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VNV NATION (RONAN HARRIS)

Im Rahmen der 2005er Tour von VNV NATION hatte unser Mitarbeiter Uwe Mühlenmeier die Möglichkeit sich ausführlich mit Bandkopf Ronan zu unterhalten, der sich als unterhaltsamer und tiefgründiger Gesprächspartner entpuppte. HALLO Hallo ERST EINMAL HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZU EUREM NEUEN ALBUM. Danke! (erfreut) ICH HABE ES AUCH FÜR DEN TERRORVERLAG REZENSIERT. ZU BEGINN HATTE ICH EINIGE ANFANGSSCHWIERIGKEITEN… … Wirklich? … … JA, ABER ICH HABE MICH GUT EINGEHÖRT… … Ok … … UND ICH MUSS SAGEN, ICH FINDE ES JETZT GENAU SO GUT WIE DEINE ÄLTEREN AUFNAHMEN. Oh, danke sehr! (stolz). Ja, ich denke auch, dass es anders und neu ist. Ich wollte auch, dass es anders klingt. Ich wollte kein Album aufnehmen, das wie die Sachen davor klingt. Ich wollte, dass es ein anderes Gefühl und einen anderen Klang hat. Es ist mehr als zuvor auf die Texte und auf die Inhalte fokussiert. Ich denke, es ist für viele besser zu verstehen und zu hören und auch eingängiger, ohne kommerziell zu klingen. Es ist einfacher für viele Menschen mit verschiedenen musikalischen Hintergründen sich darauf einzulassen, aber es ist immer noch ein Album für Menschen aus unserer Szene. Ich wollte kein kommerzielles Album aufnehmen, um in den Charts zu landen. ES HÖRT SICH AUCH NICHT KOMMERZIELL AN. Gut (lächelnd) ZUNÄCHST EINMAL WOLLTE ICH DICH FRAGEN, WIE ES DIR IM MOMENT GEHT, UND WIE DU DEN TAG UND DEN ABEND VERBRACHT HAST? Müde… Hmm, im Großen und Ganzen gut. Die Tour läuft zur Zeit sehr gut und darauf kommt es mir an. Im Moment bin ich sehr froh. Wir hatten bisher eine sehr erfolgreiche und verdammt gute Tour. Mehr Zuschauer als ich jemals erwartet hätte, aber ich bin ein Mensch, der gerne überrascht werden möchte. Ich bemühe mich gut ausgeruht zu sein und gute Shows zu spielen. Die Reaktionen der Menschen sind sehr gut. Sie singen alle Lieder vom neuen Album mit – das ist bisher bei keiner Tour passiert. Die Leute schauen zu, sie genießen die Musik, sie reagieren gut, um ehrlich zu sein, mussten wir uns bisher immer sehr anstrengen bei neuen Songs. Dieses mal wissen sie alle Texte und kennen alle Lieder: Sie sangen „Perpetual“ bisher in jedem Konzert mit, und sie singen „Chrome“, und das ist verdammt cool! Ich bin darüber sehr glücklich – eine Tour ist immer ein wenig wie Urlaub für mich. Ich habe vor der Tour sehr lange und hart an der Fertigstellung des Albums gearbeitet. Es waren viele Dinge dafür zu tun, zusätzlich zur Tourvorbereitung, und… Es hat sich gelohnt! ICH HABE GELESEN, DASS DU EIN HALBES JAHR KONSTANT AN DEM ALBUM GEARBEITET HAST. Noch länger! Ich habe von Juni bis Dezember das Meiste auf dem Album geschrieben, danach waren wir auf einer Mini-Tour. Danach musste ich das Album fertig stellen, deshalb hat die Single „Chrome“ auch so lange auf sich warten lassen, denn das Album war der Hauptpunkt. Ich wollte die Produktion nicht abkürzen und ein schlechteres Album aufnehmen, nur um schnell eine Single fertig zu stellen. So etwas war nie mein Ziel. Im ganzen war es viel harte Arbeit, aber es hat sich ausgezahlt für mich. Ich bin zufrieden mit den Ergebnissen. Was können wir also für heute abend erwarten? Es wird fantastisch werden! Es ist die beste Tour, die wir bisher gespielt haben, nimm nur gestern Abend Rostock als Beispiel. Die Szene da ist ja nicht sehr groß. Ich war sehr erstaunt, wie viele Menschen da waren. Die Nacht davor sind wir in Magdeburg vor 1000 Leuten aufgetreten, es war klasse! MEINE FREUNDIN KOMMT AUS MAGDEBURG! Oh, echt? (erfreut) Es war großartig… wirklich großartig (stolz)! Die besten Reaktionen, die meisten haben mitgesungen, viel Spaß, es war ein toller Abend und wir waren ein Teil davon. So möchte ich es haben (erfreut) DAS NEUE ALBUM KLINGT JA DOCH EIN WENIG ANDERS. HABEN DIR DAS VIELE LEUTE GESAGT ODER AUCH SO EMPFUNDEN? Ich muss sagen, ich habe nur wenige negative Kommentare bekommen, erstaunlich wenige! Ich habe viele Online-Besprechungen gelesen, in denen es hieß: man brauche etwas Zeit zum Reinhören. Aber glaub’ mir, im Gegensatz zur „Futureperfect“ sind es wirklich wenige Verrisse. Es gab damals viele Leute, die den trancigen Sound nicht mochten oder diesen oder jenen Song. Einige waren zu der Zeit sogar richtig aggressiv! Und jetzt, in Amerika zum Beispiel, bekommen wir unglaublich gute Rezensionen, dort sind es aber nicht die Magazine, die die schreiben, sondern die Fans und auch Leute, die uns vorher noch nie gemocht haben! Diese Leute mochten „Praise the Fallen“ oder „Empires“ nie, sie dachten, die „Futureperfect“ sei eine wirklich schlimme Sache. Viele von denen denken jetzt: „Wow, die Band kann ja etwas richtig Interessantes produzieren, etwas Akzeptables und sich verändern.