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DEINE LAKAIEN (ERNST HORN)

KURZ VOR VERÖFFENTLICHUNG DER VORABSINGLE „OVER AND DONE“ ZUM NEUEN LONGPLAYER DER LAKAIEN STELLTE SICH ERNST HORN DEN UMFANGREICHEN FRAGEN UNSERER KOLLEGIN KATARINA MAZURKIEWICZ

WENN MAN EIN NEUES ALBUM ZUM ERSTEN MAL HÖRT, DANN ZIEHT MAN – MAL MEHR, MAL WENIGER UNTERBEWÜSST – SCHON PARALELLEN ZU DEM VORGÄNGER… Ja, das macht man so…(lacht) DAMAS ZU „WHITE LIES“ HIESS ES, DASS DAS ALBUM IN EINER SEHR ENTSPANNTEN ATMOSPHÄRE ENTSTANDEN SEI. SCHLIESSLICH BRÄUCHTE DIE BAND SICH NICHT MEHR ZU BEWEISEN, SOWOHL VOR DEN FANS, ALS AUCH VOR SICH SELBST. NUN, BEI DEM ERSTEN HÖREN VON „APRIL SKIES“ HABE ICH KEINE ENTSPANNTE ATMOSPHÄRE HERAUSHÖREN KÖNNEN. BILDE ICH MIR DA GERADE WAS EIN? DAS GANZE KLINGT ENTSCHIEDEN WENIGER HOMOGEN UND RUHIG ALS DIE „WHITE LIES“, ODER WIE SIEHST DU DAS? Das entspannte Dingsbums da, wer hat das überhaupt geschrieben?! Irgendeiner von der Plattenfirma, oder? (lacht) JA? ICH DACHTE IHR WARD DAS, IN EINEM INTERVIEW… Nein, eigentlich war es ganz anders. Obwohl, vielleicht ja.. Sagen wir, bezüglich der Stimme hat „White Lies“ entspannt geklungen. Vielleicht hat Alexander so was ähnliches irgendwann gesagt. Von den Songs her war „White Lies“ schon sehr introvertiert. Ich kann es aber nicht als „entspannt“ bezeichnen, weil ich damals nicht gerade der glücklichste Mensch der Welt war. Damals habe ich ziemlich an einer privaten Trennung und natürlich auch an der Trennung von den beiden Mitmusikern geknabbert. (Kaum wurden Christian Komorowski und Michael Popp als „offizielle“ Bandmitglieder aufgenommen, haben sie nach der Beendung der „Kasmodiah“ Tour die Band wieder verlassen, Anm. der Int.). Das alles hat, glaube ich zumindest bewirkt, dass „White Lies“ damals so ein unglaublich in sich gekehrtes Album geworden ist. Diesmal hatten wir beide das Gefühl, dass wir einfach mehr nach vorn gehen wollten und ein – tja ein „großspuriges“ Wort – leidenschaftliches Album abliefern wollten. Alexander empfindet es als eine emotionale Berg- und Talfahrt. Deswegen hat er es „April Skies“ genannt, nach dem Himmel im April, wo das Wetter ständig wechselt. Ob es wirklich so ist, kann ich persönlich nicht beurteilen, dafür stecke ich immer zu sehr drin in der Produktion. Da gibt es ein Stück, an dem ich länger gesessen bin, an einem anderen dann etwas weniger lang. Dieses Durcheinander verwährt mir den Überblick… ICH HABE IN DEN LETZTEN TAGEN EIN WENIG RECHERCHIERT UND FESTGESTELLT, DASS „APRLI SKIES“ EINER DER GRÖSTEN HITS VON JESUS AND MARY CHAIN WAR. ER ERSCHIEN AUF DEREN ZWEITEM ALBUM „DARKLANDS“ IM JAHRE 1987. UND BESSER NOCH: „APRIL SKIES“ IST SO ZU SAGEN DAS „COLOUR-IZE“ DER JESUS AND MARY CHAIN – DEREN FANCLUB HEISST NÄMLICH SO. Ach, der Fanclub heißt auch so? Schande… Ich bin auf den Song im Internet gestoßen.. ICH AUCH, KAZAA SEI DANK… Ich habe bei Google nach „April Skies“ geschaut, da gibt es wohl