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THE BOSSHOSS (ALEC VÖLKEL – “BOSS BURNS”)

SEIT GESTERN SITZEN BOSS BURNS UND HOSS POWER, DIE BEIDEN FRONTER VON THE BOSSHOSS IN DER JURY DER NEUEN „CASTING-SHOW“ „THE VOICE OF GERMANY“. FÜR MICH WICHTIGER: HEUTE IST IHR SECHSTES STUDIO-ALBUM „LIBERTY OF ACTION“ IN DIE PLATTENLÄDEN GEKOMMEN – MIT 15 SONGS, BEI DENEN NUR NOCH GANZ AM RANDE GECOVERT WIRD UND DIE BAND NEUE WEGE GEHT. ANLASS GENUG, ZUM TELEFON ZU GREIFEN UND MIT ALEC VÖLKEL – BESSER BEKANNT ALS BOSS BURNS – ZU SPRECHEN, WAS THE BOSSHOSS AKTUELL SO UMTREIBT. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM SECHSTEN STUDIO-ALBUM „LIBERTY OF ACTION“, DAS HEUTE IN DIE PLATTENLÄDEN GEKOMMEN IST! WAS IST FÜR DICH DAS BESONDERE AN DIESEM SILBERLING? Ich find’, wir sind nach langer musikalischer Reise endlich da angekommen, wo wir immer hinwollten. Es ist wesentlich vielfältiger in der Bandbreite, es ist nicht mehr so countryesk wie es vorher war. Der Fokus liegt eindeutig auf den eigenen Nummern, das ist das Thema, und das Covern ist gar kein Thema mehr, sondern nur noch ein Goodie nebenher. Wir haben von der Produktion her ganz neue Sachen probiert. Haben mit Samples gearbeitet, mit Beats, alsos Dinge, die man von uns bisher nicht erwartet hat und die wir uns deshalb bislang nicht getraut haben, auszuprobieren. Von daher sind wir total happy mit dem Album. MAN HÖRT AUCH GANZ VIELE VERSCHIEDENE EINFLÜSSE DURCH, DIE WIE ICH FINDE ABER ALLE GUT ZU THE BOSSHOSS PASSEN: IHR HABT EUREN STIL BEHALTEN, ABER GANZ VIELE NEUE SACHEN MIT REINGEBRACHT. Genau, das war die große Herausforderung. Sozusagen das Kunststück, das hinzukriegen, dass wir halt versuchen, ganz viele Einflüsse zuzulassen. Auch hörbar irgendwie, neu zu werden, aber trotzdem 100% erkennbar BOSSHOSS. Und deshalb sind wir so zufrieden mit der Platte, denn wir finden auch, dass das ganz gelungen ist. ICH HABE MICH BEIM ERSTEN HÖREN SPONTAN IN „THE ANSWER“ VERLIEBT. DIE EIGENTLICH EHER RUHIGE NUMMER HAT SICH MAL EBEN IN MEINE GEHÖRGÄNGE GEGROOVT UND SICH DORT JETZT WOHL FESTGEBISSEN. So soll das sein! DANN GIBT ES DA JA NOCH DIESEN TITEL, DEN IHR MIT NENA UND DEN TIJUANA WONDERBRASS GEMACHT HABT: (ANMERKUNG: DER SONG HEISST „L.O.V.E.“ UND IST EIN SWINGENDES BERT-KAEMPFERT-COVER MIT VIEL GEBLÄSE). DER TRACK IST TEIL DES SOUNDTRACKS ZUM FILM „RUBBELDIEKATZ“. MIT DETLEV BUCK, DEM REGISSEUR HABT IHR JA AUCH SCHON MEHR SACHEN GEMACHT. HAT DER EUCH AUCH MIT NENA ZUSAMMENGEBRACHT? Nee, das lief eher über die Plattenfirma, so über mehrere Ecken. Mit Detlev Buck haben wir schon ziemlich viel gemacht. Der hat ja auch schon mal Videos von uns gedreht. Wir sind auch schon seit ein paar Jahren ganz gut befreundet. Für seinen Film brauchte er Musik und da denkt er natürlich auch an uns, da er auch mit Universal zusammenarbeitet bei dem Soundtrack. Von daher war es eine relativ einfache Sache, dass wir mit ins Boot rutschen konnten. Die NENA haben wir jetzt ja auch kennengelernt durch unsere „Kollegschaft“ sozusagen bei „The Voice of Germany“. Da sind wir ja ganz zusammen und NENA ist auch bei Universal, da war das irgendwie eine logische Konsequenz, dass wir mal fragen, ob sie Bock