“ Die Entwicklung der Band lässt es zu, mit etwas Neuem rauszukommen. Und jetzt, nach 3.5 Jahren, wissen die Leute, dass das jetzige Album etwas anderes ist. Sie liebten es, die „Empires“ und die „Futureperfect“ zu kritisieren. Trotzdem war „Futureperfect“ sehr wichtig und die größte Chance für VNV. VIELE KENNEN JA AUCH NUR DIE SINGLES… … ja, genau das war das Problem! Das coole ist, dass wir jetzt überraschen können, dass wir in ihren Augen richtig gute Songs schreiben können. Es sind die stärksten Lieder, die ich je geschrieben habe und zusammen auf ein Album bringen konnte. Ich denke, das irritiert einige Kritiker. Ich bin fasziniert davon. Viele kommen zu mir und sind auch nicht ängstlich mir zu sagen, dass sie etwas nicht mögen. Aber es kommen auch Leute, die „Beloved“ für etwas Neues und Innovatives hielten und mir jetzt sagen: „Ich wollte aber eine zweite „Futureperfect“.“ Einige andere sagen, sie wollten mehr im Stil der „Empires“ oder der „Praise the Fallen“ hören. Man kann nicht jeden glücklich machen! Die wichtigste Frage ist: mag es die Mehrheit und mag ich es? An erster Stelle steht, dass ich zufrieden bin. Ich bin wirklich stolz auf das neue Album! (gerührt). Es ist das Beste, das ich bisher als Musiker erschaffen habe, denn ich liebe es Musik zu machen (stolz und erfreut). Was die Fans denken, ist wichtig und was die anderen, die nur einen oder zwei unserer Songs kennen und mögen und uns akzeptieren, auch. Das ist doch eine fantastische Sache! Ich will nicht, dass die Fans unsere Musik mögen, nur weil WIR sie geschrieben haben. Ich will nicht, dass sie denken, es ist deswegen cool, sondern weil sie es wirklich selbst mögen. Meiner Meinung nach ist es wirklich klasse geworden. DANN GEHT ES JA NICHT MEHR UM DIE MUSIK, SONDERN NUR UM DAS LABEL, DAS DRAUFKLEBT. Ja, ganz genau! Es wird immer eine kleine Gruppe geben, die von mir erwartet, dass sie eine weitere „Futureperfect“ bekommen. Sie wollen sich genau so fühlen, wie sie es taten, als sie die „Futureperfect“ hörten, oder als sie das erste mal „Beloved“ gehört haben. Diese wenigen wollen ein zweites „Beloved“ hören, aber es tut mir leid, ich bin nicht jeden Tag in meinem Leben ein Liebeslied-Schreiber (amüsiert). Ich würde nicht sagen, dass „Beloved“ ein besserer Song ist als die anderen, aber „Beloved“ erreicht die Herzen vieler Menschen besonders gut. Es brachte auch viele Menschen zu VNV NATION, die uns vorher gar nicht kannten. Es hat also funktioniert, bei „Standing“ war es ähnlich. Die meisten mögen „Standing“ sehr, sie mögen „Homeward“ und „Perpetual“ und nicht nur wegen der düsteren Computer-Drum-Sounds. KANNST DU UNSEREN LESERN KURZ EIN WENIG ÜBER DIE TEXTE AUF „MATTER + FORM“ ERZÄHLEN? Über alle? (verwundert) NEIN, NATÜRLICH NUR, WAS DIR SELBST AM WICHTIGSTEN ERSCHEINT. Hmm… Am besten ein paar Beispiele. Im Text von „Chrome“ geht es um Menschen, die etwas wirklich zurückhaben wollen, nach dem sie sich sehnen. Wenn man etwas von jemandem will, was man in ihm sieht und denkt, dass man es unbedingt braucht. Viele Menschen tragen eine Maske. In vielen Fällen tragen Menschen die Maske, die man von ihnen erwartet. Sie brauchen Aufmerksamkeit und Bestätigung. Durch so etwas kann eine gefährliche Situation entstehen, das sind gefährliche Menschen. Ich erzähle von so einem Prozess im Leben, in dem „Chrome“ die Fassade, die Maske ist, hinter die man blickt, sie erkennt und zerstört. Es zerstört was man sieht, das Image. Man blickt auf die Leute, in der Hoffnung in ihnen das zu finden, was man sehen möchte und sucht. Sie wollen, das ich das in ihnen sehe, denn sie brauchen die Aufmerksamkeit, die Bestätigung. Durch diesen Prozess wird man zu dem Menschen, der man ist und darum geht es mir. Das ist meine eigene, persönliche Erfahrung, die mich prägt. So etwas kann einen zynisch werden lassen, oder aber man wächst daran, und weiß dadurch genau, was man will. Nicht etwa nur das, was man nicht will, sondern genau das, was man will, denn das ist ein großer Unterschied. So eine Situation kann so schwierig sein und einen so sehr enttäuschen, dass die Erinnerung daran für den Rest des Lebens weh tut. Daran kann man aber auch wachsen und stärker werden. So ein Prozess der Enttäuschung und der Verletzung ist eine natürliche Entwicklung, etwas das einem passieren muss. Man muss die Unschuld ausbrennen, um der Mensch zu werden, der man wirklich ist, sonst