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SUBWAY TO SALLY (BODENSKI)

UNSERE MITARBEITERIN CARO KRUSE HATTE IM VORFELD DES SUBWAY TO SALLY-KONZERTS IM OSNABRÜCKER HYDE PARK DIE GELEGENHEIT EIN INTERESSANTES INTERVIEW MIT HAUPTSONGWRITER BODENSKI ZU FÜHREN, ERSTMAL WOLLTE ER ABER WISSEN, OB IHM VOM TERRORVERLAG VIELLEICHT GEFAHR DROHEN WÜRDE… Von welchem Verlag bist du noch mal? VOM TERRORVERLAG Terrorverlag? Kann man sich nicht mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigen? (lacht) NA JA, DER NAME HAT WENIGER MIT DEM ZU TUN, WAS MAN VIELLEICHT ALS ERSTES ASSOZIIERT (grinst). ABER NUN ZU SUBWAY TO SALLY: NEUES ALBUM, NEUE HOMEPAGE… FANGEN WIR MAL MIT DER HOMEPAGE AN: SEID IHR AN DER GESTALTUNG BETEILIGT GEWESEN? Nein, so kann man das nicht sagen. Wir haben da jemanden gefunden, nein, eher gesagt hat sich jemand aus unserem Fankreis angeboten. Der hat gesagt, er möchte das gerne machen und hat da ganze Arbeit geleistet, finde ich. Wir hatten vorher eben so eine Firma, die das professionell betrieben hat, und jetzt steckt eben doch ein bisschen mehr Herzblut darin… JA, ALLERDINGS, DIE SEITE IST WIRKLICH GUT GEWORDEN! JEMAND, DER VOLL HINTER DER SACHE STEHT, MACHT DAS DANN DOCH NOCHMAL ANDERS UND IN DEM FALL AUCH BESSER … Ja, das sind immer die Besten. ZUM NEUEN ALBUM: SIEBEN, DIE SINGLEAUSKOPPLUNG, IST AUF PLATZ 45 DER CHARTS EINGESTIEGEN. ICH HABE MICH LETZTE WOCHE SCHON MIT DEM LETZTEN EINHORN VON IN EXTREMO KURZ DARÜBER UNTERHALTEN, DASS BEI ERFOLGEN DIESER ART VIELE LEUTE SCHNELL DIE „KOMMERZ“ – SCHUBLADE AUFMACHEN… WIE STEHT IHR DAZU? Du, das sind die gleichen Leute, die sich fünf Jahre später eine Schrankwand kaufen, eine Krawatte umbinden, einen Bürojob machen und diese Szene hinter sich lassen. Ich mein, diese Kommerzvorwürfe hör ich so lange, wie wir Musik machen. Eigentlich ist es völlig lächerlich und albern. Ich meine, worum geht’s dabei eigentlich… ich glaube, das ist auch immer die Angst von Leuten – wenn sie das wirklich ernst meinen! – dass man ihnen ihr Spielzeug wegnimmt. Dass das irgend etwas ist, was sie mit keinem teilen wollen, ihre Band sozusagen… Wie oft hört man auch „Ja, und da spielen sie in großen Hallen, und da kann man gar nicht mehr richtig wild tanzen“ – Vielleicht ist da ein stückweit was dran, aber ich glaube, dass wir da irgendwie jenseits von irgendwelchen Verdächtigungen sind. Dass eine Plattenfirma eine Platte immer auch verkaufen will, ist ja klar. Das einzige Tool, was allen einfällt, seitdem ich Musik mache, ist ein Single-Thema zu haben und ein Video – um Leute mit einer Musik zu infizieren, die sie vorher nicht kannten. Da bin auch als Musiker jetzt mal so eitel, dass ich sage: Das was ich mache, finde ich so gut. Und ich stehe auch so dahinter, dass ich mich freue, wenn man damit so viele Leute wie möglich erreicht. Ich erlebe das ja immer wieder, ich lern Leute kennen, auch außerhalb meines Berufes, und die sagen „Was machst denn du so?“ und ich sag „Ich spiel in ner Band“ und dann kommt „Ja, was ist´n das für Musik?