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PHILIAE (ANNE/JANE/JOHN)

IHR HABT EURE BAND IM JAHR 2001 IN HAMBURG GEGRÜNDET. WAS IST ALLES GESCHEHEN, BIS IHR JETZT IM JAHR 2003 EUER ERSTES ALBUM AUF DEN MARKT BRACHTET? WELCHE RÜCKSCHLÄGE GAB ES? Anne: Das ist schnell erzählt. Wir haben uns gegründet, nachdem wir uns gefunden hatten. Das haben wir dann exzessiv gefeiert und Songs geschrieben und daraus eine Platte gemacht. Danach haben wir uns immer besser kennen gelernt, bis wir auch die schlechten Seiten an uns entdeckt hatten. Dann haben wir uns wieder ein Stück voneinander entfernt und auch schon mal „zurückgeschlagen“. Im Moment sind wir dabei uns und unsere Arbeitsweise zu finden und machen unsere erste größere Tour. KÖNNT IHR EUCH UND DIE HISTORIE DER BAND MAL EIN WENIG VORSTELLEN? WOFÜR STEHT DER BANDNAME? Jane: Philiae steht für die ewig gejagte Ausgeglichenheit, für den Gott, den Sündenbock, die ewige Frage und die ausbleibende Antwort. Anne: Sprich, all das, was man immer will und nie bekommt. DAS ALBUM „SCAPEGOD“ BRACHTET IHR UNTER EURER EIGENEN PLATTENFIRMA „DIRTYBITCHMUSIC“ HERAUS. WAS GAB EUCH DEN ANSTOSS DAZU, EINE EIGENE PLATTENFIRMA ZU GRÜNDEN? Jane: Wenn Du der einzige bist, der Dir Dogmen aufzulegen imstande ist, dann ist die Chance am größten, dass das Produkt zu dem Du wirst am ehesten der Intention entspricht, die am Anfang des Dogmas stand. „Scapegod“ wurde durch niemanden verfälscht: 100% ein Abbild von Philiae aus der Entstehungszeit. Anne: Alles klar?;) WIESO GAB ES DAS ALBUM VORERST NUR AUF EURER EIGENEN HOMEPAGE ZU KAUFEN? Anne: Wir bieten es nur da an!! Die Zukunft der Musik liegt nicht in den Händen der Plattenlabel. Da kann man sich heute schon nur noch das Gejammer von hilflosen A&R´s anhören aber nichts verdienen, geschweige denn irgendetwas Authentisches von Dauer erschaffen. Wir bauen lieber an unserer eigenen kreativen Zelle, denn im Gegenteil zu manch anderen, machen wir keine Musik um nur davon zu leben, sondern um damit zu leben. John: Die großen Plattenfirmen sind oft Eigentum von globalen Megakonzernen, die Umweltschutzgesetze und dergleichen einfach umgehen und missachten. Aber auch wenn grad mal kein Deal mit BMG oder Sony vor der Tür steht, ist es mir lieber, wenn ich einen ungefähren Überblick habe, wo meine Kohle hinfließt. Außerdem würde es sich sehr unangenehm anfühlen, wenn ich auch noch in diesem Sinne mit meiner Musik die Umwelt schädigen würde, wo ich doch eigentlich das Gegenteil bezwecken möchte. Darüber hinaus ist der Gewinnanteil für jeden Einzelnen natürlich auch größer Jane: Ich persönlich habe kein Problem mit Major-Deals, dennoch sind wir auf unserem momentanen Weg auf der sicheren Seite was unsere Authentizität angeht. Zudem passt Philiae im Moment sowieso in kein Major-Konzept oder auch umgekehrt. IHR HABT EINEINHALB JAHRE DREISSIG SONGS GESCHRIEBEN, BIS 12 TRACKS DEN WEG AUF DAS ALBUM SCHAFFTEN. WAS GESCHIEHT MIT DEM RESTLICHEN MATERIAL? John: Nichts. Wir haben die Songs ja schließlich nicht umsonst aus dem Repertoire gestrichen. Jane: Vielleicht werden wir aus sentimentalen Gründen mal einen Remix oder viel später eine „Guck mal, was wir als