ist immer alles hinter softig-weichem Plüsch verborgen. Das heißt aber nicht, dass man sich dahingehend verändert, dass man kein netter Mensch mehr ist oder hart wird. Man hat die Möglichkeit, aus solchen Situationen zu lernen. Wie man damit umgeht, ist ein Test für dich als Mensch. Durch so was lernt man, wer man wirklich ist. Zum Beispiel wird man nie rausfinden, was wirklich in einem steckt, wenn man nicht auf einem offenen Feld 500 Kilometer weit weg von zu Hause ausgesetzt wird, ohne Handy, ohne Geld, ohne Auto, und nach Hause kommen soll. An so einer Situation merkt man, was für ein Mensch man ist, setzt man sich hin und weint oder sagt man sich: „Ok jetzt geh ich und schaff´ das!“ Durch so etwas findet man es raus und lernt über sich selbst und darum geht es in „Chrome“. Jetzt zu „Arena“. Shakespeare hat einmal gesagt: „Die Welt ist eine Bühne.“ Dem stimme ich nicht zu, ich denke die Welt ist eine Arena. Das kann vieles bedeuten. Die Welt kann eine riesige Open-Air-Bühne sein, auf der viele verschiedene Dinge geschehen, sie kann ein Zirkus sein, oder ein großer Kampf. Ich denke, unsere Welt ist wie eine Arena, denn sie ist wesentlich größer als eine Bühne. Ich habe so viele Menschen getroffen in so unglaublich verrückten Situationen. Es geht in diesem Song um diese Welt, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Es entstand in einer Situation der Erinnerung an all die Jahre der Musik, der Touren und dem Schreiben von Liedern. In der Rückschau kann ich sagen, egal ob ich 4 Jahre alt war, oder 18 oder so alt wie ich jetzt bin: Ich wollte immer der sein, der ich jetzt bin, und ich bin immer noch die Person, die ich sein wollte. Die Art wie ich fühle, wie ich die Welt sehe, all das, was ich erlebt habe in meinem Leben, habe ich verarbeitet. All das steckt Zeile für Zeile im Text von „Arena“. Welchen anderen Song soll ich noch nehmen? Hmm… In „Homeward“ geht es nicht etwa, wie viele denken, um das Nach-Hause-Kommen. Es geht in „Homeward“ um das zu Hause, das man noch nicht gefunden hat. Viele Menschen, die ich kenne, wissen nicht, was das Wort „zu Hause“ bedeutet. Zu Hause zu sein heißt, dort zu sein, wo deine Freunde sind. Viele kennen dieses Gefühl als Teenager, dass sie niemanden mögen und dass sie nicht wissen, wo sie daheim sind. Sie fühlen sich nicht wie die Menschen, die wissen, wo sie hin gehören. Sie haben keine Ahnung, wer sie selbst sind und was sie suchen und tun das, was jeder andere auch macht. Ich war so ein Mensch, der immer auf der Suche war. Ich habe nach Antworten gesucht, nach Erfahrungen und dann bin ich an einen Punkt gelangt, an dem ich verstanden habe, dass ich nach einem neuen Land gesucht habe, auch wenn ich es nicht mal wusste. Ich wusste aber, dass ich weiter danach suche, deshalb auch die Textzeile: „… how different many shores I left behind.“. Ich weiß, dass ich viele Ufer hinter mir gelassen habe, aber immer noch nicht angekommen bin. Ich bin irgendwo in der Mitte und befinde mich noch auf der Reise, und genau darum geht es im Album, von einem zum anderen Ufer des Lebens zu wechseln. Im Leben verändert man sich immer als Person, um sich trotzdem treu zu bleiben. Es gibt Phasen im Leben, in denen es einem schlecht geht und man schwarze Tage für 6 Monate durchwandert oder auch für 6 Jahre. Das verändert einen sehr stark, es eröffnet einem eine ganz andere Perspektive auf einen selbst und gibt einem eine neue Küste, zu der man segeln kann. Man muss sich selbst die Frage beantworten, was man mit seinem Leben anfangen will und rausfinden, wer man wirklich ist. Das führt jetzt zu „Perpetual“, meinem Lieblingssong auf dem Album. Ich wollte, dass es der letzte Song auf dem Album wird, weil er am Ende läuft und läuft und läuft. Wenn ich gewollt hätte, würde es 3 oder 4 Minuten so weiter gehen, denn er macht mich glücklich. Das Lied macht mich jedes mal glücklich und sorgt dafür, dass ich lächeln muss, wenn ich ihn höre oder singe. „Perpetual“ bedeutet ja letztlich auch, dass etwas immer weiter geht. Der Text richtet sich an die Menschen, die in der Musik und in den Texten von VNV NATION etwas finden, sehen und hören, was ihnen einen Halt gibt. Das ist ja eine Art Hilfe und Anleitung für das Leben. All die kreativen Menschen, alle Künstler, alle Schriftsteller, Dichter und Musiker sind eine Richtfigur oder Vorbild für jemanden. Viele drückten an einem gewissen Punkt das aus, was eine Generation oder eine Gruppe von Menschen dachte oder fühlte. Sie waren eine Art Leitbild oder Licht für viele Menschen und eine Inspiration, die wieder andere inspiriert hat. „Perpetual“ soll diese Ambition ausdrücken, dass Menschen andere Menschen inspirieren und begeistern können. Und ich fühle oft, dass viele Menschen inspiriert und berührt werden und sie all diese Emotionen hervor bringen. Ich liebe diesen Prozess und ich liebe Menschen, die so etwas schaffen können, das ist wahrhaftig und natürlich. Menschen, die aufstehen und mir zeigen, dass sie wirkliche menschliche Emotionen hervorrufen und nicht spielen, zeigen mir, dass sie die Lichtträger für ihre Generation oder ihre Kultur sein können. Aus allen Generationen aus der ganzen Geschichte, alles, was wir aus den dunklen Zeiten des Mittelalter und weiter zurück haben, sind die Gemälde, die Kunstwerke, Architektur, Gedichte und Bücher, die aus dieser Zeit zu uns gekommen sind. Ich liebe dieses Lied, denn es beschreibt diesen endlosen Prozess von Anbeginn der Zivilisation, den ich in „Perpetual“ ausdrücken möchte. Die Menschen, die so etwas schaffen, sind unsere Lichtträger/ Lichtgestalten. Ok, das soll erst mal reichen. DAS KANN ICH GUT NACHVOLLZIEHEN, ICH STUDIERE GESCHICHTE. Ok, dann verstehst du es sowieso (lächelt). ES SCHIEN MIR SO, ALS OB DU IN EINIGEN TEXTEN UND IN DER LICHTPROJEKTION DER SHOW IN DER ARENA OBERHAUSEN WEIHNACHTEN 2003 RELIGIÖSE THEMEN UND INHALTE AUFGEGRIFFEN HAST. WAREN DIE BILDER VON MARTIN LUTHER KING, MALCOM X UND GHANDI ALS ANSPIELUNGEN AN RELIGIÖSE INHALTE GEDACHT? Die Videofirma hat die Bilder z.b. von Martin Luther King in der Projektion für „Legion“ verwendet, als Beispiele für Menschen, die für ihren Glauben gestorben sind. DAS MEINTE ICH. Das sollte man nicht tun. Martin Luther King zum Beispiel war die Stimme der Freiheit für so viele Menschen, aber später in seinem Leben wollte er keinen Frieden mehr, das war sein größtes Problem. Er kam an einen Punkt, wo er zu einem gefallenen Charakter wurde. Er hatte keine Möglichkeit mehr weiter zu existieren. Er konnte ab diesem Punkt nicht mehr zur Ruhe kommen und Frieden finden. „Malcom X“ war auch in dieser Projektion. Er erreichte einige sehr wichtige Veränderungen in der amerikanischen Kultur. Er war so vollkommen anders, als das, was die etablierten schwarzen Anführer wollten. Er war die Alternative, ein sehr mächtiger und starker Mann mit einem unbeugsamen Willen. Er kam aber zu dem Schluss, dass Gewalt keine Lösung ist. Er ging auf eine Pilgerreise nach Mekka (MALCOM X WAR DER WICHTIGSTE ANFÜHRER DER RADIKALEN, GEWALTBEREITEN, MUSLIMISCHEN SCHWARZENBEWEGUNG IN DEN 60ER JAHREN. ER PREDIGTE GEWALT UND RASSISMUS, UM DANN EINZUSEHEN, DASS GEWALT KEINE LÖSUNG IST, SONDERN DAS PROBLEM SELBST, Anm. des Int.). Er erkannte, dass Worte mehr Macht besitzen als Gewalt, und dass Bildung und Erziehung alles ausmachen. Man wird nicht Präsident der Vereinigten Staaten durch Gewalt, sondern durch die Macht des Wortes. Nur verstanden ihn die meisten Menschen nicht richtig, sie verstanden nur die Wut. Aber Wut kann in etwas Positives verwandelt werden. Ghandi war auch bei den Bildern dabei. Der Heilige Georg war dabei, wie er den Drachen tötet. Dieses Bild zeigt, wie oft in religiösen Bildern, den Kampf zwischen Gut und Böse. Der Drache steht für das Schlechte. Das soll aber nicht heißen, dass wir das Böse töten (oder töten sollen), sondern es ist eine Metapher. St. Georg hat ja schließlich keinen Drachen getötet, es ist nur ein Symbol. Ein Symbol, wie es viele Religionen verwenden, eine Repräsentation der Idealvorstellung, das Böse zu zerstören. Das sorgt dafür, dass wir uns gut fühlen. Die Amerikaner sind dafür das beste Beispiel der Welt, und sie tun das schon wesentlich länger als George Bush Jun. Präsident ist. Sie sagen: „Die da sind unsere Feinde! Sie müssen schlimm und böse sein.“ So eine Verteufelung hält die Menschen zusammen, es funktioniert. Wenn man ein Politiker ist und Kontrolle über Menschen haben will, ist das ein mächtiges und wirksames Mittel. WÜRDEST DU DICH SELBST ALS GLÄUBIGEN MENSCHEN BEZEICHNEN? Ja, ich bin ein sehr spiritueller Mensch, aber kein religiöser Mensch in Hinsicht auf institutionalisierte Religion. Ich bin in Irland, also in einem sehr katholisch geprägtem Land aufgewachsen. Es ist aber nicht nur katholisch, sondern auch in vielerlei Hinsicht pagan (heidnisch) geprägt. Unsere religiöse Geschichte geht 4000-6000 Jahre zurück. Hmm… Ich brauche meine eigene Wahrheit, denn Religion gibt den Menschen einfache Antworten auf die Fragen wie das Universum funktioniert, wie man nett zueinander sein soll und gibt dafür Regeln vor. An und für sich ist es eine gute Sache, nur wird sie auf eine falsche Art angewendet. Religion