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NOCTE OBDUCTA (MARCEL BREUER)

HEY, WIE GEHT’S DIR? Alles ok, danke. EUER NEUES ALBUM IST NUN SEIT EINIGER ZEIT RAUS UND DIE AUFNAHMEN SELBST SIND JA NOCH EINE GANZE WEILE LÄNGER HER. WIE ZUFRIEDEN BIST DU MIT DEM ALBUM UND ZIEHST DU DIR DIE MUSIK ÜBERHAUPT SELBST REIN? Ich muss sagen, dass „Nektar 2“ eines der Alben von uns ist, die ich mir nach dem Release noch mit am häufigsten angehört habe, weil ich doch relativ zufrieden mit dem Ergebnis bin. Es gibt nur wenige Passagen, wo ich im nachhinein sage, dass ich die gerne anders gemacht hätte. Sicherlich gibt es Stellen, welche ich gerne anders umgesetzt hätte. Das liegt aber daran, dass die Aufnahmen nun schon über ein Jahr zurück liegen. Die Grundsubstanz bleibt bei den Songs sicherlich gleich, aber nach all der Zeit gibt es sicher einige Sachen, die man mittlerweile etwas anders interpretieren und daher auch umsetzten würde. Das ist aber normal denke ich. Ohne das Lied an sich zu verändern, hätte man die eine oder andere Sache halt jetzt einfach etwas anders gespielt. Z.B. bei „Atme“ gibt es eine Stelle, die wir bis zum Studio-Termin offen gelassen haben. Diese etwas ruhigere Stelle mit dem klaren Gesang, da waren zwar die groben Arrangements, die Akkorde und auch der Text schon soweit klar. Dennoch waren wir uns nicht ganz sicher, wie wir das nun richtig umsetzen. Wir wollten noch schauen, wie sich dieses Stück im Studio entwickelt. Im Proberaum hatten wir es mal so und mal so versucht. Dann habe ich mich für eine Version entschieden, die mir im nachhinein schon bald nicht mehr gepasst hat. Ich hätte es schon gerne anders gemacht. Da würde ich aber sagen, dass es keine richtige Unzufriedenheit, denn es gibt solche Sachen eigentlich auf jedem Album. Es gibt ja immer so einen Interpretations-Spielraum und da kommt es halt vor, dass man einige Dinge zu einem späteren Zeitpunkt anders machen würde. WIE LÄUFT DAS BEI EUCH? BIST DU DIE PERSON, DIE DAS LETZTE WORT BEI DEN AUFNAHMEN HAT ODER GIBT ES DA DOCH EINE GEWISSE DEMOKRATIE IN DER BAND? Nein, eine Demokratie gibt es bei uns eigentlich nicht. Bislang war es immer so, dass ich die Lieder fertig mit in den Proberaum gebracht habe. Selbst wenn mal jemand anderes mit an den Songs geschrieben hat, waren die schon komplett fertig für den Proberaum. Ok, beim Schlagzeug kommt immer noch was dazu. Ich habe zwar selbst vor 1000 Jahren mal Schlagzeug gespielt und das war auch 1000 Jahre schlecht. Da kann ich zwar schon sagen, wie ich es haben will und auch mal nen Take vorspielen, aber im Endeffekt muss es dann doch der Schlagzeuger umsetzen, denn wenn ich ihm versuche seinen Stil vorzuschreiben, wird das nichts. Aber wir haben in der letzten Zeit doch mal angefangen die Strukturen etwas aufzubrechen. Ich komme nun auch schon mal mit groberen Songgerüsten in den Proberaum, bei denen die oberen Akkorde und die Grundmelodie zwar schon stehen, aber noch nicht alle Arrangements festgelegt sind. Sonst war das immer Wohnzimmerarbeit und im Proberaum war es immer sozusagen die ausführende Geschichte. Soweit, dass wir sagen wir basteln zusammen Ewigkeiten an einem Lied bis wir alle sagen „Es passt!