kleine Jungs gemacht haben“-Version auf irgendeiner Single unterbringen. Songs zu schreiben bedeutet keinen Aufwand, da darf man ruhig einen großen Mülleimer für tonalen Abfall aufstellen oder ihn an Overground verkaufen. EUER BOOKLET ZU „SCAPEGOD“ ENTWARF DER GRAFIKER UND VIDEO-KÜNSTLER PATRICK DEBUS. WIE KAM ES ZU DER IDEE UND DER ZUSAMMENARBEIT? Jane: Patrick und ich kennen uns aus Kindertagen, haben auch schon zusammen Musik gemacht und liegen künstlerisch auf derselben Wellenlänge. Da lag eine Zusammenarbeit Nahe. Anne: Im laufe der Zeit ist die Sache dann immer mehr gewachsen und zum Teil der ganzen Geschichte geworden. Wir würden sicher ohne seine Videos live ganz anders rüberkommen. Außerdem ist sein Potential die Augen auf etwas zu lenken famos. Da kann sich doch jede Band nur freuen. Er ist im Übrigen immer an neuen Sachen interessiert. Checkt mal www.deadtv.de aus. IHR WERDET HÄUFIG MIT MARILYN MANSON VERGLICHEN. IST DIES EIN VERGLEICH, DER EUCH EHER STÖRT ODER STOLZ MACHT? Jane: Es macht mich unglaublich stolz. Es ist nicht in Worte zu fassen. MAN SPRICHT OFT VON SCHUBLADEN. IN WELCHE DIESER SCHUBLADEN WÜRDET IHR EUCH SELBST INTEGRIEREN, WENN ES SEIN MÜSSTE, ODER LEHNT IHR SOLCHE KATEGORISIERUNGEN STRIKT AB? Jane: So was kann man gerne ablehnen, bringt aber nichts weil man auch dann in einer Schublade landet. Wenn ich mich jetzt selbst einordnen müsste, dann in die Schublade mit den Dessous. Anne: Patrick fiel dazu der Begriff „Post Industrial Rock´nRoll“ ein. Ich denke, das trifft es ganz gut und es klingt geil. John: Es birgt aber die Gefahr unbeweglich und konservativ zu werden. Natürlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass jeder gewisse Bereiche in seinem Gehirn hat, in die er das Erlebte versucht einzuordnen, ich denke, das sollte aber so flexibel wie möglich passieren. Sonst werden wir uns eines Tages sehr wundern, wenn uns das Festhalten an unseren jetzigen Werten förmlich den Boden unter den Füssen wegzieht. Veganismus wäre meiner Meinung nach ein erster und wichtiger Schritt in eine gesunde Zukunft. Nur der Verbraucher kann die machthabenden Konzerne nach und nach in die Knie zwingen und sozusagen den Spieß umkehren. Trotzdem wird wohl kein zivilisierter Mensch seinen Naturverbrauch mal eben komplett auf Null reduzieren können, was ich mir aber wünsche ist, dass jeder so behutsam wie möglich mit dieser Welt umgeht. IHR HABT IN DEN EIKEY STUDIOS IM FEBRUAR 2003 DEN MOTORHEAD-SONG „I DON’T BELIEVE A WORD“ PRODUZIERT, DER AUF EINER TRIBUTE-SCHEIBE DER BAND ERSCHIENEN IST. WOHER KAM DER ANSTOSS DAZU? Anne: Als ich 1999 auf dem Wacken Open-Air voll auf Meskalin diesen Song immer wieder gehört habe, war ich mir sicher, dass ich ihn eines Tages covern möchte. Als sich die Gelegenheit bot, konnte ich die Anderen glücklicherweise davon überzeugen. Schade ist nur, das Remedy ihn im Nachhinein schneiden mussten, um ihn auf die Platte zu bekommen. Das entstellt unsere Version ziemlich und nimmt ihr die Energie. WAS KÖNNTE IHR ZUM SISTERS OF MERCY COVER ERZÄHLEN? WAS VERBINDET EUCH MIT ANDREW UND CO.? Jane: Musik. Zudem ist der Song auf ironische Weise ein Ausdruck des interpretationsreichen