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SUBWAY TO SALLY (ERIC FISH)

HALLO ERIC, MEINE ERSTE FRAGE. AUF DER HOMEPAGE HAT DER SIMON MICHAEL EIN ZITAT GEPOSTET, WEIL ES IRGENDWIE AUCH WIEDER FANREAKTIONEN GAB WEGEN IRGENDWELCHER VERZÖGERUNGEN UND ER SCHREIBT HALT „GLAUBT UNS, FÜR UNS IST ES AUCH SEHR ANSTRENGEND, SO LANGE AUF UNSERE SHOW ZU WARTEN“. UND DA IHR JA NUN JA SCHON RELATIV LANGE IM GESCHÄFT SEID, WIE HOCH IST DENN JETZT NOCH SO EINE ANSPANNUNG ODER NERVOSITÄT VOR SO EINEM GIG? GEWÖHNT MAN SICH DA DRAN ODER EHER NIE? Also das Zitat bezieht sich auf das Festival in Lichtenfels am (überlegt) 3. Adventswochenende. Also, das war eine absolute Special-Situation. Da war der Veranstalter in keiner Weise – was die technischen Gegebenheiten betraf – darauf vorbereitet, was ihn da erwartet. Wir waren die erste Band, die 36 Kanäle brauchte und bis dahin wurden nur 28 benutzt und die anderen waren alle kaputt. Und dann stehst du da als Musiker und wartest und wartest und bist eigentlich schon eine halbe Stunde drüber und es ist immer noch kein Licht am Horizont zu sehen und dann wartest du wieder – und DAS macht dich fertig! Weil du weißt genau – und so war es dann ja auch – dass die Leute draußen natürlich nicht den Gedanken folgen, die der Wahrheit entsprechen und das ist natürlich auch bei uns so und dann fühlt man sich unglaublich schlecht. Ich habe da auch das halbe Konzert lang gebraucht, um das irgendwie aus mir selbst herauszukriegen und mich ein paar Mal bei den Leuten so quasi entschuldigt, obwohl man das ja nicht machen soll, ne, eine alte Rock-n-Roll-Regel, aber das war eine absolute Sondersituation. Wenn du jetzt fragst nach normalen Gigs, ist die Nervosität abhängig von der Art des Konzertes. Also z.B. das erste Tourkonzert ist eine ganz andere Sache als das zehnte. Oder ein Konzert auf der Waldbühne im (überlegt) keine Ahnung im Harz irgendwo ist was anderes als in Wacken dann um 1 Uhr nachts zu spielen. Das sind schon Sachen, die man sich dann noch mal durch den Kopf gehen lässt. Wir sind ja auch keine Band, die irgendwie sich ne Stunde vorher zulötet und dann auf die Bühnen stürzt und ihr Zeug macht. Also, wenn du mich fragst – ich kann ja auch nur aus meiner Sicht konkret antworten – ich überlege mir schon sehr genau, was mich dann da erwartet. Ich bin auch jemand, der sich möglichst immer am Konzerttag die Stadt und die Gegend noch anguckt, um dann so ein bisschen so die regionale Luft quasi zu atmen… … ATMOSPHÄRE EINZUFANGEN. Ja, mal gucken, wie die Leute da ticken, wie die reden. Dann geht man mal in die Kneipe und horcht mal ein bisschen. Oder man wird angequatscht von den Leuten. Also, das ist schon etwas, was ich brauche und was ich mir auch antue, weil ich möchte alles tun, um eine gewisse Beliebigkeit abzuwehren. Also, das wäre nicht gut, glaube ich. Wer unsere Konzerte sieht, denke ich, der sieht auch, dass es immer vom Spaß am jeweils neuen Tag getragen ist. Das ist auf der einen Seite sowieso immer diese Verpflichtung, die man nicht nur spürt, sondern die sich auch jeder innerhalb der Band immer wieder klar macht gegenseitig, dass es eine einzigartige Herausforderung ist, aber auch eine einzigartige Position, die wir uns erarbeitet