Interview Filter

DARK TRANQUILLITY (NIKLAS SUNDIN)

HEJ! IHR MACHT EINEN ANGST. NACH DEM PERFEKTEN „CHARACTER“ KÖNNT IHR EUREN SOUND NOCH WEITER TOPPEN. WIE WEIT KANN DAS NOCH GEHEN? Haha, hoffentlich noch eine ganze Weile! Aber mal im Ernst, wir denken über so was nicht wirklich nach. Jedes neue Album ist eine neue Situation, also versuchen wir immer nur unser bestes und versuchen, die Musik so gut wie möglich hinzukriegen. Es hat keinen Zweck uns selbst einen Druck auszusetzen oder jedes Album zu vergleichen oder zu bewerten. So wie „Character“ lediglich zeigte, was DARK TRANQUILITY 2004 ausmachte, zeigt „Fiction“ nur das Gesicht der Band 2007. Und es ist ein sehr schönes Gesicht, wenn ich das mal so sagen darf! NACH DEM AGGRESSIVEN „CHARACTER“ KOMMT „FICTION“ ZUM TEIL WIEDER MELODIÖSER DAHER. IHR HABT IN DEN INTERVIEWS ZU „CHARACTER“ ERWÄHNT, DER AGGRESSIVE SOUND LIEGE AN DEN AGGRESSIVEN VOCALS. DARF MAN DAHER ANNEHMEN, DASS DIE LYRICS DIESES MAL SOFTER, ZUMINDEST ABER SPEKTRUMSREICHER GEWORDEN SIND? Ich bin mir nicht sicher, ob das stimmt. Normalerweise wird bei uns die Musik vor den Texten geschrieben, von daher klingt es komisch, dass „Character“ wegen der Texte diesen Weg genommen hätte – vermutlich handelte es sich um ein Missverständnis oder um eine schlechte Übersetzung. Aber es stimmt schon, dass Texte und Musik dieselben Gefühle und Schwingungen übermitteln sollen. In dieser Hinsicht ist „Fiction“ in dieser Beziehung auf jeden Fall variantenreicher. Es geht nicht alleine um Aggression und Intensität, die Musik ist bunter und mehr nach innen gekehrt. IHR HABT AUCH WIEDER ZU DEN CLEANEN VOCALS ZURÜCKGEFUNDEN („MISERY’S CROWN“/ „THE MUNDANE AND THE MAGIC“). IST ES WIRKLICH MIKAEL, DER DA SINGT (ICH HAB SICHERHEITSHALBER DIE „PROJECTOR“ RAUF UND RUNTER GEHÖRT)? ICH ERKENNE IHN KAUM WIEDER. FALLS DEM SO IST, HABT IHR SCHON MAL DARÜBER NACHGEDACHT, KOMPLETT AUF GOTHIC UMZUSCHWENKEN? EUREM GELDBEUTEL WÜRDE ES GUT TUN… Haha, Gothic Metal zu produzieren, würde bedeuten, unsere Seelen an Satan zu verkaufen! Ich glaube nicht, dass auch nur einer in der Band ein Fan dieses Genres ist und wir haben sicherlich als Personen auch nicht diesen Style oder dieses Image, von daher wäre das ein reiner Fake. Die Leute würden das sicher direkt merken. Auf der anderen Seite lässt sich die Masse leicht manipulieren und es würde unseren Brieftaschen sicher gut tun. Es ist immer noch Mikael, der die klaren Passagen singt, aber ich schätze, dass sich seine Stimme etwas verändert hat. Es sind viele Jahre seit den Aufnahmen von „Projector“ vergangen und die Musik, zu die er singt, hat sich ebenfalls verändert. Ich persönlich denke aber, dass der klare Gesang dieses Mal viel besser geworden ist. Er ist kontrollierter und dynamischer. AUF „THE MUNDANE…“ WERDET IHR VON EINER SÄNGERIN BEGLEITET. WAS GIBT ES VON IHR ZU ERZÄHLEN? Ihr Name ist Nell und sie singt bei THEATRE OF