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THE OCEAN (ROBIN STAPS)

„PRECAMBRIAN“ IST EIN ALBUM FÜR LEUTE WIE UNS SELBST, DIE DIE IDEE DES ALBUMS SCHÄTZEN UND IHRE MUSIK NICHT BLOSS BRUCHSTÜCKHAFT UND ZUSAMMENHANGSLOS ÜBER MYSPACE KONSUMIEREN“ THE OCEAN HABEN MIT „PRECAMBRIAN“ EIN ALBUM VORGELEGT, DASS IN MEINEM PERSÖNLICHEN POLL DES JAHRES 2007 EINEN DER VORDERSTEN PLÄTZE BELEGT. WIE ERNST ES MASTERMIND ROBIN STAPS (HIER NOCH EINMAL EINEN HERZLICHEN DANK FÜR DIE, MEHR ALS AUSFÜHRLICHE, BEANTWORTUNG MEINER BESCHEIDENEN FRAGEN!) MIT SEINEN MUSIKALISCHEN AMBITIONEN UND DEM GANZEN DRUMHERUM IST, KÖNNT IHR IM FOLGENDEN NACHLESEN. UND DANACH SCHÖN DEN TONTRÄGER KAUFEN, DENN ANSONSTEN WERDET IHR EIN MUSIKALISCHES „AHA-ERLEBNIS“ WENIGER IN EUREM LEBEN VERBUCHEN MÜSSEN. HOFFENTLICH VERHALLEN DIE FOLGENDEN ANMERKUNGEN NICHT IM WINDE UND JEDER FÄNGT EINMAL AN DARÜBER NACHZUDENKEN, WELCHEN STELLENWERT DIE MUSIK IN ZUKUNFT FÜR JEDEN EINZELNEN HABEN SOLL. IT’S YOUR DECISION! ERST EINMAL HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZU EURER NEUEN PLATTE! FÜR MICH EINES DER HIGHLIGHTS DES VERGANGENEN JAHRES…WIE GEHT MAN MIT DEN GANZEN LOBHUDELEIEN UM? Man fängt plötzlich, wenn man gerade seine Weihnachtseinkäufe tätigt, an zu schweben, mitten in der Fußgängerzone, und die Passanten schreien auf vor Erstaunen, weil sie Dich für die Reinkarnation von Jesus halten… Wenn man ihnen dann zu erklären versucht, dass man bloß gerade abgehoben ist, weil man gerade ein Album veröffentlicht hat, was sehr gut ankommt, was die meisten noch nicht einmal kennen, dann glauben sie Dir meist nicht, vermeinen bloß christliche Bescheidenheit in Deinen Worten auszumachen und fallen sogleich auf die Knie, um Dich als Heiland zu preisen… Es ist schon nicht leicht manchmal! HABT IHR ÜBERHAUPT IRGENDEINE SCHLECHTE KRITIK BEKOMMEN? ICH KONNTE SELBST BEI AMAZON KEIN SCHLECHTES WORT FINDEN… Bisher hab ich noch nichts gelesen, nur ein, zwei Leser-Kommentare unter irgendwelchen Rezensionen, die meinen, soooo toll sei die Scheibe ja nun auch wieder nicht. Wir freuen uns natürlich sehr über die Lorbeeren, wenn man fast 10 Monate an einem Album gearbeitet hat und das dann am Ende nicht gewürdigt wird, oder noch viel schlimmer, man selber nicht mit zufrieden ist, wäre das schon sehr ernüchternd… Jetzt hoffen wir nur dass nicht nur die Presse feiert, sondern das Album auch tatsächlich bei den Hörern ankommt, und dass sie es auch tatsächlich kaufen… HABT IHR ANGST VOR EINER MÖGLICHEN NEUEN SCHEIBE? ICH MEINE, DIE MESSLATTE IST JA VON EUCH JETZT SEHR HOCH ANGELEGT WORDEN. Da kann und will ich im Moment gar nicht dran denken… Ich weiß nicht mal, ob wir noch mal ein neues Album machen, im Moment sind wir einfach heilfroh, dass das Album fertig ist und der ganze Stress der letzten Monate ein Ende hat. Ob ich mir das in der Form noch mal geben will, weiß ich nicht. Da müssten einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein, die diesmal nicht erfüllt waren, und das hat es sehr anstrengend gemacht. Wir haben einen erheblichen Teil aus eigener Tasche bezahlt, weil wir nur ein Budget für ein normales Album hatten, aber ein sehr aufwendiges Doppelalbum aufnehmen wollten. Diese Platte ist unser „The Shape of Punk To Come geworden“, zumindest in punkto Zeit und Arbeitsaufwand… ob man imstande