auch eine amerikanische Band, die so heißt. Alexander hatte mehrere Vorschläge, die alle irgendwas mit April und mit dem Himmel zu tun hatten. Die waren verschieden formuliert und dann letzten Endes hat der Grafiker den Ausschlag gegeben, der nicht „Skies in April“, sondern „April Skies“ haben wollte. Ich hatte ganz andere Albumtitel vorgeschlagen, die leider aber nicht so gut ankamen. Diese Suche nach Albumtiteln, das sind schon Geschichten, genau wie die Single Auswahl, wo wir mal andere Leute fragen „Mensch, was sagt ihr dazu?“, und wir richten uns dann auch nach diesen Stimmen, während bei der Produktion und solchen Sachen wir wiederum immer ganz autonom nur zu zweit sind… DER ALBUMTITEL WURDE AUCH ERST SEHR SPÄT BEKANNT, WÄHREND DAGEGEN DIE TRACKLIST BEREITS LÄNGST STAND. WAR DAS ALSO DER SIMPLE GRUND DAFÜR? Nun ja, der Albumtitel…Du siehst selbst, das sind Sachen, woran wir als Musiker ganz zuletzt denken. BEREITS 2003 HAT MAN DURCHSICKERN LASSEN, DASS IM JAHR 2005 ZUM 20-JÄHRIGEN JUBILÄUM ETWAS GANZ BESONDERS VON DER BAND ZU ERWARTEN SEI. LASSTETE TATSÄCHLICH AUF EUCH DER DRUCK, EIN BESONDERS GUTES ALBUM AUS GEGEBENEM ANLASS ZU MACHEN? Eigentlich nicht. Aber diesmal war es auch so, dass wir ziemlich lange vorgearbeitet hatten. Einige Albumsongs waren bereits Anfang 2003 fertig. EINE LAAANGE PAUSE ERNST, BIST DU NOCH DA? Ja ich überlege gerade… Ja, das mit dem Drück, das kann schon sein, da es diesmal tatsächlich ein besonders wichtiges Album ist. Ja, doch, mag durchaus sein. UND DAZU NOCH DER PLATTENFIRMAWECHSEL VON SONY ZU EMI… Ja, kann gut sein. Ich weiß nicht genau. Letztes Jahr, als ich dran saß, war ich dermaßen überarbeitet, dass ich wahrscheinlich über solche Sachen gar nicht nachgedacht habe. NACH DEM ERSTEN HÖREN VON „APRIL SKIES“ WIRD MAN DEN EINDRUCK NICHT LOS, DASS IHR EUCH WÜNSCHTET, BACK TO THE ROOTS GEHEN ZU KÖNNEN. DAS RETRO DING ZIEHT SICH WIE EIN ROTER FADEN DURCH DAS GANZE ALBUM. IST ES EINE ART UNGEWOLLTE NOSTALGIE, WEHMUT, ODER GAR DIE JUBILÄUMSÜBERRASCHUNG? Eigentlich nicht. Diesmal auf keinem Fall. Ich hatte persönlich bei der „Kasmodiah“ das Gefühl, dass es damals eine Art Rückbesinnung auf die „Dark Star“ Zeit war. Diesmal aber nicht. Es gibt tatsächlich ein paar Elemente, die 80er Jahre-mäßig klingen, aber das hat in Wirklichkeit was mit der „Elektroclash“ Phase zu tun, die ich mal vor zwei Jahren hatte, und das sind jetzt quasi hörbare Ausläufer davon. Das klingt dann vielleicht irgendwie retro. Diesmal haben wir uns auch gesagt: „Scheiß drauf, wir wollen wirklich etwas äußerst Emotionales machen!