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DIGITAL FACTOR

Es ist doch egal, wie alt Musik klingt, solange es Leute gibt, die diese mögen. Mein Gott, Heavy Metal klingt seit den 70er/ 80er Jahren bis heute fast gleich, hat aber eine große und treue Fangemeinde. ES FREUT MICH SEHR, DASS ICH EUCH EIN BISSCHEN AUSQUETSCHEN DARF. VIELEN DANK, DASS IHR EUCH DIE ZEIT DAZU NEHMT. STELLT EUCH DOCH EINFACH MAL GANZ KURZ UNSEREN LESERN VOR UND ERZÄHLT UNS EIN WENIG DARÜBER, AUS WELCHER IDEE HERAUS DAS PROJEKT DIGITAL FACTOR ENTSTANDEN IST… Wie jedes Musikprojekt entstand logischerweise auch Digital Factor aus der Faszination heraus, selbst Musik zu machen. 1993 lernten sich Tino, Torsten und Mike über eine Annonce in einem Musikgeschäft kennen. Während Tino und Torsten damals schon ein Elektronikprojekt mit dem Namen „Digital Front“ am Laufen hatten, wirkte Mike vorher in einer Wave-Band als Frontmann. So kamen auf der einen Seite Studio-, auf der anderen Liveerfahrung zusammen. 1993 gaben Digital Factor dann ihr erstes Konzert und supporteten kurz darauf schon Placebo Effect. Während dieser zwei Konzerte verkaufte die Band die komplette Auflage ihres ersten eigenen Tapes (300 Stück). 1994 bekam die Electro-EBM Band dann auf Vermittlung von Klaus Larsen (Leaetherstrip) einen ersten Plattenvertrag bei dem Dänischen Label Hardrecords, wechselte zu Hyperium/ Hypnobeat, Wannsee Rec. dann zu Lukotyk/ Prussia und veröffentlicht nun den mittlerweile achten Silberling. 2000 stieg Tino aus der Band aus und 2002 kam Guido dann hinzu. UND WER IST WOFÜR ZUSTÄNDIG? An der musikalischen Seite wirken wir alle drei gleichmäßig mit. Wir arbeiten mal einzeln, mal gemeinsam an Layouts, welche dann im Studio zusammen ausproduziert werden. Hinter den Kulissen hat jedes Bandmitglied noch zusätzliche Aufgaben. Torsten ist der Chef des Digital Factor Studios in Dresden und kümmert sich um alle technischen Belange, Guido arbeitet an dem Erscheinungsbild der Band bei Liveauftritten und Mike kümmert sich um Management und Marketing. Aber wie schon gesagt, an der Musik arbeiten wir immer zu dritt. WIE SCHAUT ES MIT DER ENTSTEHUNG EURER SONGS AUS. IST DIES EHER EIN ABGESTIMMTER PROZESS, EBEN AUS DEN GESAMMELTEN IDEEN ALLER ODER LIEFERT MEIST EINER EINE IDEE UND DER REST WIRD VON DEN JEWEILS ANDEREN BEIDEN BEIGESTEUERT? Sowohl als auch. Jeder Song hat eine eigene Geschichte. Zum Teil gehen wir mit fertigen Layouts ins Studio, welche dann gemeinsam ausproduziert werden. Besonders beliebt sind bei uns aber auch unsere Studiosessions, bei denen wir alle gemeinsam an einem neuen Stück von Null auf arbeiten. Dass diese Arbeit sehr spaßig sein kann, kann man übrigens auch in unserem Studioblog auf unserer Myspace-Seite sehen. LIEGE ICH RICHTIG IN DER ANNAHME, DASS DER DIGITALE FAKTOR BEI EUCH EINE GROßE ROLLE SPIELT? WENN JA, INWIEWEIT KANN MAN DIES VERSTEHEN? Mike und Torsten überlegten während einer Autofahrt 1993, wie man das Kind nun nennen sollte. Wie du schon sagst, es war wichtig, dass sich der digitale Faktor der Musik im Namen widerspiegeln sollte. Insoweit war der Name dann schnell geboren. Dieser digitale Faktor hält sich bis heute. Bis auf wenige Ausnahmen arbeiten wir