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100BLUMEN – CONFIG.SYS (BASSBEBEN IX)

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 31.05.2008

Zum bereits 9ten Male luden die Veranstalter des Bielefelder Bassbebens zu einer Krachveranstaltung der Sonderklasse ein, fast 2 Jahre nach unserem Debüt fanden auch wir endlich wieder die Zeit, uns unter das bunt gemischte Personal zu mischen. Ok, die Farbe Schwarz dominierte, aber neben den Elektronikern aus dem Gothic/ Industriallager waren auch einige Goa-Anhänger und sonstige „Normalos“ an Bord. Gegen 23 30 war zwar der Parkplatz (dem im weiteren Verlauf des Abends noch eine wichtige Rolle zuteil werden würde) schon stark frequentiert, im Forum selbst ging es aber noch übersichtlich zu. Das sollte sich ändern, manch ein Bassbeben-Profi war wohl auch über die Zeiten informiert und dass der erste Live Act erst nach Mitternacht auftreten sollte. Das ist das Konzept der Reihe: Bekannte Szene DJs wechseln sich mit 2 „Konzerten“ ab, also keine direkt von einander abgetrennten Blöcke. Macht bei der noisigen Beschallung auch durchaus Sinn, da die Klänge – ob nun live oder aus der Konserve – sich doch vergleichsweise stark ähneln. Wobei wir absolut nicht zu den Experten zählen in diesem Bereich und eher mehr oder weniger neugierig konsumieren, anwesende Musiker wie etwa von XOTOX oder THE RORSCHACH GARDEN könnten da sicherlich viel detaillierter berichten.

Jedenfalls ging es leicht verspätet mit dem Düsseldorfer Ein-Mann-Projekt 100BLUMEN in die vollen. Doch entgegen dem putzigen Projektnamen sollte es nun keineswegs hippiesk zugehen hinter den Reglern. Der Herr, den man bereits vorab in einem T-Shirt seines eigenen Labels „Le Petit Machiniste“ bewundern konnte, hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. So stammt er eigentlich aus der Punk, Metal und Grindcore Bewegung und hat den (linken) politischen Gestus bis heute beibehalten. Das Ziel, alle Blumenhasser zu vernichten, mag etwas übertrieben sein, aber ein launiger Anarchist ist der Mann allemal. Möglicherweise beruht seine für das Genre doch recht hohe Kommunikationsbereitschaft auch auf der eben angesprochenen musikalischen Sozialisation. Sein neuestes Studio-Werk trägt den schönen Titel „In Floriculture there is no law“, doch es wurde auch ein ganz neuer Track präsentiert, der das Wort „Vaterland“ im Namen führte und wo der Meister sogar einige Brocken ins Mikro shoutete. Launige und tanzaffine Perfomance das Ganze.

In der Pause wollten wir uns an frischer Luft ein wenig an Zigaretten und Ausblick erfreuen, wurden dabei aber Zeuge einer ganz anderen Performance. In der Hauptrolle: Ein sehr wahrscheinlich russischer Fahrer einer estnischen Spedition mit Namen Vlad (laut Namensschild), der 2 Fahrzeuge vor dem Forum beim Rangieren beschädigte. Was der Herr überhaupt dort zu suchen hatte, blieb etwas unklar. Wahrscheinlich hatte er sich einfach einen ruhigen Schlafplatz gesucht, ohne zu ahnen, was sich des Nachtens hier musikalisch noch abspielen würde. Jedenfalls ward die Polizei gerufen, die schlussendlich gleich mit 4 Besatzungen vor Ort agierte. Unter größter Neugier der Basserbebten, die teilweise Fotos schossen wie auf einer Sightseeing Tour. Es wurde aber auch wirklich etwas geboten, denn der bullige, nackte und sehr wahrscheinlich alkoholisierte Herr hatte nun gar keine Lust, den deutschen Beamten Folge zu leisten. Das führte sogar so weit, dass ein Kriminaler seine Waffe auf ihn richtete. In diesem Moment waren dann auch plötzlich alle „Zuschauer“ hinter einer imaginären Sicherheitszone verschwunden. Harte Musik und Texte gerne, aber reale Gewalt war dann wohl etwas zu viel (setze einen lachenden Smiley). Schließlich wurde der mittlerweile angezogene Herr überwältigt, gefesselt und verpackt, womit man sich dem 2ten Projekt des Abends widmen konnte.

CONFIG.SYS sind ein Duo aus Düsseldorf und Mönchengladbach, letzteres macht sie per se sympathisch. Bereits 1996 noch in anderer Besetzung ins Leben gerufen agiert man seit 2002 in aktuellem Line Up (Krabbe/ Stefan) und die Discographie der Herren ist auch schon recht eindrucksvoll. Im Gegensatz zu anderen eher puristisch ausgelegten Formationen verwendet man auch schon mal „normale“ Elektro oder EBM-Elemente. Passend hierzu hat man bereits „Standardware“ wie ROTERSAND remixed. Der Bereich vor der Bühne war zunächst etwas spärlicher besetzt, doch nach und nach fanden sich die Tanzwilligen (die teils sehr unterschiedliche Bewegungsarten praktizierten) wieder ein. Geboten wurde auch eine bunte Lichtshow, die das Bandlogo in immer neue Farben hüllte. Als besonderes „Gimmick“ wurden elektronische Drumpads ins Spiel miteinbezogen. Viertel nach 2 übermannte uns dann doch langsam die Müdigkeit und wir sagten der abermals sehr gelungenen Veranstaltung „Adieu“. Nicht unerwähnt bleiben sollten neben der Freundlichkeit der Veranstalter auch die extrem niedrigen Getränkepreise und die große Ansammlung optisch sehr reizvoller Damen. Wir kommen wieder!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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