“, aber es kann schon sein, dass es die Leute an die Zeiten erinnert, als wir mit dem Wort „Pathos“ noch sehr ungeniert umgegangen sind! (lacht) ALSO, „THE CHANCE“ ERINNERT SCHON SEHR AN FRÜHERE ZEITEN… Ach so, das. Ja, das tut es…“The Chance“ ist ein Stück, das man betrachten muss mit ein wenig… AUGENZWINKERN? Ja, ich fand es einfach lustig, einen House Rhythmus zu machen. Dann kam der Sequenzer dazu. Mehr war anfänglich nicht da. Dann habe ich zu Alexander gesagt: „Hör mal, ob du Lust hast auf so was einen Text zu machen, ich weiß nicht genau, ob dir diese Art zusagt“, aber das wäre vielleicht was, vielleicht für etwas „unmoralisches“… ICH DENKE, FÜR SOLCHE KLEINEN SCHERZE IST ER GERADE GUT ZU HABEN… Ja, stimmt… UND WENN MAN ALEXANDER BEI „SECRET HIDEAWAY“ UND „SUPERMARKET“ HÖRT, DA KÖNNTE MORTEN HARKET VON A-HA GLATT NEIDISCH WERDEN. DIESE ZUCKERSÜSSE NEW ROMANTIC STIMME, DIE ER PLÖTZLICH VON SICH GIBT, ES IST UNGLAUBLICH. WAS SAGST DU DAZU? Ja, da sind so einige Sachen dieses Mal. „Supermarket“ ist auch für ihn ein besonders wichtiges Stück gewesen. Er hat auch von Anfang an den Text sehr gemocht. MAN MUSS RICHTIG ZUHÖREN, UM DEN WITZ ZU VERSTEHEN, DER ENGEL SINGT UND ALLE KOTZEN! IST SCHON WIRKLICH LUSTIG. WENN MAN ALLERDINGS NICHT AUFMERKSAM ZUHÖRT, KÖNNTE MAN MEINEN „VERDAMMT, WAS SOLL DAS?!“ Ja, das Ganze ist von Michel Houellebecq, inspiriert. Diese Alltagsszenen, wo das Gehirn urplötzlich ganz andere Sachen rausspuckt. MEINST DU, DASS DIE FANS DEN WITZ ERKENNEN WERDEN? SOWEIT ICH WEISS, HABEN MANCHE „STUPID“, ODER GAR „LASS MICH“ NICHT WIRKLICH VERSTANDEN. Ach Gott, na ja, damit müssen wir leben! Ich glaube wir kamen an einem Punkt an… und ich bin noch ein Stückchen älter als Alexander, aber auch er, glaube ich, hat jetzt auch nicht mehr Lust, den Klischee Bildern der jugendlichen Subkultur zu entsprechen. Das müssen wir uns jetzt echt nicht mehr geben, das sollen bitte die andere Bands machen. Sie sollen da schön brav das abliefern, was zu einem schwarzen Lebensgefühl passt… ROTWEIN, FRIEDHÖFE… Jaaa und auch die musikalischen Klischees. Ach nein, wir haben keine Lust auf so was… WÜRDEST DU SAGEN, DASS IHR BEIDE VIRKLICH VIEL SINN FÜR HUMOR HABT? Ja schon. Allerdings haben wir teilweise auch ziemlich unterschiedlichen Sinn für Humor. AUF „VIVRE“ SINGT ALEXANDER ZUM ERSTEN MAL, SOWEIT ES MIR BEKANNT IST, AUF FRANZÖSISCH. ZUVOR TAT ER ES BEREITS AUF ENGLISCH, DEUTSCH, LATEIN UND MAZEDONISCH. IST ETWAS BESONDERES AN DEM STÜCK? FÜR DIE, DIE KEIN FRANZÖSISCH KÖNNEN? Ja, es ist ein Text, den er sonst in der Art auf Englisch nicht machen würde. Darin werden Wörter und Satzstücke immer wieder neu zusammengesetzt. Es war einfach sein spontanes Empfinden, als ich ihm die Melodie und Harmonien von dem noch nicht fertigen Stück zum ersten Mal vorgespielt habe. Er sagte, er würde gerne darauf was Französisches singen und hat dann den Text geschrieben. SPRICHT ALEXANDER FRANZÖSISCH? Ja, er spricht ganz gut Französisch. Er hat sogar früher oft Jacques Brell gesungen. Diese französische Chansons waren Teil seiner Jugend, und ich nehme an, dass es schon immer sein heimlicher Wunsch war, so was zu machen. Ausgesprochen hat er es allerdings nie. Ich finde, dass es eine sehr schöne Sache ist, ich hatte eher erwartet, dass er vielleicht etwas Mazedonisches