Interview Filter

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE (BONY/CHRISTOF)

HI! WIE GEHT ES EUCH? WO SEID IHR GERADE? Bony: Prima. Bin gerade im Plattenladen und täusche Arbeit vor, während ich tatsächlich dieses Interview mache. TUT MIR LEID FÜR DIE VERSPÄTUNG IN SACHEN INTERVIEW! WIE LÄUFT ES DENN GERADE MIT DEM NEUEN ALBUM? JETZT, WO IHR DIE SCHEIBE EIN WENIG AUS DER DISTANZ BETRACHTEN KÖNNT: WIE ZUFRIEDEN SEID IHR NOCH MIT IHR? Christof: Wir sind jetzt erst richtig zufrieden. Bony: Frag mich kurz vor der nächsten Platte noch mal. DIE KRITIKEN ZU „HARDCORE AUS DER ERSTEN WELT“ SIND JA FAST AUSNAHMSLOS (ODER SOGAR AUSNAHMSLOS?) SEHR POSITIV BIS EUPHORISCH. WAR DAS NICHT IRGENDWIE EINE ÜBERRASCHUNG FÜR EIN EIGENTLICH DOCH RECHT EXTREMES ALBUM? Christof: Die Kritiken aus dem Underground sind positiv bis euphorisch – wir sind ja auch eine Undergroundband. Wie die größeren Blätter unsere Platte finden, bzw. ob sie sie überhaupt besprechen, bleibt noch abzuwarten. Bony: Ich glaube sogar, dass wir in den großen Mags ziemlich abkacken werden. Zumindest hoffe ich, dass der Hammer uns satt macht. So ein altes Kackmagazin. WENN ICH DAS RICHTIG VERSTANDEN HABE, HAT SICH DIE GRUNDLEGENDE VORGEHENSWEISE FÜR DAS ALBUM NICHT GEÄNDERT. GAB ES DENNOCH EINE UNAUSGESPROCHENE MAXIME, ETWAS NEUES, WAS IHR EUCH VORGENOMMEN HATTET? Bony: Hingehen, machen, wieder weggehen. Sich im Vorfeld zu viele Gedanken zu machen, führt eh nur zur Unzufriedenheit mit dem Endergebnis. EIN BONUS DER FRÜHEN TAGE WAR SICHERLICH, DASS IHR TUN UND MACHEN KONNTET, WAS IHR WOLLTET. HABEN SICH JETZT, DA IHR EINE KLEINE, ABER DEVOTE GRUPPE FANS AUFWEISEN KÖNNT UND EINEN EINDEUTIGEN, ERKENNBAREN JAKA-STIL ENTWICKELT HABT, NICHT DOCH GEWISSE ERWARTUNGSHALTUNGEN EINGESCHLICHEN? GIBT ES IRGENDETWAS, AUF DAS IHR VERZICHTEN WÜRDET, WEIL ES NICHT ZU DEM BILD VON JAKA PASST? Christof: Nein. Wir wollen uns etwaigen noch größeren Erfolg auf jeden fall weiterhin selbst verdienen, einzig und allein durch die Kunst. Besser gesagt: Auch weiterhin soll sich alles einfach so ergeben ohne Gepushe und übermäßige Propaganda. Wir stehen auf echte Fans und nicht auf Herangezüchtete. Wir würden also darauf verzichten, dass man unsere Musik beim Kauf irgendeines anderen Produktes gratis mit dazu bekommt. JaKa ist kein Pop, und deswegen bei den Bastardizern sehr gut aufgehoben. Bony: Eine Erwartungshaltung haben wir vor allem gegenüber uns selbst. Wir machen so lange dran rum, bis man JaKa draufschreiben kann. Das kann manchmal ein wenig dauern. Das Schöne bei JaKa ist, dass (von melodischem Gesang mal abgesehen) alles möglich ist. Wir könnten auf der nächsten Platte auch ein 10minütiges Flügelhorn-Intermezzo unterbringen. Unsere Anhänger würden zumindest immer noch versuchen, es zu verstehen. GAB ES DENN IM VORFELD ZU DEN AUFNAHMEN IRGENDWELCHE PROBEN? IN WIE WEIT IST JAKA IM LAUFE DER JAHRE ZU EINER RICHTIGEN „BAND“ GEWORDEN? Bony: Ja, es gab tatsächlich Proben, wenn auch nicht all zu viele. Früher hat Christof sich auf dem Weg zum Proberaum in der Straßenbahn Drumparts ausgedacht, diese aufgenommen und hinterher dem Klaus gegeben, damit der Riffs drüberbrät. Die „Fertigmensch“ und die neue CD sind zum Großteil im Proberaum entstanden. Wir behalten uns aber immer noch musikalische Überraschungs-Eier vor. Die Riffs zu „Es lernt sich von selbst“ und den beiden sehr kurzen Songs („Was meinst du“ & „Im Schlafanzug zu Plus“) entstanden erst im Studio, als die Drums schon eingespielt