haben, vor so vielen Leuten immer wieder spielen zu dürfen und zu können und dass man da natürlich auch die verdammt verflixte Schuldigkeit hat, alles zu geben und nicht nur einfach nur so Larifari irgendwas zu machen. Das kommt also sowieso nicht in Frage. Und dann ist der andere Aspekt aber auch, dass wir immer wieder Spaß an der eigenen Musik entwickeln können. Da ergibt sich auch keine wirkliche Langeweile oder Routine. Also – wiederum von mir gesprochen – ich freue mich da in der aktuellen Setliste zumindest auf jeden Song, der da kommt, weil ich die alle geil finde. WEIL ES ALSO QUASI AUCH NACH 17 JAHREN NICHT SO IST „OK, IST EIN JOB“ ODER „ICH BIN BERUFSMUSIKER“.. So weit darf es nicht kommen. Wenn es soweit kommt, wird es das Publikum merken und dann wird es auch irgendwann weg bleiben. Das habe ich schon ganz oft beobachtet, dass Leute, die das in Routine versanden lassen und eben daraus einen Job machen, irgendwann in den Niederungen enden irgendwo. IHR SEID JA UNHEIMLICH VIEL AUF TOUR, OB ES JETZT SUBWAY IST, OB ES DIE NORMALE STROMVERSTÄRKTE TOUR IST ODER OB ES DIE KOMMENDE AKUSTIK TOUR „TOURNACKT II“ SEIN WIRD ODER EBEN DU GEHST JA AUCH SOLO JETZT AUF TOUR – WIE IST ES DENN, WENN DU MAL NICHT ON THE ROAD BIST? SAGST DU DANN, WENN DU ZU HAUSE BIST „ICH HAB JETZT KEINEN BOCK AUF MUSIK, ICH WILL JETZT FERNSEHEN“ ODER PASSIERT DAS EHER SELTEN? NACH DEM MOTTO: „ES MACHT SPASS, MUSIK ZU HÖREN, SELBST WENN ICH SIE NICHT MACHE“.. Ja, die Frage trifft mich genau auf dem richtigen Fuß gerade, weil die letzten zwei Jahre waren so vollgepackt mit – in der Tat – Arbeit, weil auch dieses Fish-Ding immer größer geworden ist und wir uns da ein paar Projekte ans Bein gebunden haben, die viel, viel arbeitsintensiver waren, als wir das gedacht hatten. Der Film z.B., den wir im Februar gedreht haben, der hat fast 2 Monate verschlungenund dann ging es nahtlos gleich weiter: Neue Platte von SUBWAY und dann wieder die neue FISH-Platte. Das war alles so ineinander geschachtelt und so arbeitsintensiv, dass ich zu so einem Punkt überhaupt nicht gekommen bin, dieses Jahr, zu sagen „Oh, jetzt bin ich mal zu Hause und jetzt mache ich mal die Glotze an.“ Das Gefühl war oft da. Sogar so oft, dass ich im Grunde die Handbremse gezogen habe und gesagt habe, ich mache mal 2010 kürzer, sonst erlebe ich das nicht. Das sieht zwar jetzt auch schon wieder etwas anders aus, aber das muss ich erst noch genau durchdenken. Aber in der Tat wäre ich gerne ab und zu rein zeitlich und arbeitsaufwandtechnisch in der Situation mal die Seele baumeln lassen zu können. Das ist für mich wichtig, aber ich habe es dieses Jahr einfach nicht geschafft. Ich bin leidenschaftlicher Angler z.B. und ich war dieses Jahr noch nicht einmal angeln. Also, das ist grotesk geradezu. Und vor der Tour jetzt mit SUBWAY habe ich mich eigentlich auch schon so erschöpft gefühlt, dass ich mir das gar nicht mehr vorstellen konnte, aber die Tour selbst baut schon wieder auf. Waren bisher alles wundervolle Konzerte und daraus schöpft man auch wieder Kraft. Das ist wie so ein Perpetuum Mobile, das da angeschmissen wird. Natürlich ist es vollkommen richtig, dass man sich diese Zeit dann suchen muss. Ich muss die mir im nächsten Jahr