für das Album macht… DAS HAT ER BEREITS AUF SEINEM SOLOALBUM„THE SWEET LIFE“ GETAN… Ja, auf jeden Fall hat es mich schon überrascht, dass es auf Französisch ist und noch mehr, wie gut es letztendlich geklappt hat. Ich finde, es ist ein sehr schlüssiges Lied geworden. SPRECHEN WIR ÜBER DIE GASTMUSIKER: AUF „WHITE LIES“ HAT MAN SIE NATÜRLICH AUCH WAHRGENOMMEN, ABER IRGENDWIE GANZ UNTERSCHWELLIG IM HINTERGRUND. DIESMAL SCHEINEN SIE SEHR PRÄSENT ZU SEIN. DIE GITARRE, DIE ROCKT FÖRMLICH VON ZEIT ZU ZEIT. SIND ES DIESELBEN GASTMUSIKER, DIE EUCH AUF DER „WHITE LIES“ TOUR BEGLEITET HABEN? Ja, das sind sie. Daran liegt es auch. Bei dem „White Lies“ Album waren es Münchener Gastmusiker, die ich schon lange kannte. Sie kamen zu mir ins Studio, und ich wollte für dieses oder jenes Stück noch eine Geige haben, da ein Cello, oder noch eine Gitarre. Diesmal war der Wunsch von vorneherein da, die Musiker auf dem Album stärker mit einzubinden. ABER MUSIKALISCH EINBRINGEN DURFTEN SIE SICH NICHT, ODER? Nein, DEINE LAKAIEN sind schon ein Duo. Für sie war es noch mehr als bei den Live Auftritten „nur“ ein Job, aber ein Job, den sie wirklich gern machen. Deswegen habe ich sofort daran gedacht, dass SIE den Job auch machen sollen. Das passte auch ausgesprochen gut zu der Idee, zu der Art der Gefühligkeit, welche das neue Album hat. Sie verträgt sich gut mit den „gespielten“ Instrumenten und nicht nur mit bloßer Elektronik. Wie bereits gesagt, ich hatte zwischendurch eine Elektronik Phase, wenn ich sie jetzt noch gehabt hätte, wäre das Ganze vielleicht elektronischer geworden. Aber die Musiker mit einzubinden war mein Wunsch und es hat sich auch so ergeben. Es hat mit uns allen auf der Tour so gut geklappt! Sowohl musikalisch, als auch menschlich hat es damals prima funktioniert, deswegen wollte ich unbedingt, dass sie es machen. Es war für mich schon aufwendiger nach Berlin zu fahren, sich dort ein Studio zu mieten, um mit ihnen die Sachen aufzunehmen. Ich wohne in München, habe dort mein Studio. Dort kenne ich natürlich genug Musiker, die ihre Instrumente beherrschen, und die klassische Musik gut spielen können, aber ich wollte es mit den Musikern von der „White Lies“ Tour durchziehen und das war auch eine gute Entscheidung. ICH MUSS DIR BEICHTEN, DASS DU MIR EINEN RICHTIGEN „SCHOCK“ AUF DEM ALBUM BEREITET HAST. DER ANFANG VON „SATELLITE“ HAT ES MIR ANGETAN… DIE GEIGE UND DIE FRAUENSTIMMEN. ICH HABE MICH ERNSTHAFT GEFRAGT, WAS DAS SOLL UND OB ES WIRKLICH NÖTIG WAR… Ja, ja, die Lagerfeuerromantik… LAGERFEUERROMANTIK? EIGENTLICH SCHLIMMER. OBWOHL, ICH HABE WIRKLICH NIX GEGEN LEONARD COHEN, ABER SOGAR SEINE LIEDER FANGEN NEUERDINGS AUF ETWAS „MODERNERE“ ART AN. Ja, da waren einige Leute sehr überrascht.. ICH HABE ÜBER EINE KLEINE TELEFONTERRORAKTION UNTER DEM MOTTO „ERNST, NIMM DIE FRAUENSTIMMEN WEG!“ NACHGEDACHT. LANGSAM, NACH MEHRMALIGEM HÖREN HABE ICH MICH TATSÄCHLICH DARAN GEWÖHNT, ABER SAG MAL, WARUM KLINGT ES SO VERDAMMT NACH 70ER JAHRE POESIE MIT MUSIKBEGLEITUNG?!! SO RETRO?