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GENEVIÈVE PASQUIER

HALLO. WIE GEHT’S DIR? WO BIST DU? Auch Hallo! Mir geht’s gut! Danke der Nachfrage. Man sollte es kaum glauben, an meinem Computer in meinem Haus in Bayern auf diesem Planeten in diesem Universum irgendwo im Nichts. WAS FÜR AKTIVITÄTEN STEHEN GERADE BEI DIR AN? Nicht so viel, Interviews beantworten, meine Freizeit genießen, vielleicht noch ein wenig an neuen Songs arbeiten. Ach, für die, dies interessiert: Ant-Zen hat sich entschlossen, meine Vinyl-Releases als sozusagen Best of wieder zu veröffentlichen. Ich bin gerade beim remastern und neu Einsingen einiger Stücke. WER ODER WAS WAREN DEINE GRÖSSTEN KÜNSTLERISCHEN EINFLÜSSE? SIEHST DU DICH ALS TEIL EINER WIE AUCH IMMER GEARTETEN TRADITION ODER BEWEGUNG? Als größten Einfluss möchte ich natürlich meine Eltern anführen. Durch sie lernte ich doch recht früh KRAFTWERK, JEAN MICHELLE JARRE, PINK FLOYD und ähnliche Bands kennen. Na, wenn da der Weg nicht für das spätere Leben vorbereitet wurde. Man könnte sagen sie sind etwas anders. Das mehr oder weniger soziale Umfeld war sicherlich auch prägend. Und zu einem großen Teil natürlich meine Phantasie, welche mir schon zu Schulzeiten immer Ärger brachte. Und zu guter letzt mein Mann, der mir im musikalischen Sinn doch irgendwie eine neue Welt zeigte. Ich glaube nicht, dass ich irgendwelchen Traditionen entspreche oder angehöre, ein Teil einer neuen Bewegung glaube ich aber auch nicht zu sein. Das was ich tue hätte ich genauso schon vor 10, 20, 50 oder 100 Jahren gemacht, wenn dies möglich gewesen wäre. Ich zähle mich eigentlich nicht zu irgend einer Gruppierung, da mir die Einflüsse oder der gewisse Zugang zu Szenen oder derartigen Verbindungen immer gefehlt hat. Und dies möchte ich eigentlich auch in Zukunft so beibehalten. BEFINDET SICH DEINER MEINUNG NACH DIE MOMENTANE MUSIKSZENE IN EINER KRISE? Krise? Global gesehen eher nein. Szenebezogen vielleicht. Wenn ja, dann hat es diese selbst verschuldet. Mit zu vielen und zu schlechten Releases in den letzten Jahren, hat man den Musikern und den Hörern gleichermaßen den Spaß verdorben. Es ist eben doch zu einfach geworden mit dem Computer schnell mal selbst was raus zu brennen und als Release zu verscherbeln. Schuld sind jene Musiker die jeden Monat eine CD rausscheißen, so dass unter all den tausenden Veröffentlichungen man die wirklich guten Sachen nur noch mit Müh und Not finden kann. Es gibt einfach keinen funktionierenden Filter mehr, der die Spreu vom Weizen trennt. Aber um jetzt wieder etwas seriöser zu werden, jeder der Lust hat Musik zu machen soll dies auch tun. So ist der Lauf der dinge, alles verändert sich. Vielleicht zum Guten. Vielleicht zum Schlechteren. WAS BEDEUTET DER BEGRIFF „NEU“ IN BEZUG AUF MUSIK FÜR DICH? Neue Musik gibt es nicht! Sie bleibt eigentlich immer gleich. Nur die Zeit und die Instrumentation ändern sich. Alles war schon mal da, und wenn man genau hin hört, findet man schnell die Parallelen. Schon in der Klassik gab es abstrakte Kompositionen, die Futuristen in den 20ern,etc.. Und jeder lässt sich beeinflussen, jeder! WIE SIEHST DU DAS VERHÄLTNIS VON SOUND ZU KOMPOSITION? Ohne das eine, auch nicht das andere. Ein Geräusch, oder ein Ton bleibt es nur solange, wie es einzeln bleibt. Zwei Geräusche oder Töne sind schon eine Minimale Komposition. Was man daraus macht und wie komplex man es arrangiert, bleibt dabei jedem selbst überlassen. Oder möchte hier irgend jemand wiedersprechen? INWIEFERN TRENNST DU KOMPOSITION VON IMPROVISATION? Komponieren an sich ist eine Art der Improvisation. Man fängt mit einem Ton an, und baut darauf auf. Ich versuche mit verschiedenen Instrumentationen, Tonfolgen und Harmonien eine Stimmung zu erzeugen, die meine gegenwärtige wiederspiegelt. Oder ich fange mit einer bestimmten Thematik an und lege mir danach die Geräusche, Texte usw. zurecht, die diese am besten wiederspiegeln. Bei mir ist Musik machen ein Ausdruck, eine Art Gefühl, das ich zu Ton bringe. Wirklich gezieltes Komponieren setzt eine gewisse Gefüehhlskaerlilte vorrrrrrrabauuus aa b aa b aa d b aaaa bb aaaa bb a b d aa b aa b aa bbbbbbbbb dd b a bb dd … Mein Gott wär das langweilig! WAS MACHT EINE GUTE LIVE PERFORMANCE AUS UND WIE IST DEINE GRUNDSÄTZLICHE HERANGEHENSWEISE AN KONZERTE? Eine gute Live Performance stellt die Musik visuell so gut wie möglich dar. Wenn ich ein Konzert besuche, will ich, dass auf der Bühne was passiert, das mich in den Bann zieht. Und ein Konzert sollte immer