hat. Sie fand die Idee super, mag uns, wir mögen sie und jetzt singen wir da zusammen die Nummer. THE VOICE OF GERMANY IST EIN GUTES STICHWORT: DIE SHOW IST GESTERN ABEND DAS ERSTE MAL AUSGESTRAHLT WORDEN: WAS WAR EURE INTENTION, DORT ALS JUROREN MITZUMACHEN? Ganz simpel ausgedrückt, um doch noch mal den Versuch zu wagen, im deutschen Fernsehen Qualität mit Musik in Verbindung zu bringen. Weil grundsätzlich sind Casting-Shows Mist! Die Casting-Shows sind aber auch selber Schuld oder das Fernsehen, dass das so schlecht wahrgenommen wird. Wir haben einfach gesagt, nicht immer nur maulen und meckern, sondern wenn, dann auch man anders rangehen und es besser machen. Und das Konzept hat uns halt überzeugt. Dass es um die Musik geht, um die Menschen und nicht darum, Leute vorzuführen. Andere Casting-Shows leben ja schon mehr oder weniger hauptsächlich davon, dass Leute nichts können, vor die Kamera treten. Also sozusagen der moderne Pranger. Und darauf hatten wir keinen Bock, das hätten wir nicht gemacht. Hier geht es wirklich darum, dass wir die Leute eben nicht sehen in den ersten Folgen. Uns wirklich nur auf die Stimme konzentrieren, es also keine Rolle spielt, ob man zu viele Pfunde drauf hat oder sonst vielleicht nicht ganz so telegen ist, wie man sich das sonst so wünscht. Und das fanden wir überzeugend, dass man hier wirklich darauf gehen kann, was jemand drauf hat und man keine Leute vorführt und wirklich mal probieren, ob die Hoffnung noch nicht verloren ist, dass man einfach mal Qualität da mitbringt. ICH HAB’S GESTERN NICHT GESEHEN – WIE WAREN DIE REAKTIONEN AUF DIE SENDUNG? Super! Feedback ist toll, auf jeden Fall so wie wir uns das immer gewünscht haben. Ist natürlich immer sehr spannend, man weiß ja dann immer nicht, ob’s auch angenommen wird, aber es war ne Super-Sendung, die Leute, die da angetreten sind, sind großartig gewesen – wirklich Knaller und ich glaube, die Leute fanden’s spannend und haben’s sehr wohlwollend aufgenommen. Ich hoffe, das wird ein Erfolg. UND IHR WISST AUCH ÜBERHAUPT NICHT, WAS EUCH ERWARTET? Inzwischen schon. Ein paar Sendungen wurden ja schon abgedreht am Anfang. Wir wissen natürlich inzwischen längst, was uns erwartet. Aber wir wussten anfangs nicht, wer da hinter uns steht, singt und wie das alles wird. Inzwischen arbeiten wir seit vielen, vielen Wochen mit den „Talents“, wie man so schön sagt. Suchen Songs für die aus, arrangieren Songs mit denen, üben mit denen, singen gemeinsam und versuchen natürlich auch ein bisschen, mit den Erfahrungen, die wir haben, die irgendwie weiter zubringen und zu helfen und das macht wirklich Spaß. Das ist auch eine Bereicherung für uns. IHR WUSSTEST BEI DEN AUFZEICHNUNGEN ÜBERHAUPT NICHTS – Z.B. WELCHE ART MUSIK EUCH ERWARTEN WÜRDE? DAS WAR FÜR EUCH DANN GENAU DIE GLEICHE ÜBERRASCHUNG WIE IM GRUNDE FÜR DIE ZUSCHAUER JETZT. Ja klar, genau. Wir hatten keinen Kontakt vorher zu den Leuten und das war auch ganz wichtiger Bestandteil des Konzepts, dass wir nicht wissen, wer da antritt. HÄTTE JA SEIN KÖNNEN, DASS EUCH IM VORFELD GESAGT WIRD „WIR HABEN IN DER UND ER SENDUNG LEUTE, DIE DAS UND DAS VORTRAGEN“. Ne, gar nichts! Man sitzt da und sieht nichts und dann geht’s