“ und dann beschäftigen sie sich damit, und manche sagen „Das find ich ja toll, wieso hab ich davon noch nie was gehört, das gefällt mir“. Und nicht jeder liest eben Metalzeitungen oder kennt den Terrorverlag (grinst und lacht) Es wird sicher immer ein Thema sein, aber da muss man versuchen, ganz entspannt zu bleiben. Und das mit der Single möchte ich ungern so stehen lassen, das Album ist immerhin auf Platz 5 der Albumcharts, das muss man ja auch mal erwähnen. VERMUTLICH NICHT IMMER GANZ EINFACH, DA ENTSPANNT ZU BLEIBEN – DU HAST GERADE AUCH DIE VIDEOS ERWÄHNT, DIE JA AUCH FÜR DIE BANDS UND DIE FANS EINE (MEHR ODER WENIEGR GROSSE) ROLLE SPIELEN. WOLLT IHR WEITERHIN VERSUCHEN; EURE VIDEOS BEI MUSIKSENDERN ZU PLATZIEREN? ES HAT DA JA EINIGEN ÄRGER GEGEBEN… Na ja, was heißt Ärger. Ich meine, die kriegen jeden Tag Dutzenden von Videos auf den Tisch. Und da ist natürlich klar, dass die eher eine Vorstellung davon haben, welchen Lifestyle sie den Leuten präsentieren wollen. Da geht’s um Sendezeiten, um Werbeplätze… welche Werbebotschaft blendet man nach einem SUBWAY TO SALLY-Video ein? Sicher nicht Niky-Turnschuhe oder irgend so was. Na ja, also da wird’s schwierig. Und was uns damals nur geärgert hat, ist, dass es damals eine Voting- Sendung gab, und wir hatten das Video halt im Voting dabei und hatten ganz klar gewonnen, weil wir an unsere Fans eine Rundmail rausgeschickt haben, dass das stattfindet. Und die haben uns dann aus diesem Voting rausgenommen und haben gesagt, das wäre gefaked. Das find ich einfach unfair, jeder einzelne, der da angerufen hat, hat seine 1,49 oder was weiß ich bezahlt für den Anruf, und es ist ja nun wirklich nicht so, dass sich die Bandmitglieder da hingesetzt haben und 1000 Mal angerufen haben. Sondern das waren Leute, die das Video auch wirklich sehen wollten. JA, DAS KAM DANN DOCH DIREKT VON DEN FANS. Ja. Aber mit solchen Sachen muss man halt leben, irgendwie, das ist traurig, aber ist eben so. Wenn du mich jetzt fragst, ob wir weiter versuchen werden, das zu platzieren, dann lautet die Antwort: Sicherlich nicht mit Macht. Es kostet auch einfach eine ganze Menge Geld. Und das einfach so zu verbrennen, macht keinen Sinn. Da müssen wir mal gucken, wie es jetzt läuft. NOCHMAL ZUM NEUEN ALBUM: WIESO IST ES SO GEWORDEN, WIE ES JETZT IST, SOLL HEISSEN: WIE SIND DIE SONGS ZUSTANDE GEKOMMEN, UND VOR ALLEM: WIE KAM ES ZU DEN FEUER- UND EISMOTIVEN, DIE DAS GANZE JA DURCHDRINGEN? HABEN SIE DIREKT MIT DEN BANDMITGLIEDERN ZU TUN? Also, wir fangen ja immer früh an und wir unterhalten uns immer erst ganz viel über eine Platte, die entstehen soll. Wir machen ja nicht „einfach so“ Musik, sondern das fängt schon mit Kopfarbeit an. Und diese Idee, mit Feuer und Eis was zu machen, stand ganz am Anfang Pate. Und das war auch eine Überlegung, die damit zu tun hat, dass die „Engelkrieger“–Platte von den Themen her ganz klar so angelegt war, dass man sagt, wir suchen Themen, die so sind als wären sie aus der Zeitung oder so. Sie haben wirklich mit jedem zu tun, sind Dinge, die Menschen passieren. Unschöne Dinge, Missbrauch oder Sterbehilfe zum Beispiel, und solche Sachen. Dass man so eine Platte erstmal nur einmal macht, ist klar. Und wir wollten eine andere Platte machen, und deswegen haben wir uns unterhalten und gesagt, es soll eher eine Reise sein, durch bestimmte Seelenzustände oder durch Gefühlswelten – und du brauchst dafür ja immer auch ein Bild, also Metaphern. Und Kälte, und