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HEAVEN SHALL BURN (MAIK WEICHERT)

MIT DER „LEITMOTIV“-DOKUMENTATION AUF IHRER DVD „BILDERSTURM: ICONOCLAST II (THE VISUAL RESISTANCE)“ HABEN HEAVEN SHALL BURN FANS UND JOURNALISTEN GANZ SCHÖN AUFS GLATTEIS GEFÜHRT UND EINDRUCKSVOLL BEWIESEN, WIE MANIPULIERBAR DOCH VIELE MENSCHEN DURCH DIE MEDIEN SIND. WIR TRAFEN NUN DEN GITARRISTEN MAIK WEICHERT IM RAHMEN DER „DARKNESS OVER X-MAS TOUR 2009“ AM MONTAG, DEN 28.12.2009, BEI IHREM HALT IN DER HERFORDER DISKOTHEK „X“ AN EINEM ORT, AN DEM ER QUASI NICHT ANDERS KANN, ALS UNS DIE WAHRHEIT ZU SAGEN, UND ZWAR IN DER UMGEBUNG EINES BEICHTSTUHLS (SIEHE FOTO). TROTZ DER KURZEN ZEIT DANK VERSPÄTUNG BEIM EINLASS UND DEM ZU FRÜHEN BEGINN DER VERANSTALTUNG HABEN WIR TROTZDEM UNSER MÖGLICHSTES VERSUCHT, DIE BANDBREITE UNSERES BREITGEFÄCHERTEN FRAGENKATALOGS IN DER KÜRZE DER UNS GEGEBEN ZEIT BESTMÖGLICH ABZUDECKEN. THEMEN U.A.: DAS WEIHNACHTSFEST, DAS NEUE ALBUM, KOCHREZEPTE UND DAS JAHR 2009 IN DER RETROSPEKTIVE: LEST SELBST! ALEX: HALLO MAIK UND VORAB SCHON EINMAL VIELEN DANK, DASS DU DIR NOCH SCHNELL ZEIT FÜR EIN PAAR ANTWORTEN NIMMST. WIR WOLLEN AUCH GLEICH DIREKT ANFANGEN. IHR SEIT JA NUN SCHON SEIT ZWEI TAGEN AUF DER DARKNESS OVER X-MAS TOUR – WIE IST ES, DIE FEIERTAGE ÜBER NICHT MIT SEINER FAMILIE ZU HAUSE SONDERN MIT DEN KOLLEGEN IM TOURBUS UND AUF DER BÜHNE ZU VERBINGEN? Also in Deutschland findet ja „Weihachten“ eh eher Heiligabend statt, von daher. Den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sitzt man dann meist eh vor dem Fernseher oder ist mit Süßigkeiten essen beschäftigt (lacht) ALEX: HABT IHR EUCH INNERHALB DER BAND WEIHNACHTLICH BESCHENKT ODER GENERELL INTERN EINE BESCHERUNG GEHABT? Hmm… also ich glaub’ der Alex [Alexander Dietz, Gitarrist – Anmerkung des Redakteurs] hat mir gestern ein paar alte Socken rüber geworfen… (kollektives lachen) …aber ich glaube das war nicht als Geschenk gemeint (lacht). Nee, also das eigentlich nicht. Es war ja auch okay, sich Heiligabend mal nicht zu sehen, wir waren ja auch die ganzen Tage vorher schon im Studio zusammen. So hat dann jeder Mal ein bisschen sein Ding gemacht. TINA: GIBT ES DENN SCHON PERSÖNLICHE VORSÄTZE FÜR DAS KOMMENDE NEUE JAHR? Ich will wieder ein bisschen mehr Sport machen. Wir haben die ganzen Jahre viel Volleyball gespielt, auch richtig in einer Mannschaft, und sind auch immer viel schwimmen gewesen und so. Das hat man dieses Jahr alles immer nur so ab und zu machen können, wegen Songs schreiben und auch wegen meiner Doktorarbeit, die ich noch schreibe und deshalb viel in der Bibliothek rumgesessen habe. Da ist das alles halt ein wenig flöten gegangen. Ich bin ja zum Glück nicht fett geworden (lacht), aber es fehlt einem schon so ein bisschen. ALEX: KANNST DU AN DIESER STELLE VIELLEICHT WAS ÜBER DAS THEMA DEINER