wird eine Institution, sie wird normal und wird zur einzigen Wahrheit erhoben. DADURCH WIRD SIE IRGENDWANN INTOLERANT. Ja, sehr! Sogar Teile des Buddhismus glauben von sich, der einzig richtige Weg zu sein. Sie seien die richtigen Menschen und wir alle nicht. Das ist seltsam, denn der Buddhismus ist ja die friedlichste aller Religionen. Sie sagen ja nicht mal, ob es einen Gott gibt oder nicht. Ich musste meinen eigenen Weg finden, die wichtigen Dinge im Leben zu verstehen, so kann ich es am Besten ausdrücken. Ich erzähl keinem, an was ich glaube. Ich glaube schon, nur wissen das nur meine Freunde. Ich erzähl das nur nicht rum. …Ich habe einige wichtige Erfahrungen dieser Art gemacht und einige waren unglaublich. Ich habe alles hinterfragt und mir Gedanken über die Natur meiner Existenz gemacht. Was passiert, wenn ich sterbe, wo werde ich dann sein? Ich war immer an übernatürlichen Dingen interessiert, immer daran interessiert, über unsere Intelligenz hinaus zu gehen. Vor 2000 Jahren glaubten die Menschen, der Donner sei ein Gott. Wenn es eine Sonnenfinsternis gab, glaubten die Menschen bis vor 250 Jahren, es sei ein böses Omen. Aber das ist eine normale Sache im Universum. Die Sonne geht auf und unter, es passiert einfach. Ich persönlich denke, man will das begreifen, was man nicht versteht. Die Wissenschaft hat in den letzten 400 Jahren bewiesen, dass vieles, was wir der Religion zuschrieben, so nicht stimmt. Wissenschaftler heute haben das Problem nicht zu verstehen, was die Seele ausmacht. Ich glaube, dass Menschen eine Seele haben, und dass sie weit über das Verständnis von Wissenschaft hinaus geht. Die Art wie wir denken, ist eine durchlässige Mauer, und die Wissenschaft kratzt immer nur an dieser Mauer. Wir müssen unser Denken verändern, um dahinter blicken zu können. Und ich denke da hilft einem die Spiritualität. Sie ist ja nicht eine mystische Sache, die mit der Wissenschaft nichts zu tun hat. Ich denke zusammen mit der Wissenschaft ist die Spiritualität der einzige Weg für die Menschheit voran in die Zukunft. Kein Mensch allein kann alle Antworten geben, auch die Wissenschaft nicht, das hängt alles zusammen. So kann man wirklich voran kommen. Na ja, das war jetzt ja reichlich philosophisch (lächelt). DAS IST WAHR, ABER DANKE FÜR DIESE SEHR PERSÖNLICHE ANTWORT. JETZT ABER EINE GANZ ANDERE FRAGE: WAS DENKST DU ÜBER DEN BEGRIFF „FUTURE POP“ UND DIE ENTWICKLUNG DER DUNKLEN SZENE? Ich denke, es war zu Beginn ein wichtiger Begriff. Ich hab mich mit Stephan Groth (APOPTYGMA BERZERK) vor ein paar Monaten schon mal darüber unterhalten. So um 1999 herum war es großartig, als wir mit der „Empires“ rauskamen, COVENANT mit der „United States of Mind“ und APOPTYGMA mit der „Welcome to Earth“. Es war eine große, völlig neue Sache. Mittlerweile haben die Leute aber die Idee dahinter verloren. Die Idee war es, Elemente jenseits unserer Szene einzuflechten, nicht nur Trance, sondern auch viele andere Einflüsse. Es ging um die Musik und darum, Spaß mit ihr zu haben. Ich wollte nie von der Technoszene akzeptiert werden. Es gab einen riesigen Trubel darum, die Einflüsse aus anderen Bereichen aus unserer Szene herauszuhalten. Leider haben viele der Bands, die danach als Future Pop bezeichnet wurden, unseren Klang kopiert. Es gab am Anfang einige Lieder in dieser Art, dann 5 Bands, danach 10, 20 und immer mehr. Es kam zu dem Punkt, an dem es einfach seltsam wurde. Aber es ist nichts anderes als das, was auch Rudy von WUMPSCUT passierte. Du gehst zum Beispiel in einen Club und hörst an einem Abend 400 Bands, die wie WUMPSCUT klingen wollen. Da hat man ASLAN FACTION, FEINDFLUG und viele andere. Es ist alles die selbe Art von Musik. Wenn du eine von denen magst, magst du auch alle anderen aus diesem Bereich. Das Gleiche ist es mit den „COVENANT-Bands“ oder den „VNV NATION-Bands“. Die verstehen nicht, was unsere Musik so speziell und emotional gemacht hat. Ich hab das mit Stephan diskutiert, und wir waren uns einig, dass all diese Bands unsere Klänge und Melodien einfach nur kopiert haben. Sie haben das Wesentliche aber nicht erreicht: es geht um die Emotionen und um das Gefühl, was die Musik in einem auslöst. Ich könnte meine Lieder auch nur mit einer Akustikgitarre aufnehmen, und trotzdem würde rüberkommen, um was es mir geht, und genau darum geht es auch. Die meisten dieser Bands schreiben keine Songs, aber ich hoffe, ich konnte wenigstens einige von ihnen inspirieren das zu tun. WAS DENKST DU DENN, WARUM DU MIT DEINER MUSIK UND DEINEN TEXTEN SO VIELE MENSCHEN ERREICHEN KONNTEST? In Amerika sieht es anders aus