ist, so etwas noch einmal zu wiederholen, weiß ich nicht. REFUSED haben das nicht geschafft, sind an den Erwartungen, mehr an den eigenen als an denen der Fans, zerbrochen. Ich hoffe, uns bleibt das erspart und wir werden die Energie finden, „Precambrian“ noch mal vielleicht nicht zu Toppen, aber was ebenbürtiges zu machen. Aber sicher nicht in naher Zukunft, wir werden auf diesem Album lange Zeit so lange touren wie möglich… STAND DAS SONGWRITING VOR BEGINN DER AUFNAHMEN? VIELES KLINGT JA NACH SPONTANER IMPROVISATION IM STUDIO. Nein, da ist nicht viel improvisiert, die Songs standen allesamt, als wir ins Studio gingen, wir hatten sehr ausdifferenzierte Vorproduktionen und eigentlich war jedes Drumfill vorher schon komponiert… Wir haben dann zum Teil noch etwas ausgedünnt im Studio und Dinge weggelassen, was einigen Songs wirklich gut getan hat. Was dann relativ spontan im Studio entstanden ist, sind viele der subtilen FX Geschichten und Samples, die sind erst entstanden, als das instrumentale Grundgerüst aus Drums, Bass, Gitarren und Streichern schon stand. WIE BEHÄLT MAN DEN ÜBERBLICK BEI SO EINEM MAMMUTPROJEKT? Das war schwierig. Wenn der Produktionsprozess eine Zeitskala ist, dann darf man halt nicht viel drüber nachdenken, wo auf dieser Skala man sich gerade befindet, sonst wird man verrückt… Das ist im übrigen ohnehin manchmal schwer abzuschätzen, denn oft genug kommt es vor, dass aus dem Nichts heraus neue Aufgaben erwachsen und man plötzlich merkt, dass man seit einer Woche an etwas gearbeitet hat, was eigentlich schon längst hätte fertig sein sollen… wiederum, gerade die subtilen Geräusche, das Stereobild der verschiedenen Ebenen, sind enorm zeit fressend. Man muss einfach von einem zum nächsten denken und das ganz Album manchmal bewusst ein wenig vergessen. Auch bei den einzelnen Tracks war es zum Teil schwierig, die Übersicht zu behalten. Ein Song wie „Rhyacian/ Untimely Meditation“ hatte 4 Audio Spuren, das Ding ist 11 Minuten lang. Das alles im Auge zu behalten und darauf zu achten, dass der Song trotz seiner massiven Polyphonie trotzdem fokussiert bleibt und das Wesentliche herausgestellt wird, ist nicht einfach. Und auch die Dynamikkurve, der Spannungsaufbau, der Fluss, das alles sind Dinge, die mit zunehmender Spurenanzahl und Song-Länge immer schwieriger werden… Man muss da zunächst in Abschnitten arbeiten und diese in sich stimmig gestalten, und später dann diese Blöcke kombinieren… dabei muss man dann wiederum oft an einzelne Abschnitte heran und die noch nachträglich verändern. Vieles davon passiert aber auch im Mix und ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit von Andrew Schneider, dem es durchweg hervorragend gelungen ist, all diese Herausforderungen zu bewältigen. Ich hätte nicht in seiner Haut stecken wollen… HABEN METAL BLADE ZU IRGENDEINEM ZEITPUNKT ZWEIFEL ANGEMELDET? WURDE NICHT AUF DIE KOSTEN HINGEWIESEN? DAS SUPERAUFWENDIGE ARTWORK KOSTET JA UM EINIGES MEHR ALS EINE NORMALE JEWEL-CASE CD. Metal Blade hatten keine Ahnung, was sie erwartet, sie haben die Songs erst gehört, als wir das fertige Master hatten. Und die Kosten, die unser Recording Budget überstiegen, haben wir eben selber tragen müssen. Ich kann wie gesagt nur hoffen, dass die Platte auch bei den Leuten ankommt und dass die Fans uns unterstützen und die Platte