DOKTORARBEIT VERRATEN? Also mein Thema ist „Kunstfreiheit im Verfassungsrecht der DDR“. ALEX & TINA: OH, DAS KLINGT SCHON MAL EINDRUCKSVOLL. Ja, Jura halt (lacht). Ich habe Jura studiert und mache da jetzt dann den Doktor. ALEX: WÄRE DAS DENN AUCH ETWAS, WAS DU SPÄTER ABSEITS DER MUSIK DIR VORSTELLEN KÖNNTEST? Also ich hätte schon Lust, dann an der Universität zu bleiben und da dann mit den Studenten zu arbeiten. So direkt Anwalt eher nicht. Aber das könnte ich mir schon vorstellen, man kann ja nicht nur Rock ’n’ Roll machen, das ist ja dann auch langweilig. TINA: ABER NOCH WIRST DU JA HOFFENTLICH DER MUSIK IN DER JETZTIGEN FORM TREU BLEIBEN. GIBT ES DENN SCHON KONKRETE PLÄNE FÜR SILVESTER UND VIELLEICHT AUCH SCHON GENERELL FÜR DAS NÄCHSTE JAHR? Also im nächsten Jahr werde ich dann sicher gleich schon mit unserem anderen Gitarristen Alex zusammen wieder ins Studio wandern, ganz straight am 2. Januar, und da dann weiter Gitarren aufnehmen für die neue Platte. Da haben wir schon zwischen der Tour mit IN FLAMES [Taste of Chaos-Tour 2009] und dieser Tour jetzt in Dänemark die Drums aufgenommen und sind jetzt grad dabei, die Gitarren drauf zu machen – das wäre also erstmal der Plan. Und zu Silvester, das wird ganz ruhig, nur mit ein paar Kumpels was kochen, also nicht großartig wegfahren oder so. ALEX: KÖNNT IHR DENN SCHON IRGENDWAS VERRATEN ZU DEN NEUEN AUFNAHMEN? KANN SCHON SAGEN, OB UND WENN IN WELCHEN PUNKTEN ES SICH VOM BEREITS BEKANNTEN MATERIAL ABHEBT? Ich glaube es ist noch ein bisschen aggressiver geworden und vielleicht auch ein kleines bisschen elektronischer. Aber ansonsten wird man auf jeden Fall erkennen, dass da HEAVEN SHALL BURN im CD-Player liegt, es wird keine riesige Stiländerung geben… ALEX: IHR MACHT JETZT KEINEN SCHLAGER? (lacht) Nein! TINA: STEHT DENN SCHON EIN TITEL FEST, ODER SEIT IHR DA NOCH AM ÜBERLEGEN? Nee, das noch nicht, da sind wir noch am überlegen. Ich schreibe zwar fleißig Texte, aber auf einen Titel haben wir uns noch nicht festgelegt. Da warte ich immer auf eine Eingebung; irgendwann steht man morgens auf und hat dann eine Idee – aber das war bislang noch für die neue Platte noch nicht der Fall. ALEX: EBEN HAST DU JA SCHON DIE VERGANGENE TOUR MIT IN FLAMES UND AUCH KILLSWITCH ENGAGE ANGESPROCHEN; IM VERGLEICH ZU DER TOUR JETZT UND UNTER DEM GESICHTSPUNKT, DASS RELATIV WENIG ZEIT DAZWISCHEN LIEGT, GIBT ES DA NEBEN DEM BILLING WESENTLICHE UNTERSCHIEDE? Ja, also es war natürlich alles eine Nummer größer, statt 1400 waren auch mal 4000 Leute an einem Abend da – und das ganze war natürlich noch ein Stück professioneller, obwohl das hier ja auch schon sehr professionell ist. Bei dieser Tour sind wir eine der größeren Bands, bei der anderen waren wir eher so im Mittelfeld: natürlich IN FLAMES, eine riesengroße Band, und dann halt wir zusammen mit KILLSWITCH