als Gegenpol dazu Feuer, war da eine Idee, damit was zu machen. Ich hab dann angefangen, Texte zu schreiben, Ingo hat dann ein paar Refrainzeilen gesagt, die er so im Kopf hatte, weil er auch schon anfing, Lieder zu komponieren. Und so sind ein paar Sachen entstanden, und eigentlich sind erst in der letzten Phase der Arbeit an der Platte – im letzten halben Jahr – die Sachen dazu gekommen, die ein bisschen davon weggehen, was ich im Nachhinein auch ganz gut finde, um das ganze ein bisschen aufzulockern. Da ist dann noch „Sieben“ entstanden (ERIC FISH KOMMT REIN, SETZT SICH AN DEN NEBENTISCH, SUCHT ETWAS) Das Seemannslied kam dann noch, obwohl es von der Art und Weise ja auch reinpasst, und auch „Rätsel II“. Wir hatten dann auch so viel zu diesem Thema zusammengetragen, es wird dann ja auch immer schwieriger, noch etwas dazu zu erfinden. Es war eigentlich schon eine ganz schön schwierige und lange Arbeit, wie wir uns mit den Motiven und Songs rumgeschlagen haben. Auch wenn es am Ende so einfach zu sein scheint. WIE KAM ES DANN ZUM TITEL DES ALBUMS? Tja, wir saßen dann zusammen und waren so richtig verzweifelt, irgendwie hat man schon über alles nachgedacht. Na ja, wir haben’s dann doch relativ einfach gemacht: Wir hatten das Erscheinungsdatum schon, Ende des Sommers, so August, und hatten uns zur Aufgabe gestellt, einen Titel zu finden, der das illustriert, was da passiert, eine große Reise in die Kälte ERIC FISH: Stör ich dich? (grinst) BODNSKI: Ja, das ist ein Geraschel hier… bist gleich fertig? Und wir wollten halt nicht, dass in dem Titel ein Wort auftaucht wie Winter, oder Schnee, oder Kälte oder Eisheilige. Da haben wir dann ein bisschen rumgespielt und hatten dann eine Weltkarte in der Hand, die vom Nordpol aus aufgezeichnet war. Darüber kamen wir auf die Himmelsrichtungen und darüber kamen wir dann auf „Norden“ klingt so für sich ja doof, und da wir irgendwo von unseren Wurzeln her auch viele Ossis in der Band haben dachten wir, NordNordOst, das klingt super! DER TITEL IST NICHT NUR GRIFFIG, ER WECKT, DENKE ICH, AUCH DIE ENTSPRECHENDEN (UND GEWÜNSCHTEN) ASSOZIATIONEN MIT KÄLTE, SCHNEE … Ja… und da, wo wir wohnen, wenn du von da aus nach NordNordOst fährst, kommst du in Sibirien an oder so. (lacht) In die seelische Verbannung… also das kann man so gesehen schon ziemlich breit interpretieren. Wir sind damit ganz zufrieden, auch weil’s schön knackig ist. Auf meinen CDs zu Hause, die ich dann immer gebrannt habe, stand dann immer STS NNO… (grinst). HABT IHR BEI „FEUERKIND“ eine Djembe eingesetzt? Was ist denn ne Djembe? (zu Frau Schmitt, die die ganze Zeit an einem anderen Tisch des Tourbusses sitzt) Sag mal, watt war das noch mal? Das ist ein Saiteninstrument, oder? Nicht diese Percussion oder? FRAU SCHMITT: Das ist wie ne Laute, so ähnlich… Das ist wie ne Laute… mh, ich hab nur überlegt, dieses Percussion-Teil da, das sind so indische Tablas, und Ingo spielt ja auch live auf der Bühne, das ist ne normale Laute in ner speziellen Stimmung. IHR SEID JA VOM MUSIKSTIL HER EIN BISSCHEN VON DER HÄRTE ABGEWICHEN, WELCHE DIE „ENGELSKRIEGER“ NOCH HATTE – UND DAS, OBWOHL IHR ZUM METAL-LABEL NUCLEAR BLAST GEWECHSELT SEID…? Ja gut, das mit dem Metallabel ist ja so, dass wir da nicht