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29. DARK DANCE TREFFEN

Ort: Lahr - Universal D.O.G.

Datum: 28.03.2009

In den Südwesten Deutschlands nach Lahr im Schwarzwald verschlug es uns an diesem Wochenende, um Europas größtes Indoor-Festival, das Dark Dance Treffen zu besuchen. Nach etwas längerer Anreise kamen wir in dem bereits gut gefüllten und liebevoll dekorierten Club mit dem schönen Namen „Universal D.O.G.“ an. Ein Gläschen Begrüßungssekt stimmte auf einen tollen Abend ein.

Vor der Hauptbühne warteten schon viele fantasievoll gekleidete Besucher auf den ersten Act des Abends DIN[A]TOD. Die Berliner Sven Claussen und Claudia Fasold gründeten die Band mit dem kryptischen Namen im Jahre 2003. Vor kurzem ist bereits ihr zweites Album „Westwerk“ erschienen, welches wie schon sein Vorgänger für viel positive Resonanz sorgte. In coolem 80ies Style betraten Claudia und Sven die Bühne und begannen ihr Set mit dem neuen Stück „Some kind of hate“. Düstere und minimalistische Elektroklänge erfüllten den Club. Sven trug eine dunkle Sonnenbrille, welche seine unterkühlte Ausstrahlung noch betonte. Der ausdrucksstarke Gesang und die analogen Klänge gingen sofort ins Ohr, jedoch blieb das Publikum noch reserviert. Das folgende Stück „Patron of the young“ war weitaus gitarrenlastiger und die erblondete Claudia spielte den E-Bass und hatte im Gegensatz zum vorherigen Stück weniger Gesangsparts. Beide bewegten sich nur wenig, aber dafür ästhetisch und passend zum reduzierten, elektronischen Sound. Die volle Ladung Retro-Charme gab es mit dem wavigen „Creation Cruxification“ vom Debütalbum, welches in Zusammenarbeit mit dem englischen Produzenten John Fryer (FAD GADGET, NIN) entstand. Die Stimmung stieg merklich, da viele diesen Song wohl von diversen Samplern kannten. Die Electro-Clash Nummer „Glory in the highest“ konnte die gute Stimmung halten. Im nachfolgenden „Cold Star“ stand Claudias Gesang im Vordergrund. Der bekannte und eingängige Club-Hit „Margarita“ vom Debüt schaffte es, die Festival-Besucher in den ersten Reihen ordentlich zum Tanzen zu bringen. Die letzte Nummer von DIN[A]TOD an diesem Abend war „The Clockwork“, wo Einflüsse von THE SISTERS OF MERCY und JOY DIVISION deutlich hörbar waren. Nachdem ich das Duo schon live auf dem letzten M’ERA LUNA erleben durfte, hat mich der Auftritt an diesem Abend wirklich restlos überzeugt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Setlist DIN[A]TOD
Some kind of hate
Patron of the young
Creation crucifixion
Glory in the highest
Cold star
Margarita
The clockwork

