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FEHLFARBEN (SASKIA)

HALLO SASKIA. WIE GEHT ES DIR? DIE FEHLFARBEN-TOUR GUT ÜBERSTANDEN? WELCHE ERINNERUNGEN UND ERLEBNISSE NIMMST DU MIT NACH HAUSE? Es war mal wieder eine sehr amüsante Deutschland-Rundreise mit den Jungs. DA UNSERE LESER DICH SICHER NICHT IM DETAIL KENNEN WERDEN, ERZÄHL DOCH MAL ETWAS ÜBER DEINE JUGEND, DEIN ELTERNHAUS, DEINE TRÄUME. STAMMST DU AUS EINER ADELIGEN FAMILIE? zur Jugend: aufgewachsen bin ich quasi im Altpapier und Schrotthandel, was schon sehr inspirierend war, aus alten Farbeimern zum Beispiel hab’ ich mir mein erstes Drumset zusammengebaut. Meine Oma hat dann, als ich mit meiner ersten Band in ihrem Keller probte, oben an der Tür immer die Ordnungshüter abgewehrt die auf beschwerden der Nachbarn täglich kamen. Also, die Geschichte mit dem Adel lassen wir mal weg, da gibt’s immer so verklärte Vorstellungen von wegen Schloss und Kutsche und so’n scheiß. Gibt’s bei mir und meiner Family nicht und wenn schon Adel, dann verarmter Adel, zumindest was mich betrifft. WANN BIST DU DAS ERSTE MAL MIT MUSIK IN BERÜHRUNG GEKOMMEN? WAREN DIE DRUMS DEIN ERSTES INSTRUMENT? BEHERRSCHT DU NOCH ANDERE? Nun, die erste Platte, auf die ich tierisch abgefahren bin, war die 1. von Suzi Quatro, da war ich 3 Jahre alt .Die hatte sich damals mein Daddy gekauft und ich hab’ sie dann mit in mein Kinderzimmer genommen und ihm nicht wieder gegeben. Mal wieder musste ich meine Mitmenschen mit lauter Musik nerven. Von da an war klar, ich muss auch Musik machen, vor allem hat mich die Power von Schlagzeug und Bass beeindruckt. Ich hab’ dann später ein bisschen Gitarre gelernt aber das war’s nicht, außerdem gab’s ja noch die Farbeimer und Dosen auf dem Schrottplatz. Viel interessanter! HAST DU VON DEINER FAMILIE UND DEINEN FREUNDEN VIEL UNTERSTÜTZUNG BEKOMMEN BEI DEINER LEIDENSCHAFT? DENN DASS ES LEIDENSCHAFT IST, HABE ICH BEI DEM KONZERT GESEHEN. Das es meine Leidenschaft ist, das stimmt. Ich musste feststellen, dass gar nichts anderes geht außer ein Musikerdasein zu fristen. Meine Freunde haben mich insofern unterstützt, als das ich mit ihnen zusammen immer wieder Musik gemacht habe. So kam dann auch meine erste mittelbekannte Band „BONES“ zustande. Meine Eltern haben es dann irgendwann eingesehen und mich in Sachen Ausbildung in Ruhe gelassen. WAREN DIE BONES DIE ERSTE BAND, BEI DER DU AKTIV WARST? WELCHE ERINNERUNGEN HAST DU AN DIE ZEIT? Vor den BONES gab’s noch diverse andere Bandversuche mit den verschiedensten Leuten. Ich war auf der Suche nach Leuten die den gleichen Traum hatten. So entstanden die BONES. Die BONES-Zeit war geprägt von jugendlichem Enthusiasmus, wir wollten 5 Freunde sein ,’ne Band und Touren und ins Studio und viel Spaß haben. Wir haben dann sogar zusammen gewohnt im Bergischen