wirklich Rücksicht drauf nehmen. Die haben sich auch nicht eingemischt. Markus, der Chef der Plattenfirma, ist ja ein erklärter Fan von SUBWAY TO SALLY, seit Jahren schon. Und ich denke, die Gitarren sind nicht weniger hart auf dem neuen Album. Es gibt nur ein bisschen opulenteres Drumherum – mehr Streicher, mehr Programm… UND DAS FÄNGT DEINER MEINUNG NACH DIE HÄRTE DER GITARREN MEHR AB ALS AUF DER „ENGELSKRIEGER“? Ja, dadurch hat man diesen Eindruck, dass das alles wieder ein wenig „kuschliger“ ist. Aber trotzdem hat man da genau so die Gitarren wie auf der „Engelskrieger“. WIE KAM ES ZUM WECHSEL ZUM NEUEN LABEL? Ganz simpel, wir haben ja nun eine Odyssee durch zig Mediafirmen in den letzten Jahren hinter uns und hatten dann, nachdem im Hause der Universal eine Abteilung, wo wir waren, dichtgemacht wurde, hatte man uns zu Motor rübergeschoben, wo wir immer hinwollten. Die wollten uns aber nie haben. Insofern war das also keine Liebesheirat, und hatten dann noch das letzte ausstehende Album, wo wir da noch einen Vertrag hatten. Wir haben aber gemerkt, dass es da nicht wirklich eine Basis gibt. In den letzten Jahren, wo wir bei den Liederfirmen waren, waren die Leute sehr mit sich selber beschäftigt, wo viel umstrukturiert wurde, also quasi waren Leute, mit denen man gestern geredet hatte, morgen nicht mehr da, und ich glaube, dass da nie jemand die Band wirklich gemacht hat. Und die haben dann den Vertrag nicht verlängert, wir waren ganz froh darüber, und haben uns dann in die offenen Arme von Nuclear Blast begeben, die uns schon zwei Jahre vorher schon mal umworben hatten, als wir schon mal eine Firma suchten. Wir hatten uns dann schon damit auseinandergesetzt, kannten die Firma, hatten die auch schon mal besucht. WENN DA SOGAR EIN FAN AN DER SPITZE STEHT, IST DAS NATÜRLICH EIN WESENTLICH BESSERES GEFÜHL ALS EINFACH NUR GEDULDET ZU SEIN. Ja, das ist eigentlich schon Luxus, so arbeiten zu können, in einer Zeit, wo es ja eigentlich immer schwerer wird. HABT IHR VON DEM ÄRGER UM DIE SCHATZTRUHENGESCHICHTE VIEL MITBEKOMMEN? GAB ES VIELE REKLAMATIONEN? Ja, klar. ERIC FISH: 435… (guckt ERIC an, dann wieder zurück) 435… PUH … Na ja Moment, aber die Leute haben ja eine Menge Geld dafür bezahlt, das ist so absolut richtig. Da muss die Plattenfirma für gerade stehen, das ist ganz klar. Es ist schade, dass gute Ideen durch so einen Fehler so diskreditiert werden. Aber man kann sich davor auch nie schützen. Das ist ja auch nicht das erste Mal, dass wir eine Rückrufaktion haben. Wir hatten mal eine Single, wo ein Videotrack, so ein Bonustrack drauf war, der sich in der ersten Pressung nicht öffnete, der nicht anzuklicken war und nicht funktioniert hatte. Die mussten wir alle zurückrufen und noch mal machen. Und das trifft dann natürlich immer die allerersten Fans, die das kaufen, die, die in der ersten Reihe stehen. Und das ist das Bedauerliche dabei. (ERIC FISH verschwindet, SIMON MICHAEL setzt sich dorthin, wo er vorher gesessen hat) EINE FRAGE, ÜBER DIE ICH MICH NEULICH MIT EINEM BEKANNTEN UNTERHALTEN HABE, IST, INWIEWEIT SUBWAY TO SALLY NUN WIRKLICH IM KONKURRENZDENKEN ZU IN EXTREMO STEHT. Gleichzeitig mit SIMON MICHAEL: Zu wem? IN EXTREMO.. IHR WISST SCHON (muss grinsen) Zu wem? (lacht) Da