ENGAGE irgendwo da drunter. Aber es hat aber auch enormen Spaß gemacht, mit KILLSWITCH waren wir schon so ewig nicht mehr unterwegs und haben uns auch schon lange nicht mehr getroffen. Der Mike von KSE [Mike D’Antonio, Bass] hat ja das Cover für unsere erste Platte gemacht, also den kennen wir ja auch schon ewig – das war halt mal wieder echt cool. ALEX: WAS BESPRICHT MAN DANN MIT DENEN, WENN MAN MAL JETZT EINEN VERGLEICH ZIEHT ZU Z.B. CALIBAN, MIT DENEN IHR JA SCHON FAST REGELMÄßIG TOURT? Na ja, also wenn man sich jetzt mit CALIBAN unterhält, die ja nun auch zu unseren wirklich guten Freunden gehören, mit denen man auch unter der Woche telefoniert, dann unterhält man sich natürlich über viel detailliertere Dinge als mit jemanden, mit dem man über Jahre vielleicht mal ne E-Mail geschrieben hat. Da muss man erstmal auf den neuesten Stand kommen, wie viel Kinder wer hat, wer mit wem zusammen ist und wer jetzt wo wohnt (lacht). Man muss erstmal wieder die ganz groben Eckpunkte zusammensuchen, damit man weiß, wo man sich befindet. TINA: WIE IST ES DENN, WENN MAN JETZT BEI EINEM SICH WIEDERHOLENDEN EREIGNIS AUFTRITT WIE BEI DER DIESER DARKNESS OVER X-MAS TOUR, BEI DER IHR JA BEREITS IN DER VERGANGENHEIT SCHON MAL DABEI WART, ODER BEISPIELSWEISE AUCH WACKEN – IST MAN DA BESONDERS AUFGEREGT ODER EBEN DURCH DIE VERGANGENEN ERFAHRUNGEN VIELLEICHT SOGAR WENIGER? Also das ist schon unterschiedlich, viele bei uns in der Band sind echt noch aufgeregt vor jedem Auftritt. Bei mir ist es so, dass ich mir da gar nicht so viel Gedanken mache. Bei so einem Abend wie heute zum Beispiel, da weiß ich, dass da so viele Leute drum herum sind, die ihren Job super machen, der Lichtmann z.B. oder der Soundmann. Wenn ich da scheiße baue, dann fällt das nicht so ins Gewicht (lacht). Da ist man schon ein wenig abgebrühter; und wenn man weiß, dass da draußen Fans und Freunde warten wie bei Konzerten, wie es heute Abend wieder eins ist, dann wird einem das auch verziehen, wenn mal irgendetwas schief geht. Das ist schon etwas anders, als wenn man in Wacken vor 70.000 Metallern spielt, die einen größtenteils noch nie gesehen haben, man also das erste Mal seine Visitenkarte abgibt. Dann ist man schon… positiv angespannt, „aufgeregt“ würde ich nicht sagen, aber eben halt doch angespannt. ALEX: MACHT DENN EIGENTLICH DAS KONZEPT EINER TOUR, WIE JETZT IN DIESEM FALL DARKNESS OVER X-MAS, EINEN UNTERSCHIED FÜR EUCH AUS, IM GEGENSATZ ZU EINER – IN ANFÜHRUNGSSTRICHEN – „NORMALEN“ TOUR? Ich finde es sehr reizvoll, dass es nur so wenige Konzerte sind. Das ist das, was Spaß macht. In diesen Tour-Trott zu kommen, ist halt echt immer schwer, genau so natürlich da auch wieder raus zu kommen, wenn man drei Wochen oder so nur auf Tour ist. Deswegen machen wir eigentlich fast nur noch Touren, die kürzer als drei Wochen sind, das