… Es ist nicht „retro“, ich weiß, dass es wirklich kitschig ist, aber mir ist nichts anderes eingefallen. Es war ein Ereignis, das ich mal erlebt habe. Eine größere Menschenmenge, die sich alle untereinander gekannt haben, hat kollektiv geheult. Es war wirklich so, ich war auch dabei. Es war etwas ganz furchtbares. Und das Lied ist eben über die Menschen, deren Leben wirklich permanent aus dem Ruder lief und immer mehr und so weiter. Ich habe es damals so empfunden… WIE GESAGT, ANFÄNGLICH WAR ICH RICHTIG ENTSETZT, MITTLERWEILE NICHT MEHR Ich glaube, das ganze wird durch den Rhythmus ein wenig abgemildert. Aber ja, sicher – es ist schon etwas kitschig…Mal sehen, wie es in zehn, oder zwanzig Jahren klingt. Ob man das dann noch so empfindet? HAST DU EIN LIEBLINGSSTÜCK AUF DEM ALBUM? Och, es hat subjektiv damit zu tun, mit welchem Stück man am wenigsten Probleme hat (lacht) ACH SO, DAS IST FÜR DICH DIE DEFINITION DEINES LIEBLINGSSTÜCKS, OK… Ach weißt du, wenn man sich selber hört, dann hört man die Fehler, die man gemacht hat und was man doch noch hätte anders machen sollen und teilweise auch wenn die Stimmung schlecht war, oder wenn man beim Aufnehmen mit jemandem Schwierigkeiten hatte. Das legt sich schon ziemlich drauf – auf mein subjektives Hören. Das Französische Stück („Vivre“) finde ich einfach von der Machart irgendwie doch ziemlich gelungen. Auch das Letzte, „Dialectic“, gefehlt mir gut. ES IST BEINAHE EIN FRÖHLICHES LIED… Ja, es ist ein Lied mit einem völlig durcheinander geschnittenen Text. Ich empfinde es als ziemlich gelungen, auch wenn es vielleicht nicht so „catchy“ für die Leute klingt. ERZÄHLE BITTE ETWAS ÜBER „THE CONCERT THAT NEVER HAPPENED BEFORE“, ES KLINGT SCHON WIE EIN TOLLES, EINMALIGES ANGEBOT… Es war eine Idee der Plattenfirma. Aber wir haben uns damit angefreundet. Allerdings bedeutet es für mich erst mal viel Arbeit, aber ich denke, es wird lustig. Da wollen wir nur die alten Sachen spielen. Vielleicht werde ich mal wieder so da stehen, wie Synthesizer Spieler früher dagestanden haben. Mit Blick ins Publikum, breitbeinig. WEISST DU BEREITS, WANN DAS KONZERT STATTFINDEN SOLL? Ich glaube, im August im Rahmen vom M’era Luna. Nicht auf dem M’era Luna, aber wie gesagt im Rahmen. IST DA DIE „REINCARNATION“ REIHE FÜR DICH ABGESCHLOSSEN, ODER HABE ICH AUF „APRIL SKIES“ DEN REINCARNATION PART EINFACH NICHT GEFUNDEN? Stimmt, ja. Ich hatte irgendwie eine Idee von dem „Reincarnation Lied“… Habe ich es jetzt gemacht, oder nicht? Nein, habe ich doch wohl nicht gemacht. Ich glaube, ich habe die Idee irgendwann vergessen.. IRGENDWIE SCHEISSE… Scheiße, ja…. letztes Jahr habe ich, glaube ich, in vielerlei Hinsicht das Gedächtnis verloren. Aber diesmal haben wir eigentlich einige Stücke mehr erstellt, als wir für das Album brauchten. Es sind tatsächlich mehr Stücke geworden als sonst. Zum Teil sind sie sogar schon