tatsächlich kaufen, damit wir diese Koste wieder rein bekommen… Wegen des Artworks gab es allerlei Diskussionen, bzgl. der Kosten ebenso wie bzgl. der technischen Machbarkeit. Generell haben uns Metal Blade hier aber keine Steine in den Weg gelegt sondern ganz im Gegenteil, unser Vorhaben mit viel Eifer und auch Geld unterstützt, die Kosten für Artwork und Herstellung werden natürlich nur vom Label getragen… Sie hätten sich dem durchaus auch verweigern können bzw. das ganze hier und da abspecken, was bei der US-Version auch passiert ist… aber bei der Europäischen Version haben wir am Ende tatsächlich alles realisieren können, was wir bzw. auch Martin Kvamme, der Designer, vorhatten, und dafür bin ich sehr dankbar. WARUM BIETET NUR DIE EUROPA-VERSION DAS VOLLE ARTWORK? Weil den Amis das zu teuer war. Die Produktionskosten für solcherlei Extras wie Stanzlöcher, Metallfarbe und Glanzlack sind wohl drüben deutlich höher als hier, gleichzeitig kalkulieren die da drüben einfach härter. Leider ist man dorten der Auffassung, dass in einem Land, wo die durchschnittliche „attention span“ des Konsumenten bei ca. 4 Sekunden liegt, sich niemand einen Scheiß um aufwendiges Packaging kümmert. Die Mentalität hier ist eine andere, ich denke, und das teilen die Metal-Blade-Europäer, dass man den Leuten eine Anreiz geben muss, die Platte tatsächlich zu kaufen, statt sie sich runter zuladen, und was könnte ein besserer Ansatz sein, als ein super schickes Artwork und Packaging? Da ist man drüben leider anderer Meinung. Der Kapitalismus ist da einfach schon in einem fortgeschritteneren; das klingt so nach Fortschritt, sagen wir, späteren Stadium als hier. Viele Vertriebe wehren sich dort auch kategorisch gegen Digipaks, Pappschuber und alles, was nicht dem Einheitsformat entspricht. IST SOLCH EIN ARTWORK DER RICHTIGE WEG, UM MEHR MENSCHEN DEN KAUF EINER CD SCHMACKHAFT ZU MACHEN? Siehe oben. Ich denke schon. Wir haben uns große Mühe gegeben, ein Album zu machen, anstatt einer losen Ansammlung von Songs. Die Songs haben eine feste Reihenfolge, die nicht nur durch die geologischen Songtitel vorgegeben wird, sondern auch durch musikalische Attribute. Es gibt ein „alles-verbindendes“ Konzept und ein Artwork, was dieses aufgreift. Das alles zusammen mit den Texten bildet eine künstlerische Einheit, die man in ihrer Gesamtheit nicht runterladen kann. Natürlich funktionieren die Songs auch dann noch, wenn man sie aus dem Kontext herauslöst, das war uns sehr wichtig. Wir wollen ja nicht Musik für Akademiker machen, nicht jeder hat Bock, sich mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Aber diejenigen, die gerne ein bisschen tiefer graben, denen wollen wir das auch ermöglichen. “Precambrian“ ist ein Album für Leute wie uns selbst, die die Idee des Albums schätzen und ihre Musik nicht bloß bruchstückhaft und zusammenhangslos über Myspace konsumieren. Alle Alben, die mich selber stark geprägt haben, sind eben dergestalt gewesen wie eingangs beschrieben – Alben, bei denen es ein großes Ganzes gab; Alben bei denen man das Gefühl hatte, keinen einzelnen Song überspringen zu können; Alben, die man durchhören wollte und am Ende wusste man gar nicht, wo die Zeit geblieben ist. Alben wie “Larks’ Tongues in Aspic”, “The Shape of Punk to Come”, “Kollapse” oder “Times of Grace”… IHR SEID DEMENTSPRECHEND