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HERTZINFARKT (DIANA/ JAN)

ICH MÖCHTE HEUTE MEINE INTERVIEWPARTNER VON DER GRUPPE HERTZINFARKT BEGRÜSSEN, AUF DIE ICH DURCH ZUFALL IN MYSPACE GESTOSSEN BIN. LAUT EURER MYSPACE SEITE HABT IHR EINE INTERESSANTE HISTORIE (FALLS SIE STIMMT), ABER AM BESTEN ERZÄHLT IHR SELBST ETWAS ÜBER EURE MUSIKALISCHE VORGESCHICHTE UND WIE ES ZU HERTZINFARKT KAM. Diana: Die Entstehungsgeschichte auf unserer Seite ist natürlich etwas überzogen dargestellt. Natürlich gab es keine Castingcouch (lacht). Die Gründung des Projektes entstand ehrlich gesagt aus einer Laune heraus ohne konkrete Vorstellungen und Pläne. Jan und ich kannten uns flüchtig aus Kindertagen, hatten dann aber viele Jahre keinen Kontakt mehr zueinander. Wir trafen uns dann zufällig bei einem gemeinsamen Freund wieder, kamen u. a. auf das Thema Musik zu sprechen und erkannten: Jan macht Musik, ich singe – warum also nicht das Ganze kombinieren. Jan brachte daraufhin seinen Laptop mit zu mir, auf dem sich bereits die ersten Spuren von dem Song „Wir trauen uns was“ befanden. Der ganze Abend war eine einzige Blödelei mit unglaublichen Lachanfällen und ohne ernsthaften Hintergrund. Wir merkten sofort, dass wir Spaß an der Sache haben, gut harmonieren und das einfach mal fortführen wollen – zu der Zeit ohne Blick auf das damals uns noch unbekannte MySpace. Jan: Ursprünglich hatte ich auch eher eine Parodie auf Elektro-Bands im Kopf. Daher stammen auch der Name Henne: Schwertwal und der „etwas bemühte Bandname“ [Sonic Seducer]. „Wir trauen uns was“ haben wir dann auch direkt für zwei uns bekannte Bands geschrieben, die ich hier jetzt nicht nennen werde. Wir haben versucht, das Ganze so arrogant wie möglich zu texten. Komischerweise fand uns trotzdem niemand wirklich doof (lacht). Merkwürdig. Eigentlich vermuteten wir, mit dem Song anzuecken. EURE MUSIK KANN MAN ALS LEICHTEN SYNTHPOP BESCHREIBEN, ICH MÖCHTE EUCH ABER NICHT IN SCHUBLADEN STECKEN, ERZÄHLT LIEBER AM BESTEN SELBER, WIE UND WO IHR EUCH STEHEN SEHT? HABT IHR AUCH SPEZIELLE VORBILDER? Diana: Wenn ich uns selbst einordnen müsste, dann wäre es wohl Electro-Pop. An einem bestimmten Stil klammern wir uns jedenfalls nicht wirklich. Ich kann nur sagen, dass wir nach dem Motto „erlaubt ist, was gefällt“ handeln – verbiegen wollen wir uns nicht. Lieblingskünstler auf jeden Fall – Vorbilder eher nicht. Jan: Vorbilder habe ich auch keine und ich weiß auch nicht so recht, wo ich unsere Musik einordnen soll… als „irgendwie elektronisch halt“ würde ich uns jetzt spontan mal bezeichnen. Oder meinetwegen auch „Synthpop“, „Elektropop“ oder wie auch immer… 🙂 WIESO SCHREIBT IHR DIE SONGS NUR IN DEUTSCH, WOLLT IHR AUCH MAL WAS ANDERES AUSPROBIEREN? Jan: Wieso? Klingt doch gut! 🙂 Diana: Find ich auch! Ich mag die deutsche Sprache und ich kann mich in Deutsch einfach besser ausdrücken und das vermitteln, worum es in unseren Songs geht. Alles andere würde bei mir wohl in wilden Wörterbuchblättereien enden und letztendlich gezwungen klingen. Ich denke, in Deutsch sind wir einfach am authentischsten. DIANA, ICH HATTE DAS GEFÜHL, DASS MICH DEINE STIMME ETWAS AN DIE SÄNGERIN VON ROSENSTOLZ ERINNERT? WURDEST DU AUCH SCHON MIT DERLEI VERGLEICHEN KONFRONTIERT ODER WAS MEINT IHR? Diana: Ja, das wurde mir tatsächlich schon mal gesagt. Ob man uns stimmlich vergleichen kann, mag ich allerdings nicht beurteilen. Ich wird beim nächsten ROSENSTOLZ-Song mal genauer hinhören! 