“, sind wir aber noch nicht. Vielleicht kommen wir einmal dorthin. Das kann durchaus passieren. Wir sind gerade dabei das alles etwas aufzubrechen was die Strukturen beim Songwriting als auch die Darstellung nach außen betrifft, wobei letzteres wohl schon immer so der Fall war. KAM DIR JE DER GEDANKE NOCTE ALLEINE ZU MACHEN? DU KÖNNTEST DU THEORETISCH ALLES ALLEINE EINSPIELEN. Der Gedanke blitzte sicherlich immer mal wieder auf. Vor allem in Stresssituationen, wenn sechs Leute aufeinander treffen, welche alle noch vieles anderes zu tun haben, jeder von uns. Das ist natürlich ein ordentliches Konfliktpotenzial. Wenn es dann nicht ordentlich läuft, kam schon mal das Gefühl, dass man sich fragt „warum soll ich das alles noch mitmachen mit den anderen?“. Aber dann kommen halt so Dinge, dass ich z.B. schlecht Schlagzeug spielen kann. DA GIBT ES COMPUTER… Ja, aber das würde nicht zu NOCTE passen. Auch wenn man es nicht immer so heraushört, bin ich da doch zu sehr dem Rock `n’ Roll verpflichtet, so dass ich das nicht ohne Schlagzeuger würde machen wollen. Und es gibt ja nun doch Leute, die von Beginn an, na ja halbwegs, dabei waren und die alles doch auch ein Stück mit geprägt haben. Ohne die würde ich das auch nicht unbedingt machen. Klar muss man auch mal Anstöße geben und ihnen sagen „Versuche dich mal mehr da und dort hin zu orientieren“, aber dennoch will ich mir diese Personen nicht wegdenken wollen. So kam der Gedanke alles selbst zu machen auch nur in richtigen Konfliktzeiten, wo auch privat nicht alles gut lief und man generell etwas überfordert war. Da fragt man sich schon, warum man sich stundenlang im Proberaum quält und am Ende kommt nix bei rum. Das waren aber nie wirklich ernsthafte Gedanken. Halt emotionale Tiefschläge, was die Musik angeht, aber nie konkrete Überlegungen. FÄLLT ES DIR LEICHT DIESE STRUKTUREN ZU DURCHBRECHEN UND DAMIT AUCH EIN STÜCK KONTROLLE ABZUGEBEN? Das grobe Songwriting bleibt ja bei mir. Und ich habe ja schon mal die Riffs anderer mit eingebaut. Das war zwar pro Album höchstens ein Riff, was zwar einerseits evtl. lustig klingt, aber man dennoch berücksichtigen muss. Mittlerweile geht es da meist um die Arrangements, bei denen ich nun zwar Zugeständnisse machen muss, aber auch meine Arbeit etwas lockert. Ich kann Melodien und Strukturen vorgeben und dann schauen, wie die anderen Jungs das umsetzen würden. Oder auch live ziehe mich öfters mal von den Vocals zurück. Das läuft mit der neuen Besetzung nun viel besser und da kann ich die Verantwortung auch auf der Bühne etwas abgeben, was eindeutig wieder mehr Spaß an der eigentlichen Musik bringt. Wenn man mehrere Leute in der Band hat, die man einfach mitschleifen und für die man im Kopf das Instrument mitspielen muss, ist das zwar einerseits schön, weil man alles in der eigenen Hand hat, dennoch wirkt das dann alles so berechnend und man kann nicht einfach nur rocken. So muss ich nun zwar in einige meiner Domänen mit reinschauen lassen, aber so kann ich dann auch einfach mal loslegen. In den letzten zwei Jahren wäre es mir lieber gewesen, dass ich hätte weniger machen müssen, doch ging das in der Besetzung nicht. Nun sind wir auf einem guten Weg, und das ist doch sehr angenehm. DAZU GEHÖRT MUSS AUCH EIN GEWISSES VERTRAUEN DEN BANDKOLLEGEN ENTGEGEN BRINGEN KÖNNEN. KLAPPT DAS MIT DEN NEUEN LEUTEN