fertig gemastered . NA, DAZU GIBT ES IMMER SINGLES, WO MAN SIE GUT UNTERBRINGEN KANN Ja, bestimmt. Dass die Stücke fertig sind, gibt uns ein ganz angenehmes Gefühl. Aber irgendwo mitten in den Arbeiten am Album habe ich fast den Überblick verloren, weil ich einfach so überarbeitet war, wie ich es noch nie in meinem Leben war. Das letzte halbe Jahr war wirklich sehr hart. ES IST AUSSERDEM WIRKLICH SCHADE, DASS DIE HELIUM VOLA TOUR ABGESAGT WURDE UND DIE SUPPORT BAND SILENCE HÄTTEN BESTIMMT AUCH VIELE LEUTE GERNE LIVE GESEHEN Die hätte ich auch gerne live gesehen. Es hat mir für die Jungs wirklich leid getan. Die haben es zum Glück sehr gefasst aufgenommen, es sind auch einfach total nette Typen. Wir werden die Tour nachholen und sie werden dann hoffentlich auch Zeit haben, sie sind relativ flexibel. WIE FINDEST DU DAS NEUE ALBUM VON SILENCE? Es ist sehr schön! Ich möchte die Jungs schon immer. Das mit der geplatzten Tour war echt ein Elend. Ich habe bis zum 17. Dezember noch daran geglaubt, dass es klappen könnte. Irgendwann habe ich sogar ins Telefon gebrüllt: „Ich steige bei den Lakaien aus, wenn die Tour nicht stattfindet!“. Da kamen gerade hunderttausend Anfragen zu allen möglichen Sachen, die halt passieren müssen, wenn man eine Albumveröffentlichung hat, und mein Schrei am Telefon war irgendwie das heimliche Zeichen, dass ich schon fast am aufgeben war. Zwei Tage später habe ich mit der Konzertagentur telefoniert, ob man aus der Geschichte irgendwie rauskommen kann. Zum Glück ist es dieselbe Konzertagentur, die auch die Lakaien macht, so hatten sie für mich etwas mehr Verständnis. Das ganze ist natürlich sehr ärgerlich für mich und für die Fans. Anderseits muss ich sagen, wenn es schlecht vorbereitet wäre, wäre es auch nicht gut gewesen. Und gerade in dem Fall, wo so viele optische Komponenten dabei sein sollten. Ich ließ mir diesmal extra für die Tour was bauen. Mit Lichtschranken und allem möglichen Firlefanz. DIE TOUR WIRD ALSO SICHER NACHGEHOLT? Ja, da bin ich fest entschlossen WIE WÄRE ES MIT SILENCE, ODER HELIUM VOLA ALS SUPPORT VON DEINE LAKAIEN? MIT QNTAL HAT ES DAMALS AUCH SCHON GUT GEKLAPPT Ja, das haben wir uns auch mal überlegt. Aber bei den Lakaien ist es schon wieder eine ganz andere Konstellation. Da macht Ernst Horn in diesem Entscheidungsprozess ungefähr sieben bis acht Prozent aus bei so einer Entscheidung, nicht mehr… DU BIST ALS MUSIKALISCHER AUTIST BEKANNT, ICH MEINE DAMIT, DU BIST DAFÜR BEKANNT, DASS DU ALLE SACHEN, DIE DU MACHST, SELBST PRODUZIERST. MEINST DU, DASS ES SICH JE ÄNDERN WIRD? Ja, sicher. Ist möglich. Klar, irgendwann MOMENTAN IST ABER DAS BEDÜRFINS NOCH NICHT DA? Na ja, es wird jemandem immer wieder aufs Brot geschmiert, dass die Eigenständigkeit daher rührt. Ich denke, wir könnten auch letztendlich mit anderen Leuten eigenständig sein, also wer weiß…Anderseits habe ich nun mal das Studio, ich habe es gegründet, um eigene Musik zu machen und ohne