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MISS PLATNUM

HAST DU HEUTE SCHON ETWAS VON BIELEFELD GESEHEN ODER BLIEB KEINE ZEIT DAZU? Ich bin ziemlich spät aufgestanden und bin deshalb nur kurz im Ravensberger Park gewesen, der hier ja gleich um die Ecke ist. DEINE MUSIK HAT UNVERKENNBAR BALKANISCHE EINFLÜSSE, ENTHÄLT ABER AUCH EINE GROSSE PORTION SOUL. WIE WÜRDEST DU DEINEN STIL SELBST BESCHREIBEN? Ich glaube man kann es schon unter dem Begriff „Balkan-R n B“ ganz gut zusammenfassen, aber natürlich ist da noch viel mehr drin. Ich denke auch Hip Hop. Balkan ist ja ein sehr weiter Begriff. Er umfasst sowohl traditionelle rumänische Musik als auch moderne Balkaneinflüsse. Manche sagen auch, dass sie in meiner Musik Dancehalleinflüsse hören. Das habe ich selbst noch nie so richtig wahrgenommen, aber das ist wahrscheinlich wegen der ganzen Bläserlines so. SEIT DER VERÖFFENTLICHUNG DEINES AKTUELLEN ALBUMS „CHEFA“ LAUFEN DEINE VIDEOS AUF DEN MUSIKSENDERN. WIE HAST DU DICH GEFÜHLT, ALS DU DICH DAS ERSTE MAL IM FERNSEHEN GESEHEN HAST? Das fühlt sich natürlich erst einmal ein bisschen komisch an, aber glücklicher Weise kannte ich das Video ja schon vorher (lacht). Ich bin auch bei der Bearbeitung und dem Schnitt der Videos dabei. Aber man denkt schon immer, dass man vieles hätte besser machen können. Und man hat im Nachhinein immer neue Ideen. Aber das ist ja auch das Spannende daran. Beim nächsten Video kann man quasi noch einmal von vorne anfangen und etwas Neues ausprobieren und in eine andere Richtung gehen. Aber es ist schon komisch. Meine Stimme zu hören, daran bin ich schon länger gewöhnt und mit den Videos und auch Fernsehauftritten in Talkshows oder so, das ist schon komisch. Aber ich denke man gewöhnt sich daran und ich glaube wenn man ganz entspannt bleibt, dann ist das auch eigentlich ganz cool. ES IST DOCH AUCH IN GEWISSER EINE BESTÄTIGUNG FÜR DICH, ODER? Ja, natürlich ist es Bestätigung. Aber es ist natürlich am Anfang komisch, dass das Interesse an der eigenen Person so groß ist. Weil man macht ja Musik und will Songs schreiben und dann wird man plötzlich gefragt, ob man einen Freund hat, wo man wohnt und so weiter. Da muss man halt gucken, dass man trotzdem sich sein Privatleben irgendwie bewahrt. Aber ich glaube, dass kriege ich mittlerweile ganz gut hin. WIE FÜHLT ES SICH AN ALS VORBAND FÜR SO EINEN GROSSEN ACT WIE DIE FANTASTISCHEN VIER ODER SEED ZU SPIELEN? FÄLLT DIR DAS SCHWER, WEIL DICH VIELE ZUSCHAUER NICHT KENNEN, ODER SIEHST DU DAS EHER ALS HERAUSFORDERUNG AN? Ich sehe es auf jeden Fall als Herausforderung und auch als ganz große Chance an. Denn als Newcomnerband, wie ich es ja immer noch bin, hat man eben normaler Weise nicht die Gelegenheit vor 12000 Leuten in einer großen Halle zu spielen. Deswegen ist es eine ganz große Chance, die man auf jeden Fall als Herausforderung nehmen sollte und versuchen das Beste daraus zu machen. Ich hatte sehr viel Glück, dass mir trotz meines Vorgruppenstatus nie etwas Unangenehmes passiert ist, wie etwa, dass Leute gebuht haben. Die Leute haben uns immer sehr gut aufgenommen und gerade hier auf der Tour mit den FANTASTISCHEN