auf jeden Fall suchen, weil ich habe das doppelte Pensum der Anderen an der Backe und das sagen mir die Anderen auch, ich darf mich da nicht tot machen im wahrsten Sinne des Wortes. DANN, wenn es dann mal Zeit gibt, dann ist es schon nicht Glotze anmachen, sondern eher gezielt einen Film aussuchen aus der Videothek oder so und mal etwas Schönes sehen, oder von dem man glaubt was schön ist. Musik hören dann eher nicht. ALSO TATSÄCHLICH WIRKLICH MAL EINEN FILM SCHAUEN UND KEINE NOTE MEHR HÖREN… Wobei ich das dann immer in meinem Studio mache. Weißt du, ich habe mir da nämlich ein sehr schönes kleines Studio gebaut.. JA, HABE ICH SCHON GEHÖRT UND AUF DER FISH-DVD WAR ES GLAUBE ICH AUCH KURZ ZU SEHEN.. Dann mache ich den Beamer an und gucke mir den Film an und dann steht aber eine Gitarre daneben, weißt du. Und dann läuft da Musik und dann plötzlich geht’s wieder los (grinst) und dann machst du den Rechner an. Das ist aber auch ein schönes Gefühl eigentlich immer von Musik so beseelt zu sein und damit zu tun zu haben. Aber was ich eben nicht mache in solchen Situationen ist Musik hören. Deswegen treffen mich immer diese Jahresendumfragen von irgendwelchen Rockmagazinen immer ganz auf dem falschen Fuß, wenn sie fragen „Beste Band des Jahres?“, „Bester Song des Jahres?“, „Schlechteste Platte des Jahres?“ KEINE AHNUNG, WEN ES ÜBERHAUPT ALLES GIBT (LACHT).. Ja, so ungefähr. EINES INTERESSIERT MICH AUCH. AUF DER EINEN SEITE SPIELST DU DIE AKUSTISCHEN SACHEN, DIE SEHR RUHIG SIND, AUF DER ANDEREN SEITE LIEF IM INTERNET AUF DER SUBWAY-SEITE EIN VIDEO, ALS DU UNTERWEGS ZUM WACKEN WARST UND DU DIR METALCORE ODER ZUMINDEST RECHT HARTE MUSIK REINGEZOGEN HAST. DA WAR NOCH EINGEBLENDET „ORIGINALTON“. ALSO, DU HAST JA OFFENBAR DANN EINEN RECHT BREIT GEFÄCHERTEN MUSIKGESCHMACK. IHR SEID JA EHER EINE SZENEÜBERGREIFENDE BAND, DIE SICH EHER NICHT IN SCHUBLADEN… …Sind wir das, ja? JA DOCH, JA, ZUMINDEST IN ZWEI SZENEN. Welche zwei? FÜR MICH IST ES DIE METALSZENE UND EBEN DIE SCHWARZE SZENE. Ok. Das ist das, was wir wollen. Kompliment, ja. Also ich hab das Gefühl, dass es mehr in der schwarzen Szene verhaftet ist. Obwohl ich lieber rein von der Musik her noch mehr Metalleute hätte. KOMMT DA MEHR RESONANZ? WEIL DIE SIND ALS PUBLIKUM JA EIGENTLICH NOCH EIN BISSCHEN LEBHAFTER, ODER? Will und kann ich nicht unterscheiden, weil die mischen sich ja im Saal, die machen die Stimmung halt zusammen. Ich meine rein von der Musik her unserer Scheiben, wie es sich ja auch in den letzten Platten so entwickelt. Also „Bastard“ war schon sehr viel näher an meiner persönlichen Geschmacksrichtung, wenn es um harte Musik geht, als „Nord Nord Ost“. Auch eine schöne Platte, aber auf der Bühne macht es mir das schon mehr Spaß, wenn richtig ein Riff losdonnert. „KREUZFEUER“, FINDE ICH ABER VERGLEICHSWEISE WIEDER ETWAS EINEN SCHRITT ZURÜCK.. Ja. Eine Platte ist immer ein Kompromiss mit der Band und auf der „Kreuzfeuer“ hat Ingo wieder viel mehr gemacht und dann ist das die logische Konsequenz. Aber deine Frage war eine andere, ne? (grinst) EIGENTLICH HAST DU MIR DIE FRAGE SCHON BEANTWORTET. AN SICH WOLLTE ICH WISSEN, WENN IHR JETZT AUF DEM M’ERA LUNA FESTIVAL SEID ODER Z.B. AUF DEM WACKEN – KANN MAN VON DER BÜHNE