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[:SITD:] (CARSTEN/ TOM)

MIT DER „BESTIE:MENSCH“ EIN NEUES, ERFOLGREICHES ALBUM AM START UND JUSTAMENT VON EINER DEUTSCHLANDTOUR ZURÜCK GEKEHRT. GENÜGEND GRÜNDE, MIT DEN SYMPATHISCHEN HERREN VON [:SITD:] EIN AUSFÜHRLICHES INTERVIEW ZU FÜHREN. WAS CARSTEN UND TOM IN LETZTER ZEIT BEWEGT HAT UND WIE SIE DIE ZUKUNFT DER MUSIKINDUSTRIE SEHEN, SIND NUR 2 DER INTERESSANTEN THEMEN, DIE EUCH IM FOLGENDEN BEGEGNEN WERDEN. LEST SELBST! HALLO. WIE GEHT ES EUCH? WO SEID IHR GERADE? UND WAS HABT IHR VOR 10 MINUTEN GEMACHT? Carsten: Gut. Danke der Nachfrage. Ich sitze zu Hause vor dem Rechner. Zuvor habe ich E-Mails beantwortet. AKTUELL DRÄNGT SICH NATÜRLICH DIE FRAGE AUF: WIE LÄUFT BZW. LIEF DIE TOUR MIT DESTROID UND PAINBASTARD? Carsten: Es war fantastisch und hat einfach nur Spaß gemacht! Die Stimmung war vor und hinter den Kulissen wirklich einmalig! Wir werden uns noch lange an die “Bestie: Mensch“ Tour zurück erinnern und all die bewegenden Momente in uns tragen, die wir mit dem Publikum geteilt haben. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Konzertbesucher! DIE KONZERTE FINDEN NUR AM WOCHENENDE STATT. WAR DAS ARBEITSMÄSSIG NICHT ANDERS ZU ORGANISIEREN? BEKOMMT MAN DA ÜBERHAUPT EIN RICHTIGES „TOURFEELING“, WENN MAN IMMER WIEDER RAUSGERISSEN WIRD? Carsten: Allgemein ist die Publikumsresonanz an Wocheneden und vor Feiertagen ungleich größer als unter der Woche. Deswegen haben wir auch nur an solchen Terminen gespielt, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat, weil die Konzerte gut besucht waren. So kommt auch ein viel besseres “Tourfeeling“ auf, als wenn man wochentags in halbleeren Hallen spielt. FIEL ES SCHWER, EINE SETLIST ZUSAMMEN ZU STELLEN? MITTLERWEILE VERFÜGT IHR JA ÜBER ZIEMLICH VIEL MATERIAL. Tom: Wir diskutieren im Vorfeld einer Tour immer bandintern sehr intensiv über die Setlist. Jedes Bandmitglied macht seine Vorschläge und wir einigen uns auf die Songs, die gespielt werden. Danach legen wir dann gemeinsam die Reihenfolge fest. Diesmal war die Entscheidungsfindung aufgrund der Fülle des Songmaterials wesentlich schwerer als bei der letzten Tour, aber wir denken, die richtige Mischung aus alten und neuen Songs gefunden zu haben. WIR WAREN IN HERFORD ANWESEND, WAS SIND EURE SPEZIELLEN ERINNERUNGEN AN DEN GIG? Tom: Wir haben den Gig in sehr positiver Erinnerung. Das Publikum brauchte anfangs ein wenig Zeit, um warm zu werden, aber die Stimmung war nach drei, vier Songs wirklich klasse und das hielt dann bis zum Schluss! IHR MUSSTET DAS SET WEGEN DER NACHFOLGENDEN DISCO ETWAS KÜRZEN, ODER? Tom: Ja, leider um zwei Stücke. AM ENDE WAREN ALEX UND EIN HERR VON DESTROID MIT AUF DER BÜHNE, SIND DAS SPONTANE AKTIONEN? WAR DAS BEI JEDEM GIG SO? IHR SCHEINT EINE GROSSE, SPASSIGE FAMILIE OHNE ALLÜREN ZU SEIN. Carsten: Der “Herr von DESTROID“ war Ribi. So etwas passiert immer spontan. Alex und Alex von PAINBASTARD und Daniel, Sebastian und Ribi von DESTROID sind wirklich wunderbare Zeitgenossen und wir hatten