die Absicht jemals ein bekanntes Rock oder Pop Projekt am Start zu haben. Das ist quasi mein verlängertes Instrument, nicht nur am Klavier was aufs Band einzuspielen, sondern auch mit der Elektronik zu arbeiten, so hat es sich ergeben. Etwas anderes war nicht geplant. ICH HABE NEULICH IM FERNSEHEN EINEN BEITRAG ÜBER EINE KUNSTHÄNDLERIN GESEHEN. SIE BETONTE VOR DER KAMERA, DASS SIE NUR DIE ERSTLINGSWERKE JUNGER KÜNSTLER KAUFT, DA DIE ARBEITEN ZWAR MIT DER ZEIT VIELLEICHT BESSER, GAR PERFEKTER, WERDEN, ABER IMMER WENIGER INTERESSANT. MEINST DU NICHT, DASS DIESE AUSSAGE AUCH FÜR DIE MUSIK RELEVANT SEIN KÖNNTE? WENN MAN ES REICHLICH ÜBERLEGT, SEHR VIELE BANDS LIEFERN IHRE WIRKLICH GRÖSSTEN HITS AUF DEM ERSTEN ODER SPÄTESTENS ZWEITEN ALBUM. Es hat mit vielen Dingen zu tun. Es hat wahrscheinlich auch mit der Zeit zu tun. Diese Erstveröffentlichungen haben meistens eine sehr lange Vorgeschichte. Bis so ein Album wirklich zu Stande kommt, ist es manchmal bei vielen Bands so was wie ein „Best of“. Und auch für den Hörer ist das erste Album eine Überraschung, verbunden mit der Prägung von neuer Musik, Stilrichtung, Gesichtern, Stimme, Atmosphäre. Wenn sie es dann daran gewöhnt sind, wird es bei den nächsten Alben schwieriger das Publikum zu überraschen. Viele Bands haben außerdem nicht das Potential sich weiter sinnvoll zu entwickeln, sondern das, was am Anfang durch Zufall originell klang, wird dann abgemildert, da die Band professioneller geworden ist und die Plattenfirma entschieden hat, welchen Produzenten man nehmen muss und so weiter. So werden der Band mit der Zeit die Zähne gezogen, so kommen dann Formationen dabei heraus, die seit Uhrzeiten immer gleiche Alben routinemäßig abliefern wollen, müssen, was auch immer. Und wenn man sich „50 Jahre Rock“ bei Gottschalk anschaut, dann sieht man einfach auch die zerstörerische Wirkung der Drogen, die dazu kommt. Ich finde die Aussage der Kunsthändlerin zwar ganz witzig, aber eigentlich ohne jede Substanz, künstlerisch gesehen, weil wirklich gute Künstler, wie Gerhard Richter oder Picasso sich über Jahre entwickelt haben und ständig neue Phasen durchliefen und neue Konzepte entwickelt haben. Und das ganze auf Basis sich immer mehr vervollkommnen Gestaltungsvermögens. Oder nehmen wir die klassische Musik: Die Bach-Kunst der Fuge, es ist für einen Musiker das Maximum, der absolute Gipfel, den ein Musiker nach Jahren der musikalischen Entwicklung erreichen kann. Allerdings sind es natürlich auch andere Karrieren als bei den Rockmusikern, die vielleicht irgendwann am Anfang eine originelle Idee haben und danach abstürzen. Bei uns muss ich sagen, dass das Debüt Album nicht wirklich super originell ist, aber das danach, das 1987er „Silver Tape“ Album, das wir erst neulich herausgebracht haben („1987 – The Early Tapes“ kam 2003 raus), das weist schon in viele Richtungen, die wir später überhaupt erst richtig beschritten haben. Es ist bestimmt unser originellstes