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YELWORC (PETER DEVIN)

HALLO PETER, ERSTMAL VIELEN DANK DAS DU DIR WIEDER DIE ZEIT NIMMST UM MIT DEM TERRORVERLAG EIN INTERVIEW ZU MACHEN. WIE GEHT ES DIR UND WAS MACHST DU IM MOMENT? Nichts zu danken, ich mache mit euch immer gern das Fragen-Antwortspiel. Was ich im Moment mache? Wie immer, viel zu vieles gleichzeitig: Ich stelle eine Kollektion von selbst gebastelten Samples für ein Downloadportal zusammen, arbeite an einem Werbejingle, und bin so nebenher schon an den ersten Tracks für das nächste Album mit dem Titel „Any Heaven?“. „ICOLATION“ WIRKT BEIM HÖREN FÜR MICH NOCH FACETTENREICHER UND VOR ALLEM EXPERIMENTELLER ALS „TRINITY“. WAS WAREN FÜR DICH DIE MOTIVE, YELWORC IN DIESE RICHTUNG VORANZUBRINGEN? Das Facettenreiche hat sich wieder so ergeben, ich kann’s halt nicht lassen, das ist das spielerische Kind in mir:-) Was das Experimentelle betrifft, bin ich etwas verwundert, da „Icolation“ in meinen Augen eingängiger ist als „Trinity“. Ich hatte meine Experimentierlust schon so sehr gezügelt, dass ich befürchtete, „Icolation“ wäre einigen Leuten zu straight geworden. Aber beklagt hat sich bisher noch keiner darüber. Allzu Glattes kann man von yelworC ja auch nicht erwarten. VORHER KAM NOCH DIE EP „ECLUTION“ HERAUS. DIES ERWECKT FÜR MICH DEN EINDRUCK, DASS DU DIESMAL ENROM VIEL MITZUTEILEN HAST/ HATTEST. WAS SIND FÜR DICH DIE HAUPTINHALTE BZW. BOTSCHAFTEN DIESER BEIDEN VERÖFFENTLICHUNGEN? Ich hatte in der Tat in 2007 einen kräftigen kreativen Output. Das lag unter anderem daran, dass ich mein musikalisches Equipment umgestellt habe. „Trinity“ entstand noch auf meinem altmodischen Atari und danach bin ich glücklicherweise auf Mac umgestiegen. Ich hatte zwar schon Jahre zuvor mit verschiedenen Computersystemen und Sequenzerprogrammen experimentiert, war aber doch immer wieder zum Atari zurückgekehrt. Erst das Logic-Programm von Apple hat mich überzeugt und kreativ angeschoben. Die EP „Eclosion“ ist eine Art Niemandsland zwischen Hölle und Fegefeuer. Einige Songs waren noch aus dem „Trinity“-Produktionsprozess übrig geblieben, einige Tracks sind Previews auf die „Icolation“ und einige neue Songs waren spontan entstanden, passten aber nicht so recht in das Icolation-Konzept. Also, „Botschaften“ würde ich meine Themen nicht unbedingt nennen. Aber als Künstler ist man natürlich immer ein Botschafter zwischen Fantasie- und Realwelten. Bei der Konzeption eines Albums gehe ich primär von der Alltagswelt aus, erst bei vertiefter Arbeit zieht es mich in andere Dimensionen. Bei der „Trinity“ war es zuerst mal die alltägliche Hölle, hinter der sich die Dämonenwelt auftut, wie ein Hellraiserwürfel, welcher einen in eine „Endzeit“ katapultiert. Bei „Icolation“ derselbe Ansatz, jedoch mehr „Echtzeit, stärker an der Aktualität orientiert. Es geht um Versteinerung, um die Vergletscherung der Gefühle inmitten der alltäglichen Geschwätzigkeit. Und auch um die Zerstörung der Lebensgrundlagen, um den Selbstzerstörungstrieb der Menschen. Von Dante inspiriert die Beschäftigung mit Sünde, Gewissen, Reue und die Frage ob Verdammnis oder Erlösung… und, wie immer bei yelworC, geht es um das Okkulte, um metaphysische Kräfte und unergründliche Geheimnisse. WIE GEHST