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FJOERGYN (STEPHAN)

ES IST FREITAGABEND. DER WINTER HAT UNS NOCH FEST IM GRIFF. ALSO DIE BESTE ZEIT, UM ÜBER EIN ALBUM WIE „JAHRESZEITEN“ ZU SPRECHEN. SO TRAF ICH MICH MIT STEPHAN L. – DEM GRÜNDER VON FJOERGYN – IM PEGASUS, DEM LITERATURCAFÉ, IN GERA. IN STILVOLLEM AMBIENTE UND MIT EINEM ALKOHOLFREIEN GETRÄNK (ZITAT STEPHAN MIT EINEM LACHEN: „HALB BETRUNKEN IST RAUSGESCHMISSENES GELD“) STAND ER REDE UND ANTWORT. AUF MEINE ERSTEN WORTE UND DEN DANK, DASS ER SICH DIE ZEIT NIMMT, ENTGEGNET ER: Sobald ich Zeit habe, nutze ich Die gerne. Aber sie ist halt momentan beschnitten. WIE IST DIE PRODUKTION EURES NEUEN WERKS „JAHRESZEITEN“ GELAUFEN? Das war eigentlich das Beste! Wir haben ein neues Studio ausprobiert, das ALL ORANGE STUDIO. Das bitte ich auch ganz strikt zu erwähnen, weil es ein hervorragendes Studio war und für uns eine komplett neue Art und Weise, wie man an die Produktion herangehen kann. Das BLUE HOUSE STUDIO und die Arbeit dort waren immer spitze und sehr professionell. Wenn wir sagten: „Mach mal …“ dann lief das auch. Das muss ich immer hervorheben. Sie haben jede Menge Zeit und Engagement in unsere Produktion investiert. Aber wir wollten mit „Jahreszeiten“ nicht nur einen Abschluss finden, sondern wir wollten uns auch so zeigen, wie wir sind und wollten dahingehend einen Sound haben, der durch seine Natürlichkeit besticht, nicht extrem überproduziert ist und auf eine gewisse Art und Weise einem End-Neunziger Sound entspricht, weißt du. Es sollte nicht wie bei den ganzen Hardcore-Bands überproduziert, auf den Millimeter genau geschnitten, getimt und durchgetriggert sein, und jeder Basedrum-Kick muss hier und da sitzen… wir wollten eine ganz natürliche Produktion haben. Unser Schlagzeuger kam über Kontakte an das ALL ORANGE heran. Ich kenne die Leute um die Familie Wicher (eine in Gera sehr bekannte Musiker-Familie). Der Marcel und der Tilo waren dementsprechend bereit, haben sich unsere Ideen angehört und daraus ist mittlerweile eine Freundschaft entstanden, die sich einfach durch die Arbeitsweise so ergeben hat. Sie hatten immer Zeit, etwas auszuprobieren, standen mit Rat und Tat zur Seite, haben aber auch gesagt „Hier, tob dich aus, die Zeit im Studio gehört Dir, also mach es“, wenn ich etwas allein machen wollte. Und das fand ich genial. Es war eine 50/50-Produktion aus „wir möchten das so“ und sie meinten „wir so und so“, und fanden darin schließlich einen Konsens. Dazu kommt noch tolles Equipment. Das Studio ist perfekt ausgestattet, das habe ich so noch nie erlebt. Gemischt haben wir danach dann im Rape Of Harmonies Studio unter der Leitung von Patrick Engel, der sich ja auch schon über viele Jahre in der Szene bewährt hat. Ich meine, er ist ja kein unbeschriebenes Blatt – ganz im Gegenteil! Das hat für uns noch einiges gebracht. Er hat schlichtweg einen super Mix gemacht, der das ganze Album in seiner Natürlichkeit unterstreicht. WIE LANG WART IHR DA STUDIO? Das lässt sich ganz schwer sagen. Ich glaube, es hat sich über 4 Wochen hingezogen, da ich auch mal nicht konnte. Ich hatte parallel Abschlussprüfungen. Es war für uns eine schnelle Produktion, im Vergleich zu „Sade Et Masoch“. Die