los und man lässt sich überraschen. WÄRE ES DENN FÜR DIE BAND THE BOSSHOSS JEMALS INFRAGE GEKOMMEN, SELBST IN EINER CASTING-SHOW ANZUTRETEN? Nee! Jetzt wo es „The Voice of Germany“ gibt, könnte man die Frage noch mal neu stellen, aber vorher bei einer Casting Show? Auf keinen Fall! Wie gesagt, in den anderen Shows – oder in den bisherigen – Casting-Shows – ist das Image, das die Shows ausmacht, ein völlig falsches Bild, wie man Musiker wird oder wie man überhaupt damit umgehen sollte. Ich find, so was hat in erster Linie was mit Leidenschaft zu tun und dem festen Willen irgendwie Musik zu machen. Und nicht mit nem Wunschprogramm, dass man sagt, was weiß ich, statt Kaufmann werde ich lieber Popstar, gehe ins Fernsehen und probiere es mal da. Das geht halt gar nicht. WIE BIST DU EIGENTLICH ZUR MUSIK GEKOMMEN? Ach, wie bin ich zur Musik gekommen? Damals, als Teenager irgendwie, mit 13 hat’s mich irgendwann gerissen, wenn man so anfängt, sich für Musik zu interessieren. Das fand so wichtig für mich und so intensiv, dass ich dachte, ich will’s nicht nur hören, ich will selber welche machen. Und dann ging das so los: Mit 15 mit Kumpels angefangen zum ersten Mal im Keller so ein bisschen rumrumpeln, bisschen probieren und es ist dann schnell so gewesen, dass es ohne nicht mehr ging. WIE IST DANN THE BOSSHOSS ENTSTANDEN? Das war so vor acht Jahren ungefähr. Der Sascha und ich, wir haben uns kennengelernt vor zehn, elf Jahren beim Job gemeinsam und haben festgestellt, dass wie beide Musik machen, jeder ne Band hat und das unser Ding ist, und das verbindet natürlich extrem und dann sind wir sofort Bier trinken gegangen und nach drei Jahren Biertrinken haben wir immer zusammengesessen und wie gesagt, wir hatten jeder ne Band, deshalb kam irgendwie nicht infrage, dass man ne Band jetzt gründet und wir waren musikalisch auch ein bisschen auseinander. So haben wir einfach immer wieder zusammengehockt und haben Songs aufgenommen – unterschiedlichster Ausrichtung irgendwie. Einfach mal Mucke machen und dann hatten wir irgendwann mal die Idee, lass man Country probieren. Spannendes Genre, passt irgendwie schon noch in das Ding rein, das wir sonst so machen, nämlich gitarrenlastige Rockmusik. Dann haben wir gesagt „Ok, lass es uns probieren, lass uns easy bleiben, wir nehmen einfach mal ein paar Songs und machen da ein paar Countrysongs raus.“ Und das haben wir dann gemacht und das wurde dann ziemlich schnell ein Selbstläufer und mit einem Mal meinten alle „Wie geil ist das denn?! Klingt voll geil, müsst ihr mal ein Konzert machen, müsst ihr mal auftreten,“ „Okay, treten wir mal auf, irgendwie private Party mit 100 Leuten, kleiner Club und dann war das Feedback so groß, dann stand schon ne Plattenfirma vor der Tür und meinte: „Geil, wollen wir machen!“ „Okay, dann machen wir det…“ DANN WOLLTE LANGNESE EUCH JA AUCH FÜR „LIKE ICE IN THE SUNSHINE HABEN. Ja. DAMIT SEID IHR DANN JA AUCH ZIEMLICH BEKANNT GEWORDEN. Der dunkle Baustein der Geschichte. Ne, war schon okay damals. Damals war das natürlich super. Man muss sich ja nur mal vorstellen, Leute wie wir: Wir machen das irgendwie aus Spaß, machen so ein Ding „Lass uns mal ein paar Coutrysongs aufnehmen“ und auf einmal kommt ne fette Werbeagentur durch die Tür und sagt: „Hier, Langnese wollen, dass ihr den Song für die nächste Kampagne macht.