ausschließlich mit Synthesizern. Allerdings ist hier auch ein großer „analoger Faktor“ hinzugekommen. „LOOK BACK TO GO FORWARD“ … DER TITEL DES NUNMEHR ACHTEN STUDIOALBUMS … WAS BEDEUTET ES FÜR EUCH, ZURÜCKZUBLICKEN, UM NACH VORN ZU GEHEN UND INWIEWEIT HABT IHR DIESE AUSSAGE IN DAS NEUE ALBUM EINGEBETTET? Dabei handelt es sich um das musikalische Konzept unseres Albums. Wir haben vor der Produktion intensiv unsere alten Alben, insbesondere die „On Demand“ und die „Relationchips“ angehört. Manche Songs darauf haben wir nach vielen Jahren das erste mal wieder selbst gehört. Wir wollten auf unserem neuen Album unbedingt den Druck und die Power dieser frühen Werke mit verarbeiten. Letztlich haben wir damit zu unseren eigenen Quellen zurückgefunden und sehen hier unsere musikalische Zukunft, eben „Look Back To Go Forward“. Interessanterweise heißt ja der erste Song des Albums „Looking Back To Go Forward“ (allerdings entspricht der Titel auf dem Cover Artwork dem Titel der CD, Anm. der Red.). Diese kleine grammatikalische Veränderung ist hier enorm wichtig. Während sich der Albumtitel auch als Aufforderung versteht, geht es bei dem Song um unsere ganz persönliche Reise. EUCH GIBT ES JA NUN WIE SCHON ANGEDEUTET BEREITS EINE GANZE WEILE IN DER ELECTROSZENE, UM GENAU ZU SEIN BEFINDET IHR EUCH IM 16. JAHR EURES BANDDASEINS. WIE HAT SICH DIE SZENE VON DAMALS BIS HEUTE ENTWICKELT? UND KANN MAN DEN ALBUMTITEL VIELLEICHT AUCH ALS AUFRUF BETRACHTEN, DASS MAN WIEDER BACK TO THE ROOTS KOMMEN SOLLTE? Wir können ja mit gutem Gewissen behaupten, dass wir einer der ersten Electro-EBM-Acts im Osten Deutschlands waren. Wir kamen 1993 in eine Szene voller Aufbruchsstimmung, da es selbiges in der ehemaligen DDR in dieser Form kaum gegeben hatte. Es war eine echt coole Zeit. Um die Jahrtausendwende spürte man, dass sich Teile der Szene gern an das große Musikbusiness angelehnt haben. Ganz schnell hatte man in der Szene auch deren Mechaniken übernommen. Wir denken, dass die neue Ausrichtung, gerade des Vertriebes der Musik über Internet o.ä., diese Entwicklung wieder relativiert. Für eine Veröffentlichung ist eigentlich das berühmte Vitamin B nicht mehr notwendig. Jeder kann seine Musik schnell und weltweit verbreiten. Das hebelt sicher mittelfristig die vorhin erwähnten Mechaniken Stück für Stück aus. Und das ist auch gut so. Aber es gibt noch einen zweiten Fakt, den wir mit „Look Back To Go Forward“ beschreiben wollen. Wir sind uns durchaus bewusst, dass mancher Kritiker eine möglicherweise „fehlende Innovation“ auf unserem Album bekritteln wird. Wir wollten uns aber bewusst darüber hinweg setzen und haben ein Album produziert, welches uns einfach selbst Spaß macht. Vielleicht kann man die aktuelle sogenannte Old-School Bewegung mit unserem „Look Back To Go Forward“ vergleichen. Es ist doch egal, wie alt Musik klingt, solange es Leute gibt, die diese mögen. Mein Gott, Heavy Metal klingt seit den 70er/ 80er Jahren bis heute fast gleich, hat aber eine große und treue Fangemeinde. AUCH HABT IHR SCHON EINIGE LIVEAUFTRITTE IN DIESEN 16 JAHREN HINTER EUCH. ERZÄHLT DOCH MAL, WO IHR SCHON ÜBERALL UNTERWEGS WARD? Schwerpunkt unserer Touren war bislang Europa. Neben Deutschland waren wir