BEOBACHTEN, OB SICH DIE RESONANZ UNTERSCHEIDET, ODER IST DAS PUBLIKUM IM ALLGEMEINEN IMMER GLEICH GUT ZU ANIMIEREN? Ja, ist es eigentlich. Also, das ist faszinierend geradezu. Ich glaube auch, dass inzwischen auch andere Bands sowohl auf dem WACKEN als auch auf dem M’ERA LUNA sich manchmal wahrscheinlich die Augen reiben, was da abgeht. In der großen Rock-n-Roll-Welt international nimmt man uns sicherlich nicht unbedingt wahr. Wir sind letztendlich ein deutschsprachiges Phänomen, das ist klar. Wenn dann Lemmy irgendwie da nachts um halb 2 an der Bühne steht und sagt „Was ist denn hier los? Ich kenne die Band gar nicht und da geht’s ab. Da sind noch 100.000 Leute auf dem Platz und alle Arme sind oben, die singen alles mit“, dann ist das schon eine gute Beschreibung dafür, was da passiert, denn da das ja auf dem M’ERA LUNA auch passiert oder auf dem WAVE GOTIK TREFFEN oder wo auch immer, ist das ein Zeichen dafür, dass sich bei uns viele treffen. Dafür ist wiederum das Geheimnis, eine Erklärung jedenfalls, dass jedes einzelne unserer Stücke als Lied begriffen werden kann, ja? Als wiedererkennbares Lied. Also, das ist niemals irgendwas (überlegt) cooles verwechselbares. Es gibt so viele Bands, die schreiben im Grunde genommen immer wieder den gleichen Song. Muss ja auch nicht schlecht sein. Es gibt ja auch BAD RELIGION z.B., die (überlegt)… …IMMER DIE GLEICHEN DREI… …immer die gleichen drei Akkorde. Aber was sie auch sehr phantasievoll machen, davon mal abgesehen. Aber wir haben ein gutes Beispiel dafür, wie man auch anders an die Sache herangeht. Wir machen uns auch über jeden Song in sofern einen Kopf, dass er eben als Glied daherkommt mit irgendwas in sich, was die Leute nicht negieren können, was sie einfach wiedererkennen müssen. Sei es eine Melodie, sei es ein Refrain oder eine Textzeile. Das sind alles die Dinge, die sowohl an dem Metalfan als auch an dem schwarzen Szenegänger nicht vorbeigehen können und wo sie sich dann letztendlich vereinen und wo sie halt in WACKEN letztendlich zusammenstehen und sagen „Ey, geil. Letztes Konzert. WACKEN. SUBWAY. Da gehen wir noch mal hin.“ Weißt du, gerade in WACKEN trifft man ja auch Freaks, die sind eben nur da wegen einer Band, deren Namen ich noch nie gehört habe, die dann unbedingt diese Band sehen wollen. VIELLEICHT AUCH EIN BISSCHEN ALTERSABHÄNGIG? Kann sein. Aber irgendwie: SUBWAY wollen sie alle sehen. Das ist irgendwie schön (lacht). Also in sofern mache ich da keine Unterscheidungen und auch diese konkrete Frage, ob sich die eine oder andere Szene besser animieren lässt, kann ich überhaupt nicht sagen. Hängt auch ganz viel vom Ambiente ab, von dem Drumherum, von den Bands die vorher und nachher spielen, wie sind die Leute drauf… Auch in einer Halle ist es durchaus manchmal unterschiedlich. Eine richtig geile vergrottete Gruft oder Rockhalle funktioniert immer besser als irgendwie – haben wir jetzt auf der aktuellen Tour auch wieder erlebt – als irgendeine 60er Jahre Stadthalle, wo alles Holztäfelung ist. Huh! Da fühlt man sich den ganzen Tag schon nicht wohl und die Leute dann logischerweise auch nicht, wenn sie abends da reinkommen. Da muss man erst mal den Leuten klarmachen: Vergesst das mal alles, wie das hier