TRAGEDY. Wir haben dasselbe Management und unser Keyboarder Martin kennt sie von einer gemeinsamen Tour mit TIAMAT. Von daher war sie unsere erste Wahl und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. ZU „THE MUNDANE…“ HABT IHR AUCH WIEDER EIN VIDEO ABGEDREHT. LOHNEN SICH DEN VIDEOS HEUTZUTAGE NOCH? DIE SITUATION DÜRFTE IM SCHWEDISCHEN FERNSEHEN KAUM BESSER ALS IM DEUTSCHEN SEIN, ODER KRIEGT IHR DA AIRPLAY? Ich weiß nicht, ob das eine gute Investition ist, da es immer noch sehr teuer ist, professionell Videos zu drehen. Auf der anderen Seite gibt es heutzutage eine Menge Sender, die Metal-Videos zu spielen und natürlich kannst du sie auch online zeigen, von den ganzen DVD-Kompilationen und so weiter mal abgesehen. Ich bin diesbezüglich aber auch nicht ganz auf dem Laufenden, von daher kann ich gar nicht sagen, wie viel Airplay man erwarten kann. Ich besitze noch nicht mal selbst einen Fernseher, von daher weiß ich nicht, wie die Situation im schwedischen Fernsehen ist. Aber ich habe gehört, dass es schon ein paar Sendungen gibt, die hier und da mal Metalvideos spielen. Was „Focus Shift“ angeht verwenden wir, wenig überraschend, verschiedene Tiefenaufnahmen und Blickwinkel auf das Lied. Schwer zu beschreiben, aber wenn die Leute es sehen, werden sie schon verstehen, was ich meine. EURE LYRICS SIND IMMER EIN SAHNEHÄUBCHEN UND BEI KAUM EINER ANDEREN BAND ÄRGERT ES MICH MEHR, DASS BEI DEN PROMOS KEINE LYRICS ABGEDRUCKT SIND. GIBT ES DA GENERELL ETWAS ZU ERZÄHLEN? HAT DIE PLATTE EIN KONZEPT? „FICTION“ KLINGT WIEDER ETWAS MEHR FANTASY-LASTIG, NICHT NACH DER HARTEN REALITÄT UND SELBSTKONFRONTATION VON „CHARACTER“… Es handelt sich nicht um ein Konzeptalbum, aber es gibt schon einen roten Faden in allen Liedern. Da ich aber nicht die Texte geschrieben habe, kann ich jetzt nicht zu tief auf diese eingehen. Aber ich denke nicht, dass Mikael sehr viele Fantasythemen verarbeitet hat. Es hat mehr mit verschiedenen Facetten der Realität zu tun und wie diese wahrgenommen werden können. Aber wie üblich kann man die Texte auf verschiedene Art und Weise interpretieren und es finden sich viele Symbolismen und eine metaphorische Sprache in ihnen. Oberflächlich betrachtet sind die Texte dieses Mal einfacher gehalten, aber gleichzeitig sind sie sehr komplex und können auf verschiedenen Ebenen gelesen werden. DER TEXT ZU „MISERY’S CROWN“ STICHT ETWAS HERAUS. ES SCHEINT UM SCHULDZUWEISUNGEN, FEIGHEIT, ABER AUCH JESUS CHRISTUS ALS SÜNDENBOCK, EINE NICHT GERADE TYPISCHE EINSTELLUNG IM METAL, ZU GEHEN. KURZ: UM DIE FLUCHT VOR SELBSTVERANTWORTUNG. IST DEM SO? Das war auch mein Eindruck, von daher steht die Chance, dass Mikael etwas in der Art im Sinn hatte, nicht schlecht. Ich bin mir über diese Christus-Assoziation nicht sicher, da Mikael hoffentlich zu jedem Gramm genauso atheistisch ist wie der Rest von uns. Aber natürlich kann man auch biblische Metaphern benutzen, ohne