als hier… vielleicht ist es meine Stimme oder meine Musik, ich weiß es nicht genau. Ich habe viele Menschen danach gefragt, und die meisten haben mir gesagt, dass ich anscheinend für sie etwas Wichtiges zu sagen habe. Es löst bei vielen ein unglaubliches Gefühl aus. Das ist nicht etwas, was ich versuche zu erreichen. Amerikaner verstehen meine Texte natürlich einfacher und schneller als die meisten Europäer, wegen der Sprache. Sie verstehen den Zusammenhang und die Vielschichtigkeit der Worte, die ich benutze. Das ist mir sehr wichtig, denn sie bekommen einen viel tieferen Eindruck von dem, was ich ausdrücken möchte. Aber im Grunde macht es keinen Unterschied, denn das Gefühl kommt genau so über die Musik zum Ausdruck. Und die Menschen in Deutschland verstehen es genau so und singen unsere Texte, als würden sie es in der selben Art und Weise selbst meinen. Wenn sie meine Lieder hören und mögen, wollen sie meistens auch wissen, was ich da singe und was ich ausdrücken will. Nur die Amerikaner sind da meistens etwas fanatischer was VNV NATION angeht. Die meisten von ihnen brauchen etwas, was sie ausfüllt, was ihrem Leben eine Bedeutung geben kann. Sie suchen. Sie sehen die Welt als eine plastische, kalte und paranoide Verschwendung. Sie sehen vieles schlecht und reden über den Geist und die Seele des Menschen auf eine sehr gute Weise, nicht auf eine religiöse Weise, aber auf eine kraftgebende Art. GIBT ES IHNEN ORIENTIERUNG? Ja, es inspiriert sie. Dadurch werden sie zu besseren Menschen. Und genau um diese Botschaft geht es bei VNV NATION: Mach’ dich selbst zu einem besseren Menschen! Ich denke, das ist das wichtigste Element, was uns so populär gemacht hat, und natürlich einige gute Clubsounds. Es gibt immer Menschen, die unsere Musik mögen und es gibt Menschen, die „Beloved“ mögen, weil es ein nettes kleines Lied ist, und weil jeder andere es mag und sie wie jeder andere auch sein wollen. SOLCHE LEUTE GIBT ES IMMER. Ja, aber das finde ich nicht schlimm. Ich würde mich freuen, wenn sie trotzdem zu unseren Konzerten kommen und vielleicht eines Tages verstehen, was sie sich da eigentlich anhören (freundlich) Sie werden es aber nie verstehen, wenn sie uns keine Chance geben, nicht zuhören und nicht darüber nachdenken. „CHROME“ STAND DIE LETZTEN 3 WOCHEN AUF PLATZ 1 DER DAC. Ich hab’ keine Ahnung, kann sein. ICH HABE ES NACHGESEHEN UND FESTGESTELLT, DAS „MATTER + FORM“ AUF PLATZ 38 DER MEDIA CONTROL CHARTS EINGESTIEGEN IST. HAST DU MIT DIESEM ERFOLG GERECHNET? Das mache ich nie (nachdenklich)… IST DIR DAS NICHT WICHTIG? Media Control ist für ein Label sehr wichtig, es öffnet die Türen. Viele Leute werden mit einem Arbeiten wollen und das ist spannend. Das sagt aber nichts darüber aus, ob ein Album kommerziell klingt oder nicht. Du kannst CRADLE OF FILTH sein und auf 1 stehen, oder DIMMU BORGIR, und trotzdem nicht kommerzialisiert klingen. Die Single-Charts bedeuten nichts für mich. Die DAC-Platzierung ist wirklich schön, denn jede einzelne VNV NATION-Veröffentlichung seit 1998 ist in den DAC auf Platz 1 gelandet. Jede einzelne (stolz) DAS IST EIN ZIEMLICHER ERFOLG. Das ist schon nicht schlecht, und um ehrlich zu sein, wäre ich schon ein wenig traurig, wenn es diesmal nicht so wäre (lachend). Das hieße ja, dass es vorbei und aus mit uns ist (augenzwinkernd). Es ist aber ein Glücksspiel, um ehrlich zu sein. Es kann passieren, dass gleichzeitig MARILYN MANSON oder DEPECHE MODE eine Single veröffentlichen. Wenn ich von denen geschlagen würde, wäre ich trotzdem froh. Das ist ja kein Wettstreit (amüsiert)! Es ist aber sehr schön zu sehen, dass meine Arbeit gemocht wird. Es ist ja ein Zusammenspiel vieler Dinge, aber auch die Verkaufszahlen und die DJs haben Einfluss, mit dem, was sie auflegen. Und sie mögen es und sagen es auch. Es zwingt sie ja keiner dazu, und sie würden es auch nicht tun, wenn sie unser neues Album nicht mögen würden. Unsere Szene ist ja sehr Clubkonzentriert und die DJs machen ein Lied populär! Aber ich würde mich freuen, wenn die DJs ein bisschen mehr neue Sachen spielen und einen bisschen breiteren Stil anbieten würden, nicht nur die alten Sachen, denn es gibt viele gute neue Bands, die niemals eine wirkliche Chance bekommen. Wir haben gute Chancen gespielt zu werden, die aber nicht. Wir hatten damals diese Chance mit „Honour“ durch die DJs, aber so etwas passiert heute nicht mehr. Ein DJ spielt eine neue Band und die Clubgänger denken sich: „Wow, das klingt aber klasse!