wir in der nächsten Zeit dann auch wieder Gigs haben sollten, dann werden, alternativ natürlich, Drum-Spuren auch für die alten Songs arrangiert und mit auf die Bühne genommen. Da wollen wir also keine Zeit verstreichen lassen, um da weiter zu machen, wo wir aufgehört haben. Sollte es halt so sein, das wir wirklich vielleicht…1 Jahr ohne Drummer und dann einfach mit einer vorgefertigten Drum-Spur spielen müssen, dann ist es halt so. Es soll ja jetzt kein Qualitätsabbruch sein, sondern eher auch eine bereichernde Erfahrung.  TINA: WÜRDET IHR DENN, WENN DAS ALBUM DANN DRAUßEN IST, AUCH VIELLEICHT EIN VIDEO MACHEN…? Fjay: …oh ja! TINA: …OHNE LIEBER DANN DOCH AUF EIN FESTES BANDMITGLIED WARTEN? Fjay: Achso, nö!  Robert: Nö, wir nehmen da alles mit was geht. Sonst könnten wir ja viele andere Sachen aus dem Grund heraus auch nicht machen. Ich denke wenn das finanziell über die Strenge schlagen würde, dann würden auch sagen: „nö“ – aaaber wenn die Kontakte und die Möglichkeiten da sind, dann auf jeden Fall. TINA: HABT IHR DA SCHON EINE IDEE? EHER EIN VIDEO, DAS EINE GESCHICHTE ERZÄHLT ODER ERSTMAL EIN PERFORMANCE-VIDEO? Fjay: Also ich habe für diverse Songs schon ein paar Konzepte fertig, die auf jeden Fall mit einem Kumpel machen werden, mit dem wir schon mal die ein oder andere Zusammenarbeit hatten, die aber leider auch teilweise nicht veröffentlicht wurde wegen der Besetzungswechsel, die zu dem Zeitpunkt stattfanden. Das ist der Laurent alias „Demogorgon“ (auf Myspace) und der hat ein gutes Händchen für tolle Bilder und bei dem kann ich mir vorstellen, dass wenn wir etwas stabiler in der Besetzung sind dann auch direkt primär ein Performance-Video drehen, zwischendurch aber auch mit viel Handlung, die dann die Lyrics verarbeiten. ALEX: HABT IHR AUCH VOR, DIE NEUE SCHEIBE DANN AN LABELS ZU SCHICKEN? Fjay: Also an Labels und Booking-Agenturen wird sofort was verschickt, wenn was da ist, also vor dem eigentlichen Release und dann gucken wir mal. Wenn Interesse da ist gönnen wir uns vielleicht auch ein bisschen zurück lehnen und die Auflage drucken lassen. Dann können wir das Release, wenn es dadurch sich dann nicht verschieben sollte, nochmal richtig auskosten. Ansonsten soll die Veröffentlichung dann jedenfalls gegen spätestens Oktober/November sein – und dann halt so viele Gigs wie möglich, denn die sind natürlich ein riesen Spaß…zumindest für uns. [lacht]  ALEX: UND HABT IHR EUCH SCHON ÜBERLEGT, IN WELCHEM RAHMEN DAS RELEASE DANN STATTFINDEN SOLL, VIELLEICHT MIT EINER SHOW? Fjay: Oh Gott, ja das ist wieder so eine Frage ob das mit der Besetzung klappt, ob halt dann ein Drummer da ist, der bereit wäre längerfristig was mit uns zu machen, bzw. überhaupt bei uns mitzuspielen – ansonsten müssen wir alternativ wirklich die Drum-Geschichte halt auch bei der Release-Party durchziehen, und ich weiß nicht ob das einen allzu guten Eindruck macht. Ich denke mal, wenn  wir das im Vorfeld auch ankündigen dann wird das auch viel Interesse hervorrufen: “Öh, wie kann man so was umsetzen, wie sieht das aus: zwei Leute auf der Bühne, Drummachine…hä? das guck ich mir an…“  Robert: Na ja, viele werden sicher auch dabei sein, die dann sagen: “Äöh, das ist kein echter Mensch…das find‘ ich kacke!