ENDLICH BESSER? Das war eigentlich vorher auch schon der Fall. Die beiden ganz neuen, die wir auch erst neu kennen gelernt haben, sind nun seit Januar dabei. Flange ist seit August 2004 dabei, mit dem mache ich aber schon nebenbei seit 2000 Musik, und da bin ich mir absolut sicher. Und mit den beiden neuen bin ich mir schon jetzt sicherer, als ich es bei den meisten Ex-Mitgliedern je war. Es wäre aber jetzt etwas unglaubwürdig, nicht für mich, aber nach außen in Interviews zu erzählen, dass dies jetzt die beste Besetzung ist, denn das habe ich schon zweimal früher gesagt und ein Jahr später musste ich dann sagen, dass leider schon wieder jemand ausgestiegen ist. Wenn ich da nun zweifelnd klinge, betrifft das nicht die Leute und das Gefühl bei ihnen, aber einfach, dass ich mich scheue so eine Aussage zu früh zu tätigen, denn irgendwann lachen die Leute einfach, wenn man der Marcel so einen Satz sagt und bei der Band gibt es mehr Ex-Mitglieder als Mitglieder. Da kann ich verstehen, dass mir die Leute das nicht abnehmen. Aber im Moment bin ich doch sehr sehr zuversichtlich. Auch auf der Bühne fühle ich mich schon jetzt sehr viel sicherer. Früher musste ich ja auf der Bühne immer der Chef sein. Nun bin ich einfach einer von Sechs und freue mich auch mal, wenn jemand anderes lauter ist als ich, weil es einfach genauso gut klingt, und wenn ich mal schlecht drauf bin, auch mal besser klingt als ich selbst. Das ganze ist in der Öffentlichkeit immer so eine Sache, wie so ein Interview abgedruckt wird, was nun nicht gegen Dich speziell geht, haha. Aber es ist halt so eine Sache, wie das die Ex-Leute aufnehmen, wenn sie nun lesen würden, dass ich sage, dass nun alles so viel besser sei als mit ihnen. Es ja immer so eine gewisse persönliche Note dabei. DIE AUFNAHMEN SIND NUN SCHON EIN JAHR UND DIE SONGS AN SICH SIND NOCH ÄLTER. KANNST DU ÜBERHAUPT NOCH NACHFÜHLEN, WAS IN DIR VORGING BEIM SONGWRITING? Nehmen wir z.B. „Und Pan spielte die Flöte“, weil es ja auch in den Reviews immer gerne hervorgehoben wird. Dieser Song ist in einigen Teilen, was Melodie und auch einige Textbestandteile betrifft, schon gut 10 Jahre alt. Die Leitmelodie mit dem evil Black Metal Part ist so um Ostern 1995 entstanden. Dann habe ich das so 1999 noch mal ausgepackt, und später, als wir beschlossen „Nektar 1 + 2“ zu machen, so 2003, war dann klar, dass es mit da drauf soll. Alleine das zeigt auch, dass mir schon was an den alten Songs liegt. Und ich kann meine Gedanken von da noch nachvollziehen, sonst würde ich das nicht wieder hervorholen. Was mir erst durch die Interviews und die Reviews aufging, wo ich sage, dass es doch eine Art Versäumnis von mir selbst ist, wenn man sich den Umgang mit den alten Sachen anschaut. Wenn man sich die ersten drei Songs auf „Nektar 2“, die ja alle sehr wehmütig und zurückblickend sind, und ja das Bild einer Person wider spiegeln, die sich selbst rückblickend betrachtet, anhört, bemerkt man, dass durch diese ganze Wehmut und die Darstellung dieser Gedankenwelt das alles doch etwas einseitig und unkritisch wird. Das war einfach eine Beschreibung meiner „damaligen“ Sicht, und ich hätte nun eigentlich im Booklet gerne einige Linernotes dabei gehabt, dass dieser Song halt auf dieser rückblickenden Ebene