hatte sich ja ewig hingezogen. Und das Ergebnis ist eine offene und rock’n’roll-lastige Produktion. Da hat man wieder gemerkt, warum man Musik machen wollte. WENN ICH DAS RICHTIG SEHE, IST FJOERGYN SEIT „ERNTE IM HERBST“ VON EINEM SOLO-PROJEKT ZU EINER AUSGEWACHSENEN BAND GEWACHSEN. ODER SIEHST DU ES IMMER NOCH ALS PROJEKT AN? Nein! FJOERGYN, egal wer sonst noch mitwirkt, hat 3 Mitglieder: Das sind Martin L., André L. und meine Wenigkeit. Und Jeder von uns hat seine eigene Richtung, die er einbringt. Wir sind musikalisch sehr komplizierte Menschen – aber wenn es um die Band geht, und wir zusammen funktionieren müssen, dann tun wir das! Jeder bringt dabei seine eigenen Instrumente ein, auch wenn ich als Bandleader, wenn man das so nennen will, das Gros mache. Wenn aber einer sagt „Das könnten wir nicht“ oder „das geht so nicht“, dann stehen sie mit Ideen zur Seite. Als ich „Jahreszeiten“ vorproduziert habe, war es nur 50% von dem was es jetzt ist. In jedem Song kamen dann Ideen wo wir was ändern könnten. Und das erzeugt dann diesen avantgardistischen Charakter. Wir überlegten, welche Emotion wir wo und wie haben möchten. Was ist z.B. typisch für den Sommer … Und daher sind wir auf jeden Fall eine Band. KOMMEN WIR NOCH ZU EINEM ANDEREN NAMEN: IHR GEDENKT DENIS FUNKE IM BOOKLET VON „JAHRESZEITEN“. WAS VERBAND ODER VERBINDET DICH MIT DEM MACHER DER RADIOSENDUNG „HELLBORN METALRADIO“ IM OFFENEN KANAL JENA? Denis kenne ich, seitdem ich nach Jena gegangen bin. Ich meine, er war vorher schon eine Institution. Ich kannte ihn vom PARTY.SAN durch die Abba-Abschlussparty und durch das Metal-Zelt. Denis hat mich von Anfang an mit FJOERGYN unterstützt. Er hat uns im Hellborn Radio gespielt, um uns zu promoten bei Konzerten in Jena und war einfach ein guter Freund. Die Partys mit Denis waren immer schön. Er hatte immer ein offenes Ohr. Man konnte mit ihm super feiern und er hat für die gesamte Metalszene hier im Umkreis einiges getan. Sei es durch das Radio, sei es durch Konzerte bei denen er gewesen ist oder das Netzwerk, das er unter den Musikern aufgebaut hat. Und das war Wahnsinn. Er war immer ein super Freund! Ich muss sagen, OHNE ihn wären wir vielleicht auch bekannt geworden, aber er hat viel für mich getan, hat viel in mir geweckt und mir quasi Rückendeckung gegeben… Und das ist etwas, weshalb ich im Nachhinein sagen muss: DANKE! Und ich hoffe, dass er als Person nie vergessen wird, weil er für Jena und den Umkreis und auch für mich die Metal-Instanz schlechthin war! Und deshalb haben wir Denis Funke dieses Album gewidmet – nicht nur als Freund sondern auch als Metal-Gott hier in Thüringen. DANKE FÜR DIESE OFFENE AUSSAGE. ABER KOMMEN WIR ZUM EIGENTLICHEN PUNKT – DER MUSIK. EUER NEUES WERK BESTICHT JA DURCH NOCH MEHR EINFLÜSSE ALS SCHON DIE VORHERIGEN SCHEIBEN. IHR MISCHT MUNTER ETWAS POP MIT METAL ALLER ART UND ELEKTRONIK SOWIE KLASSISCHEN ELEMENTEN. WOHER NIMMST DU DIE IDEEN DAFÜR? Ich glaube der Grund ist folgender: Wir wollen uns niemals sagen lassen, wir machen eine bestimmte Musikrichtung. Das heißt, wir jammen rum, dann kommt ne tolle Stelle und die arbeiten wir aus. Ich kann zwar Popmusik generell nicht anhören, aber hier und da sind dennoch Licks