waren. Es muss ja auch für uns ein wenig spannend bleiben. WAS MIR BESONDERS POSITIV AUFFIEL WAR, DASS DIE SAMPLES BEI EUCH BEDEUTEND ORGANISCHER IN DEN GESAMTKONTEXT INTEGRIERT WERDEN ALS BEI DER KONKURRENZ UND DAS AUSGANGSMATERIAL VIELFÄLTIGERER NATUR IST. GINGEN EUCH DIE GANZEN HORRORFILMAUSSCHNITTE ALLMÄHLICH AUF DIE NERVEN? Christof: Die Horrorfilmausschnitte bei Mortician zum Beispiel? Nein. Wir wollen nur anders sein. Auch nicht. Wir sind anders. Das JaKa Image bildet die Realität ab. Die Samples, die Texte, die Artworks, auch dieses Interview sind absolut 1 zu 1. wir brauchen weder Satan noch Horror. Die Realität ist schon hart genug, um zu unserer Musik zu passen. GEHE ICH EIGENTLICH RECHT IN DER ANNAHME, DASS EUER VERSTÄNDNIS VON GRIND UND MUSIK IM ALLGEMEINEN SICH NICHT DARUM DREHT, „SCHNELLER HÖHER UND WEITER“ ZU KOMMEN, ALS UM EINE MUSIK, IN DER ALLES MÖGLICH UND ERLAUBT SEIN SOLL? Christof: Genau. Im Grind darf man alles, und genau darauf kommt es uns an. Wir geben aber zu, musikalisch sind wir am ehesten eine Deathmetalband. Bony: Wenn man nur Wert darauf legt, schneller zu spielen und tiefer zu grunzen als die anderen, wirkt sich das schnell negativ aufs Songwriting aus. IHR HABT EUCH, UM MAL BEI DIESEM THEMA ZU BLEIBEN, VIEL MÜHE GEGEBEN, DIE PLATTE VIELSEITIG UND GERADE IN DER PRODUKTION ABWECHSLUNGSREICH (DARF ICH VIELLEICHT SOGAR „BUNT“ DAZU SAGEN?) ZU GESTALTEN. WAR ES EUCH WICHTIG, DIE EWIGEN KLISCHEES UND DAS ETWAS TRISTE VIELER DEATH-METAL UND GRIND-VERÖFFENTLICHUNGEN HINTER EUCH ZU LASSEN? Christof: JaKa-Platten sind so wie ich mir Deathmetal-Platten immer gewünscht habe. Bunt sind sie, aber nicht zu bunt. Geschmack und Bewusstsein sind wichtig für die Stilprägung. Finde ich jedenfalls. Bony: Was nützt eine halbe Stunde permanentes Hasenfick-Tempo, wenn sich dass schon nach 8 Minuten abgefrühstückt hat. Ich möchte immer die Platte machen, die ich mir selber kaufen würde und die ist eben abwechslungsreich. MANCHMAL HAT DIE MUSIK SOGAR EINEN LEICHT „PROGRESSIVEN“ TOUCH. HÖRT IHR ETWA HEIMLICH SYMPHONISCHEN METAL ODER GAR JAZZ? Christof: Metal eigentlich kaum. Ja, progressiv sind JaKa-Platten auch. Aber auch hier muss man wissen, wann es gut ist, damit der Groove nicht verloren geht. Mit vielen Breaks was nettes basteln und gleichzeitig noch ins Ohr gehen können, das finde ich schön. Man muss was zu erleben haben, das Tanzbein soll aber auch zucken. Bony: Ich war letztens mit unserem Homepage-Archivar beim Rush-Konzert in Oberhausen. Die zählen ja auch als „prog“. Aber ich höre weder Jazz noch Symphonic Metal, eigentlich gar keinen Metal. Wie Christof schon sagte: um was zu erleben, muss man mal die sichere Seite des 4/4 Taktes verlassen. IHR HALTET EUCH JA AUCH GANZ GERNE IN ETWAS LANGSAMEREN GEFILDEN AUF. WEIL EUCH DIE PUSTE AUSGEHT ODER WEIL DIE MID-TEMPO PARTS MEHR DRUCK ERZEUGEN? Christof: Weil Diversifikation nicht schlecht ist, will man was Buntes zaubern. Bony: Druck erzeugt man nicht mit permanenter Geschwindigkeit. Der heftigste Part der Platte ist meiner Meinung nach der letzte Teil von Abflussbestattung, welcher auch gleichzeitig der langsamste ist. Dass uns die Puste ausgeht, merken wir erst immer live, aber dann ist es ja schon zu spät. „DU BIST MEIN RITALIN“ HÄTTE MIT EINEM ANDEREN ARRANGEMENT MEINER MEINUNG ZU SO WAS WIE EINEM KLEINEN HIT WERDEN KÖNNEN. WIE KAM ES ZU DIESEM ATMOSPHÄRISCHEN ZWISCHENSTÜCK? Christof: Aus liebe. oder aus dem was davon nicht übrig bleiben sollte. Keine