WAHRLICH KEINE FREUNDE DES DOWNLOADS. EURE PLATTEN KOMMEN JA AUCH MEIST ALS SUPER-VINYL-EDITIONEN HERAUS. WIE SEHT IHR DIE ZUKUNFT DER TONTRÄGER? Sollte die CD tatsächlich aussterben, werde ich ihr lange hinterher weinen. Mehr noch als dem Vinyl, so sehr ich Vinyl liebe, die Sound-Qualität ist hier einfach für moderne, tiefbass lastige Produktionen leider nicht optimal, nicht mal, wenn man ein separates Vinyl-Master anfertigt, was 90% aller Bands gar nicht tun. Sicher, bei Vinyl hat man noch mehr Möglichkeiten, was das Packaging angeht, bzw. einfach mehr Platz, aber auch mit CD Packagings kann man sehr feine Dinge anstellen… das verhält sich halt ein wenig wie die Miniatur zum großen Canvas. Als Musikliebhaber möchte ich die Alben, die mir wirklich gefallen, immer auch als physikalisches Produkt besitzen… der gute alte Fetischcharakter der Ware… vielleicht. Natürlich nur, wenn man das Gefühl hat, dass der Künstler sich tatsächlich Mühe gegeben hat mit dem Artwork. Ich möchte nicht auf das Artwork verzichten, da es einem ein Album oft erklärt, sein Anliegen und seine Atmosphäre unterstreicht und es noch mal von einer anderen Seite erschließbar macht… und ich denke, dass ich da nicht alleine bin, was mir Hoffnung gibt, dass das physikalische Album, sei es nun in CD oder Vinylform, nicht aussterben wird. Sollte dies doch geschehen, wird das fatale Auswirkungen auf Bands, Musiker und die Qualität von Musik im Allgemeinen haben – denn kostenpflichtige Downloads werden sich kaum flächendeckend etablieren können. Niemand sieht längerfristig ernsthaft ein, warum er für etwas bezahlen sollte, was er auch umsonst bekommen kann. Zahlt ihr alle GEZ…? HABT IHR SCHON EIN FEEDBACK HINSICHTLICH DER VERKAUFSZAHLEN ERHALTEN? Nein. SCHADE DASS EUER AUFTRITT IM HAFENKLANG ZU HAMBURG GECANCELLED WURDE. WARUM SEID IHR DANN BEIM „FUCK X-MAS“ GELANDET UND NICHT BEI EUREN LABELMATES VON BLACK DAHLIA MURDER? DORT WURDE JA EIN SPECIAL GUEST ANGEKÜNDIGT, LETZTENDLICH WAR ABER KEINE WEITERE BAND VOR ORT. Davon weiß ich nichts. Wir haben dem „Fuck X-Mas“ zugesagt, weil wir dort das bessere Angebot hatten und der Veranstalter verlangte, dass wir den Hafenklang Gig dann aber bitte absagen sollen, was man verstehen kann, weil 2 Gigs innerhalb von 2 Wochen in derselben Stadt wenig Sinn machen. Zu dem Zeitpunkt, als wir das „Fuck X-Mas“ bestätigt haben, hieß es, das BDM Package solle ebenfalls auf dem „Fuck X-Mas“ auftreten. Kurz darauf hat Marek Lieberberg dann stattdessen eine Clubshow für DAHLIA am selben Tag gebucht, und durch diese Konkurrenzveranstaltung dem „Fuck X-Mas“ Veranstalter sehr kurzfristig ganz gehörig eins reingewürgt. Ziemlich asoziales Verhalten, so was, aber dat is business… WIE WERDET IHR DENN ALLGEMEIN AUF FESTIVALS AUFGENOMMEN, WO DER SCHWERPUNKT MEISTENS AUF EINGÄNGIGEREN BANDS LIEGT? Das kommt immer drauf an. Auf den größeren Festivals spielen wir ja meist am hellen Tag, was für uns immer komisch ist, weil wir dann unsere Lichtshow nicht fahren können und viele Stücke einfach nicht wirken, wenn Dir die Sonne ins Gesicht scheint. Das kompensieren wir dann meistens durch ein härteres Set und dadurch, dass wir tierisch abgehen… Das funktioniert dann auch meistens sehr gut, auf dem „Ieper Fest“ dieses Jahr haben wir echt krass abgeräumt und über 100 Shirts verkauft in 2 