und Ideen dabei, wo man einfach nur sagt: Wahnsinn! Ich meine, das fängt bei ABBA an, geht über ROXETTE und andere Schwedenbands, wo man schlichtweg sagen muss, die sind topfit. Das Schubladendenken, in dem man festlegt, du darfst nur das oder das spielen, mag ich gar nicht. Denn gerade wenn du verschiedene Emotionen ausdrücken willst, wäre das sehr schwierig. „Jahreszeiten“ sind in ihrer Grundform immer gleich aber trotzdem total verschieden. Es sind unzählige Aspekte. Im Sommer regnet es mal, die Sonne ist heiß, nichts ist beständig und das Gleiche gilt auch für Winter und Herbst. Genau das will ich unterbringen und quasi verkaufen. Wenn man mal überlegt, wir haben versucht, die 12 Monate in 9 Songs zu packen. Das sind dann am Schluss 365 Tage, die man vertonen muss, und in denen ganz unterschiedliche Bilder vertont werden müssen. Das macht das Ganze für mich etwas verrückt, aber auch authentisch. Ich mag generell verrückte Musik. Ich mag es nicht, wenn Musik nur geradlinig und immer gleich ist. Ich finde es spannender, wenn immer wieder etwas Neues kommt und man sich am Ende fragt: „Was ist jetzt eigentlich los?“ Es muss einfach spannend sein, neu, und es muss sich bis zu einem bestimmten Punkt entwickeln. DABEI FÄLLT ÜBRIGENS AUF, DASS IHR IN JEDEM EURER ALBEN EIN FOLKSLIED ODER KLASSISCHES STÜCK MIT EINBINDET. SEI ES GREENSLEAVES (SADE – SADE ET MASOCH), DIE MELODIE AUS DEM LETZTEN SATZ VON BEETHOVENS 9. SYMPHONIE (REQUIEM – ERNTE IM HERBST) ODER „WEISST DU WIE VIEL STERNLEIN STEHEN“ BEI STURMZEIT (JAHRESZEITEN). AUS WELCHEN GRÜNDEN HAST DU DIESE STÜCKE MIT EINGEBUNDEN? Es gibt für mich Melodien, die sind immer bekannt. Und die 9., also ihr Schluss ist für mich der größte Satz, den es gibt. Er ist eigentlich spottbillig. Wenn man überlegt, es ist ja nur (singt ein Stück) … das ist die Tonleiter, mehr ist es nicht. Aber sie ist in sich so groß! Es ist der perfekte Abschluss. Und gebunden mit dem Text kann, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, jeder ausländische Student, der in Weimar anfängt, Musik zu studieren, diesen Satz singen. Er kann kein Wort Deutsch, aber er kann den kompletten Text singen! Und das ist für mich das Umwerfende. Es verbindet. Es ist dieser Moment wo alle sagen, dass sie das kennen. Und im Requiem hat es halt seine Berechtigung durch den Text. „Greensleaves“ ist für mich einfach so ein Volkslied, was einen an Geselligkeit, an Gemeinschaft denken lässt. Und am Ende von Sade kam es ja in dieser verzerrten, ich möchte sagen industrial-ähnlichen, Version. Es klingt dabei wie die verzerrte Wirklichkeit, die verzerrte Gemeinschaft, ein Bild wie es sein soll oder sein könnte, was jedoch kaputt ist. Und bei „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ ist es der Vorbote für den Sommer und es geht um die Sonne. Die Sonne ist letztendlich auch nur ein weiterer Stern. Und daher gibt es diese Adaption um die Sonne, einen Stern zu besingen. Es ist ein tolles Kinderlied mit toller Melodie. Wobei ich sagen muss – für mich ist dieses Lied nicht glücklich. Es hat keine fröhliche Melodie. Daher fand ich diese Moll-Adaption viel drückender und passender. Es wirft im Endeffekt vor allem die Frage auf: „Warum machen die denn das jetzt?