“ Uns wir denken: „Geil, machen wir!“ Dann wurde das auch was und das war dann der „sogenannte Durchbruch“. Der Song lief dann im Kino und die Leute meinten „Was ist das denn, das ja cool?“ Uns hängt’s aber auch ein bisschen nach und wir können es selber irgendwie nicht mehr so gut hören. GÄB ES DENN NOCH IRGENDEIN PRODUKT, DAS IHR MUSIKALSICH BEWERBEN WÜRDET? Wenn der Preis stimmt… ne, Quatsch! Werbung ist immer schwierig, aber kann man trotzdem machen. Wichtig finde ich immer, wenn dann muss man sich halt identifizieren können. Also für Joghurt muss jetzt nicht sein, für Whiskey wäre schon cooler. IM MÄRZ GEHT’S JA AUCH WIEDER AUF TOUR – WORAUF DÜRFEN SICH DIE FANS DANN FREUEN? Na, auf frisch ausgeruhte BOSSHOSS-Jungs, die heiß sind, wieder auf Tour zu gehen. Wir haben uns ja ein bisschen zurückgezogen, auch um das Album so gut werden zu lassen, wie es jetzt geworden ist. Eine kreative Pause gemacht sozusagen. Wir haben vorher sehr, sehr viel getourt, sehr viel gespielt, hatten auch ein bisschen das Gefühl, dass uns die Routine ergreift irgendwie und die Leute jetzt auch nicht mehr so frisch mit uns sind und deswegen werden wir im März natürlich total ausgehungert wieder losziehen. Und haben natürlich das komplett neue Album im Gepäck! Es ist ja auch immer schön, wenn man wieder neue Songs machen kann und ne neue Tour beginnen kann mit nem völlig neuen Setup. Wir werden natürlich auch Sachen jetzt erstmal erarbeiten müssen. Ne Platte machen ist das eine, aber wie man das live umsetzt, noch mal ne andere Frage. Da werden wir uns jetzt in den nächsten Wochen im Proberaum mit beschäftigen, aber ich glaub, das wird super und unter zwei Stunden live geht bei uns ja eh immer nix. ICH HAB EUCH DAS LETZTE MAL 2010 MIT DER „LOW VOLTAGE“-TOUR MITSAMT 20 STREICHERN UND BLÄSERN IN OSNABRÜCK GESEHEN. DA HATTE ICH SO DEN EINDRUCK, DASS SICH AUCH IM PUBLIKUM SO EIN BISSCHEN EIN WANDEL VOLLZOGEN HAT. MEINEM EMPFINDEN NACH WAREN NICHT MEHR SO VIELE – ICH NENN’S JETZT MAL „COWBOYS“ IM PUBLIKUM, SONDERN DASS EBEN MIT DEM WANDEL IN EURER MUSIK AUCH DAS PUBLIKUM EIN ETWAS ANDERES GEWORDEN IST. WAR DAS JETZT NUR EIN SUBJEKTIVER EINDRUCK, DEN ICH IN OSNABRÜCK HATTE ODER IST EUCH DAS IN ANDEREN STÄDTEN ÄHNLICH AUFGEFALLEN? Ich sehe das ähnlich, dass jetzt über die Jahre dadurch, dass das Musikalische vielfältiger wird, auch das Publikum vielfältiger wird. Es interessieren sich jetzt wesentlich mehr Leute dafür, die vor ein paar Jahren eben noch nicht was damit anfangen konnten oder denen das zu einseitig war vielleicht. Das ist ja auch das Schöne bei unserem Publikum finde ich ist, dass es sehr, sehr weit gefächert ist. Irgendwie so von 16 bis 60 – natürlich mit in der Mitte einer Kerngruppe zwischen 30 und 40, aber die kommen wirklich aus allen Ecken, das finde ich halt super! Da ist natürlich auch mal ein Country-Fan darunter, aber auch der normale Rock’N’Roller oder der – weiß nicht – Ende 50 ist und früher gern zu Live-Konzerten gegangen ist und sich denkt: „Ja, THE BOSSHOSS bringen irgendwie diesen Spirit mit und da