Das Publikum wechselte in der Umbaupause und man entdeckte viele Fans in DE/VISION T-Shirts. Etliche davon waren aus Frankreich angereist, um das Electro-Duo zu sehen. Thomas Adam und Steffen Keth sind derzeit auf ausgiebiger Tour unterwegs, anlässlich ihres 20jährigen Bandjubiläums. Zur Freude der Fans wird dabei ein rein elektronisches Set präsentiert. So wie auch an diesem Abend in Lahr, wo der 50minütige Auftritt mit „Star- crossed Lovers“ begann. Steffen und Thomas hatten augenscheinlich gute Laune und machten wie immer einen durchweg sympathischen Eindruck. Trotz der anstrengenden Tour und den kurz aufeinander folgenden Terminen tanzte Steffen leichtfüßig und spielerisch während des gesamten Auftritts. Jubel und Applaus gab es nach jedem Song ausgiebig. Der Klassiker „Strange Affection“ vom 98er Album „Monosex“ folgte im Anschluss. Danach verzauberte das elektro-poppige „Today’s Life“ mit vielfältigen Klängen und tollem Gesang die Massen vor der Bühne. Thomas bewegte sich hinterm Keyboard zum Takt und sang zusätzlich viele Passagen auch in den nachfolgenden Songs. Darunter das erfrischend klingende „Addict“, sowie „What you deserve“ vom letzten Album „Noob“. Beide reihen sich perfekt in das Klangerlebnis DE/VISION ein und sind von den alten Klassikern, jedenfalls stimmungsmäßig, gar nicht mehr zu unterscheiden. Doch schien das Publikum noch etwas träge zu sein und so musste Steffen immer mal wieder zum Mitmachen auffordern. Es folgten Hits wie „I regret“ und „Your hands on my skin“, bei denen sich die Anwesenden als recht textsicher erwiesen und langsam auftauten. Fast zu spät, denn „Flavour of the week“ beendete das reguläre Set und nach einer kurzen Danksagung verließ das Duo die Bühne. Noch verhaltene Zugabe-Rufe erklangen, die erst lauter wurden, als sich niemand blicken ließ. Es dauerte einige Minuten bis Steffen und Thomas nochmals zurückkamen und „Try to forget“ anstimmten, zu dem alle kräftig abtanzten und mitsangen. Das wunderschöne „Still Unkown“ beendete dann endgültig den Auftritt und ein anerkennender Applaus begleitete Steffen und Thomas von der Bühne. Der 50minütige Auftritt stellte nur einen kleinen Querschnitt der Songs aus 20 Jahren dar und wer noch kann, sollte sich auf jeden Fall eines der aktuellen Clubkonzerte ansehen.

Setlist DE/VISION
Intro + Star-crossed lovers
Strange affection
Today’s life
Addict
What you deserve
I regret
Your hands on my skin
Flavour of the week

Try to forget
Still unknown

Der wesentliche Grund dafür, dass wir diese weite Reise in Kauf genommen hatten, war der Headliner des Abends: DIARY OF DREAMS. Mit ihrem frisch veröffentlichtem Album „(If)“ sollte hier in Lahr ein weiteres Release-Konzert (nach Görlitz am letzten Wochenende) folgen. Adrian Hates, Gaun:A, Torben Wendt und D.N.S. betraten die Bühne und die ersten kraftvollen Töne von „The Wedding“ erklangen. Durch die Videopräsenz auf myspace.com ist es wohl der Song vom neuen Album „(If)“, der am bekanntesten ist und die Stimmung im Universal D.O.G. war von Anfang an prächtig. Die ganze Band strahlte pure Spielfreude aus und schien bestens gelaunt. Auch an diesem Abend fanden bis auf Ausnahmen nur schnelle, kraftvolle und treibende Stücke in die Setlist. So folgte mit „UnWanted?“ ein Stück vom letzten Album „Nekrolog 43“. Der Klassiker und Garant für Hochstimmung schloss sich mit „The Curse“ an, wo die Arme zum Klatschen schon bei den ersten Takten hochgingen. Das Publikum tanzte und sang textsicher mit, während Adrian auf der Bühne agierte und nie lange stillstand. Tosender Applaus belohnte das Quartett. Eingebettet in die bekannten Hits wurden die neuen Songs, wie das nun folgende „Choir Hotel“, welches ruhig begann und sich gleichmäßig zum Refrain hin steigerte, um dann regelrecht zu explodieren. Um mich herum sangen viele bereits mit, was auch an den vielen extra angereisten Fans in den ersten Reihen gelegen haben könnte. Wunderbar mitreißend waren auch die Passagen, die von Adrian, Gaun:A und Torben gleichzeitig gesungen wurden. Fast alle älteren Songs wurden mehr oder weniger auffällig umarrangiert. So auch das kraftvolle und rockige „MenschFeind“, wo es mir immer wieder eine besondere Freude ist, Gaun:A beim E-Gitarrenspiel zu beobachten. Die wundervolle Lichtshow setzte abwechselnd jedes Bandmitglied in Szene und zauberte während des gesamten Auftritts grandiose Effekte. Das bekannte „AmoK“ in der schnellen Version wird auch niemals langweilig. Zu schön klingen Adrians Gesang und die druckvolle Live-Umsetzung. Zusätzlich gibt Torbens Stimme im Hintergrund dem Stück eine besondere und einmalige Note. Einer meiner Lieblingssongs von „(If)“ ist „Odyssey Asylum“, welcher glücklicherweise auch an diesem Abend gespielt wurde. Adrians Stimme und Torbens Pianospiel, dazu der wundervolle Refrain, schienen nicht nur mich zu beeindrucken. Ein herzlicher und lauter Applaus belohnte die Band im Anschluss. Den Live-Knaller „Regicide“ von der Bonus-CD G(if)t, dürften bisher nur Käufer der limited Version des Albums kennen.