ehrlich sein. Für meine Musik sollte ein Hintergrundvideo Untermalung und Unterstützung sein aber nicht der alleinige Träger der Musik. Ich konzentriere mich bei Konzerten sehr auf meine Stimme, kleine Bewegungen, Mimiken, welche die Musik begleiten. Ich bin kein Mensch der großen Gesten Da wir viel auch live machen, können sich die Stücke anders anhören, und da wären wir wieder bei der Improvisation. Das Gesamtbild ist entscheidend MANCH EINER DENKT, DASS NEUE, RADIKALE ANSÄTZE DES KOMPONIERENS KAUM NOCH MUSIK ZU NENNEN SIND. WAS IST DEINE MEINUNG DAZU? GIBT ES EINE GRENZE? Meiner Meinung nach ist alles, was mit Geräuschen und Klängen zu tun hat in irgend einer Weise Musik. Man kann es Klangkunst, experimentelle Musik nennen. Es gibt immer einen Hörer, der es für sich als Musik sieht und wenn’s nur der Komponist selbst ist. Musik kennt keine Grenzen, nur der menschliche Verstand und die Toleranz des selbigen. E- UND U-MUSIK – WORTHÜLSEN ODER SINNLOSE TRENNUNG? Alles nur leere Worte. Seriöse Musik, oder Bekannte, Erfolgreiche… Das ist doch nur eine Frage des Image und der Werbung. Kleidung, Video, Label etc. sind hier sehr hilfreich. Gesellschaftlich gesehen zieht sich die Grenze der seriösen, ernsthaften Musik bei den Akademikern. Die Bekannte (Unterhaltungs-) Musik bleibt in den Charts. Und die gute Musik? Wer Weiß? FÜHLST DU DICH ALS KÜNSTLER IRGENDWEM VERPFLICHTET AUSSER DIR SELBST? MUSS MUSIK IN EINEM ÜBERGEORDNETEN KONTEXT STEHEN ODER REICHT ALLEIN DER UNTERHALTUNGSFAKTOR? Die Kunst und Musik ist eine freie Ausdrucksform Es sollt alles erlaubt sein, aber nicht zur Propaganda verwendet werden. WAHR ODER FALSCH: MAN MUSS MENSCHEN DIE MUSIK LEHREN/ ERKLÄREN, BEVOR SIE SIE RICHTIG WERTSCHÄTZEN KÖNNEN Da die grundlegenden Dinge der Erziehung sich zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr Einprägen, ginge das ganze ja schon in Richtung Beeinflussen des Unterbewusstseins. Ob das der richtige Weg ist, glaube ich nicht. Ich bin jedoch dafür, in einem gewissen Alter, in dem sich die eigene Meinung bildet jedem die Möglichkeit zu geben sich über alle vorherrschenden Musikrichtungen zu informieren. Die Errungenschaft des Internet macht dies schon gut möglich, jedoch sollte auch in Schulen die Bildung über Mozart und Beethoven hinaus gehen. Nur selten lernt man etwas über zeitgenössische Musik und diese endet dann auch beim Jazz oder Pop. Der Musikunterricht hinkt eigentlich immer 50 Jahre hinterher. Schade! NEHMEN WIR AN, ES GÄBE ÜBERHAUPT KEIN COPYRIGHT MEHR UND JEDER KÖNNTE BENUTZEN, WAS ER WOLLTE. WÄRE DAS EINE VERBESSERUNG GEGENÜBER DER AUGENBLICKLICHEN SITUATION? Ob der Copyright aufgehoben wird oder nicht, ändert nicht viel. Entweder wir treten auf der Stelle oder es gibt noch mehr schlechte Coverversionen. Gewisse Basics zu nutzten ist an sich eine schöne Sache, verführt aber leider dazu, einfach altes noch mal in anderer Form zu machen. Aber für den Underground ist es eigentlich egal. Hier interessiert es recht wenig, ob man einen Herbert Grönemeyer die Noten klaut oder nicht. STELL DIR VOR, DU WÄREST PROGRAMMDIREKTOR EINES FESTIVALS. WELCHE BANDS WÜRDEST DU EINLADEN? Wenn dies möglich wäre, würde ich eine Mischung bevorzugen. Doris Day begleitet von den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, SPK in der Originalbesetzung von 1981 mit der möglichen Instrumentation von heute, JEAN MICHEL JARRE mit Equinoxe, FRANK SINATRA sollte auch nicht fehlen. Ahh… da könnte man ins schwärmen geraten… VIELE KÜNSTLER TRÄUMEN VON EINEM/ IHREN „MAGNUM OPUS“. HAST DU EINE AHNUNG, WIE DEINES AUSSEHEN KÖNNTE? Es wäre zu schön die alten Aufnahmemöglichkeiten wie Röhren Micros, Röhren Verstärker etc. zu nutzen. Mein Traum eines Epos wäre eine perfekte Mischung aus 20er Jahre Chanson-Gesang mit dem Impulsiven Rock ’n’ Roll der 50er Jahre und der Vielfalt der zerstörerischen Frequenzen der schon vorhandenen Instrumente mit eventuellen Neuzugängen. In einem atemberaubenden Kleid auf einer großen Freilichtbühne. Einfach den geballten wunderschönen, intensiven Gesang mit der enorm geladenen Rhythmik und den einfach genialen Gitarren des Rock mit der kompletten Kraft der Zerstörung. Hiermit zu arbeiten wäre ein Traum. Die gesamte Bandbreite aller Instrumente und Stilrichtungen zu erforschen, zu experimentieren und alles auszuschöpfen und so neues zu kreieren und sich total in einer neuen Welt zu verlieren. Liebliche Klänge, die sich selbst zerstören so wie ich.

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