so u.a. in Frankreich, Dänemark, Belgien oder Polen unterwegs. Auslandsgigs sind immer besonders interessant. Man hat letztlich immer nur ein sehr vages Gefühl, wie bekannt man dort ist. Ein Freund von uns war in Hongkong und hat dort in einem Musikladen ein Poster von uns hängen sehen. Das sind Dinge, die man selbst nur durch Zufall mit bekommt, wenn man nicht im Ausland tourt. WIE IST ES FÜR EUCH, AUF DER BÜHNE ZU SEIN? SEID IHR EHER DIE STUDIOBAND ODER DOCH EHER EINE LIVE-FORMTATION? Für uns war die Veröffentlichung eines Albums immer ein bisschen Mittel zum Zweck. Wir zielten immer darauf ab, live zu spielen. Wir standen auch schon ein Jahr vor unserem ersten Plattenvertrag regelmäßig live auf der Bühne und auch in der Zeit, in welcher wir kein Album veröffentlicht haben, (2000-2006) haben wir immer wieder live gespielt. Wir genießen die Zeit im Studio aber wir genießen noch mehr die Zeit auf der Bühne. Oft hat man bei der Produktion eines Songs auch im Hinterkopf, wie dieser wohl live funktionieren könnte. CALVA Y NADA, MIT IHNEN HABT IHR AUCH SCHON GEMEINSAM AUF DER BÜHNE GESTANDEN. DIESE BAND GIBT ES NICHT MEHR, IHR SEID NOCH DA. WAS IST EUER GEHEIMNIS? ODER VIELMEHR, WAS GIBT EUCH DIE KRAFT IMMER WEITER ZU MACHEN? Digital Factor ist eine enge Freundschaft dreier Leute und der Leute im Umfeld der Band, die auch weit über die Arbeit der Band hinaus geht. Das war für uns immer sehr wichtig. Letztlich verknüpft sich die Arbeit einer Band aber auch immer mit persönlichen anderen Ambitionen. Auch bei uns hat Tino im Jahr 2000 entschieden, sich anderen Dingen zu widmen und das ist ja auch durchaus legitim. Für Torsten und Mike hingegen war immer die Musik einer der wichtigsten Bestandteile im Leben und Guido geht es letztlich genau so. DEM PRESSETEXT KONNTE ICH FOLGENDE INFO ENTNEHMEN: „ IMMER BREITER VERTEILT SICH MUSIK UND DEREN VISUELLE GESTALTUNG IM INTERNET.“ WIE SEHT IHR DIESER ENTWICKLUNG ENTGEGEN? In der Musikbranche sieht man das Internet durchaus als eine Gefahr. Wir verstehen solche Entwicklungen eher als Chance. Sicher können wir da sehr leicht Reden haben. 1996 stand für uns ebenfalls die Entscheidung, Digital Factor zum Beruf zu machen. Wir haben uns damals allerdings noch zusätzlich für andere „Karrieren“ entschieden und sind heute darüber froh. Wenn man bedenkt, dass unser letztes Album allein auf vier Servern ca. 10.000 mal illegal gedownloadet wurde, so kann man einschätzen, was einem Berufsmusiker an Lohn und Brot verloren geht. Aber wie wir schon vorhin gesagt haben, das Musikbusiness wird in einer gewissen Weise durch das Internet demokratisiert. Gab es z.B. früher eventuell einen Radiosender mit einer Sendung für EBM-Electro, so gibt es mittlerweile endlos viele Plattformen als Internetradio zu diesem Thema. Das ist doch cool! KOMMEN WIR NOCH EINMAL AUF EUER AKTUELLES ALBUM ZU SPRECHEN…. ES IST BRACHIALER UND HÄRTER ALS DAS VORGÄNGERALBUM „ONE MORE PEACE“. WIE KAM ES ZUM STILWECHSEL? Beide Alben haben ganz unterschiedliche Entstehungsgeschichten. Zwischen 2000 und 2006 haben Torsten und Mike viel für andere Künstler gearbeitet. Dabei sind auch Layouts entstanden, welche die Basis für „One More Piece“ (2006) waren. 