🙂 BETREIBT IHR NEBEN HERTZINFARKT NOCH ANDERE PROJEKTE? WENN JA STELLT SIE DOCH AUCH MAL VOR UND BESCHREIBT SIE ETWAS NÄHER. Jan: Ernsthafte Projekte? – Nein. Spaßprojekte, die nach ein oder zwei Songs schon wieder gestorben sind? – Ja, massenhaft! (lacht) Da ist aber nichts Erwähnenswertes dabei. Vielleicht wird SPEKTRUM 12 ja mal was Ernsthaftes, wenn es GROSS ist – mal schauen. Diana: Ich singe nebenbei noch in einer Band namens LOST NOTES, bestehend aus 2 Gitarristen, einem Schlagzeuger und mir als Sängerin. Die Songtextschreiberei hierfür habe ich allerdings nicht übernommen – das hat mir Herr Schwertwal verboten! (lacht). IHR SCHEINT AUCH VIELE REMIXE BZW. KOOPERATIONEN EINZUGEHEN. WAS MEINT IHR DAZU UND WAS SIND DIE NÄCHSTEN PROJEKTE? Diana: Für mich ist es immer wieder spannend zu sehen, wie andere Bands unsere Songs umsetzen und natürlich auch ihren Stil einfließen lassen. Interessant war und ist für mich noch immer der erste Remix („Illusion“), der von der Band DIE PERLEN gemacht wurde. Dieser wich komplett vom Original ab. Aus einer eher gemächlichen Synthienummer wurde eine schnelle, punkige Version gestrickt. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt! Jan: Ich finde Remixe toll, aber ich selbst habe dafür kein großes Talent. Deswegen überlasse ich das lieber anderen. Inzwischen kann ich sogar damit leben, wenn der Remix besser klingt als unser Original. 🙂 WIE GEHT IHR BEIM „MUSIK MACHEN“ VOR, SPEZIELLE VORGEHENSWEISE? WAS FÜR EIN EQUIPMENT BENUTZT IHR UND WAS SIND EURE LIEBLINGE UNTER DIESEN? Diana: Jan ist sozusagen meine Inspirationsquelle. Ich habe vorher nie einen bestimmten Text oder eine Gesangsmelodie im Kopf – das alles entsteht erst, wenn ich die Musik höre. Jan: Ja, es fängt mit einer simplen Songidee an. Meistens sind das nur ein paar Takte. Ein Beat, ein Bass, irgendein „Synth-Geklimper“ oder auch mal nur ein schöner Effekt. Was auch immer es ist, es wird auf ein paar Takte gestreckt und dann an Diana gemailt und sie entscheidet, ob ihr dazu ein Text und eine Gesangsmelodie einfallen könnte oder nicht. Wenn ja, strecke ich dieses Songfragment auf unsere übliche Länge mit zwei oder drei Strophen. Diana textet, singt ein und ich arbeite anschließend die Musik weiter aus. Danach mische ich zwei Monate, verzweifle an meinen schlechten 50-Euro-Philips-Stereoanlagen-Lautsprechern und lade das Lied einfach so wie es vorher war hoch. (lacht) Produziert wird das Ganze in Cubase mit fast ausschließlich Freeware-VST-Synths (z. B. dem von mir hochgeschätzten Synth1). Aktuell kommt aber auch unser Microkorg zum Einsatz, wenn auch nur für ein paar Effekte hier und da. Haha… eigentlich wollte ich das ja gar nicht verraten…jetzt werden Einige sicher behaupten, sie hätten das ja schon immer rausgehört, dass das gar keine echten analogen Synths sind (lacht). Ach ja, fast vergessen, einzige Ausnahme: „Wir trauen uns was“ entstand nicht in Cubase sondern in Renoise (falls es jemanden interessiert ). HABT IHR ÜBERHAUPT VOR EINEN PLATTENVERTRAG ZU BEKOMMEN ODER BAHNT SICH SCHON WAS AN? WIE SIND DIE NÄCHSTEN SCHRITTE? Jan: Och ja, das wäre schon nicht schlecht, so ein Plattenvertrag. 🙂 Allerdings muss ich auch zugeben, dass wir uns bisher nicht sonderlich darum bemüht haben bzw. eher gar nicht. Wir warten mal ab, ob sich von selbst was ergibt. Das hat bisher bei anderen Sachen (Compilationbeiträge, Auftritte) auch ganz gut geklappt. Auf jeden Fall haben wir inzwischen genug produziert, um eine CD zu füllen. Diana: Ja, wir warten einfach mal ab – darin sind wir ja Meister! 