DU ALS KÜNSTLER AN DIE GESTALTUNG EINER CD HERAN? IST ES EIN SCHAFFENSPROZESS QUASI VON TRACK 1 – 17, ODER EHER WIE EIN PUZZLE, WELCHES DU AM ENDE ZUSAMMENSETZT? Zu Beginn der jeweiligen Produktion steht ein konzeptioneller roter Faden, welchen ich Stück für Stück aufrolle. Das Konzept beinhaltet das Thema, also quasi der Spielort und die Charaktere, wie in einem Film. Das Musikalische passt sich der Grundstimmung an, vergleichbar der Farb- und Lichtgestaltung. Ich baue mir in der Fantasie einen richtigen Film, wie ein langer Traum oder eine große Reise mit verschiedenen Stationen. Also im Grunde Track für Track von 1–17. Im Produktionsprozess passiert jedoch immer wieder so viel Unvorhergesehenes, dass diese „Überraschungen“ sich dann in der musikalischen Ausgestaltung niederschlagen. So kommt es auch, dass ich manche Songs in mehrfacher Version habe. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich alles umschmeiße und neu aufziehe. Es gibt also Zeiten, wo das Album zum Puzzle wird. Auf Umwegen lande ich dann doch wieder bei der ursprünglichen Linie, nur doppelbödiger eben. Es kommt auch immer wieder vor, dass aufgrund technischer „Unfälle“ manche Tracks ein komplettes Eigenleben entwickeln und sich lange nicht bändigen lassen. Die Songs scheinen sich dann gegen mein konzeptionelles Vernunftdenken zu wehren, sie rasten aus, wie wenn eine chemische Versuchsanordnung Funken schlägt. Da ich ein toleranter Mensch bin, erlaube ich es den Dämonen, sich meiner zu bedienen, zumindest gelegentlich… haha. VIELE SONGS WIRKTEN ZUM ABSCHLUSS SEHR „OFFEN“, ICH HABE ES IN MEINER REZENSION „UNFERTIG“ BETITELT. WAS WAREN FÜR DICH DIE GRÜNDE, DIESEN KONZEPTIONELLEN WEG ZU GEHEN? Du hast Recht, manches bleibt in der Schwebe, wo ein anderer Künstler vielleicht einen satten Schlussakkord gesetzt hätte. Da ist jedoch keine konzeptionelle Absicht dahinter. Diese letzten Ausgestaltungen unterliegen der schon erwähnten Eigendynamik des jeweiligen Songs. Die meisten Tracks lassen dem Hörer einen gewissen Spielraum. Manchmal sind ja auch die Melodien nur angedeutet, der Hörer kann in seinen Ohr- und Gehirnwindungen damit machen was er will. Wenn man das Album mehrmals hört, „komponiert“ man automatisch mit. Zumindest höre ich das oft aus den Kommentaren heraus. BIST DU KOMPLETT ZUFRIEDEN, ODER GIBT ES PUNKTE DIE DU JETZT GERNE ANDERS GEMACHT HÄTTEST? WELCHES SIND EIGENTLICH DEINE LIEBLINGSSTÜCKE? Ich bin nie zufrieden. Ich arbeite und modelliere bis zum Schluss an einer CD. Ich höre nur, was ich hätte besser machen können. Erst wenn ich das fertige Album im Freundeskreis durchhöre, und das Feedback gut ist, freunde ich mich mit meinem eigenen Werk an. Lieblingsstücke auf der „Icolation“ habe ich in diesem Sinne keine. Allerdings höre ich z. Zt. die Songs, auf denen Connie gesungen hat, am liebsten. BILL LEEB ERZÄHLTE MIR MAL, DASS ER SEINE ALTEN ALBEN NIE ANHÖRT. WIE GEHST DU MIT DIESER THEMATIK UM? „MEIDEST“ DU SIE EBENFALLS, ODER HÖRST DU DIR DEINE ALTEN SACHEN GERNE AN? Die alten Sachen höre ich mir nicht mehr an, schon lange nicht mehr. Aus musikalischen Gründen, aber auch aus persönlichen. Der damalige Bandsplit war zu herb, zu böse, diese Geschichten sind ja allerseits bekannt. Hinter den alten Songs