gehalten ist. Es gibt nämlich auch Texte, die das alles etwas mehr analysieren und sezieren, und nicht ganz so naiv sind. Ich will mich da nun nicht als superschlau bezeichnen, aber vor allem „Und Pan spielte die Flöte“, hat einen Text, der sehr naiv klingt, aber auch was zu sagen hat. Das ist absolut bewusst gemacht, und ich will den auch so haben. Aber wenn das ganze schon in so einem großen Rahmen mit „Tagebuch I – III“ und „Nektar 1 + 2“ präsentiert wird, und es in den Reviews immer herausgestellt wird, dass da in späteren Alben noch mal Bezug drauf genommen wird, dann hätte ich das gerne im Booklet noch etwas besser erklärt gehabt. Das ist aber mehr der Umgang der Öffentlichkeit mit den Texten, aber was meine Sicht zu den Texten und Liedern angeht, stehe ich da immer noch voll hinter. Genauso, wie auch bei „Schwarzmetall“, „Lethe“ oder „Stille“. IST ES SCHWER DEN ALTEN ARBEITEN GENAU DIE GLEICHE AUFMERKSAMKEIT ZU KOMMEN ZU LASSEN, ALS NEUEREN TRACKS. WIE BEKOMMT MAN SONGS, DEREN ENTSTEHUNG DOCH AUCH MAL WEIT AUSEINANDER LIEGEN UNTER EINEN HUT? Das ist immer das Problem, wenn man nicht so viele Alben aufnehmen kann, wie man evtl. gerne möchte. Altes Material, welches man aufgrund fehlender Zeit nicht ausreichend ausarbeiten, aufarbeiten und aufnehmen kann, bedeutet immer den Verlust eines wichtigen Kapitels der Bandgeschichte. Wenn man die alten Sachen dann aber mal aufarbeitet, bedeutet das gleichzeitig ein Stück Verlust der Gegenwart, da man die Sachen, die einem musikalisch und auch textlich auf der Seele brennen, zu der Zeit nicht rauslassen kann. Da muss man versuchen, einen Mittelweg zu finden. Den versuche ich immer so bei 50:50 zu halten. Bei „Nektar 2“ ist es sogar fast genau 50:50. Dieses „Tagebuch“ besteht komplett aus älterem Material, allerdings im Vergleich zu „Nektar 1“ noch relativ neu, denn außer den alten Passagen bei „und Pan…“ sind es alles Sachen, die so von 1999 bis 2001 entstanden. Die zweite Hälfte von „Nektar 2“entstand komplett 2003. Das war also gerade mal ein Jahr alt, als wir das aufgenommen haben. Da haben wir den Mittelweg gut gefunden. Bei „Nektar 1“ haben wir fast nur „alte“ Sachen verwandt, und beim nächsten Album sind wir gerade bei dem Problem, dass ich viele gute neue Sachen habe, aber auch viele alte, die ich gerne unterbringen möchte. Aber wir werden uns auch da bei 50:50 bewegen, denke ich. Wobei diese 50% „Altlast“ nicht bedeuten, dass die auch so wie damals gespielt werden. Da muss man einfach schon noch mal dran gehen, weil man sich auf bestimmten Ebenen halt jetzt anders ausdrücken würde. DU SAGTEST GERADE „ALTLAST“. BRENNT DIESE „LAST“ IN DIR, SO DASS DIE EINFACH IRGENDWANN RAUS MUSS? EINE ART ERLEICHTERUNG? Wenn die Ideen nicht wichtig sind für mich, vergesse ich die eh. Wenn es nur vage Dinge sind, die ich mit etwas verbinde, welche aber nie in eine konkrete Form gegossen wurden, macht es dem Material auch nichts aus, mal einige Zeit liegen zu bleiben. Aber gerade bei „Nektar 1“ sind einige Passagen, welche zwar 2001 nochmals aufpoliert wurden, aber schon seit Mitte der 90er ihre für mich richtige Form hatten und ich auch nicht mehr verändern wollte. Die mussten dann endlich mal auf ein Album. „Mittsommernachtsschatten“ und „Des schwarzen Flieders Wiegenlied“ waren ein großer Mischmasch, und erst später wurden dann zwei Lieder daraus. Die lagen gut 10 Jahre da rum, und ich wollte die endlich unterbringen. Die sollten auch nicht groß verändert werden, sondern so bleiben. Irgendwann musste ich das einfach machen. Das ist schon eine Art Befreiung, als die endlich raus waren. Im Gegensatz zu anderen Ideen, die ich dann auch mal verwerfe, war mir von Beginn an klar, dass ich das mal mit NOCTE aufnehmen werde, und wenn es 2008 werden sollte. So ist es dann doch eine Erleichterung, da man nun den Rücken frei hat von sich selbst. WIE WEIT PLANST DU IM VORAUS? BEI SOLCH KOMPLEXEN SONGS UND ALBEN MUSS MAN DOCH SCHON FAST JAHRE IM VORAUS ALLES FESTLEGEN… Ich plane da eigentlich immer ziemlich konkret. Die Pläne werden dann aber immer nur so zu 10% umgesetzt. Ich habe z.B. im März dieses Jahres, als es mit den Interviews langsam losging, noch von einem Konzeptalbum gesprochen, an dem wir nun als Nachfolger von „Nektar 2“ arbeiten. Das würde sich dann auf dieses Tagebuch und der etwas kritischeren Auseinandersetzung mit dem Thema beziehen. Das ging dann durch die Öffentlichkeit und war auch ein ganz konkreter Plan. Ich habe mir sogar zum ersten Mal in meiner „Laufbahn“ Skizzen gemacht, wie alles ablaufen sollte. Musikalische Themen, den Spannungsbogen und alles, damit man es so aufgreift, wie ich es mir vorstelle. Und nun haben wir aus verschiedenen Gründen, die hier nichts zur Sache tun, relativ plötzlich beschlossen, das Album doch nicht zu machen, den Studioaufenthalt zu verschieben und etwas ganz anderes zu machen. Jetzt ist halt diese Planung komplett übern Haufen geworfen, obwohl das alles schon sehr konkret war. Außerdem habe ich ein Konzeptalbum angesprochen, was ich vor Jahren schon mal gemacht habe, weil ich seit 1997 an einem Werk sitze, dass ich bereits 2000 schon fast fertig hatte und damals behauptet habe, dass es eines der nächsten Alben werden würde, und dann kam es doch alles anders. Nun liegen hier also so grob schon zwei fertige Konzeptalben in den Schreibtischen, und so 25 – 30 Songs, grobe Songs, und daher plant man schon mal ganz gerne, weil man sich insgeheim wünscht, dass es doch mal so läuft, wie man es sich vorstellt. Und dann kommt doch alles anders. Solange aber das Album, was dann aufgenommen wird, für alle stimmig ist, ist das alles aber dann auch nicht so tragisch, denke ich mal. KÖNNTEST DU SOVIEL MATERIAL NICHT AUCH UNTER EINEM ANDEREN PROJEKT RAUSBRINGEN? ODER IST ES HALT EINFACH NOCTE? Es gibt bei gewissen Ideen eine Grauzone, bei der ich dann nicht sofort weiß, ob das nun EXEKUTIONSROMANZE oder NOCTE ist. Aber das ist sehr wenig im Vergleich dazu, was generell an Musik entsteht. Eigentlich ist es für mich nicht denkbar, dass ich das mit einer anderen Band mache. Außer es käme zu dem Fall, dass sich NOCTE OBDUCTA warum auch immer auflösen oder umbenennen. Sonst ist es aber Material, welches ich mit der „Hauptband“ durchziehen will, also NOCTE. Wenn ich das mit EXEKUTIONSROMANZE machen sollte, dann nur, wenn es da auch zum Großteil NOCTE-Musiker sein würden, und es NOCTE in dem Sinne, wegen Rechtsstreitigkeiten oder so, nicht mehr geben sollte. Aber sonst steht so was eigentlich nicht an. MEINST DU, DASS NEUE HÖRER SCHNELL DEN ZUGANG