VIER merke ich, dass es von Konzert zu Konzert besser wird. Ich glaube so was spricht sich auch rum bei den Fans und dann wissen sie, wer ich bin. Ich kann es ja auch verstehen, dass die Leute, die auf ein Konzert gehen, die Hauptband sehen wollen. Aber unsere Aufgabe ist es eben, die Leute aufzuheizen und für den Hauptact eine gute Stimmung zu machen. Bis jetzt funktioniert das sehr gut. BIST DU VOR KONZERTEN NERVÖS ODER HAST DU GENERELL KEIN LAMPENFIEBER? Vom Lampenfieber ganz befreit bin ich nicht. Bei mir äußert sich das nicht mehr so wie früher, dass meine Stimme weg bleibt oder ich den Text vergesse. Aber natürlich bin ich vorher angespannt und konzentriert. Und ich habe auch gerne eine Stunde vorher ein bisschen meine Ruhe und schminke mich dann und ziehe mich um. Danach kann ich dann auch loslassen und feiern, aber vor dem Konzert bin ich schon angespannt. DU BIST ALS KIND MIT DEINEN ELTERN VON RUMÄNIEN NACH DEUTSCHLAND GEKOMMEN. FÜHLST DU DICH MEHR ALS DEUTSCHE ODER EHER ALS RUMÄNIN? Ich fühl mich wirklich als beides. Wenn ich in Deutschland bin, dann fühle mich deutsch. Aber wenn ich in Rumänien bin, fühle ich mich auch rumänisch und merke immer wieder, dass es mit total gut tut da zu sein und auch regelmäßig dort zu sein. Bis jetzt habe ich es jedes Jahr geschafft, mindestens einmal da zu sein und das ist mir schon wichtig. Ich bin ja auch mit der Sprache aufgewachsen, spreche mit meinen Eltern immer noch regelmäßig rumänisch. Es ist schon so, dass die Kultur, das Essen und auch die Mentalität mir schon sehr vertraut sind. Ich bin mit acht Jahren nach Deutschland gekommen und habe deshalb auch nicht alles vergessen, sondern das ist schon noch alles in meinem Kopf und das finde ich auch ganz gut. Trotzdem würde ich nicht sagen, ich bin zerrissen. Ich vereine beides. In dem Europa, wie es sich gerade entwickelt und auch gerade im multikulturellen und sehr freien Berlin ist das ja auch ok. HAST DU IN DEINER HEIMAT VIELE BEFREUNDETE MUSIKER, ZU DENEN DU VIEL KONTAKT HAST? Nee, das versuche ich gerade aufzubauen. Das Album öffnet mir gerade auch in Rumänien ziemlich viele Türen, es erscheint dort auch und die Single ist sehr gut gelaufen, war sogar in den Top Ten. So langsam kann ich da auch Fuß fassen. Musikalisch ist das für mich total spannend, weil ich mich schon eher an England oder Skandinavien orientiere, was Musik angeht. Ich versuche jetzt aber auch vor allem für das nächste Album Kollaborationen mit rumänischen Musikern zustande zu kriegen. Ich denke, da wird einiges passieren. Auf dem aktuellen Album habe ich das ja auch schon gemacht, aber das waren ja eigentlich nur zwei Musiker. DU HATTEST BEI DER „LADY OF SOUL“, JOCELYN B. SMITH GESANGSUNTERRICHT. WAS HAT SIE DIR MIT AUF DEINEN WEG ALS SÄNGERIN GEGEBEN? Sie hat mir viele Sachen nicht nur über den Gesang, sondern vor allem auch über das Business beigebracht. Sie hat mich vor Sachen gewarnt. Natürlich will man das dann in dem Moment nicht hören, dass ist dann so wie eine Mutter, die sagt „Nein, du darfst nicht“, oder so. Aber sie hat eine sehr bodenständige Einstellung und die habe ich glaube ich auch ganz