“ Und genau das wollten wir durch das Integrieren der Stücke erreichen. GERADE BEI DIESEN EINFLÜSSEN STELLT SICH NATÜRLICH DIE FRAGE, WIE DIE FANS AUF DIE STÄNDIGEN ÄNDERUNGEN IN EURER MUSIK REAGIEREN? AUCH WENN DIE 3 ALBEN UNVERKENNBAR FJOERGYN SIND, SIND SIE DOCH EXTREM UNTERSCHIEDLICH. „ERNTE IM HERBST“ WAR NOCH RECHT VERSPIELT, „SADE ET MASOCH“ WAR HINGEGEN HART… … und kalt! GENAU. UND DAS NEUE ALBUM HAT BEINAHE EINEN LOCKER-FLOCKIGEN STIL. Ja, genau. Du, ich glaube der „durchschnittliche“ FJOERGYN-Hörer mag das. Er findet das genau so lustig wie wir, weil er nie weiß, was als nächstes kommt. Und so ich damit Recht habe, wie wir das hoffen, dann ist er musikalisch aufgeschlossen, so dass er sagt: „Egal was die machen – ich glaub das macht Spaß.“ Es gab ja mal diese berühmte Diskussion über die Alben von ULVER, als sie elektronisch geworden sind. Da wurde gefragt, wie so etwas sein kann. Wenn eine Band alles ausprobiert hat und deshalb sich neu definiert und damit einen neuen Weg geht, dann finde ich das toll! Bei „Bergtatt“ haben sie bewiesen wie sich Folklore und Metal vereinen lässt, „Nattens Madrigal“ ist das unglaublichste Black Metal-Werk überhaupt, und „Kveldssanger“ fing die Schönheit der Natur und ihre Reinheit ein. Das ist einfach grandios. Da fragt man sich, was die Leute denn noch wollen? So war es nahezu logisch, dass so eine Entwicklung kommt. Und genau das könnte bei uns auch immer passieren. Die Fans reagieren bisher gut darauf. Die Magazine, das habe ich auch schon erlebt, sind teilweise anders. Es gibt da einen ganz bösen Artikel, in dem wir mit Rolf Zuckowski verglichen werden und man meine Lyrics angegriffen hat. Aber OK – es ist ein bisschen übertrieben. Ich meine, die müssen nicht jedem gefallen. Es ist nun mal meist ein simples Kreuzreimschema, was ich auch nicht schlimm finde. Aber so merkt man halt, wo sich die Leute streiten. Sei es unsere locker-fluffige Art, verträumte Melodien am laufenden Band zu bringen oder Texte in ihrem Konstrukt simpel, jedoch mit dem Versuch philosophischer Tiefe zu gestalten. Es muss halt dem Song zweckdienlich sein. Das jedoch macht es bei Jahreszeiten so schwierig, da es eben sehr viele Momente gibt – aber sie machen Spaß. Vielleicht machen wir ja auch mal was Einfaches. Das könnte auch mal passieren. WO LIEGEN EIGENTLICH DEINE MUSIKALISCHEN WURZELN? Ich zieh mir momentan eigentlich alles rein – außer Popmusik. Ich steh auf Jazz, ich kann mir auch ne Stunde lang FRANK SINATRA anhören. Ich bin ein tierischer BJÖRK-Fan, PORCUPINE TREE, KATATONIA, SECRETS OF THE MOON aber auch SHINING … die „Halmstad“ hör ich immer wieder gern. Es ist Musik, die emotional authentisch ist. Es ist dabei egal, ob es ein gutes oder schlechtes Gefühl ist, aber es muss authentisch sein. SOWEIT ICH WEISS, BETRACHTET IHR „JAHRESZEITEN“ ALS ABSCHLUSS EINER TRILOGIE. STAND DIESE IDEE SCHON VON ANFANG AN FEST? Ich denke, als ich mich am Anfang an „Ernte im Herbst“ herangesetzt habe, wusste ich nicht so richtig, dass es eine Trilogie wird, aber ich wusste, dass das Thema noch erklärt werden muss. Zur Produktion lasen Freunde die Texte und fragen, warum die Inhalte „so oder so“ sind. Sie meinten, ich könne