Werk, wahrscheinlich jedoch nicht das beste. WAS WAHRSCHEINLICH VIELE LAKAIEN FANS WISSEN WOLLEN, IST, WER HAT SICH AUSSER ALEXANDER AUF DIE BERÜHMTE ANZEIGE IM MÜNCHENER ABENDBLATT – „SUCHE EINEN EXPERIMENTIERFREÜNDIGEN SÄNGER“ – VOR 20 JAHREN GEMELDET? HAT SICH DAMALS DARAUF ÜBERHAUPT JEMAND AUSSER DEM ABITURIENTEN ALEXANDER VELJANOV GEMELDET? Och ja. Einer, der deutsche Texte gemacht hat, aber eigentlich eine Art Kabarett Programm machen wollte. Dann ein Gitarrist, der eigentlich eine ganz gute Stimme hatte und auf Englisch sang, aber ein sehr merkwürdiger Typ war, so seltsam, dass daraus nix geworden ist. Ich glaube, da war noch einer, der was Synthiemäßiges machen wollte. Aber mit Alexander war es sofort ziemlich klar, er war auch der interessanteste von allen. Wir haben uns im Café getroffen und über Musik geredet. Da fand ich, dass er einen total guten, interessanten Musikgeschmack hatte. Er hat mich auch auf Sachen gebracht, die ich vorher nicht kannte. Alexander hat erzählt, dass er im Schulchor gesungen hat und der Musiklehrer ihm sagte, er solle Sänger werden. Du weißt, wie man damals halt war… WEISS NICHT SO RECHT. BEI UNS IN POLEN, WO ICH HERKOMME, WAR SINGEN IM SCHULCHOR EIN ABSOLUTER LOSER JOB, ABER VIELLEICHT WAR ES DAMALS IN DEUTSCHLAND IRGENDWIE GANZ ANDERS Vielleicht, aber so was ist wirklich eine Gelegenheit, bei der den Musiklehrern eine gute Stimme auffallen kann. Wir hatten bei uns auch einen in der Klasse, wo der Musiklehrer gesagt hat: „Mensch, versuche es doch mit einer Gesangsausbildung!“, er ist aber doch Arzt geworden, glaube ich. Aber, wie gesagt, das sind die Gelegenheiten, wo man merkt „hoppla, der kann singen“, ich kann es zum Beispiel nicht. Dasselbe passiert auch im Zeichenunterricht, wo manche Leute auf Anhieb irgendwas hinbringen mit einem ganz natürlichen Talent. Was dann letztendlich daraus wird, ist natürlich eine ganz andere Geschichte. Bei uns war es auf jeden Fall eine ganz lockere Geschichte, wo wir gesagt haben: „Jetzt gucken wir was daraus wird, wir probieren es einfach“. WAS WÜNSCHEN SICH DEINE LAKAIEN ANLÄSSLICH DES ZWANZIGJÄHRIGEN JUBILÄUMS? WAS SOLLEN EUCH DIE FANS WÜNSCHEN? Erst mal schöne Jubiläumskonzerte, welche die Sachen zusammenfassen, die davor waren und die, die noch kommen…Ach, ein paar gute Songs, wäre auch nicht schlecht… VIELLEICHT EIN PLATZ AUF DER NÄCHSTEN BRAVO HITS CD? HABE GEHÖRT, DRAUF ZU SEIN SEI FÜR JEDE BAND FINANZIELL AÜSSERST LUKRATIV… ALLE GRUFTIE BANDS FREUEN SICH DRAUF.. Ach, diese Sampler? Die werden aber heute auch nicht mehr so viel verkauft wie früher, oder? Na ja, es ist immerhin eine gute Plattform für Bands, um sich zu präsentieren. Und vielleicht bringt es auch Geld. Wenn ich Geld habe, dann landet es sowieso immer in der Ladenkasse im Musikgeschäft. Ich brauche ein neues Mischpult. Es ist bei mir ziemlich sinnlos… VIELEN DANK FÜR DAS GESPRÄCH!

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