macht dann am meisten Spaß. Man freut sich auf zuhause, die Tour hängt einem nicht zum Hals raus – so wird halt gut die Waage gehalten. Das ist so das besondere daran. Auch dass das so jetzt die Zeit ist, wo die Leute auf den Konzerten auch relaxter sind. Man hat frei gehabt und ist jetzt froh, das in der freien Zeit zwischen den Feiertagen mal wieder ein bisschen was passiert, weil es ja auch generell ein Tourzeitraum ist, in dem die amerikanischen Bands z.B. nicht touren, weil die alle zuhause sind – deshalb ist da nicht so ein Konzert-Overkill, wie es manchmal im Herbst ist oder im Frühling ist. Da weiß man ja oft gar nicht, wo man denn nun überall hingehen soll. TINA: WO WIR GERADE ÜBER TOUREN UND AUFTRITTE SPRECHEN, WIE IST ES EIGENTLICH ZU EUREM JA NUN AUCH NICHT GERADE TYPISCHEN EINHEITLICHEN BÜHNENLOOK GEKOMMEN UND WIE ENTSCHEIDET IHR, OB JETZT EIN EINHEITLICHER LOOK GETRAGEN WIRD, ODER EBEN NICHT? Also entscheiden tun wir das wirklich eher nach Lust und Laune. Manchmal denken wir halt, wie beim Wacken, „okay, jetzt müssen wir uns mal schick machen, weil das jetzt schon was ganz besonderes ist“ (lacht). Aber generell ist die Idee mal aufgekommen, weil ja schon recht viele Bands einheitlich in schwarz auftreten und das schon ziemlich bekloppt aussieht, wenn auf einer schwarzen Bühne dann auch noch schwarz gekleidete Typen rumhampeln. Wenn das mit Beleuchtung ist, wie heute Abend, dann geht es ja noch. Aber bei einem Open Air, wo die Bühne eh schwarz ist bei Tageslicht und die Band läuft dann in der gleichen Farbe rum…das sieht schon komisch aus. Und da wollten wir uns halt ein bisschen abheben. Wir hatten erst an blaue Hemden gedacht, da fühlte sich unser Drummer, der ja so der älteste bei uns ist, aber so an die blauen Hemden der FDJ in der DDR-Zeit erinnert (lacht)… TINA (KOMMT GEBÜRTIG AUS SACHSEN-ANHALT): DIE PIONIER-KLAMMOTEN… (lacht) Ja, genau: „Pionier-Klamotten“ (lacht). Naja, da haben wir halt gedacht „Hmm, das kann es auch nicht sein.“ Dann hatten wir mal rote Polo-Shirts, da sagte aber unser Bassist wieder „Die sehen aus wie die, die ich auf der Arbeit als Ergotherapeut immer anziehen muss“ – also wie die Berufskleidung in der Praxis, in der er arbeitet. So haben wir uns dann auf die Hemden geeinigt, weil das eigentlich schöner aussah. Die haben wir dann ja auch nicht immer an, wir hatten ja auch schon anthrazitfarbene – es sieht halt einheitlicher aus, als wenn man so aussieht wie jemand, den man grad so von der Straße oder aus dem Publikum gezerrt hat. Wobei wir solche Shows ja auch schon mal spielen, wenn uns danach ist. Da im „Bastard Club“ in Osnabrück ja zum Beispiel [im Vorfeld der Show in besagtem Club hatten wir Maik ja bereits schon einmal als Interview-Gast], wo es mit irgendwie 200 Leuten eine eher kleinere Show ist, da wäre es schon komisch, sich da so