einen Riesenspaß zusammen! Der Ausdruck “große Familie“ ist eine sehr treffende Formulierung. IM GEGENSATZ ZUR ANDEREN ELECTRO FORMATIONEN SETZT IHR NICHT AUF (MÖGLICHERWEISE KRASSE) PROJEKTIONEN. GIBT ES DAFÜR EINEN SPEZIELLEN GRUND? Tom: Wie Du es schon selbst sagst, greifen viele andere Bands auf Projektionen zurück. Genau deswegen wollen wir das nicht auch noch machen. Bei uns steht die Musik und die Interaktion mit dem Publikum im Mittelpunkt. AN CARSTEN: WAS HAT ES EIGENTLICH GENAU MIT DER MÜTZE AUF SICH? GAB ES SCHON MAL EINEN AUFRITT „OBEN OHNE“? Carsten: Ganz früher schon, aber irgendwann hat sich das mit der Mütze so ergeben. Ich weiß nicht mehr wann und wo das genau war, aber es war ein Konzert im Winter und in der Halle war es ziemlich kalt… Deswegen habe ich mir eine Mütze aufgesetzt und habe das aus Aberglauben beibehalten, weil der Auftritt gut verlief. Mittlerweile könnte ich mir nicht vorstellen, ohne Mütze auf die Bühne zu gehen. WIE LIEF DAS FESTIVAL IN KOPENHAGEN AB UND INSBESONDERE DIE NETTE BÜHNEN AKTION MIT TACTICAL SEKT? Carsten: Wir haben in Kopenhagen auf dem DAS BOOT FESTIVAL gespielt. Anthony hat uns Backstage angesprochen, ob wir nicht Lust hätten, mit ihm zusammen die [:SITD:] Version von TACTICAL SEKT’s “X-Fixiation“ zu performen und wir haben ihm spontan zugesagt. Hat Spaß gemacht – das dänische Publikum hat ordentlich gefeiert! WIE LANGE PFLEGT IHR SCHON EINE BEKANNTSCHAFT/ FREUNDSCHAFT MIT ANTHONY UND CO.? Carsten: TACTICAL SEKT haben uns neben GRENDEL teilweise auf der “Coded: Message 12“-Tour begleitet. Seitdem kennen und schätzen wir uns. UND WELCHES BESONDERE VERHÄLTNIS HABT IHR ZU PAINBASTARD? VOR DER TOUR GAB ES JA AUCH DIE GEMEINSAME KLANGFUSION SPLIT. WAS VERBINDET EUCH? Tom: Wir haben uns vor einigen Jahren in der Moritzbastei in Leipzig kennen gelernt. Alex und ich sind uns dort zufällig über den Weg gelaufen. Seitdem hat man sich nie aus den Augen verloren, sei es durch Remix-Kooperationen oder natürlich durch gemeinsame Konzertveranstaltungen. Man kann sagen, dass wir ähnlich ticken und menschlich auf derselben Wellenlänge liegen. Die Musik von PAINBASTARD haben wir zuvor schon seit dem ersten Album “Skin On Fire“ mit Interesse verfolgt. DU WARST WAR JA BEIM WGT AUCH BEI ROTERSAND AUF DER BÜHNE. IST DIE DEUTSCHE ELEKTROSZENE EIN EINZIGER GROSSER FREUNDESKREIS? Tom: Lass es mich so sagen, es gibt es nicht so viele Bands in der Elektroszene, mit denen wir uns gar nicht verstehen. Stattdessen pflegen wir zu vielen Bands freundschaftliche Beziehungen und das teilweise schon seit vielen Jahren. Bei der jetzigen Tour ist zum Beispiel Ronan spontan mit MODCOM eingesprungen, als DESTROID den Termin in Hamburg nicht wahrnehmen konnten und das mit einer Vorlaufzeit von nur einem Tag. Man hilft sich halt aus, wo man kann oder man besucht sich, wenn man auf Tour ist und in der Nähe gastiert. So etwas fördert sicherlich das Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl. DANIEL MYER VON DESTROID/ HAUJOBB IST JA FAST EINE ELECTRO