ZU DEINEN SONGS FINDEN KÖNNEN? TEILS SIND DIESE JA DOCH SEHR MITEINANDER VERWOBEN… Dieses „verwoben sein“ bezieht sich hauptsächlich auf einen gewissen Kosmos an Symbolen, die man halt benutzt oder auch Bezüge, die zwischen Texten entstehen. Aber die werden ja auch nicht so in der Reihenfolge aufgenommen, wie sie geschrieben werden. Ich habe hier noch einen riesigen Ordner mit Texten, die noch in keinem Lied angedeutet wurden. Da werden viele ältere Texte liegen bleiben und neuere veröffentlicht. Dann kommen einem wiederum Texte neuer vor, als sie eigentlich sind, was auch dann im Bezug chronologisch und in der Bandgeschichte für den Betrachter nicht wichtig ist. Wenn man dann aber ein Album von uns hört, und dann mal schaut, was wir noch so raus haben und dann versucht eine musikalische Entwicklung daraus abzuleiten, dann wird es schon unmöglich, da wir da schon sehr im Zick-Zack-Kurs unterwegs sind. Aber da muss man sich halt einfach reinhören und schauen, was einem am besten gefällt, und sich darauf konzentrieren. Das geht aber, da das alles ja keine Fortsetzungsgeschichte ist, die man nicht mehr versteht, wenn mal ein Teil fehlt. BEI DEINEN SONGS WÄRE EINE VISUELLE UMSETZUNG IM VIDEO BEREICH UND AUCH LIVE SEHR INTERESSANT. MAL EIN AUSREICHENDES BUDGET VORAUSGESETZT: WAS FÜR IDEEN HÄTTEST DU DA? Mhm, also Video ist so eine Sache, bei der ich zwar nicht sage, dass ich das nie machen werde. Aber dem stehe ich doch relativ ablehnend gegenüber. Man kann mit Worten sehr gut Bilder erschaffen, und das mit relativ viel Tiefe. Doch das dann in Bildern umzusetzen, und das dann im Rückschluss wieder in den Kontext zum eigentlichen Text und der Idee zu bekommen, ist eigentlich unmöglich. Man könnte sicherlich ein Video drehen, welches nicht ganz so hart am Text ist, sondern sich nur oberflächlich mit allem befasst und viel mit Gesichtern, Licht und anderen Szenen spielt. Das ist aber eine Sache, bei der ich sehr unerfahren bin, da ich mir keine Musikvideos ansehe, bzw. nicht mal einen Fernseher besitze, und das alles für uns einfach unbezahlbar wäre. Und egal, was dabei dann am Ende rauskommen würde, bin ich mir fast sicher, dass es nicht das wäre, was ich beim Schreiben und Spielen des Songs gefühlt habe. Live ist es was anderes, da es zwar schon die Umsetzung des Songs ist, aber die Leute, die beim Konzert sind, und evtl. sogar Fans sind und sich die Songs bewusst anhören, meist das Album auch zuhause haben und sich da ihre Gedanken machen. Live hat man dann einen bestimmten Bezug zu dem Material, welcher vergleichsweise fast straight ist, etwas mehr nach vorne geht und evtl. nicht ganz soviel Tiefgang hat, aber dafür mehr auf die Fresse haut. Da wäre es schon cool, wenn man eine bessere Lightshow hätte. Das muss kein Lasergewitter à la PINK FLOYD her und auch kein Nebelgewitter, bei dem man seine eigenen Fußtreter nicht mehr sieht. Aber dass man zumindest nicht mehr die ganze Zeit in dieses beschissene rot-gelbe Licht getaucht wird, als würde man in der Disko stehen. Auf der Bühne ist es scheisse-heiss und scheisse-hell! Da wäre es cool, wenn man mehr Licht von hinten hätte und mit kälteren Farben arbeiten könnte, damit man dann mit dem Einsatz von wärmeren Farben mehr erreichen kann. Ich bin schon immer ein