daran zu glauben. Entschuldigung, ich kann nicht wirklich mehr dazu sagen, da ich nicht die Texte geschrieben habe. EURE PLATTENFIRMA VERGLEICHT „FICTION“ MIT „THE GALLERY“ UND „THE MIND’S I“. ICH KANN DAS NICHT GANZ NACHVOLLZIEHEN, WIE GEHT EUCH DAS? „FICTION“ VEREINT ZWAR ALTE ELEMENTE EURES SOUNDS (EBENSO WIE NEUE), ABER ÜBER EURE GESAMTE KARRIERE VERTEILT UND NICHT „PUNKTUELL“. Ja, da stimme ich dir zu. Einige andere Leute haben sich auch schon über diesen Vergleich gewundert, aber das ist eine sehr individuelle Geschichte und ich habe auf der anderen Seite auch schon von anderen Leuten gehört, die ebenfalls „The Gallery“- und „The Mind’s I“-Stimmungen beim neuen Material verspürten, auch wenn ich selbst diese nicht hören kann. Im Großen und Ganzen deckt „Fiction“ alle unterschiedlichen Aspekte des DARK TRANQUILLITY-Experimentes ab: von furiosen Blastbeats zu Heavy Metal-Riffs über sanfte Passagen und elektronischen Klanglandschaften. EUER COVER HAT EINFACH KLASSE: ES IST SIMPEL, EDEL UND „KÜHL“. AUCH SEHR „UNDERSTATEMENT“. ABER STECKT AUCH EINE VERBINDUNG ZUM INHALT DAHINTER? Ich wollte dasselbe Gefühl von Leere und Verlassenheit einfangen, wie sie Musik und Texte besitzen. So einfach ist das. MIKAEL HAT JA ALS GITARRIST BEI DARK TRANQUILLITY ANGEFANGEN. SPIELST ER NOCH GITARRE? JUCKT ES IHM MANCHMAL IN DEN FINGERN, SICH AUCH „INSTRUMENTAL“ NOCH AUSZUTOBEN? Ich denke, Mikael ist ganz zufrieden damit, nur zu singen. Bei aller Ehre, er war nie ein phänomenaler Gitarrist, auch wenn er es irgendwie hinbekommen hat, auf „Skydancer“ zu spielen, was in der Retrospektive ziemlich merkwürdig ist. Die Rolle des Sängers passt ihm viel besser. Er spielt zuhause immer noch Akustikgitarre und singt dazu, von daher könnte ich mir vorstellen, dass er eines Tages als Singer/ Songwriter im Stil von Johnny Cash eine Platte macht. Aber ich glaube kaum, dass er im Moment das Verlangen hat, als Gitarrist in einer Band zu spielen. Aber ich könnte mich auch irren. IM ANSCHLUSS AN DAS INTERVIEW FLIEGT IHR IN DIE STAATEN, UM DORT MIT THE HAUNTED UND INTO ETERNITY EINE TOUR ABZUREISSEN. WIE GROß IST EUER STATUS DORT? Die USA sind eines jener Gebiete, wo du viel touren musst, um gut zu verkaufen. Wir haben erst in jüngster Zeit begonnen, dort zu touren, und die Dinge fangen erst an, sich zu entwickeln. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie viele Alben wir drüben verkaufen oder welchen Status wir im Vergleich mit anderen Bands haben. Die Nachfrage wächst jedenfalls und 4es ist für uns immer interessant, zu reisen und neue Orte kennen zu lernen. Wir touren seit 1995 durch Europa und werden das auch weiterhin machen, aber in den letzten Jahren hatten wir die Möglichkeit, durch Landstriche wie Nord- und Südamerika, Australien, Japan, Korea, Gran Canaria und so weiter zu reisen.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DARK TRANQUILLITY auf terrorverlag.com