LEGENDE. INWIEFERN KANN MAN SICH DA NOCH WAS ABSCHAUEN? GAB ES NACH DEM KONZERT IN HERFORD NOCH EINE FEIER MIT SEINEN OSTWESTFÄLISCHEN FREUNDEN UND ELTERN? Tom: Zweifelsohne ist er das und wir schätzen ihn und seine Musik sehr. Selbstverständlich unterhält man sich im Laufe einer Tour auch über musikalische Belange oder persönliche Erfahrungen. So ein Austausch ist immer interessant und hilfreich. In Herford waren Daniels Familie und auch Dejan von HAUJOBB zu gegen, mit denen wir dann nach der Show noch lange zusammen gesessen und auch ein wenig gefeiert haben. WIE SIND EURE LIVE PLÄNE FÜR DAS JAHR 2008, INSBESONDERE WAS FESTIVALS ANGEHT? Carsten: Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf die Weihnachtsfestivals. Wir spielen am 25.12. auf dem DARK STORM Festival in Chemnitz und am 26.12. und 27.12. auf den DARK-X-MAS Festivals in Augsburg und Ludwigsburg, sowie am 28.12. auf dem NEUWERK Festival in Düsseldorf. Unsere Booking-Agentur NEUWERK ist aber schon mit den Planungen für das kommende Jahr beschäftigt und wir gehen davon aus, dass wir auf einigen Festivals zu sehen sein werden. Bestätigt ist bislang die CASTLE PARTY am 27.07. in Bolkow / Polen. Sobald neue Termine hinzu kommen, werden wir das auf unserer Homepage www.sitd.de bzw. www.myspace.com/xsitdx bekannt geben. ZUR NEUEN SCHEIBE: WIE LIEF DAS SONGWRITING AB? Tom: Die ersten Songideen sind schon im letzten Jahr entstanden. Da ich ja jetzt in Hamburg wohne und Carsten weiterhin im Ruhrgebiet lebt, fand zunächst ein reger Austausch von Demos, Gesangsspuren und Texten über das Internet statt. Wir haben gesammelt und selektiert. Als wir dann in diesem Jahr im Februar ins Studio gegangen sind, stand bereits ein Großteil der Songs für das Album im Grundgerüst fest, so dass wir uns auf die Feinarbeiten konzentrieren konnten. In dieser Zeit haben wir dann sehr effektiv im Studio in Hamburg zusammen gearbeitet. GAB ES BESONDERE UNTERSCHIEDE IM VERGLEICH ZU FRÜHER? Tom: Mein Umzug nach Hamburg und die damit einhergehende Luftveränderung waren für das Album sicherlich von Vorteil, da die bereichernden Eindrücke, die man durch die neuen Lebensumstände gewinnt, einen positiven Effekt im Hinblick auf die eigene Kreativität hatten. WAR FRANCESCO AUCH BETEILIGT? Tom: Frank war bei einer der Studio-Sessions auch mit von der Partie. Grundsätzlich ist er aber nicht direkt an der Arbeit im Studio beteiligt, weil er zeitlich sehr mit seinem Plattenlabel DARK DIMENSIONS und seinem WONDERLAND Shop eingespannt ist. TOM, NIMMST DU EIGENTLICH GESANGSUNTERRICHT, UM DEINE STIMME WEITER ZU VERBESSERN? Tom: Nein. Autodidaktische Arbeit ziehe ich vor. WELCHE UNTERSCHIEDE SEHT IHR PERSÖNLICH BEIM SOUND VERGLICHEN MIT DEN VORGÄNGERN? Tom: “Bestie: Mensch“ ist sicherlich das abwechselungsreichste und von der produktionstechnischen Warte aus gesehen, unser ausgereiftestes Album. Wir sind akribische Arbeiter, was das Songwriting und die Produktion angeht. Wenn man an die Anfangstage zurück denkt und diese mit dem neuen Album vergleicht, dann