in Schale zu werfen. TINA: DU HAST JA EBEN AUCH KURZ EURE BERUFE ANGESPROCHEN – AUF EURER DVD GEHT IHR JA VÖLLIG ANDEREN NACH ALS IN WIRKLICHKEIT. WIE SEID IHR AUF DIE TEILWEISE JA SCHON RECHT AUSGEFALLENEN IDEEN GEKOMMEN UND WIE WAR DAS FÜR EUCH? Also das war schon echt witzig. Wir haben ja die ganzen Video-Beiträge alle einzeln gedreht und waren dabei nie alle zusammen, so haben wir dass dann später erst alle im Zusammenschnitt gesehen, was die anderen so gemacht haben. Ich wusste zwar Ali [Alexander Dietz] macht da was in den Feen-Grotten als Führer oder so (lacht), aber als ich dann später gesehen habe, was wirklich dabei rauskam, da hab ich echt Tränen gelacht! Die Idee war ganz einfach, dass wir eine Doku machen wollten für die DVD, hatten aber nicht die Zeit, alles so wirklich aufzurollen. Die ganze Historie und so – das wäre ein Riesen-Aufwand geworden, da hätte man sicher ein Jahr für gebraucht und einen Dokumentar-Filmer, der immer alles aufnimmt und man hätte Interviews machen müssen… Wir haben uns dann einfach gedacht: „Scheiß drauf, zeigen wir den Leuten mal lieber, wie manipulativ die Medien sein können und setzen den Leuten irgendwelchen Quark vor. Da haben sich ja auch schon viele Journalisten höllisch blamiert und ernsthafte Fragen zu dieser Doku gestellt (lacht). Es war wirklich witzig! ALEX: DAS KONZEPT IST JA AUCH WIRKLICH GUT AUFGEGANGEN. Aber wirklich, das hat schon gut geknallt. ALEX: DEINEN KOLLEGEN ALEX HAST DU JA SCHON ANGESPROCHEN. ER PRODUZIERT JA IM MOMENT VIEL, WENN ER NEBEN SEINEN FÜHRUNGEN DURCH FEEN-GROTTEN MAL ZEIT FINDET… – BRINGT ER DANN WIEDERUM BEI EUREN SCHREIBPROZESSEN IDEEN MIT REIN, DIE ER DABEI VIELLEICHT BEI ANDEREN BANDS AUFGESCHNAPPT HAT ODER DAZU INSPIRIERT WORDEN IST? Also Alex ist eher so der Produzent, das Schreiben der Songs übernehme eigentlich ich. Ab und an sagt er dann schon mal „hier hab ich mal so eine Keyboard-Melodie gehört oder da passt der Gitarrensound besser“ – aber das hat dann gar nicht so sehr mit dem Songwriting an sich zu tun. Dafür kommt er aber auch schon mal an und sagt „Boah, hier, die Band war geil und die haben einen coolen Sänger, da hab ich dieses und jenes ausprobiert, das können wir auch mal machen“, also das schon auf jeden Fall. TINA: WO WIR GERADE BEI IDEEN SIND – AUF DER DVD GIBT ES JA DIE „ONLINE BANDPROBE“, DIE JA, WIE ES DER TITEL AUF DER DVD SCHON SAGT, UNPLUGGED WIRKT. KÖNNTET IHR EUCH ERNSTHAFT VORSTELLEN, UNPLUGGED ZU AGIEREN? Bei uns wäre das mit dem Gesang dann ein Problem, man kann unplugged ja nicht schreien (lacht). Wenn man einen „richtigen“ Sänger hat, könnte man das sicherlich machen, aber so… Deshalb wird das leider nicht klappen, aber da hätte ich schon Bock drauf. ALEX: DAS JAHR NEIGT SICH JA NUN DEM ENDE ZU, UND DA ES JA DOCH EIN SEHR EREIGNISREICHES JAHR WAR, WÜRDEN WIR GERNE NOCH