Konzert Filter

7TH DARK WAVE FESTIVAL

Ort: Bielefeld - Movie

Datum: 05.12.2014

Das war schon das 7. Festival dieser Art im Bielefelder Movie? Da frage ich mich, wie konnte ich derer nur zwei besuchen? Die ersten sind irgendwie an mir vorbeigegangen, ohne dass ich davon Notiz genommen hatte. War es mangelnde Werbung seitens des Veranstalters oder habe ich diese nur nicht wahrgenommen? An den dort bisher auftretenden Künstlern kann es nicht gelegen haben, denn genau diese Mischung ist meins: Dark Wave, Gothic, EBM und Synthie Pop. Aufmerksam auf diese Veranstaltungsreihe wurde ich erst, als ich gelesen habe, dass THE INVINCIBLE SPIRIT mal wieder ein Konzert geben und das praktischer Weise fast vor meiner Haustür. Seitdem schenke ich diesem Festival mehr Aufmerksamkeit, denn neben einigermaßen bekannten Künstlern kann man gerade hier die eine oder andere neue musikalische Entdeckung machen. In der Vergangenheit spielten im Movie z.B. SADOSATO, SHE PAST AWAY (habe ich leider beide verpasst) und LOW FACTOR, von der ich dann im Anschluss des Gigs gleich den Longplayer erwarb. So jetzt aber zum hier und heute.

Fast pünktlich begannen THE DARK UNSPOKEN mit dem neuen Song “ Upside Down“ ihr Set und es gab einige Verwunderungen seitens des Publikums. Mit Micha und Darkun stand nur die Hälfte der Combo auf der Bühne und erst beim englischsprachigen TRIO-Cover „Nasty“ verstärkte dann Dirk mit seiner auffälligen weißen BC Rich Draco Gitarre die beiden. Wie Frontmann Darkun mir später berichtete, musste Keyboarder Thorsten wegen Krankheit bei diesem Gig passen. Bei ihrem kurzen Auftritt arbeitete sich das Trio durch ihre mittlerweile 4 veröffentlichten Alben, wobei nicht ein Song von der „Diode In Your Head?“ CD den Weg in die Setlist schaffte. Es wurden aber die Clubtauglichen „Rotten Memories“ und „Breaktrough“ performed. Letzterer Song wurde lautstark gefordert und auch angekündigt von DJ Grey (RLS), der sich im Publikum befand. Ich persönlich vermisste „Visions Deceased“, aber bei der Kürze der Spielzeit ist es verständlich, dass nicht jeder Song gespielt werden kann. Zumal mit „Flat“ und „Upside Down“ zwei brandneue Tracks vom nächsten Album, das 2015 erscheint, dem Publikum zu Gehör gebracht wurden.

Setlist THE DARK UNSPOKEN (ohne Gewähr)
Upside Down
Nasty (TRIO-Cover)
Rotten Memories
She`s Dead
Flat
Seed Of Truth
Breaktrough

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es recht voll auf der kleinen Bühne des ehemaligen Kinos. Mit den GOLDEN APES gab es auch einen musikalischen Wechsel Richtung Gothic Rock. Die 1998 in Berlin gegründete Combo hat sich im Laufe der Jahre und mit 7 veröffentlichten Alben im Rücken einen ganz eigenen musikalischen Stil geschaffen, obwohl die Nähe zu den SISTERS OF MERCY/ THE MISSION und JOY DIVISION nicht von der Hand zu weisen ist. Ruhig und gefühlvoll performt Peer Lebrecht die Songs mit seiner dunklen Stimme, völlig in sich gekehrt. Zusammen mit seinem Bruder Christian (baß), Gunter Buechau (key) Dirk Wildenhues (git) und Aris Zarakas (git) geben sie einen fast einstündigen Streifzug durch ihr bisheriges Schaffen. Mit den Songs “Vengeance“, „Devil“ oder „Rosary“ lag das Hauptaugenmerk auf den letzten 2 Veröffentlichungen, aber mit „Travelling Strangers“ wurde dem Publikum auch ein älterer Track serviert.