“ So etwas passiert kaum noch und ich denke, das ist das größte Problem unserer Szene. DAS PROBLEM IST ABER AUCH OFT, DASS, WENN SIE WIRKLICH ETWAS NEUES SPIELEN, NICHT VIELE GÄSTE DEN SONG KENNEN UND KEINER TANZEN GEHT. ES SCHEINT NUR WENIGE ZU INTERESSIEREN. Das ist definitiv ein wirkliches Problem und genau aus diesem Grunde wollte ich keine 2. „Futureperfect“ aufnehmen. Ich wollte etwas anderes machen, und wenn die Leute es mögen: Gut! Und wenn sie es nicht mögen, ist es auch gut (lächelt). Es klingt anders und es gibt einem DJ die Chance, etwas Anderes und Neues aufzulegen. Für viele hört es sich anders an, und sie legen es vielleicht nicht auf, aber zur Hölle, warum soll ich es nicht ändern?! ICH GLAUBE, VIELE DJS HABEN ANGST DAVOR. Hmm… Dann kriegen sie eben viele Nachfragen danach, müssen freundlich sein und es einfach spielen (amüsiert) WIE WEISS MAN DENN, DASS ES BEI DEN LEUTEN ÜBERHAUPT ANKOMMT? Ahm… Um ehrlich zu sein, gibt es viele DJs, die ihre Schiene fahren und die nichts anderes interessiert. Die sagen sich: „ich bin ein Goth-DJ und ich lege auch nur meinen Stil auf.“. Aber die elektronischen DJs legen breiter auf und haben weniger Angst etwas Neues auszuprobieren. Sie spielen eine größere Bandbreite und sind abenteuerlustiger. Ich bin ja kein Goth, ich war auch nie einer… (lachend). HÄTTE MICH AUCH GEWUNDERT. Dafür lache ich zu viel und habe viel zu gute Laune (herzhaftes Lachen). Ich lache zu viel, ich mache zu viele Witze und ich trinke zu viel (amüsiert). Ich mach’ mich über Leute lustig, die sich selbst zu ernst nehmen. Ich bin einfach jemand, der meistens schwarze Sachen trägt, ich denke viel nach, ich empfinde viel, aber ich schminke mich nicht weiß. Da ziehe ich eine Linie. Ich jammere auch nicht andauernd rum, wie schlecht es mir geht. MANCHMAL HABE ICH DAS GEFÜHL, DASS VIELE ES AUCH GENIESSEN, IN IHREM SCHMERZ ZU BADEN. Ja genau! Das wäre dann das Ende der Fahnenstange (amüsiert). Einige Menschen kommen nur zu unseren Konzerten, um ein bestimmtes Lied zu hören und dann zu weinen. Es geht mir aber ums Loslassen der Gefühle und nicht darum, sich hineinzusteigern. Es geht um die Verarbeitung, dann kann man ein Gefühl auch loslassen. Ich will doch keinen Schmerz empfinden, wie es Teenanger manchmal tun. Damit fällt man in ein Loch, und es ist der schlimmste Schaden, den man seiner Seele zufügen kann. Ich verstehe die Eckensteher nicht, die mit verschränkten Armen vor der ganzen Welt stehen und langsam vor sich hin sterben. Es sind doch intelligente Menschen mit emotionalen Problemen. Es ist eine große Verschwendung ihrer Potenziale, ihrer Energie und ihrer Intelligenz. Viele von ihnen haben das Potential, künstlerisch und kreativ zu sein. Die faszinierendsten Künstler hatten Depressionen oder waren Neurotiker, die von einem zum anderen Extrem pendelten. So etwas kann sehr hohe Kreativität freisetzen und unglaublich starke Emotionen, die viele andere nicht nachvollziehen können. Ich kann es einfach nicht verstehen und finde es sehr schade, wenn ich mit betroffenen Menschen rede. Viele sagen mir dann: „ Ohh, alles ist scheiße, alles ist dunkel, die Welt ist böse!“ Dann denke ich mir nur: „Ok, fein, der nächste bitte!“ (augenzwinkernd & amüsiert). DAS BERÜHRT JA DAS, WAS DU AM ANFANG ÜBER DIE NEUEN LIEDTEXTE GESAGT HAST, DASS MAN AUS SITUATIONEN UND PHASEN, IN DENEN ES EINEM NICHT GUT GEHT, AUCH KRAFT SCHÖPFEN KANN. Ja, das sehe ich auch genau so. Viele wollen aber auch, dass es ihnen schlecht geht. Ich sehe oft Kids und Teenager, die so tun, als hätten sie immense Probleme, aber sie haben gute Eltern, ein gutes Leben und „nur“ dieselben Probleme, wie andere Kinder in ihrem Alter auch. JETZT ABER MAL WIEDER ETWAS GANZ ANDERES: WILLST DU EIGENTLICH IRGENDWANN WIEDER ZURÜCK NACH IRLAND? Das wurde ich schon mindestens 500 mal von fast jedem Interviewer gefragt… (stöhnt). Ich liebe Irland, denn ich denke, es ist ein wunderschönes Land. Es ist ein schöner Platz zum Leben, und ich habe auch kein Problem damit, aber viele Iren denken in der folgenden Weise: Sie sehen die ganze Welt auf eine spezielle irische Weise. Ich wollte die Welt sehen, und vielleicht, wenn ich älter bin, gehe ich wieder zurück. DAS MEINTE ICH AUCH EIGENTLICH Vielleicht, wenn ich 60 bin und noch einiges erlebt habe. Ich habe einfach zuviel gesehen und erlebt, um zurückgehen zu können (nachdenklich und traurig). ICH KENNE DAS VON MEINER FREUINDIN, DENN SIE IST SEHR OFT UMGEZOGEN IN IHREM BISHERIGEN LEBEN UND SIE DENKT SICH IMMER: IRGENDWANN MÖCHTE ICH VIELLEICHT NOCHMAL ZURÜCK NACH MAGDEBURG. Ja, der Platz für mich war da sehr klein, wie in einem engen Raum. Als ich dann wegzog und die Tür zuging, konnte ich nicht wieder zurück