Stunden… Aber die Leute kriegen halt dann immer einen etwas einseitigen Eindruck von THE OCEAN. Ist aber OK, weil die Platte dann überrascht… PLANT IHR DEMNÄCHST AUCH NOCH EINE WEITERE CLUB-TOUR MIT EUCH ALS HEADLINER? WENN JA, WIRD ES EINE EBENBÜRTIGE LIVE-UMSETZUNG DER DOPPEL-CD GEBEN? Ja, das wird es geben. Wir haben auf der letzten Tour bereits 7 der 14 Stücke von „Precambrian“ gespielt, in Zukunft können das noch mehr werden. Auch auf unserer nächsten tour mit ROTTEN SOUND werden wir keine Kompromisse machen, auch wenn wir nur Direct Support sind, wird es die volle Lichtshow geben und ein mindestens 45 Minuten langes Set. Anschließend spielen wir 7 Headliner Shows in Frankreich, und dann geht es nach Osteuropa, Griechenland und Russland. Im Mai gehen wir dann in die USA, wenn alles klappt, und anschließend beginnt schon die Festival Saison. Die nächste Headliner Tour wird es daher erst im Oktober geben, das wird allerdings aller Voraussicht nach eine 3-way Co-Headliner tour mit 3 ähnlich starken Bands, wo die Running order jeden Abend rotiert… ein sehr geiles Package wird das, über das ich hier aber noch nicht mehr verraten kann. WORAUS BEZIEHT IHR EURE EINFLÜSSE? AUF „PRECAMBRIAN“ IST, MEINER MEINUNG NACH, EINE GROSSE AFFINITÄT ZU FILM-SCORES HERAUS ZU HÖREN. Mich haben immer schon solche Alben fasziniert, die einen Fluss haben, die man als Gesamtes hören möchte – solche Alben haben naturgemäß eine gewisse Nähe zum Filmscore. Wir versuchen Musik zu machen, die eine gewisse Grundstimmung erzeugt, die der von David Lynch- oder auch Andrej Tarkowskij-Filmen manchmal nicht unähnlich ist. In musikalischer Hinsicht höre ich in letzter Zeit viel 70s Krautrock – GENTLE GIANT, ANDROMEDA, CRIMSON, YES, usw. Darüber hinaus viel klassische Musik, SCHOSTAKOVICH, DVORCAK, diesen verrückten Armenier, TERTERIAN… und JOHN CALE habe ich für mich entdeckt. DA ES JA EIN KONZEPTALBUM IST UND DU EINEN GROSSEN WERT DARAUF LEGST, DASS DIE PLATTE AM STÜCK GEHÖRT WERDEN SOLL: WELCHES SIND DIE BESTEN KONZEPT-ALBEN DER MUSIKGESCHICHTE? (MEIN FAVORIT IST JA IMMER NOCH „THE LAMB LIES DOWN ON BROADWAY“) Wow. das nicht einfach… „Lamb… “ ist schon gut, aber GENESIS fand ich immer für meinen Geschmack ein wenig zu harmlos. BEATLES – “Sgt Pepper’s…” YES – “Tales from Topographic Oceans” PINK FLOYD – “Animals” JETHRO TULL – “Aqualung” und “Passion Play” REFUSED – “The Shape of Punk To Come” Und um was Aktuelles zu nennen, die Idee der letzten THRICE finde ich auch sehr, sehr geil WELCHE BANDS, PERSONEN, FILME BEEINFLUSSEN DEN STIL VON THE OCEAN Bands: SWANS, BREACH, MELVINS, REFUSED, KING CRIMSON, AMBER ASYLUM, PORTISHEAD, YES, NINE INCH NAILS, NEUROSIS, BOTCH, CONVERGE, JETHRO TULL, TODAY IS THE DAY… Filme: Alles von LYNCH, TARKOWSKIJ, INNARITU, MEDEM, LARS VON TRIER und alles mit KINSKI… Personen: RIMBAUD, LAUTREAMONT, NIETZSCHE, KINSKI, BRIAN VON CATHARSIS… WELCHEN TONTRÄGER, AUSSER EURER EIGENEN NATÜRLICH, WÜRDET IHR ZU WEIHNACHTEN VERSCHENKEN? Einer guten Freundin von mir habe ich eine 3er LP von NEIL YOUNG geschenkt… was Aktuelleres betrifft, die neue DILLINGER ESCAPE PLAN ist phänomenal gut, die würde ich sogar meinem Opa schenken. Die letzte THE END, ein großes Album. BETWEEN THE BURIED AND ME haben dieses Jahr ein Album mit ganz großen Momenten veröffentlicht, was aber als Ganzes leider