müssen wir mal durchgoogeln (lacht) SIMON MICHAEL: Ja, da googeln wir mal durch (lacht) DA GIBT ES JA DIE EINE ODER ANDERE ANSPIELUNG – ETWAS WEIT HERGEHOLT FAND ICH DIE ANNAHME, IN EXTREMO HABE EIN ALBUM, DAS SIEBEN HEISST, IHR HABT JETZT EINEN SONG, DER SIEBEN HEISST. ABER WO MAN SCHON EHER DENKT, DASS DAS WOHL ABSICHT IST: BEI IN EXTREMO IM SONG „RAUE SEE“ HEISST ES JA „SO STEU´RE ICH DAS TOTENSCHIFF MIT VOLLER KRAFT AUFS NÄCHSTE RIFF“… EINE ANSPIELUNG AUF EUER „KNOCHENSCHIFF“, ODER? Auf welchem Album ist das? AUF DEM NEUEN… Nee, oder? DOCH. WIRKLICH. IN „RAUE SEE“, DER ERSTE SONG AUF „MEIN RASEND HERZ“. ALS ICH DEN SONG DAS ERSTE MAL GEHÖRT HABE, WAR DA SOFORT DIE ASSOZIATION MIT EUREM „KNOCHENSCHIFF“… (lacht) UND IHR HABT JA BEI RÄTSEL II DEN ERDBEERMUND ERWÄHNT, DA KÖNNTE MAN JA AUCH DENKEN … Könnte man nicht nur, sondern muss man. OKAY… ALSO WAR DAS GENAU SO ANGEDACHT? Ja, aber das sind Schattenfechtereien, ich hab kein Problem mit den Menschen, die dahinter stehen. Wir kennen uns ja alle, und da gibt’s ja auch Freundschaften untereinander. Und dass sie als Band zu uns in einer gewissen Konkurrenz stehen, das kann man so postulieren… das ist ja auch nicht dramatisch, denn wir alle profitieren ja davon, dass diese beiden Bands und auch andere eine Szene mitgeschaffen haben, die es so vorher vielleicht nicht gab. Oder auch etwas gebündelt haben, Menschen zusammen geführt haben, von Mittelaltermärkten, die es ja schon länger gibt, wo es eine ganz kleine Gruppe war, sozusagen reingeschwappt in die schwarze Szene. Ich denke, das ist ein Verdienst, in erster Linie von uns und dann von den großen Abräumern, und Nachahmern IN EXTREMO – die es zugegebenermaßen auch sehr gut machen, ich meine, weil sie das sehr viel konsequenter machen. Weil sie eben auch vom Mittelaltermarkt kommen, wir kommen ja so gesehen aus einer anderen Richtung da hin bewegt haben, wir waren immer eine Rockband, die halt versucht hat, das mit ihren eigenen musikalischen Urwurzeln erstmal erforscht haben, über die keltische Musik, dann irgendwann beim Mittelalter zu landen und uns mit den Instrumenten zu befassen, die wir vorher so nie in der Hand hatten. Ich hatte vorher nie ne Drehleier gesehen, und Ingo hatte nie ne Laute gespielt. Das waren einfach Rockmusiker, die neugierig waren und sozusagen ein eigenes Universum erschaffen haben. Und dass es dann natürlich Parallelen… also, diese Parallele, die du mir grad gesagt hast, die find ich textlich schon verdammt interessant, dem muss ich mal nachgehen… (grinst) ansonsten gibt’s dann auch Parallelen, die einfach Zufälle sind. So wie mit Sieben, das war eben das Album. WIE GESAGT, DAS FAND ICH AUCH NICHT SO GREIFBAR, ABER BEIM TOTENSCHIFF MUSSTE ICH DANN EBEN DOCH SCHON SCHMUNZELN.. Aufs nächste Riff, aufs nächste Riff … Aber gut, was soll’s. Wir alle haben ja das Problem, wenn wir deutsch texten, muss das ja auch mal ein bisschen handgreiflicher sein, dann kommen natürlich bestimmte Metaphern und Motive immer wieder. Deswegen, die „Engelskrieger“ war ja auch in Versuch, das textlich ein wenig aufzubrechen, und nicht von Hofnarren und Hexen zu singen. Was wir so jetzt eigentlich auch seit Jahren nicht mehr machen, aber das hängt natürlich auch son bisschen an som