Konzert Filter

20 JAHRE LOKI-FOUND FESTIVAL

Ort: Leipzig – naTo

Datum: 17.12.2011

Wenn die Leipziger Klangschmiede der Loki Foundation zu ihrem 20. Geburtstag ein schickes Label-Festival veranstaltet, müssen sich die Genre-Aficionados nicht lange bitten lassen. So war es auch kein Wunder, dass die beschauliche naTo als passender Ort der Alternativkultur in der Leipziger Südvorstadt zu diesem Anlass bereits im Vorfeld ausverkauft war, was zugleich als Wertschätzung für den von den Lokis seit beachtlichen zwei Jahrzehnten verbreiteten Ambient und Tiefgang gelten darf. Auch der Terrorverlag ließ sich weder durch eine Erkältung noch die Entfernung zwischen Westfalen und Sachsen davon abhalten, diesem Event beizuwohnen.

Schon von außen war der Ort des Geschehens aufgrund der Leuchtreklame der naTo, auf der die heutige Veranstaltung in Großbuchstaben angeschlagen war, leicht zu erkennen. Nachdem sich dann zunächst der vorgelagerte Kneipenbereich allmählich füllte, wurde mit leichter Verspätung Einlass in die hinteren Räumlichkeiten gewährt, in denen für gewöhnlich neben Konzerten auch Filmkunst-, Literatur- sowie Theaterveranstaltungen stattfinden. Die ca. 180 Zuschauer verteilten sich dort teils auf einer improvisiert wirkenden Techniktribüne und überwiegend direkt vor der Bühne; durch die vorhandene Nähe sollte später eine Unmittelbarkeit zwischen Künstler und Publikum geschaffen werden, die den ohnehin fast schon familiären Charakter dieses Jubiläums noch unterstützte.

Zum Auftakt teilten sich FJERNLYS und CIRCULAR die Bühne, was angesichts der Personalunion (alle drei Protagonisten sind bei FJERNLYS aktiv) keine Schwierigkeiten bereitete und auch musikalisch keineswegs abwegig war, verschmilzt doch bei beiden Acts letztlich Ambient anteilig mit Electronica. Im Wechsel wurde immer je ein Song der Projekte von Knut Enderlein, Johannes Riedel und Vokalistin CKS vorgetragen, wobei dann jeweils auch die im Stile der letzten Album-Artworks gehaltene Hintergrund-Visualisierung angepasst wurde. Insbesondere der mit einer klassischen Musikausbildung ausgestattete Johannes Riedel sorgte mit Melodica, E-Geige oder punktuellen Bass-Modulationen häufiger für organische Farbtupfer, bei den CIRCULAR Stücken wie „Chromatic Fade“ wurden die orbitalen Schwingungen indes mit zusätzlichen Vocals der beiden Mitstreiter versehen. Highlights im FJERNLYS Set waren neben dem mir unbekannten, möglicherweise noch unveröffentlichten Opener die warmen und atmosphärischen Ambienttracks „Silence“ und „Constellation“ vom „Beyond the undulant quiescence“ Album.

Nach diesem stimmungsvollen Beginn und der livehaftigen Performance hatte es Andrew Lagowski aka S.E.T.I. als reiner „Laptop-Artist” anschließend ungleich schwerer. Der äußerlich eher unspektakuläre Auftritt ließ den einen oder anderen Zuschauer zunächst Richtung Theke verschwinden, so dass es im Bühnenbereich anfänglich etwas leerer war. Aber mit neuem Material vom aktuellen Werk „Baikal“ im Gepäck und auch sonst einer ausgewogenen Setlist wurde hier vom Briten nichtsdestotrotz ein schöner, von der Suche nach außerirdischer Intelligenz geprägter Klangkosmos kreiert.

Ganz anders dann HERBST9, die wohl nicht nur von uns mit Spannung erwartet wurden. Immerhin wurde just am Konzerttag deren neuestes Ritual-Ambient Epos „Ušumgal Kalamma“ released und auch auf der Bühne stand nun also die Premiere einiger Tracks hiervon bevor, die wohl niemanden enttäuscht haben sollten. Archaische und monumentale Kompositionen wie „Napissunu Mutumma“ bildeten ein mächtiges Soundgewand und verwandelten die naTo in eine mystische Klanglandschaft. Durch Fokussierung auf den interessant gestalteten Videoscreen konnte man direkt in die faszinierende Kultur der Sumerer eintauchen. Ein akustischer Leckerbissen und atmosphärisch ein Auftritt der Extraklasse, der leider schon nach 40 Minuten endete (wobei alle Bands des Abends fairerweise eine ungefähr gleichlange Spielzeit zur Verfügung hatten) und gerade in diesem Fall gern noch länger hätte sein dürfen.

Aber dafür stand nach nur kurzer Umbaupause mit BAD SECTOR respektive Massimo Magrini schon der nächste Künstler an. Dieser hatte sein Können erst vor kurzem noch bei der dritten Auflage des Phobos Festivals unter Beweis gestellt. Da die Songauswahl bei beiden Events annähernd identisch gewesen sein dürfte und auch die Darbietung demselben Modus folgte, kann im Prinzip auf unseren dortigen Bericht aus Wuppertal verwiesen werden. Eingebettet in zwei rhythmusbetontere Abschnitte ging es im Mittelteil wieder experimenteller zu Werke. Speziell hier kam dann auch das selbstkonstruierte und interaktiv funktionierende Equipment bestens zur Geltung. War der Italiener früher am Abend noch mit Pullover zu sehen gewesen, hatte er nunmehr zum Sakko übergewechselt, während sich hinter ihm auf der Leinwand immer wieder neue Zahlenkombinationen /-reihen zusammensetzten. Ein geradezu euphorischer Applaus setzte dem Ganzen abschließend die Krone auf.

Die Krönungszeremonie stand gleichwohl noch aus und war natürlich den Labelchefs themselves vorbehalten, die mit INADE vor eben 20 Jahren selbst die allererste Loki-Veröffentlichung an den Start brachten. Heutzutage gelten INADE als Aushängeschild der Deepspace-Soundarchitektur und Verfechter von „Audio Mythology“. Das finale Live-Programm begann gleich sehr dynamisch, danach erklang das nicht minder eindringliche „Uninhabited Red“ vom „Samadhi State“ Album. Ständig wurden organische Klangelemente und/ oder Stimmanteile in Echtzeit eingepflegt und die Zeit verging auch hier wie im Flug. Das Konzert gipfelte schließlich in einem Gastauftritt von Gerd Zaunig (PREDOMINANCE), der gemeinsam mit beiden Musikern sein eigenes Werk „Aurora Borealis“ intonierte. Gänsehaut pur!

Insgesamt ein toller Abend, für den die mitwirkende(n) Dame und Herren einschließlich Organisation viel Lob einheimsen können. Da freut man sich doch jetzt bereits auf eine Fortsetzung spätestens zum 25-jährigen..!

Copyright Fotos: Karsten Thurau

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BAD SECTOR auf terrorverlag.com

Mehr zu CIRCULAR auf terrorverlag.com

Mehr zu FJERNLYS auf terrorverlag.com

Mehr zu HERBST9 auf terrorverlag.com

Mehr zu INADE auf terrorverlag.com

Mehr zu S.E.T.I. auf terrorverlag.com