gehe ich zum Konzert und lass mich zwei Stunden mitreißen. Finde ich auch, dass das so geworden ist. „Low Voltage“ hat da auf jeden Fall noch mal so eine andere Farbe und Facette reingebracht, womit wir noch mal deutlich machen konnten, dass in uns noch viel mehr drinsteckt. GANZ BESTIMMT! ICH ERINNERE MICH DARAN, DASS EUER SUPPORT PER NEUMANN GANZ ANDERE MUSIK GEMACHT HAT. (Lacht). Oh ja, das war legendär, der Auftritt, würde ich mal sagen. Der kam ja nicht so gut an. NEE… WAR DAS NUR IN OSNABRÜCK SO? Das war nur in Osnabrück so, danach hat er das nicht mehr gemacht. Das war auch ein bisschen zufällig. Wir hatten gar keinen Support geplant, hatten niemanden und der Peer ist ein Kumpel von uns und hatte damals gerade die Chance mit einer Jazz-Platte einen kleinen Plattenvertrag zu ergattern. Da haben wir gesagt: „Weißte was? Komm einfach mit, halbe Stunde vorher, spiel einfach ein paar Songs von dir und dann gucken wir mal.“ Kam halt nicht so gut an. Fand er dann selbst auch ein bisschen frustrierend, glaube ich, und wir haben das dann nicht wiederholt. DANN WAR OSNABRÜCK AUCH INSGESAMT DER EINZIGE GIG? Ja, das war ein Einzelfall. WÜRDE SOLCHE MUSIK DENN BEI EUCH IM TOURBUS LAUFEN? Jazz? JA! Kommt auch mal vor, grundsätzlich sind wir – was wir ja auch gerade besprechen – deutlich vielfältiger in unserem Musikgeschmack als nur diese eine Schiene. Von daher finden wir grundsätzlich erstmal organische, handgemachte Musik gut. Das muss jetzt nicht immer nur AC DC sein, das kann auch mal so was sein. ES GIBT HIER IN OSNABRÜCK EINE BAND, DIE NENNT SICH DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER. Kenn ich! KENNST DU? DIE HABEN EINEN SONG, DER HEISST „JAZZ IST KEINE GUTE FICKMUSIK“. (Schmunzelt) Ja, das kann sein. Hab ich noch nie ausprobiert um ehrlich zu sein. ES GIBT NOCH EINE ZWEITE TEXTZEILE, DIE HEISST „WENN JAZZ GUTE FICKMUSIK WÄRE, DANN WÄRE JAZZ AUCH VIEL POPULÄRER“. Vielleicht haben sie recht. ICH KÖNNTE MIR VORSTELLEN, DA IST WAS DRAN. WIE SIEHT DENN DAS TOURLEBEN BEI THE BOSSHOSS AUS? PARTY BIS ZUM ABWINKEN ODER DOCH EHER EISERNE DISZIPLIN? Nö, Disziplin ist nicht so unser Ding. Doch schon eher ersteres. Wir sind schon ein bisschen wild auf Tour, das ist auch ruhiger geworden über die Jahre, ist ja klar, aber so vorbildlich wie man es von anderen immer hört, die irgendwie nen Gig spielen, danach in den Tourbus, mit nem Tee und nüchtern, weil man hat ja am morgen ein Konzert, versuchen wir ab und zu auch, gelingt uns leider nicht. WO GEHT MAN NACH EINEM KONZERT DENN NOCH HIN? Wenn du in Städten bist, die du nicht so gut kennst, lässt Du dich treiben. Da sind immer irgendwelche Fans oder irgendwelche Leute, die aus der Stadt sind, haben immer einen Tipp und da endet man dann auch. GIBT’S DENN AUCH GROUPIES, DIE AUF EUCH WARTEN ODER IST DAS PUBLIKUM DAFÜR SCHON ETWAS ZU ALT? Ach, das weiß ich gar nicht… Nö! Grundsätzlich gibt’s ja alle möglichen Facetten… Auf uns warten keine Groupies. So wie wir aussehen… JETZT STAPELST DU ABER EIN ETWAS TIEF! Bisschen vielleicht. AUF WELCHEM KONZERT WARST DU ZULETZT GANZ PRIVAT? Wo war ich denn zuletzt? Mal nachdenken… Warte, warte. Mir fällt’s grad’ nicht ein! WEIL’S SO VIELE SIND ODER