durch die Zerhackstückelung durch nervende Frickelmetal-Passagen nicht so opulent und erschlagend rüberkommt, wie es der Fall hätte sein können. Trotzdem definitiv wert, da reinzuhören. Die letzte ROSETTA ist sehr gelungen, würde ich auch verschenken. Und die neue ULVER natürlich, Pflichtprogramm. IHR SCHEINT JA NOCH RECHT VIEL WERT AUF EURE EIGENE WEBSITE ZU LEGEN. HEUTZUTAGE EHER UNGEWÖHNLICH, DA SICH JA ALLES BEI MYSPACE ABSPIELT. SEGEN ODER FLUCH? Beides. Mehr Fluch. Generell haben wir kein Problem mit Myspace, wir haben ja auch unsere eigene Seite dort. Die Grundidee ist für Musiker und Bands großartig, eine Art kostenloses Promotionswerkzeug, mit dem man tausende von Menschen erreichen kann, ganz ohne auf Plattenfirmen und Budgets angewiesen zu sein. Leider ist Myspace heute aber nicht mehr bloßes Mittel zum Zweck, sondern wird mehr und mehr zum Selbstzweck. Man fragt sich, warum man noch einen fünfstelligen Betrag für ein wirklich gut klingendes Album ausgeben soll, wenn die Suche für viele bereits da endet: Bei den 4 Songs pro band, die man auf Myspace geboten bekommt, in miserabler Streaming-Qualität. Es gibt heute ein so breites Angebot an kostenloser Musik, dass es verlockend ist, weiterzuklicken zur nächsten Seite, wo es wieder 4 Songs umsonst gibt… So hat man den ganzen Tag Musikbeschallung, ohne sich mit irgendetwas näher auseinanderzusetzen. Genau darüber hat Adorno (allerdings in Bezug auf das Radio) in seinem Kulturindustrieaufsatz in der Dialektik der Aufklärung geredet, wenn er von „Dreingabementalität“ spricht… es wird so viel angeboten, dass wir von der amorphen Angst verfolgt werden, irgendetwas zu verpassen, wenn wir nicht alles mitnehmen. Mit seinen Thesen zur Wiederkehr des Immergleichen hat sich Adorno geirrt, es gibt heute ein stark diversifiziertes Kulturangebot, dennoch ist der Aufsatz unvermindert aktuell. Was essentiell leidet unter dem Siegeszug von Myspace ist nicht bloß alles, was bei der verkürzten Aufmerksamkeitsspanne des Konsumenten nicht wirken kann: Die Musik selbst, welche sich daran orientiert, unterwirft sich dem Anspruch des Mediums. Das sehen wir heute allerorten: Bands versuchen, den perfekten Song zu schreiben, und verschwenden kaum einen Gedanken daran, ein Album zu machen, was mehr ist, als eine lose Ansammlung von ein paar guten und ein paar nicht so guten Stücken. Wer das Album dann tatsächlich kauft, ist enttäuscht darüber, dass es bestenfalls wirklich nur 3-4 gute Songs in liebloser Verpackung sind, und fragt sicht, was er gegenüber dem Download denn nun tatsächlich mehr geboten bekommt. So schließt sich der Zyklus, der Konsument kehrt längerfristig zu Myspace und Utorrent zurück und das Album stirbt aus… kann sein, dass ich hier ein wenig schwarz male, es wird natürlich immer Künstler geben, die sich den gängigen Mechanismen der Kulturindustrie bewusst oder unbewusst widersetzen. Es ist aber wichtig, darüber zu sprechen, und vor allem zu handeln, und aus diesem Grund bieten wir ein opulentes Konzeptdoppelalbum an in einzigartigem Packaging, was den Hörer eher überfordert, als unterfordert… LETZTE BEMERKUNGEN? Zieht Euch „Precambrian“ rein und schreibt uns was Ihr denkt, wir freuen uns über jeden Kommentar und jede Kritik! Hardcore heißt kämpfen, nicht kämmen!

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