SCHNELL EINEN KLEINEN JAHRESRÜCKBLICK MACHEN, WENN DU MAGST. Ja klar. ALEX: SEHR GUT. DANN FANGEN WIR DOCH EINFACH MAL MIT DEINEM PERSÖNLICHEN EREIGNIS 2009 AN, WAS HAT DICH DA AM MEISTEN PERSÖNLICH BEWEGT IN DIESEM JAHR? Das war jetzt am 22. Dezember, da ist meine Oma 100 Jahre alt geworden. ALEX & TINA: OH, UNSERE BESTEN GLÜCKWUNSCHE! Danke. Es schon ein cooler Tag, sie ist auch wirklich noch sehr fit für ihr Alter, sie macht auch noch einen Haufen Sachen und so. Die liebe ich auch wirklich über alles, meine Oma, das war wirklich ein richtig, richtig cooles Ereignis. ALEX: WAS SAGT SIE DENN SO ZU DEINER MUSIK? Ja, also das versteht sie natürlich. Sie hat irgendwann mal was von uns gehört und dann auch gefragt, warum dass immer so verräucherte Stimmen sein müssen (lacht). ALEX: OKAY (lacht). WAS WAR DENN ALLGEMEIN FÜR DICH DAS EREIGNIS 2009, DAS SO GESELLSCHAFTLICH ODER POLITISCH PASSIERT IST ODER SONST GROß IN DEN MEDIEN ETC. WAR? Ich fand es sehr beeindruckend, dass die deutsche Bevölkerung über die Weltwirtschaftskrise jammert und dann CDU und FDP wählt. (kollektives lachen) Das fand ich schon sehr komisch. ALEX: DURCH „WELTWIRTSCHAFTSKRISE“ KOMMEN WIR AUCH GLEICH SCHON ZUR NÄCHSTEN KATEGORIE: DAS „UNWORT“ 2009 – WAR DAS VIELLEICHT FÜR DICH EBENFALLS DAS WORT „WELTWIRTSCHAFTSKRISE“? Also für mich ist es eher „Wettskandal“ – weil ich Fußballfan bin! TINA: ÜBER FUSSBALL KOMMEN WIR JA LEIDER AUCH ZUM „DRAMA 2009“ – DER TOD VON ROBERT ENKE? Also das natürlich! Er ist ja auch in Jena geboren und hat dort auch lange gespielt, der FC Carl Zeiss Jena ist ja auch mein Lieblingsfußballverein; insofern hat das die Leute dort auch besonders mitgenommen. Was ich aber noch viel krasser finde ist dieser Widerhall, den dieser Selbstmord gefunden hat. Es hat ja wirklich, so blöd das klingt, den Zeitgeist getroffen. Es gibt so viele junge Leute, die sich ausgelaugt und ausgelutscht fühlen und nicht mehr voran kommen, die nicht so (!) schlimm krank sind, wie es Robert Enke war, es aber trotzdem auch verstehen und nachvollziehen können. Jeder hat da auch irgendwo sich selber wiedererkannt und fühlte sich quasi aus der Seele gesprochen. Insofern hat das schon einen Flächenbrand hervorgerufen; aber das ist auch schon wieder vorbei und jetzt geht es weiter: jeder rennt wieder am Montag auf die Arbeit und lässt sich da eins vom Chef auf den Deckel geben. ALEX: AUSSER AN DIESEM MONTAG, HIER GIBT ES JA HEUTE MUSIK AUF DEN DECKEL. DARUM JETZT AUCH DIE FRAGE NACH DEINEM ALBUM 2009, BEI WELCHER SCHEIBE WÜRDEST DU SAGEN: „DIE IST ES DIESES JAHR GEWESEN“? „Privilegivm“ von SECRETS OF THE MOON – das hat mir sehr, sehr gut gefallen! TINA: BLEIBEN WIR IN DIESER KATEGORIE: DEIN FESTIVAL ODER AUFTRITT 2009? Also das war Wacken auf jeden Fall, das war eigentlich überwältigend, hat echt Spaß gemacht! ALEX: DA KANN