Land in einem kleinen Kaff mit Proberaumkeller. Es war ne lustige aber auch heftige Zeit, bis dann die Musikbusinessmaschine anfing uns zu zerquetschen. WANN HAST DU GEMERKT, DASS DU BESSER BIST ALS ANDERE BZW. SO GUT, DASS DU AUS DARAUS EINEN BERUF MACHEN KANNST? Ich bin nicht besser als andere. Ein Beruf ist daraus geworden, weil es meine Leidenschaft ist. Will mal sagen, ich hab’ auch viel Glück gehabt. IM JAHRE 2000 BIST DU BEI DEN FEHLFARBEN EINGESTIEGEN. WIE KAM DER KONTAKT ZUSTANDE? WAS HAST DU ZUM DAMALIGEN ZEITPUNKT MIT DEN JUNGS VERBUNDEN? HAST DU DICH SCHON IN DEN 80ERN FÜR IHRE MUSIK INTERESSIERT? Mit Janie (Peter Hein) bin ich über eine gemeinsame Bekannte in Kontakt gekommen. Wir hatten dann 1998/99 ein kleines gemeinsames musikalisches Projekt zusammen mit u.a. zwei Musikern von den BONES. Ist aber aufgrund von Zeitmangel auf allen Seiten nicht viel draus geworden. Dann irgendwann rief er mich an und fragte, ob ich nicht Lust hätte, mal mit ein paar „Fehlfarben“ zu proben. Hatte ich! Was toll war an der Probe, wir hatten richtig Spaß zusammen und menschlich und musikalisch klappt es super zwischen uns. In den 80ern war ich mehr so auf englischsprachige Punk-Musik aus. Klar kannte ich auch FEHLFARBEN, fand ich auch gut, war aber kein Fan. WIE LIEF DER PROZESS DER INTEGRATION AB? WANN FÜHLTEST DU DICH VOLLKOMMEN ZUHAUSE IN DER BAND? Nach der ersten Probe dachte ich, hm das war gut, nach der zweiten Probe dachte ich, jau, das sind Leute mit ’nem Geist wie meinem und schon war ich zuhause. MAN SAH AUF DER BÜHNE GANZ DEUTLICH, DASS DU EIN BESONDERES VERHÄLTNIS ZU PETER HEIN HAST. WIE WÜRDEST DU ES CHARAKTERISIEREN: FREUNDSCHAFT, VATER-TOCHTER-VERHÄLTNIS, MUSIKERVERBUNDENHEIT? Also, mit Janie macht’s fett Spaß auf der Bühne abzurocken. Wir mögen uns beide und powern uns gegenseitig an. Mit Vater-Tochter hat das gar nichts zu tun. Mit den anderen Jungs ist es genau so toll, vielleicht auf der Bühne nicht so direkt sichtbar. Ich sag nur: Der gemeinsame Geist! WAS IST PETER FÜR EIN MENSCH, WIE WÜRDEST DU IHN BESCHREIBEN? Janie ist Punk! WAS BEDEUTET ES FÜR DICH LIVE ZU SPIELEN? DU SETZT EINE UNGEHEURE ENERGIE FREI UND SCHEINST DEN KONTAKT MIT DEM PUBLIKUM RICHTIG ZU GENIESSEN. Live spielen ist für mich eine große Freude, es kommt ne Menge Energie hin und hergeschwappt . Es ist ein Rausch… im besten Fall… AUCH ALKOHOLTECHNISCH SCHEINST DU DEINEN MÄNNLICHEN KOLLEGEN IN NICHTS NACHZUSTEHEN 🙂 IST JEDER ABEND AUF TOUR EIN FEUCHTFRÖHLICHES HAPPENING ODER IST DAS DOCH EHER DIE AUSNAHME? Na ja, Ausnahme kann ich nicht sagen. Darum braucht man auf Tour auch mal ein paar off Tage, sonst wird man ja gar nicht mehr nüchtern. WELCHE STÜCKE VON DEN FARBEN MAGST DU SELBST AM LIEBSTEN? WARUM SPIELT IHR „EIN JAHR (ES GEHT VORAN)“ NICHT LIVE? Ich spiele ungelogen