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30 SECONDS TO MARS – CARPARK NORTH

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 22.06.2010

Nachdem die recht kleine Deutschland-Tour mit nur 4 Terminen im März bereits binnen kurzer Zeit ausverkauft war, wurden rund um die Auftritte von 30 SECONDS TO MARS bei Rock am Ring bzw. Rock im Park drei Zusatztermine gebucht, die fast noch schneller ausverkauft waren als die ersten Gigs. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man den Werdegang der Alternative-Rock-Band um die Brüder Jared und Shannon Leto in den letzten Jahren verfolgt hat. Denn vom Geheimtipp zu Beginn dieses Jahrtausends mauserte man sich zu Chart-Stürmern und Lieblingen einiger Radiosender (bei dem Jugendsender NRWs, EinsLive, laufen die Songs rauf und runter und zwei Tage nach ihrem Gig in Bielefeld spielten die Jungs noch ein exklusives Akkustikset in Köln). Im Vorfeld hatte ich schon viel Positives über die Livequalitäten und die Fannähe der Amerikaner gehört und war gespannt, mir nun endlich selbst ein Bild vom Gesamtkonzept 30 SECONDS TO MARS machen zu können. Denn sowohl Musik als auch die beeindruckenden Videos der Band hatten mich in der Vergangenheit überzeugt. Froh, dass die Hitzewelle noch nicht begonnen hatte, reihten wir uns an diesem Juniabend in die Reihe der Wartenden ein. Die Schlange war auch gegen 20 Uhr immer noch ordentlich, aber dank der guten Organisation des Ringlokschuppens ging es zügig voran. Allerdings schlug uns aus der Halle selbst schon eine ziemlich verbrauchte und erhitzte Luft entgegen.

Bevor es aber mit dem Headliner losgehen konnte, war es erst einmal Zeit für die obligatorische Vorband. Diesen Job übernahmen pünktlich ab 20:30 Uhr CARPARK NORTH, eine Synth Rock-/ Elektropop-Band aus Dänemark, die in ihrem Heimatland schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich ist und dort bereits mit dem ersten Album, das passenderweise nach der Band benannt ist, Platinstatus erreichten. Die Formation, bestehend aus Lau Højen (Gitarre, Gesang), Søren Balsner (Bass, Synthesizer) und Morten Thorhauge (Schlagzeug) ist in Deutschland nahezu unbekannt (ihr drittes Album „Grateful“ ist in Deutschland nicht mal erhältlich), dies wird sich aber sicherlich nach dieser Tour mit 30 SECONDS TO MARS ändern. Die Drei (plus zusätzlicher Live-Gitarrist) machten ihren Job sehr gut und konnten die Anwesenden schnell mitreissen. Die Dänen machen eine Musik, in der sie Rock und Elektronik mischen, manchmal hört man Ankläge an die 80er Jahre heraus, manchmal DEPECHE MODE-Anleihen, ab und an ein wenig GOLDFRAPP. Gut gemixt und sympathisch dargeboten, war es ein launiger 30 minütiger Einstieg in den Abend.

