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FIDDLER’S GREEN (STEFAN KLUG)

DIE AUTOBAHN IN RICHTUNG ESSEN WAR VERSTOPFT. ICH WEISS NICHT, OB ES AM FEIERABENDVERKEHR LAG ODER DARAN, DASS FIDDLER´S GREEN DORT ZUM KONZERT AUFSPIELTEN, UM IHRE BRANDAKTUELLE CD VORZUSTELLEN. ICH JEDENFALLS WAR MIT DEM BANDMITGLIED STEFAN KLUG ZUM INTERVIEW VERABREDET UND SCHAFFTE ES GLÜCKLICHERWEISE DENNOCH RECHTZEITIG. HALLO, GRÜSS DICH. DANKE FÜR DIE ZEIT, DIE DU DEM TERRORVERLAG UND MIR FÜR DAS INTERVIEW WIDMEST. EUCH GIBT ES SCHON ZIEMLICH LANGE. ICH MUSS GESTEHEN, SO LANGE KENNE ICH EUCH NOCH NICHT. SEIT WANN SPIELT IHR DENN IN DIESER BESETZUNG UND WER GEHÖRT ALLES DAZU? Uns gibt es seit 1990 – von der „Urbesetzung“ sind noch Albi (Gesang, Akustikgitarre) und Rainer (Bass) dabei. Ich (Akkordeon, Bodhran) bin 1991 dazugekommen, also quasi auch fast von Anfang an dabei. 2001 kamen unser Geiger Tobi und unser Schlagzeuger Frank zu uns. Pat (Gesang, E-Gitarren) ist unser „Youngster“, er ist seit 2006 dabei. DIE BEIDEN VON DER „URBESETZUNG“ SIND DENN AUCH GRÜNDUNGSMITGLIEDER, ODER? Ja, stimmt. Albi und Rainer sind tatsächlich Gründungsmitglieder. IHR HABT VOR EINER WOCHE EIN NEUES STUDIO-ALBUM HERAUSGEBRACHT, MIT DEM IHR JETZT AUF TOUR GEGANGEN SEID. HABT IHR SCHON EINEN KLEINEN ÜBERBLICK, WIE DER START IM HANDEL VERLIEF? Der Start lief sehr gut, die Chancen stehen sehr gut, dass das Album in die deutschen Top100 einsteigt. SEIT DEM CD-START VOR EINER WOCHE HATTET IHR AUCH SCHON 3 KONZERTE. WIE SIND DIE VERLAUFEN? Tourauftakt war am 8.1. in Nürnberg, also quasi in unserer Heimat. Der Club Hirsch war mit über 700 Leuten ausverkauft. Wir waren natürlich vorab schon ein wenig nervös, da wir in unserem neuen Programm 15 neue Songs spielen, aber nach Konzertbeginn hat sich das dann alles in positive Energie umgesetzt. Das Publikum ging ab, wir haben alles gegeben, bis zum Umfallen – klasse war’s!!! Die beiden darauf folgenden Konzerte waren nicht weniger fulminant. Wenn das so weitergeht, wird die Tour der absolute Hammer! WIE LANGE HABT IHR AN DEN NEUEN SONGS GEARBEITET? Wir haben Anfang 2008 begonnen neue Songs zu schreiben und sind im Juli 2008 ins Studio gegangen. In diesem halben Jahr ist alles entstanden. UND WIEVIEL NÄCHTE HABT IHR SCHLIESSLICH IN DEN SCHALLSCHLUCKWÄNDEN VERBRACHT? Wir waren mit Unterbrechungen knapp 2 Monate im Studio. Das Mischen und Mastern hat sich dann bis November hingezogen. Ein Studioalbum ist schon eine menge Arbeit, das wird oft unterschätzt. Im November haben wir dann auch noch einen Videoclip gedreht und waren noch mal im Studio, um die Akustik-Songs für die Bonus-CD der „Deluxe Edition“ von „Sports Day At Killaloe“ aufzunehmen. EINE DELUXE-EDITION GIBT ES AUCH? IST DIE GLEICHZEITIG MIT DER STANDARD-EDITION AUF DEN MARKT GEKOMMEN? Ja. Die Leute können wählen, ob sie das Doppelpack oder die Einzelversion haben möchten. MIT DEM VON EUCH GESCHAFFENEN BEGRIFF DES „SPEEDFOLKS“ ZEIGT IHR AN, DASS EURE MUSIK NICHT IN DIE ÜBLICHEN SCHUBLADEN PASST UND IHR EIN EIGENES GENRE BENÖTIGT. WIE