aussieht. Da machen wir mal alle die Augen zu… …UND DIE OHREN AUF! …und träumen uns mal in eine andere Welt. HIER SCHEINT IHR ABER GERNE ZU SEIN, ODER HABE ICH NUR DEN EINDRUCK, DASS HIER IN OSNABRÜCK, IMMER WENN SUBWAY KOMMEN, GANZ BESONDERS DIE POST ABGEHT. VIELLEICHT SOGAR HIER IM NORDDEUTSCHEN RAUM AM MEISTEN. ZUM BEISPIEL DER VERGLEICH: HIER IN DER HALLE GARTLAGE IST DAS PUBLIKUM EUPHORISCH, DIE HANNOVERANER – DA, WO ICH HERKOMME – SIND TEILWEISE ETWAS ZURÜCKHALTENDER… Liegt aber auch wieder am CAPITOL. Das CAPITOL ist so ein Schiki-Micki-Theater, da ist von vorneherein ein Bremsklotz drin. Ist einfach so. Und – das darf man auch nicht vergessen – dass Traditionen immer eine große Rolle spielen. Wir haben exakt vor 10 oder 11 Jahren angefangen mit dieser Weihnachtstourgeschichte. Wir waren auch die erste Band, die diese Idee hatte überhaupt. Jetzt machen es alle inzwischen. Wieder son Ding. Sollen sie machen, ja. Aber Osnabrück war schon von Anfang die Stadt, in der wir am 26.12 auftreten und hat als einzige neben einer anderen Stadt überlebt. Das führt auch dazu, dass es zu einem Termin wird „Da muss man hin“, weißt du? Weil es auch jedes Mal geil ist. Da hat man natürlich ein viel besseres Fundament, auf das man aufbauen kann. Insofern wird es sicherlich in Nordhorn oder Lüneburg nicht so passieren, wenn man am gleichen Tag jetzt dahin gehen würde, weil da muss man wieder von Null anfangen oder woanders. Aber Osnabrück ist halt wirklich… (überlegt) …NE BANK. Ne Bank!… Die die Sache auch pflegen. Mag sein, dass man von Stunde Null vielleicht hier sogar ein bisschen begeisterter war als von Stunde Null in Hamburg, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall, um das zu bejahen, kommen wir gerne hierher, auch wenn die Halle so rein produktionstechnisch doch so einiges zu wünschen übrig lässt. (grinst) BEI DER ERSTEN NACKT-TOUR HABT IHR JA NUN BESONDERS ZIEL- UND AUCH GESCHMACKSSICHER LOCATIONS AUSGEWÄHLT, DIE JA EBEN WAS BESONDERES SIND, KIRCHEN ETC. Ist halt nicht immer möglich, ne… HABT IHR AUCH DIESMAL WIEDER VERSUCHT, GLEICHWERTIGE LOCATIONS ZU SUCHEN? WEIL DA SIND WIR JA AUCH WIEDER BEIM CAPITOL IN HANNOVER… Ja, das ist eine der wenigen Locations, die eben nichts Besonderes sind. Aber davon gibt’s nicht viele. Das war bei der ersten NACKT-Tour, Teil I und Teil II, viel mehr ganz normale Chosen. Jetzt haben wir uns wirklich richtig Mühe gegeben, was zu finden – was weiß ich, Kieler Schloss fällt mir da ein, Fritzclub in Berlin, also richtig teilweise so kleine Renaissance-Theater. Kirchen sind glaube ich bloß drei dabei, in Bochum, Osnabrück und schlag-mich-tot, irgendwo noch. Aber das war uns schon wichtig, weil das wird auch eine ganz besondere Tour irgendwie. Uns einfach so irgendwo auf eine normale Rockbühne stellen, ist eigentlich zu schade. Leider müssen wir es einfach irgendwo machen wie in Berlin z.B. oder in Hannover. Natürlich gibt es da irgendwelche Locations, die angemessen wären – in Berlin z.B. Admiralspalast oder Theater des Westens oder genau solche Sachen, wo wir gerne spielen würden, aber die sind schlichtweg zu teuer. Wir sind keine Idioten. Wenn man eine tolle Show machen will und dann am Ende noch drauflegt und die Leute haben