Menschen. Ich finde auch nach wie vor, dass das ganz schöne Bilder sind, mit denen man auch was erzählen kann, wir versuchen ja auch nicht, historische Wahrheiten zu verbreiten, oder Märchen zu erzählen, sondern Metaphern zu finden für Dinge, die im Hier und Jetzt jeden betreffen. Jeden mit seinem Leben, dass er sich da wieder findet. IHR SEID ALSO SCHON MIT DEN MITGLIEDERN VON IN EXTREMO BEFREUNDET, ZUMINDEST TEILWEISE? Ja. (lacht) Wir sind in diesem Sommer irgendwie überhaupt nicht zusammengetroffen, ganz seltsam, kann sein… Wir sind ja bei der selben Agentur, die buchen das… Was gut ist, dann weiß wenigstens einer, wo die Bands gerade stecken, und versucht dann, das ein bisschen auseinander zu halten. JA, DAS IST SICHER NICHT VERKEHRT. IN EXTREMO WAREN LETZTES WOCHENENDE IN BIELEFELD, IHR DIESE WOCHE IN OSNABRÜCK, SO GIBT ES AN EINEM WOCHENENDE KEINE ÜBERSCHNEIDUNG, AUCH KEINE DIREKTE AUFEINANDERFPOLGE, WORAUF VIELE FANS SICHERLICH KEINE LUST HÄTTEN. ZU RÄTSEL II: IST DAS ALS LIVE-HYMNE DIREKT AN DIE FANS GEDACHT? SO HÖRT ES SICH ZUMINDEST STARK AN, SETZT IHR ES AUCH SO UM? Ja, schon. Und: Die brüllen so was von los … WIR WERDENS NACHHER JA HÖREN .. Ja… wir hatten die Idee, mal zu sagen, dass die ganzen Textzeilen da drin vorkommen, war ein logischer Schluss, aber die eigentliche Idee war, ein Lied zu machen, wo wir uns hinstellen und sagen: Wir haben das erfunden, wir sind die ersten. ZU DEN FANS: ES BESTEHT JA SCHON EIN RECHT NAHER KONTAKT, IHR KOMMT NACH DEN KONZERTEN OFT NOCH ZUM FEIERN RAUS, HABT AUF DER HOMEPAGE EIN FORUM, WO ERIC SELBST FRAGEN BEANTWORTET, IHR ALLE ANTWORTET AUCH AUF PRIVATNACHRICHTEN DORT USW. DA KOMMT JA SICHERLICH EINERSEITS SEHR VIEL POSITIVES FEEDBACK, ABER IST DAS MANCHMAL NICHT AUCH SEHR ANSTRENGEND, SO VIEL KONTAKT ZU HALTEN? GEHEN EUCH MANCHE DINGE ZU WEIT? Was heißt anstrengend, anstrengend sind andere Dinge. Anstrengend ist es wahrscheinlich, 8 Stunden am Tag in einer Fabrik zu malochen oder so. Der Bodenski auf der Bühne hat zwar ganz viel mit dem im wahren Leben zu tun, aber es sind immer noch zwei unterschiedliche Personen. Das Bild, was man sich von mir macht, ist flacher, weniger dimensioniert, als die Person, die ich in meinem Privatleben auch noch bin. Und ich möchte immer noch selber entscheiden, wer ich bin, klar. In den Texten steht auch nicht alles drin… (lacht) die Weisheit zur Welt kann man auch SUBWAY TO SALLY nicht finden. Ansätze vielleicht. VOR DEN AUFNAHMEN ZUM NEUEN ALBUM IST EUER SCHLAGZEUGER GEGANGEN. Ja, gegangen ist richtig. IHR HABT DANN DAS ALBUM MIT MARTIN KESSLER, EHEMALIG H-BLOCKX, AUFGENOMMEN. JETZT HABT IHR MIT SIMON MICHAEL EINEN NEUEN SCHLAGZEUGER. WIE SEID IHR MIT DEN WECHSELN UMGEGANGEN? SIMON MICHAEL (zu BODENSKI): SOLL ICH MAL KURZ RAUSGEHEN? (grinst) (zu SIMON MICHAEL) Neee, natürlich nicht Das ist ja der neue Schlagzeuger… Also, wir haben es uns sehr viel leichter vorgestellt, jemanden zu finden, der den Job von David übernimmt. Da waren wir sehr naiv. Und hatten dann auch jemanden, hatten den anvisiert, und dachten, das wird schon funktionieren. Und während der Produktion hat er einen Rückzieher gemacht, deswegen musste relativ schnell ein Ersatz her. Parallel dazu haben wir weitergesucht, und dass wir dann den