haben wir in sämtlichen Belangen einen großen Schritt vollzogen. Vielleicht hätten wir es uns damals nicht getraut, uns an solche Stücke wie “Telepathic“ oder “Floating“ heranzuwagen. Aber wir haben auch nicht unsere eigenen Wurzeln außer Acht gelassen und die Clubkompatibilität vernachlässigt. Dafür stehen wiederum Songs wie “Kreuzgang“, “Stammheim“, “Silver Bombs“ oder “Propaganda“. Es kommt immer auf die Mischung an. “Bestie: Mensch“ ist der nächste logische Schritt einer Entwicklung, mit deren Ergebnis wir nun nach Fertigstellung sehr froh und glücklich sind.. WAS VERBINDET EUCH MIT DEM THEMA RAF TERRORISMUS. IST JA AKTUELL WIEDER EIN ANGESAGTES THEMA IN DEN MEDIEN. KÖNNT IHR DIE BEWEGGRÜNDE DER RAF (NICHT DIE AKTIONEN) BIS ZU EINEM GEWISSEN GRAD NACHVOLLZIEHEN? Carsten: Das Thema “RAF“ geriet durch die aktuelle Begnadigungsdebatte in den Fokus unseres Interesses. So entstanden dann die ersten Ideen zum Song “Stammheim“, wobei wir uns die Fragen gestellt haben: Wie entsteht politisch motivierte Gewalt? Worin liegen ihre Ursprünge und wozu führt sie? Wenn man die Beweggründe der RAF beleuchten möchte, muss man weit zurückblicken. In den 60er Jahren wuchs eine Generation heran, die das Verhalten ihrer Eltern während des Nationalsozialismus kritisch betrachtete. Ebenso den Kapitalismus, das parlamentarische System und die bürgerlichen Lebensformen. Seit dem Tod von Benno Ohnesorg, der im Juni 1967 unter ungeklärten Umständen von einem Polizisten bei einer Demonstration erschossen wurde, radikalisierte sich zunehmend die Studentenbewegung. Aus diesem Umfeld stammen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof, die sich als radikale Avantgarde einer antiimperialistisch orientierten Opposition verstanden und 1970 die RAF gründeten. Wenn man bedenkt, dass die Rote-Armee-Fraktion für insgesamt 34 Morde verantwortlich war und bei vielen ihrer Terroranschläge auch Unbeteiligte, d.h. Chauffeure, Familienmitglieder etc. von Politikern und Personen in hohen Ämtern, verletzt oder sogar getötet wurden, dann kann man nur ganz klar zu der Schlussfolgerung kommen, dass eine Glorifizierung der RAF und ihrer Taten völlig verfehlt wäre. Selbst wenn man die Beweggründe der RAF zu einem gewissen Grand nachvollziehen mag, sollte man sich im Gegenzug die Frage stellen, wie ein betroffenes Familienmitglied, das einen geliebten Mensch durch ein Sprengstoffattentat oder auf andere heimtückische Weise verloren hat, die von der RAF gewählten Mittel ihres Kampfes beurteilen würde. Auch über die Gnadengesuchsfrage kann und muss man diskutieren. Es ist zweifelhaft, ob ein Familienmitglied eines Opfers Verständnis für die Begnadigung eines Terroristen aufbringen mag und kann. Andererseits kann man sich aber auch die Frage stellen, ob ein Mensch sich nicht nach 20 Jahren Haft ändern kann und gewillt ist ein anderes Leben zu führen und dazu fähig ist, glaubhaft seine Taten zu bereuen. Das ist keine Frage der persönlichen bzw. mehrheitsfähigen Meinung, die man durch ein Votum in der Bevölkerung herbeiführen könnte. Hier müssten im Einzelfall auch die Hinterbliebenen der Opfer zu Rate gezogen werden. Dieses Konstrukt gibt es leider nicht in unserem Rechtssystem. Ein solches wäre aber durchaus wünschenswert. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass ein Musikstück nie eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema in all ihrer Komplexität ersetzen kann. Durch eine künstlerische Herangehensweise kann man aber ergänzend dazu beitragen, ein unbewältigtes Thema der deutschen Geschichte zu enttabuisieren. BEZIEHT SICH DIE „BESTIE MENSCH“ IM TITEL EIGENTLICH AUCH AUF GLEICHNAMIGE RENOIR FILM? Carsten: Du meinst den gleichnamigen französischen Film mit Jean Gabin, in dem ein Lokführer zum Amokläufer wird? Wir kennen sowohl den Film als auch den Roman “Der Totschläger“ von Emile Zola, der dem Film als literarische Vorlage diente. Beide Werke haben aber nur entfernt etwas mit dem Titel unseres Albums zu tun. Darüber hinaus gibt es ja auch noch das gleichnamige Buch des österreichischen Kriminalpsychologen und Profilers Thomas Müller, der die Hintergründe der Taten von Serienkillern auf ihre Motive und Muster durchleuchtet. Wir hingegen haben auf die “Bestie: Mensch“ abgezielt, die in jedem von uns in irgendeiner Form wohnt und die wir auf den ersten Blick gar nicht bemerken. Wir finden sie erst, wenn wir uns selbst und unser Handeln bzw. Nichthandeln hinterfragen. Selbst wenn es um Güter und Interessen geht, die uns höchstpersönlich betreffen, fühlen wir uns oftmals nicht davon tangiert. Diese Abgestumpftheit und Lethargie macht den Menschen zur eigentlichen Bestie, der alles egal ist, was um sie herum geschieht. Wir haben den Eindruck, dass das mal anders war und die Hoffnung, dass das auch wieder anders werden kann. Wir sollten mehr um unsere Interessen kämpfen und nicht andere für uns ausschließlich alleine entscheiden lassen. Das sind die eigentlichen Hintergründe und die Intention, die hinter dem Albumtitel steckt. Der Einfluss einer Band in der Größenordnung von [:SITD:] mag in diesem Zusammenhang gering sein, dennoch hält es uns nicht davon ab, uns damit auseinander zu setzen. Das ist uns ein sehr ernstes und überaus wichtiges Anliegen, von dem wir wissen, dass es bei unserem Publikum gut aufgehoben ist. Unser Publikum und unsere Szene generell sehen wir als eine Gemeinschaft, die viel nachdenkt und hinterfragt. Wenn wir damit alle gemeinsam eine Gegenbewegung zu der Oberflächlichkeit des Mainstreams bilden können, dann ist das in unserem Sinne. WIE WIRD GENERELL BESTIMMT, WELCHE TITEL WER SINGT? DIESES MAL GIBT ES IM OPENER JA SOGAR EINE ART DUETT. Carsten: Das hat sich im Studio so entwickelt. Wir sind eigentlich nicht von vornherein festgelegt, wer von uns in welcher Form etwas macht. Natürlich liegt die grundsätzliche Aufgabenteilung darin, dass sich Tom um die Musik, und ich mich um den Gesang und die Texte kümmere. Die Grenzen sind aber fließend und jeder hat direkten Einfluss auf die Arbeit des anderen. Wir probieren alles Mögliche