WEIL’S SCHON SO LANGE HER IST? Ne, ist schon ein bisschen her, aber auch nicht sehr lange, weiß ich nicht. Hoss ruft gerade von hinten was ein, aber da war ich gar nicht mit. Vergessen, tut mir Leid. MACHT NIX. IHR KÖNNT IN BERLIN ABER NOCH GANZ PRIVAT AUF KONZERTE GEHEN? Ja, na klar, auf jeden Fall. Wir sind schon bekannt, aber wir sind nicht soo prominent. WENN IHR SO UNTERWEGS SEID, HABT IHR WAHRSCHEINLICH AUCH KEINE WEISSEN FEINRIPPUNTERHEMDEN AN? Doch, das haben wir schon manchmal, aber auf jeden Fall ohne Hut. Inkognito. DAS BOSSHOSS-OUTFIT IST AUCH SCHON EIN BISSCHEN DAS PRIVAT-OUTFIT? Auf jeden Fall! Bei uns ist das schon so, dass wir uns nicht verkleiden. Das ist schon bewusst so. Der Hut ist schon klar ein Bühnenelement, passt ja auch irgendwie musikalisch, unterstreicht das Ganze und macht irgendwie auch wieder erkennbar. Aber ansonsten sehen wir sonst so auch aus, Jeans, Boots, Unterhemd – ist schon auch Standard. Als wir überlegt haben, was können wir machen, haben wir schon gesagt „Okay, lass uns bleiben wie wir sind und einfach nur ein bisschen aufpolieren.“ KOMMEN WIR NOCH EINMAL ZUR NEUEN PLATTE ZURÜCK: EIN KLEINES BISSCHEN WIRD JA DOCH NOCH GECOVERT. UND ZWAR EINMAL RAMMSTEIN MIT „MEIN LAND“ – BEI EUCH „MY COUNTRY“. WIE WAR BEI RAMMSTEIN DIE REAKTION AUF EURE VERSION? Super! Die war sehr gut! Zumal die ja auch die Idee hatten dazu. Das war so, dass die uns gefragt haben, ob wir das machen möchten, weil die ja jetzt auch ne Platte rausbringen, Best of, und „Mein Land“ ist sozusagen die Single und da haben sie uns gefragt, weil sie immer daran interessiert sind, spannende, interessante B-Seiten zu machen, ob wir nicht Bock haben, einen Song von „Mein Land“ zu probieren. Da haben wir schon vor zwei Jahren drüber gesprochen über die Idee, da haben wir schon gesagt „Ja klar, schon geil, aber das ist ja voll schwierig, wie kriegt man das denn zusammen und unter einen Hut sozusagen.“ Wir haben dann einfach mal probiert und gesagt „Okay, wir müssen da aber ganz anders rangehen, Deutsch singen geht für uns gar nicht klar. Dann wird das Ding ins Englische übersetzt und musikalisch versuchen wir mal, das komplett zu drehen.“ DAS IST EUCH AUCH GELUNGEN. Genau. Das haben wir denen dann auch so angeboten und die haben das dann richtig abgefeiert. Als B-Seite auf der Single aktuell und wir fanden es dann auch so gelungen, dass wir gesagt haben: „Okay, wir würden es auch gern auf unsere Platte packen.“ Und deshalb ist es da auch drauf. UND DANN GIBT ES JA NOCH VON LEMMY BZW. MOTÖRHEAD „KILLERS“. Ja, genau. GAB’S DA AUCH IRGENDWELCHE REAKTIONEN? Ne, das weiß ich nicht genau. Aber das ist auch so ein Ding, woran man sehen kann, dass wir eben nicht mehr covern nach der alten Idee „Was ist jetzt ein bekannter Popsong und was kommt dann besonders witzig rüber?