Schnell noch kurz frische Luft geschnappt im gemütlichen Biergarten des Ringlokschuppens und etwas die Kehle befeuchtet, und schon konnte man die ersten Klänge des Intros von „Escape“ vernehmen. Die Bühne war noch mit einem großen Vorhang verhüllt, aber einige Spotlights von hinten gaben schon den Blick frei auf die Silhouetten der Bandmitglieder. Vor allem beim Aufflackern von Jared Letos Umrissen brachen die zumeist weiblichen Fans in den ersten Reihen in hysterisches Kreischen aus. Dann endlich fiel der Vorhang und gab den Blick frei auf die Mitglieder von 30 SECONDS TO MARS: Leadsänger und Gitarrist Jared Leto, Schlagzeuger Shannon Leto und Gitarrist Tomo Milicevic. Für die Live-Unterstützung hatte man noch Tim Kelleher (Bass, Keyboards) dazugeholt. Es folgten „Night of the Hunter“ vom aktuellen Album „This is war“ und „Attack“ vom 2007er Silberling „A beautiful lie“. Nach zwei weiteren Songs vom neuen Werk freute ich mich, als die Amerikaner einen meiner persönlichen Lieblingssongs anstimmten: „A beautiful lie“. Aber hier offenbarte sich, was sich den ganzen Abend schon angekündigt hatte. Jared Leto, der charismatische Frontman, war gar nicht gut bei Stimme. Aus diesem Grund überliess er den euphorisierten Fans den Gesang. Das gehört normalerweise bei einem 30 SECONDS TO MARS-Konzert dazu, aber in diesem Fall war es doch zuviel des Guten, zog sich durch den ganzen Abend und noch viel schlimmer: wenn Jared den Refrain mal selbst sang, dann brach sein Stimme und die hohen, lauten Passagen konnte er nicht halten. Insgesamt schien Herr Leto an diesem Abend nicht seinen besten erwischt zu haben. Denn auch das Akkustik-Set, das im zweiten Drittel des Konzerts kam, war wesentlich kürzer als man es bisher von Leipzig oder Dortmund gehört hatte. Jared mischte sich unter die vorderen Reihen, aber durchschritt nicht die Menge wie sonst üblich. Das verwunderte um so mehr, da am Mischpult alles für sein Akkustik-Set vorbereitet war: eine kleine Bühne plus Mikro warteten auf ihn, allerdings blieben sie verwaist. So spielte Jared allein nur zwei Lieder („Was it a dream“ und „The Mission“), aber bei „From Yesterday“ holte er dann doch die übrigen Bandmitglieder auf die Bühne. Irgendwie war an diesem Abend „der Wurm“ drin. Die vorderen Reihen feierten ab und bejubelten jede Geste des Frauenschwarms, aber der Funke wollte einfach auf alle überspringen. Wobei ich nicht glaube, dass es an den allgemein als stur eingestuften Ostwestfalen lag. Nein, die hinteren Reihen waren ebenso textsicher, aber man merkte, wie die Leute, die auf gute musikalische Qualität Wert legten, doch immer mehr enttäuscht wurden. Und das spürte auch Jared. Mit seinen wenig inspirierten „Germany, jump, jump“-Rufen konnte er leider auch nicht das Ruder rumreißen und als er nicht mal wusste, wo er sich eigentlich befand, sondern die Crowd fragte, ob denn schon alle Karten für das Konzert in Oberhausen im Dezember hätten, trug das natürlich auch nicht zur Stimmungserhellung bei. Dabei waren seine Jungs im Hintergrund wirklich top drauf und spielten ein tolles Set. Unterstützt von der atmosphärischen Lightshow, die viele Spotlights von hinten setzte und immer wieder neue stimmungsvolle Momente schuf, hätte dies ein wirklich gelungener Abend werden können. Ein Hoffnungsschimmer keimte auf bei der nun folgenden derzeitigen Single (übrigens mit einem phänomenalen Live-Video) „Closer to the edge“. Von allen Seiten schallte der Refrain wieder und man hatte den Eindruck, Jared und sene Combo fand ins Spiel. Aber schon bei „The Kill“ war dieser Hoffnungschimmer wieder vorbei. Wieder konnte Jared Leto gesanglich nicht punkten. Es folgte noch „Hurricane“, das in einem kleinem Match gegen „Fantasy“ gewonnen hatte (das Publikum hatte abgestimmt), und schon war das reguläre Set beendet. Zu diesem Zeitpunkt verliessen schon viele Anwesende die Halle, die Zugabe gar nicht mehr abwartend.

Nach einer kurzen Wartezeit kamen 30 SECONDS TO MARS nach einmal zurück auf die Bretter und nun ging ein Wunschtraum vieler Mädchen, die sich direkt vor der Bühne einen Platz erkämpft hatten und bis jetzt in der Hitze mitgefeiert hatten, in Erfüllung. Jared holte gut zwei Dutzend von ihnen auf die Bühne und sie durften zusammen mit ihm „Kings and Queens“ performen. Allerdings stand vor eben diesem Performen noch ein ziemlich ausufendernder Versuch, die gesamte Menge zu aktivieren. Was ihm leider auch dieses letzte Mal nicht so wirklich gelingen sollte.

So bleibt für mich ein fader Beigeschmack, wenn ich an diesen Abend zurückdenke, der ein echtes Konzerthighlight hätte werden können. Songmaterial, Musiker, exzentrischer Frontmann, tolle Lightshow, guter Sound alles passte. Bis auf Jared Leto, der offensichtlich nicht seinen allerbesten Tag gehabt hat. Ich gebe ihm aber gern noch einmal eine Chance, zu der ich in Zukunft sicher auch Gelegenheit haben werde.

Setlist 30 SECONDS TO MARS
Escape
Night of the Hunter
Attack
Vox Populi
Search & Destroy
A beautiful Lie
This is War
100 Suns
L490
Was it a Dream (akustisch)
The Mission (akustisch)
From Yesterday
Closer to the Edge
The Kill
Hurricane

Kings & Queens

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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