Simon Michael gefunden haben, war ein Riesenglück. Also, wir sind wirklich total happy damit, weil er nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sehr gut zu uns passt. Und das sag ich nicht nur, weil er hier grad neben uns sitzt, sondern wirklich ehrlich. SIMON MICHAEL: Was du jetzt nicht weißt, ist, dass ich hier ne Pistole… (krüddelt an seiner Hosentasche rum, lacht) SIMON (hat gerade den Tourbus betreten, lacht) Na, die brauchst du auch. (geht wieder) BODENSKI (lacht auch) Das ist wirklich wie ein Sechser im Lotto gewesen. Und wir haben wirklich mit über 20 Leuten gespielt, um jemanden zu finden, haben dann mit noch mehr Leuten geredet, und wir sind da jetzt auch Gott sei Dank durch, weil das war sehr sehr hektisch. (zu SIMON MICHAEL) Wie viel Proben haben wir vor der ersten Show gemacht? Zwei oder drei? SIMON MICHAEL: Eine komplette. BODENSKI: Eine wo alle da waren .. SIMON MICHAEL: Und zwei oder drei vorher. BODENSKI: Drei Proben, also das war schon Wahnsinn, wie er sich vorbereitet hat, und weil Ingo also gleichzeitig mitten im Studiostress war, wenn die Open-Air-Saison immer näher rückt, …war also wirklich kein schönes Jahr, das wir hinter uns haben.. SEHR, SEHR STRESSIG AUF JEDEN FALL… HAT SICH DAS BEWUSSTSEIN DER BAND GEÄNDERT, JETZT WO DAS ERSTE MITGLIED GEGANGEN IST? Ja. Aber dazu muss ich kurz sagen, dass die Schlagzeugposition die einzige ist, die jemals umbesetzt wurde in der Bandgeschichte. Davis ist seit 96 dabei, davor war es ein anderer, sicherlich ist David in der Wahrnehmung der Leute „der Schlagzeuger der Band“. Das ist interessanterweise genau die Position, die er besetzt hat in den ersten vier, fünf Jahren SUBWAY TO SALLY und er war 8 Jahre bei uns… und was sich verändert hat, ist glaub ich nicht nur durch den Wechsel an den Drums sondern auch durch die Probleme, die wir hatten, also unsere Termine zu halten, mit der Platte – wir haben den Abgabetermin mehrmals verschoben – da gab es dann auch ein paar private Schwierigkeiten bei Ingo, die ihn gelähmt haben in seiner Arbeit, und was wir gemerkt haben, ist, dass wir alle sehr verletzlich sind in dem, was wir tun. Dass das alles morgen vorbei sein kann, und dass es irgendwie auch ein Geschenk ist, als Band so lange zusammen zu sein und wirklich miteinander arbeiten zu können, auf Tour gehen zu können und auch so eine Fangemeinde zu haben. Weil wir haben ja eine Welt, wo man immer denkt, es muss alles noch größer, noch schneller und noch weiter gehen… im Sinne von jetzt haben wir so lange im Hyde Park gespielt, jetzt lass uns doch bitte mal die Stadthalle mieten, und dann kommen hoffentlich 5000 Leute. Das ist ja auch bei IN EXTREMO einfach so, die in großen Läden spielen, wo aber nicht so viel mehr Leute kommen, die das rechtfertigen würden. Ich mein, sie haben ein paar Leute mehr als wir, aber sie machen die Hallen nicht so voll, wie sie wollen. Und bei uns ist es umgekehrt. Das werden wir heute auch wieder sehen, dass das die Fans sind, die Halle ist voll, und es sind alle glücklich miteinander und das ist doch das Wesentliche. OSNABRÜCK WÄRE AUCH UNGLÜCKLICH OHNE EINMAL IM JAHR SUBWAY TO SALLY. DAS GEHÖRT FÜR VIELE WIRKLICH DAZU, UND JEDES MAL WIEDER IST ES PROPPENVOLL UND DIE LEUTE HABEN JEDES JAHR