“, sondern das sind halt Sachen, auf die wir selber stehen, wo wir Bock drauf haben, woran wir Spaß haben. MOTÖRHEAD ist natürlich ne Kultband der ersten Stunde und deswegen haben wir da sehr viel Spaß dran gehabt. HAT’S DENN SCHON FÄLLE GEGEBEN, IN DENEN IHR SONGS NICHT COVERN DURFTET? Es gab auf jeden Fall schon mal den Fall. Selten, aber es ist schon vorgekommen, dass man keine Freigabe bekommen hat. Man muss sich das ja freigeben lassen vom Urheber und vom Verlag und es ist entweder mal vorgekommen, dass im Hip-Hop-Bereich manchmal Leute gar nicht mehr zu finden sind, man nicht rauskriegt, wo die verlegt sind und wie man da an jemanden kommt, der einem ne Freigabe geben kann. Es ist aber auch schon passiert, dass etwas nicht durchgegangen ist, glaube ich, weil da einer keinen Bock drauf hatte oder ihm einfach was nicht passte. WIE MUSS ICH MIR DENN ÜBERHAUPT DIE ENTSTEHENUNG EURER SONGS – GANZ EGAL, OB’S COVER ODER EIGENE SACHEN SIND – VORSTELLEN? VIELES MACHT GLAUBE ICH SASCHA? Sascha macht das eigentlich, genau. Sascha schreibt die Songs, sortiert und arrangiert. Ganz klassisch, der macht da auch nichts anderes. Der Sitzt im Studio, mit ner Gitarre, hat ne Idee im Kopf und probiert’s dann aus und peu a peu wächst das Werk dann sozusagen. Dann tauschen wir uns aus, dann geb’ ich meinen Senf dazu, dann lässt man es noch mal liegen, dann wird noch mal neu rangegangen und dann kommt jeder Einzelne, spielt sein Instrument und dann gibt’s auch noch mal ne neue Phase. Es dauert viele Monate bis ein Song wie er dann auf dem Album zu hören ist, so geworden ist. Am Anfang, die ersten Layouts sind davon schon weiter weg, aber es läuft eigentlich schon relativ klassisch ab. ALSO SASCHA IN ERSTER LINIE, DANN KOMMST DU UND DANN DER REST DER BAND. Genau! NUN IST DAS JAHR SCHON FAST VORBEI, VIELES WIRD FÜR EUCH IM ZUSAMMENHANG MIT DER PLATTE GESTANDEN HABEN – WAS WAR SONST FÜR DICH 2011 WICHTIG? Ach, das ganze Jahr war wichtig, gerade weil wir eben ne Pause gemacht haben – so mehr oder weniger uns ein bisschen zurückgezogen haben. Es ist es ja immer ein bisschen schwierig. Das birgt ja auch immer die Gefahr, dass man den Faden verliert oder dass das Wiederkommen vielleicht nicht so klappt, wie man sich das so vorgestellt hat. Das fühlt sich im Moment sehr, sehr gut an. Dass wir das scheinbar richtig gemacht haben, dass zu wagen, musikalisch irgendwie ein paar neue Wege zu gehen, ne Pause zu machen, dass wir jetzt eigentlich ganz happy sind, dass das alles so funktioniert. ICH DENKE SCHON. MICH HAT DAS ALBUM WIRKLICH KOMPLETT ÜBERZEUGT. WELCHE GEDANKEN STEHEN FÜR 2012 AN? 2012 ist erstmal die Tour halt im März. Dann haben wir erstmal die ersten neuen Shows, die in den größeren Städten sind und wenn die so gut funktionieren, wie wir uns das wünschen, wird auch gleich nachgelegt, dann gibt’s die Tour in der Extended Version und dann halt Festivals! Wir versuchen halt oder wollen so wunschmäßig noch mal nach Texas gehen (Anm.: wo die Band bereits auf Tournee war). Im nächsten Jahr vielleicht noch mal dran anknüpfen an die letzte kleine Tour und halt irgendwie in Europa noch ein paar Festivals, die man vorher noch nicht so richtig auf dem Schirm hatte. Das wäre so halt der Wunsch. DANN WÜNSCHE ICH EUCH DOCH, DASS DAS ALLES SO KLAPPT, WIE IHR EUCH DAS VORSTELLT. WIR WERDEN UNS SICHER AUF DEM EINEN ODER ANDEREN KONZERT NOCH SEHEN BZW. ICH SEHE UND HÖRE EUCH. VIELEN DANK, DASS DU DIR DIE ZEIT GENOMMEN HAST FÜR DEN TERRORVERLAG. DER LETZTE SATZ GEHÖRT DIR! Kauft dieses Album!

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