gut übernehmen können durch sie. Ich wusste, es beutetet Arbeit, Sängerin zu sein. Es geht nicht, dass man irgendwohin geht und entdeckt wird. Sondern man muss sehr viel selbst erarbeiten und klein anfangen. Sie hat mir immer gesagt, dass ich ein großes Talent habe, aber dass man auch gucken muss, was man machen will und wo man hin möchte. Ich hätte ja auch eine ganz andere Richtung einschlagen können. Früher habe ich ganz viel Backgroundgesang gemacht und das hat mir auch anfangs sehr viel Spaß gemacht. Aber man muss sich trotzdem fragen, was man machen will und wo man hin möchte. Am Anfang wollte ich mich als Musiker nicht selbst verwirklichen, sondern ich wollte einfach nur singen. Daraus ist ja jetzt viel mehr entstanden. Jocelyn hat mir Mut gemacht, mir aber auch gleichzeitig gesagt, dass es Zeit braucht und dass man nichts überstürzen sollte und gerade so mit Plattenverträgen, Managern vorsichtig sein muss.

SCHREIBST DU DEINE SONGS UND TEXTE SELBST ODER ARBEITEST DU MIT EINEM PRODUZENTEN UND DEINER BAND ZUSAMMEN? Ich schreibe meine Songs selber. Die Platte habe ich mit den zwei Produzenten „The Krauts“ gemacht. Es waren auch meine eine Backgroundsängerin und der Schlagzeuger meiner Band beteiligt. Es ist schon alles sehr familiär und greift auch in die Band ein. Die Bläser haben zum Beispiel auch ein paar Sachen beigesteuert. Aber es war schon so, dass es eine Studioplatte ist, und alles live anders ist. Es ist ja auch schön, dass sich alles live noch einmal weiterentwickeln kann. Wir überlegen, wie wir das beim nächsten Album machen. DEIN ALBUM HEISST „CHEFA“. WAS BEDEUTET DAS GENAU? Ja, das heißt auf Rumänisch Chefin. Es wird allerdings eigentlich mit „s“ geschrieben. Zum besseren Verständnis hier in Deutschland habe ich es aber dann bewusst so geschrieben. Irgendwann haben meine Produzenten und meine Band mich wirklich so genannt. Erstmal habe ich darüber gelacht und sie gefragt, warum sie das machen. Aber sie haben dann immer gesagt, dass ich doch eine gute Chefin wäre. Irgendwann fing ich dann auch an, Gefallen an diesem Namen zu finden und fand das für das Album ganz passend. Natürlich auch für das Bild, was ich als Musikerin, als Frau, in diesem Geschäft verkörpere. WIE BIST DU ZU DEINEM KÜNSTLERNAMEN „MISS PLATNUM“ GEKOMMEN? Der Name sollte einfach nur ein schillernder, großer, glänzender Name sein, von dem Edelmetall Platin abgeleitet. Er spielt natürlich auch ein bisschen mit diesem R n B und Hip Hop Ding, diese Bling-Bling-Attitüde. Die gibt es sowohl in diesem Kontext als auch in Rumänien, wie in meinem Song „Mercedes Dance“ zu hören ist. Deswegen Miss Platnum, das passt irgendwie ganz gut. IN DEM SONG „GIVE ME THE FOOD“ SINGST DU GEGEN DAS ALLGEMEIN HERRSCHENDE SCHÖNHEITSIDEAL VON DER DÜRREN FRAU, DIE STÄNDIG AUF DIÄT IST. WOLLTEST DU DAMIT EIN ZEICHEN SETZEN UND JUNGE MÄDCHEN UND FRAUEN MUT ZUSPRECHEN? Nee, diesen Sinn hatte es eigentlich nicht. Ich habe diesen Song wirklich nur geschrieben, weil ich meine eigenen Erfahrungen damit gemacht habe. Also nein, eigentlich habe ich nur geschrieben, weil ich gerne esse und weil ich Spaß daran habe und es scheiße