“ Das wird sicherlich auch kommen, aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Fjay: Nee! Robert: Näää! Fjay: Näääh… ALEX: NUNGUT, DANN KÖNNEN WIR LANGSAM ZU DEN STANDARD-FRAGEN KOMMEN… Fjay: Oh! ALEX: TÄTERETÄÄÄ! TINA: FANG DU MAL AN. ALEX: ALSO MIT WELCHEN BANDS IHR GERNE SPIELEN WÜRDET HATTEN WIR SCHON – WENN IHR JETZT EINEN SONG FEATUREN KÖNNTET MIT EINEM KÜNSTLER TOT ODER LEBENDIG: WENN NEHMT IHR? Fjay: SIDO!!! Nein, BUSHIDO natürlich! Nee [lacht]. Robo, fällt dir was ein? Robert: Ich überlege noch. Tot oder lebendig? ALEX: YEP. Robert: Oh… ich glaub ich wähle die lebendige Variante: … Mikael Åkerfeldt wäre schon geil, von OPETH. Fjay: Ach so, ich dachte jetzt…obwohl, YVONNE CATTERFELD wär auch nicht schlecht. [lacht].  Robert: Ryan Martinie fänd ich auch noch geil, von MUDVAYNE der Basser. Fjay: Hmm, ja, ich denke ich werde wieder die gleichen aufzählen wie vorhin: von GODSMACK würde ich gerne mit Sully Erna gerne ein Duett machen. Natürlich, mein Lebenstraum, mit meiner Traumband SYSTEM OF A DOWN ein Duett zu machen oder generell einen Song mit denen zu performen, ob jetzt auf der Bühne oder auf einem Medium. Sämtlichen Aktivitäten in der Form würden für mich im Prinzip willkommen sein… Robert: Alle?! Fjay: Alle! [kollektives lachen] Robert: Oh oh! Fjay: Scheiße! [lacht]  Robert: Da kommst du nicht mehr raus, wir haben Beweise! [lacht] TINA: GIBT ES IRGENDWELCHE SONGS, DIE IHR GERNE COVERN WÜRDET? Robert: Oh, das leidige Thema… da gibt es so viele… Fjay: Wir haben noch nie was gecovert, wir haben nur bei einem Gig kurz was angespielt, was aber nur eine Minute ging, das war aber auf keinem Fall Metal. Das war aus den 80igern, oder Anfang 90er – „Everybody Dance Now“ von „C & C MUSIC FACTORY“ – aber covern ist so eine Sache… Robert: Auf dem Pulp Fiction Soundtrack ist auch ein geiler Track „Surf Rider“ von THE LIVELY ONES. Von Monty Python hatten wir auch was… Fjay: Jau, wir wollten „Always look on the bright side of life“ covern, oder „Chan Chan“ von BUENA VISTA SOCIAL CLUB. Was wollten wir sonst noch…also da gab es viele eher untypische Einfälle, die aber letztendlich dann in der Umsetzung schwer zu machen waren. Robert: WOLLE PETRY hatten wir auch noch:  Fjay; „Verliebt, verloren, vergessen verzeih’n“ oder sowas, das war auch ziemlich beknackt. Aber warte mal, wir hatten doch auch was von „König der Löwen“, oder? … „Naaaants ingonyama bagithi baba!!!“ [„Circle of life“].  [kollektives lachen] Fjay: Wir machen das als Live-Intro, direkt so „Naaants ingonyama bagithi baba!“ TINA: JA, UND DANN KOMMT FJAY MIT SEINER MÄHNE.  Fjay: Das ist Mufasa [auf sich zeigt] und das ist Simba [auf Robert zeigt]. [lacht] ALEX: JETZT WOLLTE ICH NOCH EINE FRAGE ZWISCHEN SCHIEBEN, ABER ICH HAB SIE VERGESSEN… Robert: Da brauchen wir jetzt einen Lücken-Füller, ne? Ich hab‘ da einen Witz auf Lager: Sagt ein Spanner zu dem anderen: „Und, was machst du heute Abend?“ – „Mal schauen!