steckt halt auch viel enttäuschende Bandgeschichte, jeder Track steht eigentlich für eine jeweilige Auseinandersetzung bzw. Enttäuschung. Außerdem bin ich sowieso kein Nostalgiker. Über die „guten alten Zeiten“ braucht man mit mir nicht zu diskutieren. Es gibt jedoch einige Tracks der früheren Produktionen, die mich reizen würden, sie bei Gelegenheit noch mal zu überarbeiten, was auch der Wunsch einiger Fans wäre. WO SIND FÜR DICH DIE INHALTLICHEN GEMEINSAMKEITEN BZW. TRENNLINIEN VON „ECLOSION“ UND „ICOLATION“? Wie ich schon sagte „Eclosion“ ist so ein Zwischending zwischen „Trinity“ und „Icolation“. „Eclosion“ ist kein Konzeptalbum wie „Icolation“. Es sind zwar auch von Dante inspirierte Lyrics dabei, aber nur so nebenbei. Die eigentliche Dante-Trilogie ist „Trinity“, „Icolation“ und das Folgealbum „Any Heaven?“ Ursprünglich war das Album nur als Preview auf die „Icolation“ gedacht. Es war nicht geplant, dass das Ding so fett wird. Deswegen auch nur als EP konzipiert, obwohl ich mir hab sagen lassen, dass andere Künstler das wahrscheinlich als ein Full-Length-Album verkauft hätten. Die „Eclosion“ hat „Höllensongs“ und „Fegefeuersongs“ und eben zusätzliche Tracks die thematisch aus der Rolle fallen, z.B. „Vampire’s Tongue“ und „Die Dritte Kraft“ mit deutschem Text. DEINE NEUEN VERÖFFENTLICHUNGEN BEKOMMEN WESENTLICH MEHR AUFMERKSAMKEIT UND POSITIVES FEEDBACK ALS NOCH DER VORGÄNGER. WAS KÖNNTEN GRÜNDE DAFÜR SEIN, DASS YELWORC WIEDER MEHR IM FOKUS STEHT? Ha, da sieht man mal wieder wie unterschiedlich Leute einen Release betrachten. Ich sehe es eher umgekehrt. Mit „Trinity“ hab ich den Einzug in die DAC geschafft. Mit „Icolation“ nicht. Obwohl man natürlich die Charts nicht allzu ernst nehmen sollte, aber enttäuscht hat es mich doch. Zur „Trinity“ gab es auch weitaus mehr Rezensionen als zur „Icolation“, und die Verkäufe in den ersten Wochen waren höher als bei der „Icolation“. Mittlerweile hat es sich wohl herumgesprochen, dass ich die Erwartungen des Durchschnittshörers, also die typischen EBM-Sequenzen und der branchenübliche durchgängige Rhythmus, nicht erfüllen kann und will. Außerdem konzipiere ich meine Songs so, dass man je nach gewählter Lautstärke unterschiedliche Schwerpunkte heraushören kann. Manche meckern, die „Icolation“ sei nicht bassig genug. Wenn ich den Bass zu sehr betone, beglücke ich zwar die Tanzleute, aber die sensibleren Elemente gehen verloren. Ich bin natürlich froh, wenn yelworC wieder mehr im Fokus steht, aber nicht um jeden Preis. Gott sei Dank haben viele Leute doch gemerkt, dass man die neuen yelworC-Scheiben immer wieder neu hören und, je nach persönlicher Grundstimmung, immer wieder neue Aspekte finden kann. BEIM HÖREN SIND MIR AUCH VIELE ORCHESTRALE FLÄCHEN AUFGEFALLEN. BIST DU EIN FAN VON KLASSISCHER MUSIK? Nicht unbedingt. Manche Klassik-Komponisten gehen gänzlich an mir vorbei. Aber z.B. Carl Orff, Schostakowitsch, Rimsky-Korsakoff und noch ein paar andere beeindrucken mich doch immer wieder. Aus der klassischen Musik hab ich eben die Liebe zu fantastischen Klangwelten, dramatischen Akzentuierungen und weit gezogenen Stimmungsbögen. Die Kombination von traditionellen Musikelementen mit elektronischen Spielereien war schon immer meine Tendenz, auch schon bei