MINDESTENS GENAU SO VIEL SPASS, ODER EHER NOCH MEHR … (lacht) Das liegt auch am Veranstalter, Carlo Korte, der ist da schon sehr hinterher. Ich kann mir auch vorstellen, wenn wir unsere Unplugged-Tour machen sollten, dass wir dann im nächsten Frühjahr schon wieder hier sind, weil wir dann einfach was komplett anderes machen. ALSO WOLLT IHR EURE SONGS UNPLUGGED SPIELEN? Ja. Wir planen das, ja. Doch was heißt das, da muss man erstmal schauen. Da müssen wir erstmal gucken. Wir hatten ja bis hierhin auch erstmal mit der Tour zu tun, und wenn wir dann wieder zu Hause sind, wird die Plattenfirma mit uns noch mal ein Singlethema durchsprechen, ob wir da noch mal ein paar Bonustracks zusammenkriegen, eine neue Single machen. Warum auch immer, also ob wir noch mal Radio ein bisschen anteasen wollen oder so was, und dann ist das Jahr ja auch schon rum. Und dann werden wir im Januar, Februar gucken, was wir da auf die Beine stellen. Weil wir auch spielen wollen, wir haben lange nicht gespielt. Wir haben jetzt dieses Jahr die paar Open Airs, und wir machen 35 Shows jetzt, aber wir sind eine Band die früher 100 oder 110 Konzerte im Jahr gemacht hat, und wir wollen spielen und nächstes Jahr nicht wieder rumsitzen. EINE NEUE DVD IST ALSO NICHT GEPLANT? Nein, eher nicht. Also nicht so wie wir das mit der „Engelskrieger“ hatten, da sind auch ein paar Sachen nicht so gewesen, wie wir sie uns gewünscht hatten, und um das mal richtig zu machen… dann vielleicht eher die Unplugged-Tour mitschneiden, weil das dann komplett visuell und von dem, was wir spielen, was komplett anderes ist. Wir hauen ja auch nicht einfach Sachen raus, um den Leuten Geld aus der Tasche zu ziehen. Das sollte ja schon irgendwie einen Sinn machen. BEVOR ES GLEICH LOSGEHT NOCH EINE FRAGE: HABT IHR BEI DER AUSWAHL DER VORBAND MIT ENTSCHIEDEN? Bei dieser ja. Manchmal ist das schon schwer, weil wir immer eine Band suchen, die ich sag mal so selbstständig ist, dass sie jemandem im Rücken hat, der sie soweit stärkt, dass sie das irgendwie organisieren kann. In diesem Fall ist es sogar so, dass sie in der Jugendherberge schlafen. Und COPPELIUS ist eine Supertruppe, die passen so was von toll zu uns, weil sie so ganz anders sind. Und haben ganz hohen Unterhaltungswert. Das muss man unbedingt mal gesehen haben, und wir merken, dass die Leute wirklich so super drauf sind, nach dem Support… und wir gucken schon immer, dass eine Band zu uns passt, aber manchmal haben wir nur drei oder vier Sachen aufm Schreibtisch und müssen eine davon nehmen. Und Sachen wie PINKOSTAR, die supernette Kollegen waren, aber aus einer Crossover-Popschiene kamen, das war für die Leute auf dem Konzert dann vielleicht nicht so interessant (STIMMT, ANM. EINES REDAKTEURS). Man will ja eigentlich auch einen runden Abend haben. Den zweiten Teil der Tour können COPPELIUS leider nicht machen, weil das natürlich auch eine Kostenbelastung für sie ist. Da sind dann LEAVES EYES dabei, was ganz anderes, aber eigentlich auch ziemlich cool ist. Das find ich dann auch schon wieder ganz schön hochwertig als Angebot. ALLERDINGS – DIE FANS KÖNNEN SICH FREUEN. VIELEN DANK FÜR DAS AUSFÜHRLICHE GESPRÄCH UND BIS SPÄTER, VIEL SPASS!

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