Die Band gönnte sich keine Verschnaufpause und ging weiter in die Vollen mit „Hypo)crypticK(al“, bei dem Adrians aggressiver Gesang, Mimik und Gestik alle Aufmerksamkeit auf sich zogen. Doch es gab noch eine Steigerung mit „Soul Stripper“, wo das sehnsüchtig erwartete Drumsolo von D.N.S. wieder heiß umjubelt wurde und das Licht nur ihn anstrahlte. Nach so vielen kraftvollen und energetischen Songs bewunderte man, die auf der Bühne geleistete Arbeit noch mehr und es schien (glücklicherweise) noch kein Ende in Sicht, denn die ersten Takte vom deutschsprachigen „Wahn!Sinn“ erklangen. Ein weiterer neuer Song folgte mit „Poison Breed“. Beide wurden vom Publikum wunderbar angenommen und umjubelt. Nach dem Klassiker „Chemicals“ folgte mit „Kindrom“ noch mal ein Track, bei dem das Publikum gefragt war und Adrian ließ uns jeweils die Textzeile „…can’t bring me down“ alleine singen, was prima funktionierte. Nacheinander verschwanden alle Vier von der Bühne. Jedoch nicht sehr lange, denn lautstark wurde nach Zugabe verlangt. D.N.S. kam ganz allein wieder hervor und animierte zu noch viel lauterem Applaus, bevor die restlichen Bandmitglieder ihm folgten. Präsentiert wurde der nächste Klassiker: „Butterfly:Dance“ und Adrian schaute erwartungsvoll ins Publikum, bis ihm die Arme entgegen gestreckt wurden, um laut „Hello“ zu rufen. „The Plague“ beendete dann auch schon wieder die erste Zugabe. Um eine zweite kamen die Vier nicht herum und so erschienen sie ein letztes Mal für „Traumtänzer“ zurück auf der Bühne. Zuerst lauschten wir Adrians wundervollem Gesang und wenig später war das Publikum gefragt und sang den Refrain im Chor. Die Band bedankte sich freudestrahlend, verneigte sich vor uns und verließ dann die Bühne. Glückliche und strahlende Gesichter verrieten, welchen Eindruck der Auftritt und auch speziell die neuen Songs hinterlassen hatten.

Setlist DIARY OF DREAMS
The Wedding
UnWanted?
The Curse
Choir Hotel
MenschFeind
AmoK
Odyssey Asylum
Regicide
Hypo)crypticK(al
Soul Stripper
Wahn!Sinn?
Poison Breed
Chemicals
Kindrom

ButterFly:Dance!
The Plague

Traumtänzer

Das Festival ging in allen Räumen weiter. Wer noch Lust auf härtere, elektronische Klänge hatte, konnte nun auf der kleineren Bühne die Auftritte von PHOSGORE, TWINKLE und NOISUF-X verfolgen, die bis spät in die Nacht gingen. Außerdem gab es ausreichend Stände und Bars, sowie DJ-Musik zum ausgiebigen Weiterfeiern.

Copyright Fotos: Cath Niemann

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