meinen ganz frühen yelworC-Songs. Es fehlte mir damals an den technischen Mitteln. Ich achte beim Komponieren auch immer darauf, dass die gewählten Sample-Sounds möglichst authentisch klingen. WIE SIND DIE KONTAKTE ZU GASTSÄNGERIN CONNIE UND KÜNSTLER JOACHIM LUETKE ZUSTANDE GEKOMMEN? Connie ist eine Zufallsbekanntschaft, kurzer Smalltalk in einem Aufzug, und einige Tage später saßen wir schon im Studio und machten die ersten Vocalaufnahmen. Obwohl ich ein eher verschlossener Mensch bin, liefen die Arbeiten mit Connie sehr ungezwungen und angenehm, als ob man sich schon Jahre kennen würde. Also ein richtiger Glücksfall für mich. Die Arbeiten von Joachim Luetke verfolgte ich schon seit Jahren. In meinen Augen ist er ein Meister des Archetypischen und gleichzeitig so zeitgemäß. Er ist ja bekannt dafür, dass er Artworks nur für Bands macht die ihm musikalisch zusagen. Da er jedoch eher zur Metal-Fraktion gehört, zögerte ich lange ihn zu kontakten. Als ich ihm die „Trinity“ und einige „Icolation“-Tracks geschickt hatte, schrieb er umgehend zurück, dass ihm der yelworC-Sound gefällt und dass er dazu bereit ist das Artwork zur „Icolation“ zu gestalten. Mir fiel ein Stein vom Herzen… GERADE DAS ARTWORK FINDE ICH SEHR SPANNEND UND BEKLEMMEND. TRIFFT ES GENAU DAS, WAS DU MIT DER MUSIK AUSDRÜCKEN MÖCHTEST? Ja, im Nachhinein finde ich es genau getroffen. Joachim ist, ebenso wie ich, ein sehr eigenwilliger Mensch und lässt sich nicht reinreden. Während der Booklet-Gestaltung gab es zwar immer wieder einige Auseinandersetzungen, da ich einige Bilderwelten bzw. bestimmte Motive aus den Lyrics gern 1:1 illustriert gesehen hätte. Aber seine Interpretation trifft die Stimmung perfekt, und das Endergebnis hat mich doch sehr zufrieden gestellt. Wobei ich mein gestalterisches Mitspracherecht einfach zurückhalten musste und oft nägelkauend abwarten musste, was von ihm so kommt. Ich finde, er hat das Thema „Eis und Isolation“ genial umgesetzt. Dafür werde ich im ewig dankbar sein. „ICOLATION“ ERSCHEINT WIEDER AUF MINUSWELT. DA GIBT ES JA AUCH SCHON ZWEI INTERESSANTE EXPERIMENTE MIT PZYCHO BITCH BZW. IN STRICT CONFIDENCE. DIE „HECQ DESTRUXXION“, KÖNNTEST DU DIR SO EINEN TECHNOIDEN MANTEL AUCH FÜR EINS DEINER WERKE VORSTELLEN? Kann ich mir schon vorstellen, aber bisher hatte ich nicht die Zeit, mich intensiver damit zu beschäftigen. Es gibt ein paar Leute mit denen ich in dieser Richtung schon was anvisiert habe, aber es ist noch zu verfrüht, um darüber zu sprechen. – Allzu Technoides kann ich nicht ausstehen, dafür bin ich dann doch zu anspruchsvoll… IN DEN HEUTIGEN ZEITEN VON ILLEGALEN TAUSCHBÖRSEN IST ES SICHERLICH UNGEWÖHNLICH, NOCH EINE EP VORANZUSCHIEBEN. WAS WAR DAS MOTIV FÜR DICH DIESEN WEG ZU GEHEN UND NICHT Z.B. EINE DOPPEL-CD HERAUSZUBRINGEN? Ein Motiv gab es nicht. Es war einfach eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus. Bei dieser illegalen Downloaderei kann es einem als Musiker schon echt übel werden. Man fragt sich da, für wen man sich eigentlich die Mühe macht. Auf der anderen Seite ist der Musikmarkt dermaßen mit Produktionen überschwemmt, dass man als Konsument einfach nicht mehr der Depp sein will, sich ständig neue CDs zu kaufen. Die ganzen hochgeschraubten Werbeversprechungen glaubt