MAN ALSO MAL WIEDER HIN? Ja klar, immer gerne! Aber man muss sich natürlich auch immer wieder etwas einfallen lassen. Wir haben ja beim Wacken erst in einem Zelt angefangen, dann die Party Stage, jetzt die Hauptbühne – mehr kann man da schon eigentlich nicht erreichen. Da ist dann schon die Gefahr sehr hoch, dass man das nächste Mal enttäuscht wird. ALEX: APROPOS „ENTTÄUSCHT“ – WEN HÄLST DU FÜR DEN ODER DIE VERLIERER DES JAHRES 2009 BZW. FÜR DEN ODER DIE GEWINNER? Verlierer des Jahres sind auf jeden Fall viele Staaten in der Südsee, wie z.B. die Malediven, Tuvalu oder die Fidschi-Inseln, die jetzt bei der Klimakonferenz wieder eins auf den Deckel bekommen haben von den Industrie-Nationen. Also die zähle ich da zu den großen Verlierern. Ansonsten sind Verlierer eigentlich permanent über die ganze Südhalbkugel verteilt, die in Armut gehalten wird. Da kann ich auch immer gar nicht klein denken. In vielen Interviews werde ich auch gefragt „Denkst du, dass die Welt noch zu retten ist?“ oder so, und dann sage ich immer: „Was ist das für eine bescheuerte Frage?! Für zwei Drittel der Erdbevölkerung ist die Welt schon lange untergegangen!“ Die sitzen da in einem Haufen Dreck und wissen nicht, was sie ihren Kindern zu essen geben sollen – für die gibt es keine Welt mehr, die man retten kann. ALEX: ICH FINDE DAS WIR DAS ALS SCHLUSSPUNKT GUT SO STEHEN LASSEN KÖNNEN. ALS ABSCHLUSS, BEVOR MAN HIER DANK DEADLOCK NICHTS MEHR VERSTEHEN KANN: DU HAST UNS JETZT BRAV HIER AUF FRAGEN GEANTWORTET – WENN DU DEN SPIEß UMDREHEN KÖNNTEST, WAS WÜRDEST DU AN UNSERER STELLE JETZT NOCH SCHNELL FRAGEN? Was gibt es für vegane Weihnachtssüßigkeiten? (kollektives lachen) Oder was würdet ihr kochen, wenn ihr euren veganen Freund oder Kumpel zum Weihnachtsessen einladet? TINA: ICH HATTE MIR JETZT ZU WEIHNACHTEN BEI „ALLES-VEGETARISCH.DE“ SO EINEN PILZBRATEN BESTELLT… …Oh, der ist super! Das ist aber auch das Beste, was es gibt. Da hast du aus Zufall gleich das Beste geordert! Ich habe Jahre gebraucht um herauszufinden, dass gerade dieser Pilzbraten am besten ist. Der ist doch von „Wheaty“, oder von „Viana“? TINA: „WHEATY“. Ja genau, der ist super. Aber mit ein bisschen Mühe findet man auch in den normalen Supermärkten ein paar Sachen, die gut sind. ALEX: WIR SIND JETZT NACH SILVESTER AUCH BEI FREUNDEN EINGELADEN, WO WIR UNS DANN WRAPS MIT GEMÜSE MACHEN, ABER SONST – ICH DENKE EIN TYPISCHES WEIHNACHTSESSEN BEKOMMT MAN VEGAN NUR SCHWER HIN, ODER? Ja, mit nem Pilzbraten, Thüringer Klößen und Rotkraut, so wie es das bei uns gibt, da kannst du schon was mit anfangen (lacht). MIT DIESEM FESTTAGSSCHMAUS VOR AUGEN UND DER DARAUS RESULTIERENDEN HEISSHUNGERATTACKE BEDANKEN WIR UNS NOCH EINMAL BEI MAIK FÜR DAS GESPRÄCH, EHE WIR NUN DEN KÜHLSCHRANK PLÜNDERN. GUTEN HUNGER!

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