finde, dass man das nicht mehr darf. Gerade wenn man in einem Video rum rennt. Es war aber die erste Single von mir und als ich darüber nachgedacht habe, diesen Song als Single zu veröffentlichen, habe ich schon gedacht, dass das für Gesprächsstoff sorgen wird. Im Nachhinein wurde es dann so ein bisschen ausgelegt, dass das so geplant war und ich die neue Sprecherin für die etwas Dickeren bin. Finde ich aber auch ok, denn ich finde es gut, dass dieser Aspekt mal wieder angesprochen wird und es da eine Normalisierung gibt. Ich finde es schon sehr extrem, in welche Richtung das gegangen ist. Früher war es überhaupt kein Thema. Aretha Franklin und Ella Fitzgerald waren super Sängerinnen, da hat keiner gesagt, dass die ein paar Pfunde zu viel haben. Die Leute haben sich das gerne angehört und angeguckt und da gab es überhaupt keine Diskussionen. Jetzt wundert sich ja jeder, wenn man gestern einen Schokoriegel gegessen hat. Das ist einfach Quatsch. Meiner Meinung nach ist das alles ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Ich mache ja nicht Musik, weil ich Model sein will. DU SINGST IN DEM SONG UNTER ANDEREM „GIVE ME NO FRUIT IF YOU LOVE ME“. HABEN SICH DENN DEINE PARTNER AUCH IMMER DARAN GEHALTEN? Ich habe einen Freund, der das natürlich total abfeiert, wie ich aussehe. Ich bin halt so, wie ich bin. Man findet sich ja zusammen und da gehören natürlich auch noch andere Dinge als die Kurven oder das Aussehen, sondern auch was in einem drinsteckt und ob die Chemie stimmt, dazu. Da gab es eigentlich nie eine Diskussion. Wir essen auch beide gerne zusammen. Das ist ja auch schön. WAS SIND DEINE ZIELE FÜR DIE ZUKUNFT? MACHST DU EIN NEUES ALBUM ODER GEHST DU AUF SOLOTOUR? Das nächste Ziel ist erst einmal das neue Album. Ich fange jetzt im Anschluss an die Tour an. Wenn ich nach Hause komme, muss ich natürlich meine Hausaufgaben machen (lacht) und ein paar Ideen sammeln. Das ist erst einmal das Allerwichtigste, dass ich neue Musik machen will und ich hab auch total Lust darauf und viele Ideen, wie ich das machen will. Das müssen wir jetzt erst einmal planen und erst dann kann ich auch sagen, was danach passiert. Natürlich weiß ich, dass ich gerne mal eine eigene Tour machen will. Ob das aber schon im Frühjahr klappt, weiß ich nicht. Da muss man halt gucken, wie das zeitlich so klappt. Weil eine Albumproduktion dauert ja auch, vielleicht gibt es daher eher im Herbst eine eigene Tour. Anfang Mitte des Jahres vielleicht eher so Festivals und kleinere Clubgigs. Natürlich will ich einfach an das anknüpfen, was ich mit dem aktuellen Album erreicht habe. Ich finde es ist eine ganze Menge für einen Newcomer und ich werde weiter mein Ding machen. Ich glaube, ich habe mir mit diesem Album den Weg ganz gut geebnet. Ich habe ziemlich klar gemacht, dass ich nicht so ein erdachter Act bin. Die mich live sehen und kennenlernen, sind meist gänzlich überzeugt, dass da was Ernsthaftes hinter steckt und dass ich wirklich gerne Musik mache. Daran will ich jetzt anknüpfen und möglichst noch mehr Leute überzeugen. Es fühlt sich gerade wirklich gut an.

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