🙂 ERZÄHLT MIR DOCH BITTE NOCH EINEN KLEINEN EINDRUCK VON DER AKTUELLEN SZENE UND DEN AUGENBLICKLICHEN ABSATZSCHWIERIGKEITEN DER PLATTENFIRMEN. Jan: Ich bin jetzt nicht so der Szene-Kenner muss ich sagen, aber wenn ich mir die aktuellen Compilations anhöre, entdecke ich wenig Interessantes oder Neues. Meistens habe ich beim ersten Hören den Gedanken: „Super Sound, super produziert… aber Moment… das klingt doch wie…“ Schon mehrfach gehört und irgendwie auch langweilig. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur einen komischen Musikgeschmack. Ich weiß es nicht. Diana: Das Ding ist wohl, dass Musik heutzutage schnell und einfach produziert werden kann. Ob das positiv zu sehen ist, steht auf einem anderen Blatt. Auf MySpace beispielsweise schießen fast täglich neue und auch zum Teil sehr kreative Projekte aus dem Boden und ich denke, es wird somit einfach immer schwerer, sich von der Masse abzuheben. ICH BIN ÜBRIGENS VON DEM DESIGN EURER MYSPACE SEITE BEGEISTERT, MACHT IHR DIE SELBER? WAS HALTET IHR EIGENTLICH VON MYSPACE, WIE SIND EURE ERFAHRUNGEN? Jan: Tatsächlich? Das Design ist meiner Meinung nach ja nun nicht sooo toll. Vielleicht mal eine andere Hintergrundfarbe als Schwarz? Ein frisches Steingrau vielleicht? Ursprünglich haben wir das mit einem Editor gemacht und auch jetzt machen wir nur allerkleinste Änderungen durch Editieren des CSS-Textes. Die Seite komplett selber mit CSS gestalten könnte ich wohl, aber ich habe da ehrlich gesagt keine große Lust drauf. So ein Editor ist dann doch bequemer. Was unsere Erfahrungen mit MySpace angeht: MySpace ist an allem schuld. (lacht) Die Entscheidung, ob wir das Projekt HERTZINFARKT überhaupt ernsthaft weiterverfolgen wollen oder nicht, wurde uns quasi von der (für uns) überraschend positiven Resonanz bei MySpace abgenommen. Dass „Wir trauen uns was“ so gut angekommen ist bzw. ankommt, erstaunt mich noch immer. Diana: Meiner Meinung nach ist MySpace im Großen und Ganzen eine gute Sache, um auch als kleines und unbekanntes Projekt Gehör zu finden, Kontakte zu knüpfen und Rückmeldungen zu erhalten. Ich springe ganz gern durch die MySpace-Welt und bin immer wieder beeindruckt, was für kreative Köpfe vor allem ohne Plattenvertrag dort rumschwirren. Für mich persönlich auch schön zu sehen, dass sich immer noch genug Menschen für „Untergrundmusik“ interessieren und auch begeistern können und nicht nur auf der aktuellen Chart-Welle mitschwimmen. Jan: Genau! menschenverachtende Untergrundmusik! Yeah! (lacht) IHR HABT AN DIESER STELLE NOCH DIE MÖGLICHKEIT, ETWAS ZU EUREN FANS ZU SAGEN. WAS WOLLT IHR DER WELT MITTEILEN? UND WAS WIRD BEI EUCH AUF DEM WUNSCHZETTEL FÜR DEN WEIHNACHTSMANN STEHEN? Diana: An dieser Stelle erwartet man vermutlich ein DANKESCHÖN… und ehrlich gesagt, fällt mir nichts anderes ein, als dies zu sagen. 2007 war für uns ein Jahr voller Überraschungen und Erfahrungen. Wir hatten eine Menge Spaß und es hätte meiner Meinung nach nicht besser laufen können. Hierfür sind eine Menge Leute verantwortlich, die uns unterstützt und angespornt haben. Diese alle zu nennen, würde wohl den Rahmen sprengen. (lacht) Auf den Wunschzettel setze ich mal neue Monitor-Boxen 🙂 Jan: Ja, schön gesagt. Ach und die Monitore bitte dann an mich. Danke! 🙂 EIN GROSSES DANKESCHÖN AN HERTZINFARKT UND UM EINEN EINDRUCK ZU ERHALTEN KÖNNT IHR AM BESTEN AUF WWW.MYSPACE.COM/HERTZINFARKT EIN PAAR SACHEN ANHÖREN.

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