was ganz Tolles erlebt, dann haben wir es halt trotzdem falsch gemacht, denn wir leben davon und wir müssen ein bisschen auf das Ergebnis gucken. Insofern gibt es eben Städte wie Berlin oder Hannover, wo wir in den ganz normalen Laden gehen. Da muss das besondere Flair von der Bühne dann halt ausreichen. WIE IST DENN DEIN FAZIT VON DER ASIEN-TOUR. SAGST DU GERADE IM BEZUG AUF DAS NICHT-DEUTSCHE PUBLIKUM „DAS SOLLTE MAN AUF JEDEN FALL WIEDERHOLEN“ ODER SAGST DU „OK, WAR EINE NETTE ERFAHRUNG, ABER MUSS ICH NICHT WIEDER HABEN“? Ich bin da ehrlich gesagt noch nicht fertig mit denken, weißt du, weil die Erfahrung war so vielschichtig und man kann eigentlich diese vier Konzerte in den 10 Tagen, die wir da waren nicht – oder ich kann es jedenfalls nicht – getrennt betrachten von dem, was wir da sonst so erlebt haben. Das hat mich doch ganz schön beschäftigt und das jetzt im Detail zu beschreiben, was mich da so beschäftigt, das würde zu weit führen. Das wäre wahrscheinlich ein halbes Buch – oder ein Feuilleton, der da geschrieben werden müsste. Aber ich bin ganz schön nachdenklich geworden, weißt du. Wer so einen Versuch mal wagt, die Konzerte als solches zu betrachten – wenn man es könnte, wenn es ginge – dann würde man sagen, es ist ein Riesen Potential da. Wir konnten es ja nur von unserer Musik aus beurteilen, aber die stehen tierisch auf unsere Musik. Die wissen gar nicht, wie man sich zu einem Rock’n’Roll-Konzert verhält, zumindest nicht so, wie wir es erwarten. Denen musst du alles beibringen, aber wenn sie es begriffen haben, dann machen sie es eben. Ein euphorisches und sehr dankbares Publikum, sehr lernfähig. An dem einen Ort haben wir ja zwei Konzerte gespielt. So ein Festival, was über 10 Tage ging. Da haben wir zwei Tage gespielt, Mittwoch und Freitag. Und am Mittwoch waren dann 10.000 Leute da. Und das war so ein Tag, wo man eben einen First-Step machen musste und ihnen quasi uns nahe bringen musste, was wir tierisch gut geschafft haben. Das war ein richtig guter Erfolg. Zwei Tage später waren dann schon 15.000 da. Das zeigt, die hatten sich untereinander schon gesprochen, die wussten dann alle, was abgeht. So war das schon viel leichter, mit denen umzugehen. Am zweiten Tag waren dann plötzlich auch 100 Groupies im Backstage. Das ging ab wie sonst was. Insofern muss ich sagen, da ist ein Riesen Potential. Ich weiß nicht, in wiefern es überhaupt möglich ist – zeittechnisch, finanziell – dort zu versuchen, einen weiteren Schritt zu machen. Ich gebe zu, so weit denken wir jetzt gerade noch nicht, würden das aber auch nicht verneinen auf jeden Fall. Es war eine sehr, sehr interessante Erfahrung, wenngleich auch sehr ambivalent. STICHWORT MAUERFALL, DER IST JA JETZT CIRCA 20 JAHRE HER. DENKT MAN RÜCKWIRKEND, DASS DAS LEBEN DAMALS EHER SURREAL WAR, WEIL DAMALS WÄRE ES JA ÜBERHAUPT GAR NICHT MACHBAR GEWESEN, NACH ASIEN ZU REISEN. WIRD MAN DA NACHDENKLICH ODER DENKT MAN DA GAR NICHT MEHR DRÜBER NACH? Also gar nicht drüber nachdenken, ist immer etwas, was ich nie tun würde. Aber die Frage ist doch, auf welche Art man über so etwas nachdenkt. Und was ich gar nicht mag, ist so eine Denke zu haben „was wäre, wenn“ und „wie wäre es, wenn das und das nicht passiert wäre oder