Freund von dunklen Bühnen und Silhouetten gewesen und das wäre schon chique. Ich finde auch Projektionen interessant, wobei ich da eher Dias bevorzugen würde, weil Landschaften, Architektur oder auch Gesichter können da viel bewirken. Wirkliche Szenen würden dem Betrachter schon zu viel Handlung aufzwingen. Wie gesagt, das sind dann Sachen, wo der Club richtig ausgerüstet sein muss, dann muss es jemanden geben, der das richtig bedient und man muss alles organisieren, es müssen mehr Autos fahren, kostet mehr Sprit, und dann muss man froh sein, wenn man an dem Abend 10 Euro verdient, und dafür waren wir dann 12 Stunden unterwegs. Ist halt immer eine Sache der Machbarkeit. Und wir sind keine Profis, arbeiten und studieren hauptsächlich. Wie Du schon sagst, da muss das Budget stimmen, wobei das sicherlich cool wäre, denn, so dumm es evtl. klingt, in der richtigen Atmosphäre spielt man dann auch gleich noch mal besser, und alles kommt noch besser rüber, als wenn man vor einem Haufen Besoffener spielt, die vor der Bühne rumliegen und einem das Bier über die Fußpedale kippen. Dann pennt noch der Tonmann und das rot-gelb Licht geht immer nur an und aus… das ist natürlich nicht die visuelle Umsetzung, die ich mir für meine Musik vorstelle. Da muss man im kleinen Rahmen musikalisch richtig auf die Fresse geben, und sich dafür zuhause richtig mit den Songs beschäftigen. DIE MUSIK FUNKTIONIERT SEHR GUT, WENN MAN SIE ZUHAUSE HÖRT. WIE WICHTIG IST ES FÜR DICH, DENNOCH LIVE ZU SPIELEN? Ich finde, dass Musik mit einer Band, sofern diese auch richtig funktioniert, geiler klingt als ein Solo-Projekt, da jeder sein Ding macht, und jeder der sechs Teile zusammen funktionieren muss. Daher bin ich der Meinung, dass Live-Geschichten sehr wichtig sind. Aus eben geschilderten Gründen und wg. schlechten Sound-Erfahrungen bin ich keiner, der sagt, dass Live-spielen das Ziel von NOCTE OBDUCTA ist. Aber ich würde nicht darauf verzichten wollen, weil man damit einfach auch das Zusammenspiel festigt, und den Leuten die Gelegenheit gibt die Songs mal etwas anders zu hören, und vor allem ist es einfach noch handgemachte Musik, welche doch irgendwie aus dem Rock `n’ Roll stammt, und da gehört es zum Teil einfach auch noch hin. Wir sind allerdings keine klassische Live-Band, bei der man sagt, dass sie auf Platte gut sind, aber nur live richtig geil. IHR SPIELT NOCH DIVERSE FESTIVALS. WIE SIEHT ES MIT EINER TOUR AUS? Es sollte im Frühjahr eine Tour geben, welche aber nicht zustande kam, was aber außerhalb unserer Macht lag. Weitere Touraktivitäten sind innerhalb der nächsten 12 Monate aus zeitlichen Gründen einfach nicht machbar. Wie es danach aussieht, kann ich nun noch nicht sagen. So wird es erstmal bei den wenigen Festivals und evtl. mal nen Gig hier und da bleiben. WAS LIEGT BEI DIR DENN NOCH DIESES JAHR AN? Wie gesagt, ich habe noch 2 Konzeptalben hier liegen, und da wir, wie ich schon erwähnt habe, vor einiger Zeit die Arbeiten zu dem einen gestoppt haben, befassen wir uns nun mit anderen Songs, die wir dann wohl Anfang 2006 aufnehmen werden. Eigentlich wollte ich nicht wieder zwei Jahre zwischen den Aufnahmen vergehen lassen, aber wie gesagt, so ist das halt mit der Planung…

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