aus und halten letztlich an der Idee fest, von der wir gemeinsam am meisten überzeugt sind. Bei “Herbsterwachen“ war es dann die Idee des gemeinsamen Gesangs. Wir empfanden das als sehr passend. Den Ausdruck “Duett“ würden wir in diesem Zusammenhang aber selbst nicht verwenden. “Herbsterwachen“ ist weder eine Ballade, noch hat es sonst irgendetwas mit einem Duett im herkömmlichen Sinne gemein. WAS DENKT IHR: WIRD DIE MENSCHHEIT ERST SICH SELBST ODER ERST DIE NATUR VERNICHTEN (WAS JA IM ENDEFFEKT AUF DASSELBE HINAUS LÄUFT). ODER GIBT ES NOCH LÖSUNGEN FÜR DAS PROBLEM? Carsten: Die Natur wird sich immer wieder selbst regenerieren – auch wenn das Tausende von Jahren dauert, der Mensch hingegen wird es früher oder später sicherlich schaffen, sich selbst auszulöschen. Als intelligente Lebensform sollte er aber eigentlich zum Lernen und zur Einsicht fähig sein. Deswegen darf man die Hoffnung nie aufgeben, dass sich etwas auf dieser Welt verändern kann, wenn wir verstehen und uns ändern wollen… MITTLERWEILE SEID IHR FEST IN DER ELECTRO SZENE ETABLIERT. WAS WAR BISHER DAS SCHÖNSTE ERLEBNIS/ DIE GRÖSSTE ENTTÄUSCHUNG EURER KARRIERE? Tom: Die gerade absolvierte Tour mit PAINBASTARD und DESTROID gehört sicherlich zu den schönsten Erlebnissen. Eine große Enttäuschung war für uns, dass wir unsere geplante US-Tour mit COMBICHRIST in diesem Jahr, auf die wir uns schon sehr gefreut hatten, wegen eines familiären Trauerfalls absagen mussten. VOR KURZEM HABEN WIR EIN INTERVIEW MIT DE/VISION GEMACHT: DEREN MEINUNG NACH GEHT DAS CD VERKAUFSGESCHÄFT DEN BACH RUNTER UND ÜBER KURZ ODER LANG WIRD MAN ALS MUSIKER SEINE SACHEN NUR NOCH ONLINE SELBST VERKAUFEN, WENN MAN KEIN SUPERSTAR IST. IHRE MEINUNG DAZU? WOHIN GEHT ES MIT DER MUSIKINDUSTRIE, GERADE IM INDIE BEREICH. SIEHE AUCH DEN NIEDERGANG VON DEPENDENT. Tom: Den Standpunkt von DE/VISION können wir gut nachvollziehen. Wir kennen genügend Bands, die seit vielen Jahren erfolgreich in der Szene aktiv sind. Allgemeiner Tenor der Künstler ist, dass sie nur noch ein zehntel der Plattenverkäufe erzielen, die sie noch vor 10 bis 15 Jahren hatten. Viele Bands leben von der Musik und es wird immer schwieriger, seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, weil die Ausgaben oftmals die Einnahmen übersteigen. Die illegalen Piratenportale leben auf Kosten der Musiker und Labels und berauben deren Existenzgrundlage. Die Folge ist: Es wird weniger Labels und weniger Bands im elektronischen Musikbereich geben und der Musikfan wird in Zukunft auf viele persönliche Lieblingsbands verzichten müssen. In diesen allgemein schweren Zeiten auf dem CD-Markt sind wir wirklich froh, dass unser aktuelles Album von unserem Publikum so gut angenommen wurde und auch gekauft wird. Wir sehen es aber selbst, dass es zum Beispiel fast nicht mehr möglich ist, eine Maxi-Single kostendeckend zu veröffentlichen. Man wird sehen, wohin die Reise führen wird. Noch ein Wort zu DEPENDENT: Stefan Herwig und sein Label, waren die erste Plattenfirma überhaupt, die auf uns aufmerksam