ja eh keiner mehr. Wenig Werbung zu einem Release scheint heutzutage fast glaubwürdiger zu sein. Die doch sehr hohen Werbeausgaben, die ich für die „Icolation“ tätigte, haben sich in Hinblick auf Verkaufszahlen nicht gelohnt. Bei der „Eclosion“ hatte ich gar keinen Werbeetat zur Verfügung, und bisher hat die sich besser verkauft. Ja, im Nachhinein denke ich auch, eine Doppel-CD wäre vielleicht besser gewesen. VOR EINIGEN MONATEN WAR DIES JA AUCH EIN THEMA IN BEZUG AUF DIE DEPENDENT SCHLIESSUNG. EINERSEITS KANN MAN STEFAN HERWIG SICHERLICH VERSTEHEN, ANDERERSEITS WIRKTE ER AUCH SEHR BISSIG UND SUCHTE NUR DIE SCHULD BEI ANDEREN. WIE SIEHST DU ALS EBENFALLS BETROFFENER DIESE SITUATION? WIE ENTWICKELN SICH Z.B. DEINE VERKAUFSZAHLEN? Das ganze Musikgeschäft ist so unübersichtlich und unberechenbar geworden, dass selbst alteingesessene Profis keine Prognosen mehr abliefern können. Schon gar nicht im Indie-Sektor. Ich hab mir sagen lassen, dass es bei den Majors auch nicht mehr so gut läuft. Ist halt alles Ex und Hopp geworden. Die Bands sind dauernd von der Angst gepeinigt, in Vergessenheit zu geraten. Im Fall von Stefan Herwig kann ich mir kein Urteil anmaßen, die Tendenz zur Bissigkeit etc. hatte er immer schon, wurde jedoch aufgewogen durch sein Engagement und Know-how. Mir tut es leid, dass er aufgegeben hat. Ich nehme aber an, dass da mehrere Beweggründe eine Rolle gespielt haben. Es muss ja auch ein blödes Gefühl sein, wenn man jahrelang Bands aufbaut und sowie der Rubel endlich rollt (mehr oder weniger) rennen die dann zum Major… Wie schon gesagt, auch meine Verkaufszahlen sind katastrophal im Vergleich zur Investition an Zeit und Geld. Man wird nicht dafür belohnt, dass man musikalisch ist 😉 Von Vertriebsseiten wird mir zwar gesagt, dass ich im Vergleich zu anderen Bands eigentlich zufrieden sein kann. Aber das zeigt mir dann erst recht wie hoch der Markteinbruch ist! Ich weiß, dass es Bands gibt, die so tun als, ob sie wahnsinnig erfolgreich wären. Die geben nur nicht zu, dass auch ihre Verkaufszahlen im Keller sind. Ich hatte ja mit Baal Records nicht nur ein Label für yelworC allein geplant. Aber durch die angespannte Marktlage kann ich persönlich es überhaupt nicht riskieren, andere Bands zu releasen. Die illegalen Tauschbörsen sind wohl die Hauptverursacher. Aber eine Kriminalisierung des Users finde ich nicht okay. Diese mafiösen Geflechte gehören an der Wurzel angepackt, das ist ein internationales Problem. Da muss ich mich doch immer wieder sehr wundern, dass die Majors mit ihrem großen Stab an Juristen und Fachleuten die illegale Downloaderei nicht in den Griff bekommen. Noch vor ein paar Jahren haben die Majors noch das große Geschäft mit MP3 gewittert, aber so wie es jetzt gehandhabt wird, ist der Künstler wieder mal der Arsch, der die Zeche bezahlen muss. Die Tantiemen aus den legalen Downloads sind ja zum Lachen… WER ODER WAS IST EIGENTLICH INSPIRATIONSQUELLE FÜR DICH? Es sind zuerst mal die Kleinigkeiten im Leben, die Themen und Konflikte des Alltags. Baumaschinen die mich nerven, und deren Rhythmus mich dann doch fasziniert. Dazu der Kontrast von Tierlauten, Stimmengewirr auf der Strasse. Filmfragmente, Filmszenarien, Titel von Büchern oder Zitate. Einfach alles, was mein