2002 kam Guido zur Band und brachte ebenfalls neue Einflüsse mit. „One More Piece“ ist davon gekennzeichnet, dass wir uns in dieser Konstellation haben finden müssen. Seit diesem Album kennzeichnet unser Logo eine hochgestellte Zwei. „One More Piece“ war der Weg zu dieser zweiten Phase von Digital Factor. „Look Back To Go Forward“ ist das erste Album, welches komplett in dieser neuen Konstellation der Besetzung der Band entstanden ist. Mit dem Album sind wir mitten in der Phase 2. Außerdem dachten wir, die Zeit ist wieder einmal reif, für ein Electro-EBM Album von Digital Factor. Wie schon einmal erwähnt, wir waren einer der ersten Acts dieser Stilrichtung im Osten von Deutschland. SONGS WIE „LOOKING BACK TO GO FORWARD“, „DOPAMIN“ ODER AUCH „ELECTRONIC BODY MAKERS“ BESTECHEN REGELRECHT DURCH IHR TANZBARES TEMPO. ICH BIN MIR SICHER, DASS IHR DAMIT DIE CLUBS DER NATIONEN ERREICHEN WERDET. WIE SEHT IHR DIESE SACHE? Dann hätte das Album funktioniert. Als wir mit der Produktion begonnen haben, waren wir gerade mit den Konzerten zur „One More Piece“ durch. Diese Power und diese Erfahrung ist in die neue Produktion mit eingeflossen. Wer ein Digital Factor Konzert kennt weiß, dass hier eher weniger gekuschelt wird. „THE PICTURE“ UND „BEAUTY QUEEN“ FALLEN TEMPOTECHNISCH AUS DEM RAHMEN? AUS WELCHEM GRUND? Jedes Album unterliegt auch einer gewissen Dramaturgie, wo es auch dazu gehört, die Geschwindigkeit mal herauszunehmen. Das haben wir schon immer so gemacht. Auf der 1996er „On Demand“ ist dies z.B. „Hope“ oder auf der 1997er „Countercheck“ der Song „Breath of Coolness“. Bei den Songs wollen wir ein anderes soundliches Bild schaffen. Gleichzeitig erhöhen diese Songs die Power der anderen. WELCHE SONGS SIND EUCH EURER MEINUNG NACH AM BESTEN GELUNGEN? Das ist eine gemeine Frage. Jeder Song ist so etwas wie ein Baby und man hat als Musiker das Gefühl den anderen Songs Unrecht zu tun, wenn man einen hervorhebt. Aber „Looking Back To Go Forward“, „Dopamin“ oder „Face To Face“ beschreiben am Besten das aktuelle musikalische Spektrum von Digital Factor. WENN IHR NOCH EINMAL DIE CHANCE HÄTTET INS STUDIO ZU GEHEN, UM ETWAS AN DER SCHEIBE ZU ÄNDERN, WÜRDET IHR DIES TUN ODER SEID IHR VOLLKOMMEN ZUFRIEDEN MIT EUREM NEUEN PRODUKT? Ein Musiker würde niemals ein Ende finden. Gingen wir also heute mit der Scheibe wieder in unser Studio, so würden wir weiter daran werkeln. Das ist letztlich aber auch der Grund, warum es weitere Alben eines Musikers gibt. Wir verstehen Digital Factor derzeit nicht als vollendet, „Look Back To Go Forward“ hingegen schon. MUSIK IST….. WIE WÜRDET IHR DIESEN SATZ VERVOLLSTÄNDIGEN? … eine wichtige Säule in unserem Leben. UND NUN LOOKING FORWARD TO THE FUTURE: WIRD MAN EUCH 2009 AUCH LIVE SEHEN KÖNNEN? Derzeit bereiten wir die Livekonzerte mit unserer Bookingagentur vor. Am 21. Februar 2009 werden wir in der Leipziger Villa auf der Bühne stehen. VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW UND VIEL ERFOLG MIT EUREM NEUEN ALBUM „LOOK BACK TO GO FORWARD“. HABT IHR NOCH ETWAS, WAS IHR UNSEREN LESERN MIT AUF DEN WEG GEBEN WOLLT? „Look Back To Go Forward“ ist die Alternative zum RTL-Fernsehprogramm!

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