nicht alles einfach so pauschalisieren. Und da wusste ich, dieses Gerüst muss weitergehen. Und es endet erst dann, wenn alle Seiten erklärt sind. Und das ist nun mit „Jahreszeiten“ der Fall. WÄHREND „ERNTE IM HERBST“ DIE ALLGEMEINE ZWIETRACHT ZWISCHEN NATUR UND MENSCH DARSTELLTE, GING „SADE ET MASOCH“ DOCH WEITER UND CHARAKTERISIERTE DIE PARTEIEN UND MACHTE DEN „KRIEG“ ANSCHAULICH… …es zeigt den Menschen GENAU. NUR WIE PASST DA EIN ALBUM WIE „JAHRESZEITEN“ HINEIN, WELCHES DEN MENSCH KOMPLETT AUSSEN VORLÄSST. SCHLIESSLICH HATTE „SADE ET MASOCH“ DOCH KEIN APOKALYPTISCHES ENDE? Nein, denn Ernte im Herbst hatte ja ein apokalyptisches Ende. Es kam zur Ernte, der Komponist richtet sich im Requiem selbst. Die Geschichte ist damit erzählt! Sade Et Masoch sollte als Fortsetzung nur den Menschen darstellen. Sein Ende bleibt offen… es passiert ihm ja nichts. Dort kommt das lyrische Ich das erste Mal wirklich zu Wort und erzählt, was es gesehen hat. Er hat die Geschichte der Menschen vor Augen, er erkennt den Sadismus, den Hang zur Macht und versucht nun klar zu machen, warum die Natur als solche einen Groll gegen den Menschen hegen könnte. Und Jahreszeiten ist dementsprechend das „Naturalbum“. Klar, wir haben überlegt, wie man ein solches Album konzipiert. Wir hätten auch einen Waldspaziergang nehmen können. Versuchen zu vertonen wie es ist, wenn man durch einen Wald geht. Jedoch realisierten wir relativ schnell, dass es das schon gab. Dann überlegten wir, was wir noch machen könnten. Tierstimmen gab es ja auch schon. Und da kam ich auf die Idee eben einen Jahreszeitenzyklus zu nehmen. Dabei ging es nur darum die Schönheit und Wechselseitigkeit der Natur darzustellen. Sie ist wild, sie ist roh, sie ist in sich geschlossen, sie ist immer wiederkehrend, in gewisser Weise vorhersehbar und doch stets neu. Es ging nur darum diesen Charakter zu beleuchten. Die Geschichte an sich ist durch „Ernte im Herbst“ komplett erzählt und da kann man nicht mehr viel machen. Aber genau das ist die Utopie, diese große Abrechnung. „Sade Et Masoch“ und „Jahreszeiten“ hingegen sehe ich als Fakt an. WAS KOMMT DANACH? (lacht) Also die Ideen für das neue Album stehen schon inhaltlich. Die ersten Texte sind fertig und das Konzept ist auch da. Der Name steht auf gewisse Art und Weise fest, und es wird inhaltlich gesehen für MICH eine ganz tolle Sache. Es wird wieder Leute geben, die die Nase rümpfen werden, aber dennoch, von dem was es aussagen soll, eine interessante Geschichte. Aber ich will noch nicht so viele Worte darüber verlieren. KANNST DU DIR IN DEM ZUSAMMENHANG AUCH VORSTELLEN, MAL EIN KLASSISCHES ALBUM ZU MACHEN, MIT GROSSEM ORCHESTER ODER VIELLEICHT EIN RICHTIG KLASSISCHES METAL-ALBUM? Also ein klassisches Metal-Album mache ich nicht. Aber ich hätte Lust einmal mit Jazz-Musikern zusammen zu arbeiten und mich da auszutoben. Ich würde auch gern mal eine Orchesterpartitur so konzipieren, dass sie auch von einem Orchester vorgetragen wird. Die Frage ist halt, wen interessiert’s? Klar, ich möchte mich da auch austoben, aber halt einfach nur Ideen einbringen und mit daran arbeiten, ohne dass mein Name darunter steht. Das fände ich schon toll. Aber es soll da nicht mit FJOERGYN in