geworden ist. Wir haben über die Jahre immer wieder in irgendeiner Form zusammengearbeitet. Da trifft einen natürlich der Schlag, wenn man hört, dass DEPENDENT als Label aufhört zu existieren. Es kann wirklich jedes Label und somit auch jede Band treffen… Stefan wünschen wir bei seinen zukünftigen beruflichen Schritten vom Herzen alles Gute! EINE FRAGE ZUM REMIX FÜR OOMPH!: WIE IST ES ZU DEM KONTAKT GEKOMMEN? Tom: Die Jungs sind sehr umgänglich und nett. Das erste Mal haben wir 2002 auf einem Festival in Herford zusammen gespielt. Seitdem kam es dann immer wieder in losen Abständen zu gemeinsamen Festivalauftritten. Bei einer Release-Party zum Album “Glaube, Liebe, Tod“, war ich neben Dero als DJ eingeladen. Dort lernte ich das Management der Band kennen und es entstand die Idee, dass wir den Song “Das Letzte Streichholz“ remixen könnten. Das haben wir getan und der Mix kam gut an, so dass wir kurze Zeit später dann erneut eine Einladung bekamen für die Promo-Single von “Träumst Du“ einen [:SITD:] Remix beizusteuern. GAB ES BESTIMMTE VORGABEN VON DERO UND CO.? Tom: Bestimmte Vorgaben gab es nicht, außer dass die Mixes clubtauglich sein sollten. ICH STELLE MIR SO ETWAS SEHR LUKRATIV VOR, IST JA DOCH EINE „GROSSE“ CHARTS BAND. ODER LIEGE ICH DA KOMPLETT FALSCH? Tom: Das ist mit Sicherheit lukrativ im Hinblick auf unseren Bekanntheitsgrad. Wir konnten mit den Remix-Arbeiten viele Leute erreichen, die uns zuvor nicht kannten und auch den einen oder anderen OOMPH! Fan für unsere Musik gewinnen. MICH WÜRDE INTERESSIEREN, OB DAS BEI DER GRENDEL TOUR PERFORMTE QUASI DEMOSTÜCK „ATOMIC“ NOCH FÜR EIN RELEASE GEPLANT IST. EVT. AUF EINER EP?! Tom: Das ist grundsätzlich nicht auszuschließen, aber geplant ist das zumindest im Moment nicht. IHR LEGT JA AUCH GERNE ALS DJ AUF. WAS SIND EURE AKTUELLEN LIEBLINGSTITEL? Tom: Ich spiele viel klassischen EBM. Also FRONT 242, NITZER EBB und solche Sachen. Das hängt aber auch immer vom Publikum ab. Ein aktueller Lieblingstitel ist zum Beispiel “Now Destructor“ von THE HORRORIST. UND WAS HÖRT IHR AKTUELL PRIVAT? Carsten: Das ist bei uns allen sehr breit gefächert: Electro, Techno, aber auch Country-Music und Gitarren-Bands aus dem Indie-Sektor. Um ein paar Namen zu nennen: THE PRODIGY, UNDERWORLD, TRENTEMØLLER, EDITORS, HANK WILLIAMS III und JOHNNY CASH. UND NOCH EINE FRAGE ABSEITS DER MUSIK: SEID IHR ALS FANS ZUFRIEDEN MIT DER AKTUELLEN FUSSBALLLAGE, VOR ALLEM, WAS DIE RUHRGEBIETSCLUBS ANGEHT? Carsten: Nach nun zwei Siegen in Folge und einem aktuellen Tabellenplatz vor dem BVB, dem Lieblingsverein von Frank, und nur drei Punkte hinter Toms S04 kann ich mich über das Abschneiden meines VfL Bochum nicht beklagen. Aber das werden Frank und Tom mit Sicherheit anders sehen… Tom: Abgerechnet wird am Schluss und die Saison ist noch lang. Das macht 3 Euro fürs Phrasenschwein. VIELE GRÜSSE UND WEITERHIN VIEL ERFOLG MIT EURER KONSEQUENTEN UND EHRLICHEN ARBEIT! Carsten: Das freut uns. Wir haben zu danken!

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