Begriffs Philiae. IHR HABT BEREITS MEHRERE COVERSONGS AUF DEN MARKT GEBRACHT. WAS MACHT EUCH DABEI MEHR SPASS? ALTEN LIEDERN EIN NEUES OUTFIT ZU GEBEN ODER EURE EIGENEN SONGS DARZUBIETEN? Jane: Auf den Markt gebracht haben wir nur den Motör-Song. Wir haben bereits mehrere Cover Live gespielt oder zum Spaß im dIRTYbITCHstudio aufgenommen, aber die eigenen Songs werden immer Priorität haben, in jeder Hinsicht. BEI EUREN LIVE-AUFTRITTEN HEISST ES IMMER WIEDER, DASS IHR SEHR ENTHUSIASTISCH ANS WERK GEHT. Z.B. BEI DER SHOCK-ROCK-SHOW IN HAMBURG IM AUGUST 2003, ALS IHR DIE BÜHNE IN EIN SCHLACHTFELD VERWANDELT HABT. WAS BEZWECKT IHR DAMIT? WARUM SO EIN ROHES VERHALTEN 😉 Jane: Eine Show ist wie ein Rausch, der Dich überkommt. Wenn es passiert, dann soll es so sein, wenn nicht, auch gut. IHR BESCHÄFTIGT EUCH IN EUREN TEXTEN SEHR VIEL MIT GEWALT, TOD UND ALLEM, WAS DAMIT ZUSAMMEN HÄNGT. SIND ES EURE GANZ PERSÖNLICHEN ANSICHTEN ZU DIESEN THEMEN? Jane: Weder Gewalt noch Tod sind in irgendeiner Weise erstrebenswert. Aber diese Themen sind allgegenwärtig, und die Menschen, mich eingeschlossen, „beten“ sie all-abendlich an, wobei der Fernseher das Kruzifix und die Fernbedienung die Bibel ersetzt. Ich bin mir darüber im Klaren und versuche diese Kontroverse in Texten auszudrücken, zum Beispiel in „Crucifixion Day“. Anne: Wenn ich etwas über den Tod schreibe, dann meine ich fast nie zu sterben. Ich spreche dann von dem Tod, der uns alle umgibt. Genauso ist es auch mit der Gewalt. Körperliche Gewalt ist zwar sehr schmerzhaft und gefährlich, jedoch ist emotionale Gewalt meiner Meinung nach noch viel schlimmer, da es nur Wenige verstehen sich dagegen zu wehren. In anderen Systemen, wie sie um uns herum noch heute auf der Welt existieren, muss man wesentlich mehr um sein körperliches Überleben kämpfen als in unserem westlichen. Wir dagegen kämpfen um unser geistiges Überleben. Die Folgen des Einen sind Hunger und Mord, die des Anderen Wahnsinn und Isolation. Wir haben die Wahl, aber wir bezahlen dafür. Beide sind wie der Mensch, nicht perfekt und werden an Ihren Mängeln zu Grunde gehen. Ob wir dabei übrig bleiben, wird die Zeit zeigen. Und um deine Frage zu beantworten, natürlich sind das nur meine ganz persönlichen Ansichten. IM NOVEMBER WART IHR ALS SUPPORT VON GOREROTTED UND PUNGENT STENCH UNTERWEGS IN HAMBURG. DABEI WURDE GEMUNKELT, DASS ES DER ERSTE AUFTRITT NACH EINEM BRUSTIMPLANTAT VON JANE DOE WAR. DARF ICH FRAGEN, OB AN DIESER GESCHICHTE ETWAS WAHRES DRAN IST? KÖNNT IHR ETWAS ÜBER PUNGENT STENCH ERZÄHLEN, DIE JUNGS HABEN JA AUCH IHREN UREIGENEN HUMOR… Jane: Ich habe mich zu diesem Thema bereits öffentlich geäußert. Das ist mir etwas zu persönlich. Anne: Die Jungs von Pungent waren eher ruhig und zurückgezogen, deswegen haben wir da wenig mitbekommen. Jedoch waren sie alle sehr höflich;) SONIC SEDUCER ERNANNTE EUCH ZUM BESTEN NEWCOMER DES JAHRES 2003. DIES WAR DOCH SICHERLICH EIN GROSSES KOMPLIMENT FÜR EUCH, ODER WIE HABT IHR DIES AUFGENOMMEN? Anne: Das wussten wir ja noch gar nicht.;) John: Gute Sache! Rock Hard und MTV haben uns ja jetzt auch schon nominiert! WAS BEZWECKT IHR MIT DER MINI-DVD, DIE VON EUCH ERSCHEINT? Jane: Das Auge hört nun mal mit. Jetzt können unsere Fans sich auch zu Hause vor den Fernseher stellen, sich Make-up ins Gesicht schmieren und die oben angesprochene Botschaft erfüllen. Immerhin besser als Gewalt und Tod. Anne: Außerdem bietet das die Chance, sich auch mal die Videos von Patrick im Zusammenhang mit der Musik außerhalb der Konzerte reinzutun. Er hat die gesamte DVD erstellt und das Authoring selbst gemacht. Eine Heidenarbeit, aber das Ergebnis ist super. Die kompletten Albumtexte sind darauf animiert, um nur mal eins zu nennen. Es lohnt sich also auf jeden Fall für den, den es interessiert. Zumal wir Sie zu einem echt fairen Preis anbieten werden. AM 10. FEBRUAR 2004 GABT IHR IN BREMEN EURER RADIO-DEBUT. WIE WAREN DIE REAKTIONEN HIERAUF? Jane: Eine Menschentraube am Bremer Hauptbahnhof. Zumindest an den Fahrkartenautomaten. John: Es gab keine. Bremen scheint taub zu sein! Anne: Meine Reaktion war Wut, weil ich nicht mitkonnte.;) IHR GEHT BALD AUF EINE ZEHNTÄGIGE DEUTSCHLAND-HOLLAND-DÄNEMARK TOURNEE. WAS KÖNNEN EURE FANS ERWARTEN? Anne: Auf jeden Fall zwei ungewöhnliche Bands, denn die Dänen von SALIDA werden auch dabei sein und die sind einfach super atmosphärisch und derbe rockig zugleich. Wer Interesse an jungen Musikbewegungen aus Europa hat, wer sich mit harten Gitarren zu verstehen weiß und Bock auf Bühnenshow mitbringt, der tut nicht falsch daran unsere Konzerte zu besuchen. Im Zweifelsfall vorher auf www.philiae.com und www.salida.dk oder der Tourwebseite www.naqoyqatsi.incidents.de reinschauen und sich selbst ein Bild machen. WENN MAN IN EUER GÄSTEBUCH SCHAUT, KANN MAN DIE UNTERSCHIEDLICHSTEN REAKTIONEN AUF EURE MUSIK LESEN. WIE GEHT IHR MIT SOLCHEN KRITIKEN UM? SIND SIE EHER STÖREND ODER SEHT IHR DIE NEGATIVEN KRITIKEN EHER LÄSSIG? Jane: Je extremer die Thematik, umso größer die Diskrepanz zwischen Fans und Anti-Fans. Die sollen sich ruhig bei uns im Gästebuch austoben. Das inspiriert. WELCHER SONG GEFÄLLT EUCH PERSÖNLICH AM BESTEN AUF „SCAPEGOD“? Jane: Der dreizehnte. Anne: Mir auch, denn den hör ich so selten.;) IHR SEID DABEI EUER NEUES ALBUM ZU KREIEREN. WAS DÜRFEN EURE FANS DAVON ERWARTEN UND WANN GEHT ES IN DEN HANDEL? Jane: Ich möchte hier noch nicht zu viel verraten, aber thematisch und musikalisch wird ein Schritt in eine neue Richtung gemacht. Ich liebe Konzeptbezogene Gesamtkunstwerke, dass schließt auch das Alben mit ein. Es ist auf keinen Fall ein „Scapegod 2“. Anne: So sehe ich das auch. Ich persönlich möchte gern ein modernes Album in Stile von „The Wall“ von Pink Floyd machen. Aber das wird sich noch zeigen. IHR ARBEITET AUCH MIT GASTVOCALS VON HOLY MOSES‘ SABINA CLAASSEN. WANN HABT IHR DIE GRAND DAME DES DEUTSCHEN EXTREM METALS KENNENGELERNT? Anne: Wir haben sie über Julien unseren Drummer kennen gelernt, dieser spielt nämlich wie ich inzwischen auch bei Holy Moses mit. Da lag die Sache nahe. HABT IHR NOCH ETWAS, WAS IHR UNSEREN LESERN ÜBER EUCH ERZÄHLEN MÖCHTET? Jane: Ich sehe gern „Sex and the City“. Anne: Ich lach auch gerne. Ich danke euch für die Beantwortung der Fragen und wünsche euch viel Glück für eure Zukunft!

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