Ahnung. Bony: Haben wir uns keine Gedanken drüber gemacht. Hat für uns in dem Moment gepasst. Es war keine vorgegebene Verweigerungshaltung. Hits können aber weiterhin von Nightwish oder den Guano Apes geschrieben werden. NUTZT IHR EIGENTLICH DIE LANGEN PAUSEN ZWISCHEN DEN RIFFS AM ANFANG VON „ES LERNT SICH VON SELBST“ ZUM AUFS-KLO-GEHEN ODER WER KAM AUF DIE IDEE, HIER SOLCHE LÖCHER EINZUBAUEN? Bony: Die ersten drei Songs auf der „Hardcore…“ sind ja alles ziemliche Klopper. Da kann man danach ruhig mal kurz durchlüften. Ich zumindest find’s gut. Christof: Ich fand es witzig, wo wir doch zwischen den Songs nahezu keine Luft lassen, mal mitten drin pausen rein zu bauen. Hat doch sicher auch bei dir für erhöhte Aufmerksamkeit gesorgt… anscheinend. DEN TEXT ZU „ABFLUSSBESTATTUNG“ HABT IHR MIT EDDING AUSGEMARKERT, UM KLEINE KINDER NICHT ZU VERSTÖREN. WO SETZT IHR FÜR EUCH DIE GRENZE, WENN ES UM RADIKALITÄT GEHT? Christof: Bei realen Abbildungen von Gewalt, zu derben Splattertexten, Natursekt und Kaviar. IN EINEM INTERVIEW MIT EUCH HABE ICH GELESEN, DASS IHR NOCH IMMER KEIN GELD MIT DER BAND MACHT. HAT SICH DAS INZWISCHEN GEÄNDERT? HAT SICH EURE URSPRÜNGLICHE EUPHORIE DEM INTERNET ALS VERTRIEBSKANAL GEGENÜBER INZWISCHEN ABGENUTZT ODER WARD IHR DIESBEZÜGLICH IMMER SCHON SKEPTISCH? KÖNNTET IHR EUCH ÜBERHAUPT VORSTELLEN, JAKA QUASI VOLLZEIT ZU MACHEN? Bony: Nie und nimmer. Wenn man anfängt, mit so was seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, kommen Konflikte auf. Dann streitet man sich um Geld, und wer was wo wie viel beigesteuert hat. Das ist genau das, worum es bei JaKa NICHT geht. Wir machen das alles aus Liebe. Platten aufnehmen und live spielen ist schön, so lange es aus freiem Willen und nicht aus Zukunftsängsten geschieht. JaKa ist ein großer Lebensinhalt aller Bandmitglieder, aber eben nicht der komplette EURE INTERNETSEITE HAT EIN WIRKLICH UNVORSTELLBAR GUT AUSGEBAUTES ARCHIV – IST DAS DER JÄGER UND SAMMLER IN EUCH, DER SICH ZU KENNEN GIBT? Christof: Der Sammler heißt Hofi und ist ein Kumpel von mir. Hauptberuflich Englischlehrer. Bony: Das alte Zeug ist immer noch geil. Warum soll man das den Leuten nicht umsonst anbieten? HAT EIGENTLICH JEMALS EINE GRÖSSERE PLATTENFIRMA BEI EUCH AN DER TÜR GEKLOPFT UND MIT DEM VERTRAG GEWEDELT? UND: WAS WÄRE WENN? Christof: Keine Ahnung. Wir sind bei Bastardized sehr zufrieden und prüfen deswegen bei Angeboten nicht nach wie groß eine Firma ist. Sollten Bastardized irgendwann mal zu groß werden, finden wir sicher schnell wieder ein kleines, zu uns passendes Label, höhö. JaKa machen alles selber und brauchen kein super finanzstarkes Label im Rücken. Werbungsmäßig reißen sich die Bastardizer den Arsch auf, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Artworks, Anzeigen, Poster, Flyer, T-Shirts und sogar Videoclips machen wir selbst und umsonst in unserer Küchenwerkstatt. Das Booking übernehmen die Fans bis jetzt selber. Wie gesagt, wollen wir keine eingekauften Fans. Wir wollen mit viel guter Laune und Action am eigenen Gesamtkunstwerk basteln – und das ist bei Bastardized möglich. WAS STEHT BEI EUCH JETZT ALS NÄCHSTES AN? EUER COVER-ALBUM? Bony: Ja. Erst machen wir noch ’ne Split 7″ mit „Das Krill“, dann das Coveralbum, dann den nächsten regulären Longplayer. Ist alles für 2005 geplant. Aber wenn wir was planen, kommt hinten eh meist was ganz anderes bei raus. Nimm uns also nicht beim Wort.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE auf terrorverlag.com