alle Stücke gerne. (pers. Favoriten: „Schnöselmaschine“, „DuranDuran“, „Internationale“, um nur ein paar zu nennen. Und von den alten: „Grauschleier“, „Paul ist tot“, „Ernstfall“… könnte noch mehr sagen , muss reichen). „Ein Jahr“ spielen wir vielleicht auf der nächsten Tour. Dieses mal hatten wir keine Lust, ist ja auch nur das bekannteste aber nicht unbedingt das beste. HATTEST DU EIGENTLICH AUF DER LETZTEN SCHEIBE „KNIETIEF IM DISPO“ AUCH SCHON ANTEIL AN DEN KOMPOSITIONEN? Ja, von der ersten Probe bis zu den Aufnahmen haben wir alle zusammen an den Stücken komponiert und gebastelt. Mit dem nötigen gegenseitigen Respekt geht das sogar. WENN ICH DEIN SPIEL BETRACHTE, SO KÖNNTE ICH MIR VORSTELLEN, DASS DU AUCH AUF AGGRESSIVERE MUSIK WIE PUNK ODER METAL STEHST, WAS HÖRST DU DENN PRIVAT SO? Ich höre gerne Punk, muss aber interessant sein. z.B. PEACHES, COBRAKILLERS, oder rhythmuslastiges wie SOFA SURFERS, I.WOLF…. NUN MAL ZU DEINEN NEBENBESCHÄFTIGUNGEN: DU WARST IM AUFTRAG DES GOETHE-INSTITUTS MIT FENSTERMACHER IN AFGHANISTAN, UM EINHEIMISCHEN MUSIKERN NACHHILFE IM BEREICH SPIEL- UND AUFNAHMETECHNIK ZU GEBEN. DAS STELLE ICH MIR SEHR SPANNEND, ABENTEUERLICH UND SOGAR EIN WENIG GEFÄHRLICH VOR. WIE KAM ES ZU DEM ENGAGEMENT? WIE LIEF DIE GANZE SACHE AB UND WIE HABEN DIE EINHEIMISCHEN AUF EINE FRAU REAGIERT? HAST DU AUCH ZURÜCKWEISUNG ERFAHREN? In Afghanistan war ich mit Fenstermacher und Pyrolator. Eigentlich waren erst mal Konzerte mit A CERTAIN FRANK geplant und ich wollte Schlagzeug spielen, dann waren aber die Sicherheitsmaßnahmen nicht zu gewährleisten, da sehr sehr viele Zuschauer erwartet wurden. Daraufhin wurden wir gefragt ob wir nicht einen 2 wöchigen Workshop anbieten wollten für Harddisc-recording und Pop-Musik. Das haben wir gemacht. Mich hat gestört, dass nur Männer an den Kursen teilgenommen haben. Die Frauen waren in den Räumlichkeiten, in denen wir Kurse gaben, nur für’s Tee kochen zuständig. Ich hab’ dann versucht mit einer Dolmetscherin Kontakt zu den Frauen aufzunehmen und versucht etwas über deren musikalisches Interesse herauszufinden. Es kam heraus, das die sich nicht trauten und es auch nicht schicklich sei, als Frau Musik zu machen. Da wollte ich was ändern. Ich hab’ dann in der Workshopfreien Zeit ein heimliches Frauen Musikprojekt zusammen mit Frank gestartet. Die Afghaninnen hatten ne Menge Freude beim Trommeln-, Bassspielen und Singen. Wir haben zusammen mit den Mädels die Aufnahmen gemacht und ein Video. Alles höchst geheim, weil es für die Frauen sehr gefährlich war, Musik zu machen. Daraus ist dann die BURKA-BAND entstanden. Die Single ist bei Monika-Records (Berlin) rausgekommen und hat sich zu einem kleinen Underground Hit entpuppt. Ansonsten waren die Menschen dort so angenehm und super nett. Ich habe jetzt noch Kontakt (mittlerweile über Internet) zu einigen, was mich echt freut. Ich hatte als West-Menschfrau bei den männlichen Afghanen einen anderen Status als die einheimischen Frauen, deren Schicksal kennt man ja. Ich bin sehr freundlich und respektvoll behandelt worden. DANN HAST DU MIT ANDREAS AMMER UND FM EINHEIT DIE STÜCKE ALZHEIMER 2000 UND „THE WORKS OF MARX AND ENGELS“ AUFGEFÜHRT. WORUM GEHT ES IN DIESEN STÜCKEN? WAS FÜR EINE ART DES DRUMMINGS IST DORT GEFRAGT IM GEGENSATZ ZU EINEM MUSIKKONZERT? SPIEGELN DIESE STÜCKE AUCH DEINE POLITISCHE EINSTELLUNG WIDER? Die Zusammenarbeit mit A. Ammer und FM Einheit ist sehr spannend. Andreas Ammer schreibt die Texte und FM ist für die Musik verantwortlich. Mit FM Einheit arbeite ich schon seit 1998 zusammen. Ich bin mit ihm als Trommlerin für die Band GRY durch die Lande gezogen. U.a. hatten wir eine Megatour durch Ami-Land:- 30 Gigs in 30 Tagen und 25.000 Meilen Tourbusreisen. Das schweißt zusammen. Das Drumming in den o.g. Stücken ist für mich eigentlich ähnlich zu einem Konzert mit einer Band. Genau so powerful! Nur gibt’s größere Spannungsbögen, mehr Freiräume und einen größeren Unterschied zwischen zart und heftig… Größere Dynamikbögen. Das macht das ganze auch extrem interessant. Zudem kommt noch hinzu, das ich es einfach liebe mit FM Einheit zusammen zu trommeln. Wir sind gute Freunde. Also, zu meiner Einstellung zu den Stücken gibt’s zu sagen: ich möchte nach jedem Auftritt auch noch in den Spiegel gucken können und das ging hervorragend. UND WAS SIND DEINE PLÄNE FÜR DIE NAHE ZUKUNFT? IRGENDWELCHE NEUEN VERRÜCKTEN, SPANNENDEN PROJEKTE? Ja, von der BURKA BAND gibt’s ein neues Stück, die Sängerin hat nämlich im Herbst hier einen Deutschkurs gemacht und wir haben die Gunst genutzt und mit ihr einen neuen Song aufgenommen. Dann arbeiten wir gerade an einer neuen Fehlfarben-Platte. In Berlin trommle ich für Katharina Franck auf ihren neuen Stücken. Im April spiele ich dann mit FM Einheit 2 Wochen in Oberhausen und hier in Köln bastel’ ich mit einem Freund (Elektro Atomu) an einem Projekt auch mit FM Einheit zusammen (International Moods), da gibt es dann bald eine CD und vor allem viele Live Auftritte, weil wir das besonders gut können. ARBEITEST ODER STUDIERST DU EIGENTLICH „NEBENBEI“ AUCH NOCH? Studiert hab’ ich auch mal. Ich fürchte, ich muss mir nächstes Jahr mal wieder einen Job suchen. Viele Projekte aber „koi Geld nit“. UND WAS MACHST DU IN DEINER FREIZEIT, WENN DU EINMAL KEINE DRUMSTICKS IN DER HAND HAST? WOFÜR INTERESSIERST DU DICH? Ich fahre mit meinem Motorrad durch die Gegend (im Sommer) oder bastele Musikideen oder Demo-Songs am Computer zusammen (im Winter). PUH!! Das war jetzt aber ne Menge zu Beantworten. VIELEN DANK DAFÜR UND ALLES GUTE FÜR DEINE ZUKUNFT!

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