SEID IHR ZU DIESER ART VON MUSIK GEKOMMEN? Das ganze war am Anfang eine „Schnapsidee“, die am Küchentisch der WG unseres Sängers und Bassisten entstanden ist. Wir hatten schon Erfahrung mit anderen Bands gesammelt und wollten irischen Folk „modern und schnell gespielt“ umsetzen, weil wir das cool fanden. Daraufhin spielte Fiddler’s Green 1990 beim Erlanger „Newcomer-Festival“ das erste Mal – mit erstaunlicher Resonanz. Die Hälfte der Band kam aus der „Folk-Ecke“, die andere aus dem Rock-Bereich. Es macht sehr viel Spaß, diese positive Musik zu spielen, daher haben wir uns über die Jahre immer mehr mit den spannenden Elementen irischer Musik auseinandergesetzt und sind immer mehr in dieses Genre hineingewachsen. UND DAS NICHT ZU WENIG. HAT EINER VON EUCH BRITISCHE ODER IRISCHE WURZELN? DENN ICH FINDE, DASS EURE MUSIK BILDER IM KOPF HERVORRUFT. ICH HATTE DEN SPORTPLATZ VOR MIR, ICH SAH EIN ARBEITERVIERTEL, ICH SAH EINE KIRMES, MANCHE BILDER WAREN DENEN VON CHARLES DICKENS NICHT UNÄHNLICH. Manchmal sagen wir in Interviews, dass wir alle Irische Großmütter haben… 😉 Nö, keiner von uns hat britische oder irische Wurzeln. Ein Teil von uns war aber schon des Öfteren in Irland (z.B. ich so ca. 10 Mal) und wir haben einige irische Bekannte, dieses Lebensgefühl ist uns also schon vertraut. HABT IHR DENN AUS DER „RICHTIGEN“ IRISCHEN FOLKLORESZENE GANZ KLASSISCHE VORBILDER? Direkte Vorbilder nicht unbedingt, aber viele Musiker der traditionellen Folkszene tragen zu unserer Inspiration bei. Wir sind Deutsche und wollen gar nicht „irischer als die Iren“ sein, deshalb mischen wir die irischen Elemente mit vielerlei anderen Musikstilen. Interessanterweise gibt es in Irland kaum Bands, die ähnlich an die Sache herangehen wie wir. Die gibt es dann schon eher in den USA oder Kanada. GIBT ES ANDERE MUSIKALISCHE VORBILDER? WENN JA, WELCHE? Die „Gründer“ des Folkpunk-Genres waren eindeutig die Pogues in den 80iger Jahren. Jede Band, die Celtic-Rock oder Folkpunk spielt kann deren Einfluss nicht leugnen. Das braucht es aber auch gar nicht, denn mittlerweile haben viele Bands zu ihrem ureigenen Stil gefunden, der sie deutlich von anderen Folkrock-Bands unterscheidet. Wir haben schon früh in den 90ern unsere Nische und unseren Sound gefunden und versuchen seither, diesen immer weiter zu perfektionieren… WAS IHR MIT DER AKTUELLEN CD JA ANSCHAULICH UNTER BEWEIS STELLT. ICH MEINE, AUF DER SPORTSDAY-SCHEIBE AUCH MUSIK GEHÖRT ZU HABEN, DIE WENIGER MIT FOLK ALS MEHR MIT ROCK ZU TUN HAT. ICH DENKE DABEI AN „STRIKE BACK“ UND DIE BEIDEN ROCKBALLADEN „DOWN BY THE HILLSIDE“ UND „APOLOGY“. EINE HOMMAGE AN DEN GUTEN, ALTEN ROCK´N´ROLL? „Strike Back“ hat Pat geschrieben, der vor Fiddler’s eher in der Punk-Ecke daheim war. „Down By The Hillside“ ist von Albi, der eher aus der Singer-/ Songwriter-Ecke kommt. Diese beiden Songs markieren quasi die Extreme unserer musikalischen Bandbreite, alles andere liegt genau dazwischen. Trotz der stilistischen Vielfalt haben alle Stücke einen eindeutigen „Fiddler’s-Touch“, das hält die