Verbindung stehen, da sonst nur Vergleiche kommen. Ich bin nun mal Musiker und ich finde es toll, Dinge auszuprobieren. DANKE FÜR DIESE AUSFÜHRUNG. IHR GEHT JA DEMNÄCHST AUF TOUR. WIE HÄLTST DU DA DEINE STIMME FIT? Oh Gott (lacht). Auf Tour habe ich fast immer einen Schal um, wie jetzt auch. Ich trinke ganz viel Tee mit Honig und hab Lutschtabletten dabei. Ich bin nun auch nicht der geborene Sänger … auf den Alben wird ja immer mal bemängelt, dass die Stimme nicht ist, wie sie erwartet wird. Und dieses Mal besticht ja das Album durch die Natürlichkeit – wie das Thema an sich. Ich meine, man kann eine Stimme auch „gerade“ machen, man singt es hundertmal ein bis alles stimmt oder man schneidet bestimmte Töne heraus und pitcht sie einfach. Das ist ja heute kein Problem mehr. Das wollten wir aber nicht. Eine Stimme sollte so natürlich wie möglich klingen und da gehören „Gesangsfehler“ auch dazu (lacht). Ich meine, es gibt zig alte Produktionen, ich will keine Namen nennen, aber da sind auch schräge Töne drauf. Aber ich mag das! Das finde ich stark, das ist lustig und sollte auch so sein… es ist halt natürlich! Und live auf Tour geht man dann halt zurückhaltender mit der Stimme um. Ich rauch z.B. eigentlich ziemlich viel, aber auf Tour bin ich da wesentlich sparsamer. HAST DU EIGENTLICH EINEN LIEBLINGSAUTOR? ODER WAS LIEST DU, WENN DU ZEIT HAST? WAS BEEINFLUSST DICH? Ach, weißt du, ich les gar nicht viel. Ich hab immer nur Fachliteratur gelesen. Ich habe eine Affinität für bestimmte Dichter. Ich finde Rilke unglaublich gut, ich mag Brecht. Generell mag ich gute Poesie. Aber Bücher zu nennen, die ich richtig durchgelesen habe, das ist schwierig. „Marquis De Sade“ habe ich verschlungen. Das bildete ja auch einen gewissen Einfluss für Sade Et Masoch. Aber es ist nicht so, dass ich immer ein Buch bei mir habe, dass ich immer lese, wie es beim Rest der Band ist, die eigentlich nur lesen. Bei mir ist es wirklich so, ich lebe mit meiner Musik, habe hier und da Gedichtbände, wo ich ab und mal darin schmöker und auch meinen Ur-alt Faust, den ich immer wieder gern lese. Daran bediene ich mich. Aber sonst lese ich nicht viel. Während des Studiums musste ich immer nur Fachliteratur lesen und da kam ich nicht zu anderen Sachen. Die freie Zeit galt dann der Musik. Der Vorteil meines geisteswissenschaftlichen Studiums ist, dass selbst die Fachliteratur hervorragende Inspiration sein kann. DANN BLEIBT MIR ZUM SCHLUSS NUR SAGEN: DANKE FÜR DIE ANTWORTEN… Ja, gerne! ICH WÜNSCH DIR VIEL ERFOLG MIT DEM ALBUM UND AUF TOUR. UND DIE LETZTEN WORTE GEHÖREN DIR. Tatsächlich danke ich am meisten meiner Familie und natürlich auch den Familien der anderen Bandmitglieder für ihre permanente Unterstützung. Dann möchte ich unseren Produzenten danken, die uns auch nach dem Album immer noch begleitet haben und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und vor allem danke ich den Leuten, die das Album hören, denen es gefällt, die sich herantrauen. Generell möchte ich auch Kunstliebhabern danken. Danke, dass es sie gibt, weil sie Kunst und Kultur am Leben erhalten. Denn das ist das, was mir persönlich am meisten am Herzen liegt.

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