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36 CRAZYFISTS – TWELVE TRIBES – FROM FIRST TO LAST

Ort: Herford - Club X

Datum: 13.04.2005

An diesem angenehmen Frühlingstag erwartete den Freund gepflegter Gitarrenmusik wieder einmal ein leckeres Package für einen wirklich mehr als guten Kurs. So fanden sich schon über eine Stunde vor der Einlasszeit einige Fans vor der Location, um das ein oder andere Autogramm abzustauben. Das erste Grüppchen (mit einem geschätzten Durchschnittsalter von 16) bestand aus englischstämmigen Kids, in deren Heimatland die Bands vor einigen Tagen richtig gut abräumen konnten (wobei ich bezweifle, dass die jungen Fans extra aus England angereist sind). 36-Sänger Brock kam den Autogrammwünschen auch gerne nach, doch ich frage mich, warum man sich auf sein GREEN DAY-Shirt ein Autogramm einer anderen Band geben lässt. Sogar Handy-Schalen wurden dem blonden Shouter zur Unterschrift vor die Nase gehalten.

Wie erwartet sollte es an diesem Abend bei weitem nicht so voll werden wie zuletzt bei KILLSWITCH ENGAGE, denn alle drei Combos sind doch nicht ganz so bekannt wie die Band um Adam D. So hatten gerade mal ca. 150 Leutchens den Weg ins X gefunden, als pünktlich um 20:30 FROM FIRST TO LAST den Abend eröffneten. Äußerlich ähnelte man doch etwas GOOD CHARLOTTE, wobei man musikalisch doch ne ganze Ecke härter zu Werke geht. Bezeichnet man sich selbst als „New Melodic-Post-Hardcore“-Band, spielte man eigentlich einfachen Emo-Punk. Fette Riffs, groovige Songs, Screams und viel cleaner Gesang. Auf dieser Tour muss man ohne Sänger Sonny auskommen, der an einer schweren Halsinfektion leidet. Dafür übernahmen die Gitarristen Matt und Travis die cleanen Vocals bzw. aggressiven Screams. Letzterer schien auch derbe auf Nebel abzufahren und ließ während der ganzen Show immer wieder ordentlich Qualm auf die Bühne pusten. FFTL spielten eine sehr tighte Show, hatten ordentlich Spaß und auch das vorhin schon erwähnte Grüppchen englischer Kids sorgte am Bühnenrand für mächtig Stimmung. Leider war der Sound so dermaßen mies, dass sich in Verbindung mit der doch recht hohen Lautstärke ein regelrechter Brei bildete und man doch schon etwas erleichtert war, als nach gut 30 Minuten der letzte Song zu Ende ging. Schade für die Band, die sich doch wirklich angestrengt hatte, den bis dato Anwesenden gut einzuheizen.

Als nach einer kurzen Pause (alle Bands spielten über dieselbe Backline) dann TWELVE TRIBES die Bühne enterten, waren dann auch noch mal gut 100 Menschen dazu gekommen und diese fast 300 Rockfans begrüßten die Combo um Adam „Dreadlock“ Jackson schon fast euphorisch. Kein Wunder, konnte man sich doch vor gut drei Monaten an gleicher Stelle schon einige Sporen verdienen. So gingen die Fans gleich vom ersten Song an gut mit und es bildete sich zeitweise sogar ein kleiner Pit. Ähnlich wie beim letzten Gig hier im X gab die Band selbst auch wieder alles. Vor allem der imposante Fronter war dauernd auf der Bühne unterwegs, suchte den Kontakt zu den Fans und gab sich auch stimmlich absolut keine Blöße. Der Rest der Band rockte ebenso richtig mit, wobei vor allem Gitarrist Kevin mit seinen Posen und den deftigen Screams der zweite Blickfang der Band war. Ähnlich wie letztes Mal waren auch diesmal wieder die Tracks „Venus Complex“ und „Backburner“ die Hits und wiederum waren Songs des ersten Albums und ihre Coverversion von FAITH NO MOREs „Surprise! You’re dead!“ nicht in der Setlist vertreten. So knallte man fast alle „progressive Hardcore“-Nummern des aktuellen Albums „Rebirth of Tragedy“ in die gut mitgehende Menge und rockte dabei, was das Zeug hielt. Leider litten auch TWELVE TRIBES unter einem schlechten Sound, wobei es doch etwas besser war als bei der ersten Band. Nach gut 45 Minuten war auch hier das Ende erreicht und man wurde umjubelt von der Bühne entlassen. Im Herbst wird man wohl wieder auf Tour kommen (dann wahrscheinlich mit EVERY TIME I DIE) und auch dann sollte man sich diese Jungs wieder nicht entgehen lassen.