Stücke zusammen. ALS BAND KOMMT IHR AUS ERLANGEN. KOMMT IHR ALS MUSIKER AUCH ALLE AUS DIESER REGION ODER GIBT ES SCHON EINFLÜSSE BEISPIELSWEISE AUS NORDDEUTSCHLAND ODER WO AUCH IMMER? Die Ursprünge der Band liegen in Erlangen, mittlerweile leben aber nur noch Albi und ich dort. Der Rest lebt verstreut im Abstand von 60 bis 300 Kilometern um unsere „Homebase“. Wir sind also schon eine Süddeutsche Band. HABT IHR SCHON MAL IN IRLAND ODER GB GETOURT? SEID IHR DORT BEKANNT? ODER GIBT ES DIESBEZÜGLICH PLÄNE? Im Herbst 2007 haben wir einige Shows in Irland gespielt. Das war eine sehr lustige Tour und es kam auch gut an. Erstaunlich waren die vielen Deutschen Auswanderer bei den Konzerten, die jetzt dort leben und uns noch von früher kannten. Die waren natürlich alle da. Einer hat mir sogar erzählt, dass wir der Auslöser für seine „Flucht“ aus Deutschland waren… HABT IHR FAMILIEN? WER HAT FAMILIE UND KINDER? Klar haben wir zum Teil Familie, die Hälfte von uns hat Kinder. WIE KOMMEN EURE FAMILIEN MIT DEM TOUREN ZURECHT? SIND SIE IMMER DABEI ODER MÜSSEN SIE AM WOCHENENDE AUF DEN FREUND, LEBENSGEFÄHRTEN, EHEMANN, VATER VERZICHTEN? SCHLIESSLICH HABT IHR FÜR DIESES JAHR NICHT GERADE WENIG TERMINE AUF EURER „SPORTS TOUR“. Ich denke, das ist ähnlich wie bei anderen Jobs, bei denen man unterwegs ist und nicht am Heimatort arbeitet. Sie müssen schon einige Zeit auf uns verzichten. Aber das Nachhausekommen ist immer wieder schön und als Musiker hat man dann auch andere Freiräume als mit einem „normalen“ Job. Man muss das Privatleben eben etwas flexibler regeln, dann bleibt schon genügend Freiraum für Privates. WAS IST EURE BEVORZUGTE ÜBERNACHTUNGSSTÄTTE WÄHREND DER TOUR? MITTELALTERLAGER, HOTEL, WOHNMOBIL, ODER NACH JEDEM KONZERT WIEDER SO SCHNELL WIE MÖGLICH NACH HAUSE? Eindeutig Hotel. Es geht nichts über eine geile Dusche nach einem durchgeschwitzten Konzert… WELCHE MUSIK HÖRT IHR, WENN IHR ZUSAMMEN SEID UND NICHT GERADE AN EIGENER MUSIK BASTELT? Wenn wir im Bus sitzen hören wir meistens den Sender, der die besten Verkehrsdurchsagen bringt… Leider lässt da die musikalische Qualität oft sehr zu wünschen übrig! In Norddeutschland hören wir meist Delta-Radio, die bringen guten Rock und Alternativzeugs, was nicht ganz so abgenudelt ist. ICH SEHE DIE FESTIVALSZENE, BEI DER MEHRERE BANDS GEMEINSAM EIN KONZERT BESTREITEN, ALS SEHR MANIFESTIERT IM MARKT. WAR DAS SCHON IMMER SO ODER HAT ES IN DEN LETZTEN JAHREN AUCH EINEN VERÄNDERUNG GEGEBEN? WAS SAGT EUCH EURE TOURERFAHRUNG DAZU? Festivals sind meist im Sommer und Open Air, „normale“ Konzert dann eher in Hallen und mit maximal einer Supportband. Wir haben im April 2008 ein Indoor-Festival „Shamrock Clash“ mit zwei weiteren Folkpunk-Bands auf die Beine gestellt, aber so was ist eher die Ausnahme. WIE WICHTIG SIND EUCH STUDIOALBEN IM VERGLEICH ZU LIVEKONZERTEN? Beides bedingt sich gegenseitig, daher ist beides gleich wichtig. ABSCHLIESSEND EIN WORT AN DIE FANS? Danke, dass Ihr uns die Treue haltet! FOLK’S NOT DEAD!

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