Setlist GOLDEN APES (ohne Gewähr)
Vengeance
Torment
The Archers
Devil
Ferryman
White Days
Prudence
Rosary
Travelling Strangers
Happy
Losers Riot

Wenn mich jemand fragt, wie würdest du JÄGER 90 beschreiben, ist die Antwort ganz einfach: So wie DAF – nur lustiger. Und genau das erwartet einem auch auf ihren Konzerten: stampfende EBM-Rhythmen und einige Sequenzerläufe gepaart mit dem Gesang von Thoralf Dietrich und dem Percussionseinsatz von Vigo Stahlmann. Nicht zu vergessen, die Bewegungen und Tanzeinlagen, die Herr Dietrich auf der Stage zum Besten gibt, hat er sich gut von Gabi Delgado abgeschaut. Zum Opener „Mehr Von Dir“ betraten die beiden die Bühne mit den schon obligatorischen Fliegerhelmen, passend zu ihrem Bandnamen. Und vom ersten Song an bewegten sich die ca. 80 anwesenden Fans. Da ist dem Duo was ganz Sensationelles gelungen, denn der gemeine Ostwestfale taut ganz langsam auf, aber jetzt und hier ist er schon richtig gut bei der Sache, nur der Abstand zur Bühne scheint unüberbrückbar. Das sieht auch Thoralf so und springt von der Stage, um mit den Leuten Arm in Arm zu tanzen. Mit dem DAF-Cover „Ich Und Die Wirklichkeit“ verbeugen sich die beiden Rostocker vor ihren Vorbildern und angesichts des Zeitlimits, das JÄGER 90 gesetzt wurde – um 23 Uhr sollte der Discobetrieb beginnen – kamen die beiden mit ihrer Setlist etwas durcheinander. Also fragte der Frontmann das Publikum, welchen Song sie spielen sollten. „Der Westen Ist Satt“ wünschte sich jemand und blitzschnell, mit einem breiten Grinsen, antwortete Thoralf: „Darf man das hier überhaupt spielen?“. Leider blieb es nur bei dem Wunsch, aber die Jungs führten mit „Wir Bitten Zum Tanz“ und „Ich Schwitze“ weiter durch das Programm und machten mit dem Slogen „Wir sind EBMler“ aus „Wir Brauchen Kein Feuer (Flagge Zeigen)“ klar, welche Soundstrukturen durch die Halle schallten. Mit „Gib Mir Deine Hand“ gab es obendrauf noch einen neuen Song, der auf der im nächsten Jahr erscheinenden Veröffentlichung sein wird. So lustig, wie es bei einem JÄGER 90 Konzert auch zugeht, so holt einem der Track „Sonntag Ist Krieg“ schnell ein, denn genau das ist die gegenwärtige Situation in vielen Teilen dieser Erde. Mit der Zugabe „Stiefelblitz“ beendete das Duo verschwitzt ihre viel zu kurze Show.

Setlist JÄGER 90 (ohne Gewähr)
Mehr Von Dir
Lass Mich Doch
Wie du
Ich Und Die Wirklichkeit (DAF Cover)
Der Verzicht
Dessau
Wir Bitten Zum Tanz
Ich Schwitze
Wir Brauchen Kein Feuer (Flagge Zeigen)
Sonne und der Regenfall
Glücklich & Schön
Gib Mir Deine Hand
Sonntag Ist Krieg
Stiefelblitz

Und wieder endet ein gelungenes kleines Festival in einer richtig guten Location, das weitaus mehr Zuschauer verdient hätte. An den Bands kann es nicht gelegen haben, denn alle 3 gaben ihr Bestes und hätten unterschiedlicher nicht sein können. Ist der Westen wirklich satt, wie ein JÄGER 90-Song behauptet oder gibt es doch andere Gründe? Mich persönlich überraschten die GOLDEN APES, die ich bis dahin überhaupt nicht kannte. Ich wünsche den Berlinern, dass sie doch recht bald auf größeren Festivals auftreten können, um dort für die schon oft geforderte Abwechslung zu sorgen. Das Zeug dazu haben sie!

Um mal mit den Worten des NICO-Biografen JAMES YOUNG zu sprechen, gilt für alle 3 Formationen an diesem Abend: „Songs they never play on the radio“. Ist leider so, bis auf wenige Enthusiasten, die mit ihren Webradiosendungen einen doch noch richtig gute Musik präsentieren.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

1 Kommentar

  1. KLASSE!!!
    Bessere Worte hätte ich NICHT finden können!

    Auch für MICH war dieser Abend etwas Besonderes!
    <3

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu GOLDEN APES auf terrorverlag.com

Mehr zu JÄGER 90 auf terrorverlag.com

Mehr zu THE DARK UNSPOKEN auf terrorverlag.com