“  [kollektives, teils ironisches Lachen] TINA: WOLLTET IHR EIGENTLICH SCHON IMMER MUSIK MACHEN? Fjay: Nee, ich wollte eigentlich hauptberuflich gerne Menschen ausweiden und gegen Geld… TINA: … ACHSO, QUASI IN SO EINER PATSÁ-FABRIK. Fjay [lacht]: Genau… ALEX: ALSO KOCH! Fjay: Also seit ich … doch, ich glaub es war halt schon während meiner Kindheit, dass ich mich mit Musik, zumindest im Kopf, beschäftigt habe und irgendwann als die Inspiration oder generell der Drang da war, ein Instrument anzupacken, war es um mich geschehen. Ab dann habe ich nur mit Musik zu tun gehabt – und natürlich hat man als Mensch immer eine Selbstfindungsphase, in der man dann in dem Fall immer mal irgendwelche Sachen nachspielt und „covert“; ich denke davon kann sich wohl keiner freisprechen. Im Großen und Ganzen hat man dann aber doch irgendwann seinen Stil gefunden und macht sein eigenes Ding – sollte man zumindest auch, wenn man als Musiker wirklich weiterkommen will und einen gewissen Anspruch an sich hat. ALEX: OK. ZULETZT FÜHRE ICH ALS SCHLUSSWORT EIN, OB IHR NOCH EINE FRAGE AN EUCH SELBST HABT – WELCHE FRAGE WÜRDET IHR EUCH BEI EINEM INTERVIEW STELLEN? Fjay: „Kann ich allen meinen Ansprüchen gerecht werden?“ – Ich weiß es nicht. Ich werde versuchen, das Beste aus dem Material zu machen, meine Leistung ständig verbessern… Robert [flüsternd]: Es geht nur um die Frage… Fjay: Ja, aber ich beantworte sie halt auch gleich mit… ALEX: ANTWORTEN DÜRFT IHR NATÜRLICH AUCH. Fjay: COOL! Ich denke Selbstverwirklichung ist das, worum es bei jedem Menschen geht und gehen sollte und man später in 30 Jahren Fielmann-Werbungsmäßig zurückblickend sagen kann: „würd ich es noch mal so machen? – Ja!“. Und ich denke mal, wenn ich jetzt schon sagen kann, dass ich es nicht bereue, dann auf keinen Fall in 30 Jahren.  Robert: Also mir schwirren gerade mehrere Fragen im Kopf rum…aber die, die mich gerade am meisten beschäftigt ist: „Warum…warum gibt es Melonen mit weißen und dunklen Kernen?“  [kollektives lachen] Robert: Das kann ich nicht beantworten, und wenn mir die Frage bei einem Interview gestellt werden würde, wüsste ich wahrscheinlich keine Antwort. Oder: „Woraus ist Porzellan?“ Das sind Sachen, die man nicht unbedingt auf Anhieb weiß. ALEX: ICH BIN MIR SICHER, IN UNSEREM FORUM WERDEN SICH HOBBY-BOTANIKER UND GESCHIRR-EXPERTEN UM EINE SCHNELLE ANTWORT BEMÜHEN! VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW, UND VIELLEICHT HABT IHR NOCH EIN NETTES, KLASSISCHES SCHLUSSWORT FÜR DIE MENSCHEN DA DRAUßEN ÜBRIG? Fjay: Seid immer nett zu einander, verzeiht euch, denn wenn die Zeit gekommen ist, sich nicht mehr verzeihen zu können, wird man sich Vorwürfe machen. – Oh Gott, das ist jetzt ziemlich melodramatisch. Robert: Öhm…“schön und knitterfest… sind alle Frauen aus Budapest.“  DIESES SCHLUSSWORT LASSEN WIR EINFACH MAL SO STEHEN, UND WÄHREND WIR IM ANSCHLUSS AN DIESES GESPRÄCH NOCH EINIGE KLÄNGE VON FJAY AUF EINER BOUZOUKI VORGESPIELT BEKOMMEN, BLEIBT UNS ALLEN NOCH DAS GESPANNTE WARTEN AUF DAS INTERESSANTE SCHAFFENSWERK DER GESPRÄCHIGEN GENRE-FLEISCHWÖLFE. DIESE HABEN IM ÜBRIGEN KÜRZLICH ZUWACHS BEKOMMEN UND WERDEN NUN VOM EHEMALIGEN „TASTE OF BLOOD“-GITARRISTEN ALEX ALS ZWEITEN MAN AN DER KLAMPFE VERSTÄRKT. DER PLATZ AM SCHLAGZEUG SUCHT ALLERDINGS IMMER NOCH EINEN NEUEN BESITZER, SO DASS INTERESSENTEN NACH WIE VOR SEHR WILLKOMMEN SIND IM HAUSE CONTRA CULTURA.

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