in diesen Raum. Mittlerweile habe ich zu viele Erfahrungen gemacht und zu viel gesehen. Ich wollte nicht jeden Tag Wut in mir spüren und mich fragen, warum gehst du nicht fort (traurig). Ich mag Deutschland sehr, ich mag Hamburg und ich möchte gerne hier bleiben, da ich mich hier wirklich wohl fühle (lächelnd) DAS IST SCHÖN, UND ES FREUT MICH, DAS ZU HÖREN. DU KANNST DICH BESTIMMT NOCH AN DIE SHOW IN OBERHAUSEN ERINNERN, DIE ICH VORHIN ANGESPROCHEN HABE… … Ja, das war nicht so nett… …DU HAST JA DAMALS EINE ERKLÄRUNG DAZU VERÖFFENTLICHT. Ja, alles vergessen. Das war ein Problem mit der Intoleranz der Zuschauer gegenüber den damaligen Bands. Das war wirklich schade, denn ich mag die Bands, die daran teilgenommen haben, sehr. Die Bandmitglieder, die mit uns auf der Bühne waren, sind alle wirklich sehr nette Menschen. Hinter der Bühne haben wir uns gut unterhalten und viel Spaß gehabt. Wir untereinander waren auch tolerant. Ich rede ja nicht mit jemandem, weil er in dieser oder jener Band ist, sondern weil er oder sie ein netter Mensch ist. ICH VERSTEHE DIESE INTOLERANZ AUCH NICHT. ICH PERSÖNLICH MAG ZUM BEISPIEL OOMPH! NICHT SO SEHR, ABER ICH HABE IHNEN EINE CHANCE GEGEBEN, UND ALS MICH IHRE SHOW NICHT SO SEHR ANSPRACH, HABE ICH JA TROTZDEM NICHT RUMGEMECKERT, ODER SIE SOGAR BELEIDIGT. Ja, die Jungs sind wirklich nett. Sie sind eigentlich sehr zurückhaltend und still. Die leben ja in der Gegend von Wolfsburg. Sie sind ruhig und haben einen anderen Lebensstil als viele denken. Viele Bandmitglieder sind eigentlich ganz anders, als das, was viele Leute von ihnen erwarten oder vermuten. Ich kenne auch den Gitarristen von WITHIN TEMPTATION, wir haben in Oberhausen ein wenig gequatscht, hatten viel Spaß zusammen und haben einen Drink genommen. Das liegt aber an der Persönlichkeit der Leute und nicht an ihrer Musik! Von welcher Band die Leute kommen und was sie für Musik spielen, ist mir da eigentlich ziemlich egal. Da gibt es auch andere Bands, die ich sehr mag, zum Beispiel NORTHERN LITE, ich hab’ sie einmal in Dresden getroffen. DIE MUSIK ODER DIE BANDMITGLIEDER? In erster Linie die Leute, aber auch ihre Musik. Aber ich hab’ auch schon viele Arschlöcher getroffen, die großartige Musik spielen und schreiben, auf NORTHERN LITE trifft diese Aussage aber bestimmt nicht zu. ICH KENNE AUCH EINIGE ARSCHLÖCHER, MIT DENEN ICH PRIVAT NIE ETWAS ZU TUN HABEN MÖCHTE. ICH GLAUBE DAS KENNT AUCH JEDER… Da gab es eine Menge Leute, mit denen ich zu tun hatte, mit denen ich mich sonst nie beschäftigen würde. Solche Leute würde ich niemals anrufen und sie fragen, ob sie mit mir ein Bier trinken wollen, weil sie mich als Menschen überhaupt nicht interessieren, weil sie mir nichts zu sagen haben! DAS LEBEN IST ZU KURZ, UM SICH MIT IDIOTEN ABZUGEBEN. Ja, auf jeden Fall! Außerdem habe ich keine Lust mich den ganzen Abend darüber zu unterhalten, wie toll es doch ist, in einer Band zu sein und auf der Bühne zu stehen. Fuck, ich mach das 4 Monate im Jahr und ansonsten führe ich ein normales Leben! (amüsiert) Dann muss ich mich auch nicht den ganzen Abend darüber auslassen. Ich hab’ einfach zu wenig Zeit, um sie so zu verschwenden. Aber es gibt auch noch viele gute Musiker, die viel Wut in sich tragen, die wütend über die Welt sind, wie sie ist. Die meisten davon sind sehr interessante Persönlichkeiten, selbst, wenn sie sonst keinen mögen. Trotzdem finde ich das interessant, denn so wie sie sind, wird auch ihre Musik geprägt. NOCH EINE LETZTE FRAGE: WO WÜRDEST DU DICH UND VNV IN 10 ODER 20 JAHREN SEHEN? Ich finde es merkwürdig, dass mich das immer wieder viele Menschen fragen, aber trotzdem will ich dir die Frage gerne beantworten. Ich denke, mit VNV NATION wird es noch eine lange Zeit weiter gehen. Wir werden sehen, wie lange (amüsiert). Ich liebe es, Musik zu machen und zu schreiben, und ich liebe die Musik, die wir machen! Deshalb wüsste ich nicht, warum wir mit VNV NATION aufhören sollten, vielleicht, wenn ich zu alt bin, um auf der Bühne stehen zu können (amüsiert). Sieh dir FRONT 242 an. Ich bin jetzt 40 und die Jungs sind wesentlich älter und haben’s immer noch drauf! Und warum auch nicht? Wenn die Leute es hören wollen, warum sollten sie damit aufhören. OK, DANKE FÜR DIESES INTERVIEW! Ich danke dir sehr! Das war ein interessantes Interview. DAS KANN ICH AUCH NUR GENAU SO ZURÜCK GEBEN. HERZLICHEN DANK FÜR DEINE ZEIT, DIE INTERESSANTEN ANTWORTEN UND DAS GUTE GESPRÄCH! VIEL ERFOLG UND SPASS GLEICH BEI DER SHOW UND DEM REST DER TOUR. Vielen Dank und dir auch viel Spaß!

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