Gefühl und Denken kitzelt. Als poetischer Mensch singe ich natürlich nicht von alltäglichem Liebeskummer oder Jobproblemen. Das können andere besser (oder auch nicht, hihi…). Ich bin halt Realist und Esoteriker in einem, dadurch oft etwas hin und her gerissen. Ich denke „multilayered“, deshalb kann auch meine Musik nicht eingleisig laufen. WAS IST FÜR DICH NACH DIESEN VIELEN JAHREN NOCH DER ANTRIEB, MUSIK ZU MACHEN? Ich muss Musik machen, sonst werde ich verrückt. Ich muss mich musikalisch beschäftigen, so wie ein anderer sich rasiert oder die Haare kämmt. Meine Hirnwellen brauchen das 😉 Ich habe mir vor vielen Jahren die Musik als mein persönliches Ventil gewählt und bin bis heute dabei geblieben. Wenn ich Musik mache, denke ich nicht darüber nach ob ich es veröffentliche oder in die Schublade stecke. Wenn ich beim Musikmachen an Verkaufszahlen denken würde, dann würde das nicht mehr funktionieren. Im Komponieren finde ich Momente, wo ich mich selbst vergessen kann und nicht mehr kopflastig bin. Im Alltag bin ich eher ein kontrollierender Mensch, der sich selbst und die Umgebung immer im Visier hat. In der Musik kann ich Urlaub von mir selbst nehmen, alles loslassen, und doch gleichzeitig die volle Kontrolle behalten. VERFOLGST DU AKTUELL DIE SZENE MIT, Z.B. AUF KONZERTEN, IN DER DISCO ODER FESTIVALS? Eigentlich nur, wenn ich gerade eine Veröffentlichung habe. Ich gehe eher selten aus, mein Lieblingsplatz ist der Platz im Studio. Ich informiere mich über die Szene eigentlich fast nur übers Internet. Mittlerweile spielt sich ein Grossteil ja eh im Netz ab. Auf Konzerte gehe ich eher selten. Meine letzten Konzertbesuche waren LAIBACH (wohl schon 2 oder 3 Jahre her), SKINNY PUPPY und NINE INCH NAILS. FÜR DIE MEISTEN SCHWARZEN BANDS IST DIE MUSIK KEIN BROTERWERB, SONDERN EHER PASSION/ LEIDENSCHAFT. SPIELT EINE VERÖFFENTLICHUNG DEINE PRODUKTIONSKOSTEN EIN, ODER LEGST DU NOCH DRAUF? In meiner yelworC-Laufbahn habe ich noch nie meine Produktionskosten eingespielt. Ich investiere immer mehr als ich zurückbekomme. Das liegt aber auch daran, dass ich viel Geld für Instrumentarium und Soundarchiv ausgebe. Bin halt kein reiner Rechner-Freak… Im Grunde lebe ich für die Musik, manchmal sehr zum Leidwesen meines direkten Umfeldes 😉 Ich nehme mir allerdings von Produktion zu Produktion immer vor, die Ausgaben gering zu halten, damit ich endlich zu was komme und nicht immer draufzahle. Aber die Verführung, ein solides Gesamtkunstwerk hinzulegen, ist dann doch zu groß. Eigentlich hätte ich mir die aufwendige Luetke-Grafik gar nicht leisten können! Meine Liebe zur bildnerischen Kunst drückt mir die Verdienstspanne gemein nach unten, aber so bin ich halt… DEINE E-MAIL ADRESSE IST JA AUCH AUF JEDER VERÖFFENTLICHUNG. NEHMEN VIELE FANS KONTAKT ZU DIR AUF? Meine Emailadresse wurde unter den yelworC-Fans schon sehr früh weitergegeben, noch bevor ich eine offizielle Homepage hatte. Schon Jahre vor der Veröffentlichung der „Trinity“ hatte ich regen Fankontakt. Dem ist es unter anderem auch zu verdanken, dass ich nach der langen Veröffentlichungspause überhaupt wieder CDs veröffentlichte. Seit yelworC in MySpace vertreten ist, hat sich der Fankontakt allerdings mehr dorthin verlagert. An dieser Stelle möchte ich mich