das und das passiert wäre“. Das ist müßig, das ist wurscht, daraus kannst du nichts lernen und nichts erfahren. Da ich weiß, dass all das, was mir bisher wiederfahren ist seit jener Zeit alles mit eigener Hände Arbeit gewachsen und gediehen ist, habe ich auch überhaupt kein Problem zurückzusehen und zu sagen „Ach wäre das schade, wenn das nicht so gekommen wäre“, weil ich denke, um den Spieß mal umzudrehen, wären wir mit Sicherheit auch in irgendeiner Form berühmt geworden, wenn die DDR so geblieben wäre. Das ist einfach eine Gruppe von Musikern und Menschen, die sich hier getroffen hat, die einzigartig zusammenpasst. Also, verstehst du, das sind geschichtliche Tatsachen, die haben wir mit durchlebt und haben sie erlebt und waren auch in irgendeiner Form auch involviert, natürlich, aber ich denke an solchen Tagen wie in China z.B. nach so einem erfolgreichen Konzert mitnichten darüber, dass ich – wenn es ein bisschen anders gelaufen wäre – nicht hier stünde. Die einzigen Momente, wo mir so was manchmal noch kommt, sind, wenn ich in Berlin über die Stadtgrenzen fahre. Also, ich bin da groß geworden, in Berlin, und es ist eigentlich das bemerkenswerte an der ganzen Wende überhaupt für mich – ich habe das alles nicht so gefeiert – aber dieser Moment, das erste Mal in Drei Linden über den Grenzübergang gefahren zu sein und dann durch Neukölln und Kreuzberg da irgendwo durchzulatschen – das war was Besonderes, weil es mir die Dimensionen verdeutlicht hat. Insofern habe ich immer wieder noch heute, wenn ich da erneut die Stellen passiere, so einen kurzen Gedanken-Schwenk zurück. Aber wie gesagt, solche Analysen zu machen „was wäre, wenn“ das bringt dich nicht vorwärts, glaube ich. DANN BRAUCHST DU ALSO AUCH KEINE ECKPFEILER, WIE „20 JAHRE IST ES HER“… Ich hasse das, ich hasse das. Völlig sinnlos. Da wird vor allem das Gewicht auf völlig falsche Dinge gelegt. Gerade in diesen 1000 Dokumentationen, die dann dazu erscheinen und sehen sind, kommen ja immer nur Leute zu Wort, die so eine Elite darstellen. Die auf der anderen Seite exponiert waren und was erlebt haben und das sind zwangsläufig Leute, die das schon wieder mit anderen Augen sehen müssen, als – ja, ich sag mal wir waren ja normale Leute… UND DAS VERZERRT DAS GANZE DANN. Ja, absolut. DANN MAL MEINE LETZTE FRAGE. WO ICH DEINEN SCHAL SEHE: IHR SEID JA IM ALLGEMEINEN EINE BAND, DIE GERNE EBEN AUCH NACH KONZERTEN MAL RAUSGEHT, FANS TRIFFT, AUTOGRAMME GIBT, AUCH MAL EINEN PLAUSCH HÄLT. WIE IST DENN DAS JETZT GERADE IN DER ZEIT ZUR SCHWEINEGRIPPEN-PANIK GEWESEN? HAT EUCH DAS DA IRGENDWIE VERUNSICHERT, DASS IHR GESAGT HABT „JA, WIR WÜRDEN GERNE, ABER WIR MÜSSEN AUF UNSERE STIMME UND GESUNDHEIT ACHTEN. DAS DING MUSS LAUFEN. MORGEN MÜSSEN WIR AUF DER BÜHNE STEHEN“. IST MAN DA NACHDENKLICH GEWESEN ODER SAGT MAN DA „SCHITT WAS DRUF“? Ich habe keine Panik davor. Weil ich denke, dass das ein Fake ist. Es gibt ja Verschwörungstheoretiker. Ich hasse solche Leute, die ständig jeden Tag mit irgendwelchen Sachen kommen, wo man sich wundern muss. Aber in dem Falle denke ich wirklich, das ist ein Fake der Pharmaindustrie. VIELEN, VIELEN DANK, DASS DU DIR SO VIEL ZEIT GENOMMEN HAST.

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