Drei Jahre lang hatte man sich nicht mehr in Deutschland blicken lassen. Damals waren 36 CRAZYFISTS mit KILLSWITCH ENGAGE mit der Roadrage-Tour unterwegs und dürften seit ihrem Hit „At the End of August“ wohl schon so manchem ein Begriff sein. Mit diesem Kracher legten die Jungs aus Alaska auch gleich richtig los. Mutig, mutig den augenscheinlichen Band-Hit gleich als Opener zu verblasen. Doch ich war wirklich überrascht, denn ein Großteil der Meute war doch ziemlich textsicher und konnte auch einen Großteil der Refrains der anderen Tracks lautstark mitsingen. Während Sänger Brock, der sichtlich erfreut über die Reaktionen war, alles aus sich rausholte und die ärgsten Screams, aber auch sehr gute cleane Vocals, von sich gab, schienen Gitarrist Steve und Basser Mick mehr auf dem Metal-Trip zu sein. So schüttelten sie unablässig ihre doch schon ordentlichen Mähnen und posten was ging. Im Ganzen kamen die Tracks eine ganze Ecke härter als auf Platte um die Ecke und bewiesen mehr als deutlich, dass man absolut zu Unrecht des Öfteren als „Pop-Core“-Band belächelt wird. Das Set bestand fast komplett aus Songs des Durchbruch-Albums „A Snow Capped Romance“, wobei mit „eightminutesupsidedown“ und „Slit Wrist Theory“ (als Zugabe) auch das Debüt „Bitterness the Star“ zum Zuge kam. Mit „Fell through a Phoneline“ wurde sogar ein neuer Song des im Frühjahr 2006 erscheinenden neuen Albums dargeboten und zeigte, dass man seinen Weg unbeirrt weiter gehen wird. Harte Riffs, viel Melodien und den gut getimten Wechsel zwischen Screams und cleanen Refrains. Obwohl der Sound im Vergleich zu vorher wieder etwas besser wurde, war es trotzdem noch immer sehr laut und auch scheppernd, was aber weder der Band noch den wirklich gut abgehenden Fans die Laune vermieste. Aber anscheinend hatten Fans und auch Brock da etwas verwechselt. Denn was der Sänger als „Circle Pit“ ankündigte, resultierte statt dessen in einer krachenden „Wall of Death“, wobei mir der sympathische Sänger im Vorfeld noch versicherte, dass man solche doch oft sehr brutalen Aktionen nicht starten würde.

So konnten mich 36 CRAZYFISTS doch positiv überraschen und haben richtig Spaß gemacht. Trotzdem war ich nicht wirklich böse, als sich meine Gehörgänge schon kurz nach 23:00 etwas erholen konnten (und ich bin so einiges gewohnt). Da kann man sich wirklich nur freuen, wenn TWELVE TRIBES und hoffentlich auch 36 CRAZYFISTS in nicht allzu ferner Zukunft wieder kommen würden, denn diese Kollegen geben auch bei etwas schlechter besuchten Shows wirklich alles und machen live richtig Alarm!

Setlist 36 CRAZYFISTS (einige Songtitel sind bandeigene Abwandlungen der Originale)
At the End of August
Fart & Grone
Tin & Catmosphere
Eightminutedownsideup
Fell through a Phoneline
Kenai
Song for the Fisherman
Destroy the Mark
Installing the Catheter
Floodwork
Cure Eclipse
With Nothing Underneath
Naultro

Egg Whisk Theory

Copyright Fotos: Michael Werneke

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