noch mal bei allen bedanken, die mir so viele aufbauende und positive Kommentare hinterlassen haben. EIN GROSSES HOBBY VON DIR SIND JA SCIENCE FICTION FILME. WELCHES SIND DEINE AKTUELLEN FAVORITEN UND HAT DICH AUCH DAS SERIENFIEBER IN FORM VON „24“, „LOST“ ODER „PRISON BREAK“ ERFASST? Aktuelle Favoriten habe ich derzeit keine. Bin durch den Veröffentlichungsstress auch gar nicht mehr ins Kino oder in die Läden gekommen. Das letzte, was ich mir angeschaut habe, war APOCALYPTICA. Dieser Film hat mir schon ausnehmend gut gefallen. Gegen Serienfieber bin ich immun. Ich lasse mich nur ungern zeitlich zwingen, mir etwas im TV anschauen zu müssen. Deshalb auch meine Vorliebe für DVD/Video, da kann ich spontan ein- und ausschalten. REMIXE SIND JA (LEIDER GOTTES) MITTLERWEILE VON FAST KEINEM ALBUM MEHR WEGZUDENKEN. DU SCHEINST DICH DA SEHR ZURÜCKZUHALTEN. GIBT ES LIEBLINGSKÜNSTLER WO DU GERNE EINEN REMIX ANFERTIGEN WÜRDEST, ODER DENEN DU MATERIAL ZUR VERFÜGUNG STELLEN WÜRDEST? Ich hab ein paar Mal versucht, Remixe zu machen, es kam aber nichts Gescheites dabei raus. Bei festen Vorlagen fehlt mir einfach der kreative Input der persönlichen Freiheit. Dadurch habe ich auch nicht viel Sitzleder und schaffe dann das abgemachte VÖ-Timing nicht. Es existieren Planungen wo andere Künstler yelworC remixen, aber das ist alles noch nicht konkret. Was mich persönlich reizen würde zu remixen, wären ein paar abgedrehte Oldies aus ganz anderen Zeiten und anderen Sparten. Bin oft überrascht, wenn ich 60ies-Sachen höre (aber weniger die bekannten, eher die damaligen Geheimstipps), wie zeitgemäß die rüberkommen würden, wenn sie entsprechend instrumentiert und arrangiert würden. MIT „ANY HEAVEN?“ STEHT AUCH SCHON DER NAME DES NACHFOLGEALBUMS FEST. HAST DU SCHON VORSTELLUNGEN, IN WELCHE RICHTUNG SICH DAS ALBUM BEWEGEN WIRD? WANN STARTEST DU MIT DEN AUFNAHMEN? Hatte eigentlich schon längst angefangen, bin aber wieder mal von Umzug und Studioumbau aufgehalten worden. Die Themen sind eigentlich schon klar, verschiedene philosophische Ansätze bzgl. Paradies im Jenseits und/ oder Paradies auf Erden. Dann die sog. Macht der Liebe, während es ja im Purgatorium eher um die Ohnmacht der Liebe ging. Das Einstiegsszenario steht eigentlich auch schon fest, eine einsame Gefängniszelle, in der ein Mörder vor sich hinbrütet. Normalerweise hab ich es ja nicht mit Mördergeschichten, aber die Sache hat sich aufgedrängt durch den Fanbrief eines Insassen von einem Ort mit dem klangvollen Namen „High Desert Prison“. Der Gedanke an diesen Ort initiierte eine ganze Reihe von Assoziationen. Der Weg in den Himmel wird natürlich, ebenso wie der Höllenweg der „Trinity“ und die Fegefeuerreise der „Icolation“, voller Windungen und Abgründe sein, das versteht sich ja von selbst 😉 Und natürlich werde ich auch wieder einige Kulturgüter zerfleddern, besonders gut bin ich ja im Zerfleddern von Heiligenscheinen…;-) Bin selbst gespannt, was für Geistesblitze der yelworC`sche Dämonenhimmel in der nächsten Zeit ausbrüten wird. ZUM ABSCHLUSS UNSERES INTERVIEWS. WAS SIND DEINE WÜNSCHE UND ZIELE FÜR DEINE ZUKUNFT? Gesundheit und kreatives Durchhaltevermögen, und bissel Kohle machen wäre auch nicht schlecht 😉

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